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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbringen bis überbücken (Bd. 23, Sp. 148 bis 151)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbringen, v. , transferre. mhd. überbringen; nl. overbrengen; engl. overbring; dän.-norweg. overbringe; schwed. öfverbringa. in trennbarer und untrennbarer verbindung

[Bd. 23, Sp. 149]


gebraucht, wobei die wbb., dem heutigen gebrauch ziemlich entsprechend, die erste auf die bedeutung 1) (s. u.) beschränken.
1) ich bringe über, defero, transporto, übergebracht, delatus, transportatus Steinbach 1, 175. in der neueren sprache meist determiniert: herüber-, bzw. hinüberbringen. viel hundert kähne und nachen wurden von den meergöttern an beide ufer geführt, die gäste überzubringen A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 565; der auch darauf ohne verzug, sein volck in den Wallinischen werder mit böten überzubringen, embsig war Chemnitz schwed. krieg 58, 1; was würde man sagen, wenn man, um einen menschen gesund überzubringen, jedesmal hundert einschiffen müszte Möser 2, 16; fachausdruck bei deicharbeiten für das verlegen des deiches Benzler 2, 237;

die arbeit hat die berg durchgraben, ...
hat schiff gebaut, das mer zuzwingen
das es die leut musz überbringen
Fischart glückh. schiff v. 52 neudr.

part. prät. übergebracht: eine fehre, darauff fünffzig in sechszig pferde übergebracht werden können Chemnitz schwed. krieg 2, 257; als Kadu ... ans land übergebracht wurde Chamisso 2, 171; im 17. jahrh. und in der ersten hälfte des 18. jahrh. auch noch überbracht: der wundereiffrige prophet lebt annoch in dem irdischen paradeis, wohin er durch einen feurigen wagen ist überbracht worden Abr. a. S. Clara mercks Wien (1680) 37.
2) tradere. einen brief, ein geschenk, eine nachricht u. s. w. überbringen, allgemein: im übrigen wird derjenige, der dieses überbringet, unsere abenteur weitläuftiger erzehlen können A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 34; nachmittags professor Fernow, der seinen Dante überbrachte Göthe III 3, 284, 6 Weim.; mein diener, der mir einen brief von Diotima überbrachte Hölderlin 2, 189, 25; ich soll ihnen den dank des hauses überbringen Kürnberger nov. 2, 125; dasz musz ich ihm brühwarm, siedheisz überbringen Bäuerle kom. theater 1, 51. verengt berichten: ein nach der meierei gesandter bote überbrachte, dasz sie dort nicht gewesen sei Immermann 7, 221. ausplaudern, ausschwätzen Stürenburg 162b.
part. präs.: ew. wohlgeboren ersuche hiedurch, überbringendem boten die ... exemplare ... zu übergeben Göthe IV 36, 69 Weim.; die überbringenden werden erzählen können, dasz uns bisher manches gute mit eingestreuten übeln widerfahren IV 23, 72, 4 Weim.; part. prät. überbracht Steinbach 1, 175; das Mariabild (wurde) dem bapst zu Rom überbracht Dannhawer catechismusmilch 1, 199; darauf wird Catons kopf dem Cäsar überbracht Gottsched schaubühne 1, 202; im 17. jahrh. auch übergebracht: die taube (hat) einen ölzweig zu bezeugung des friedens ... übergebracht Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 1, D 1a; dasz sie vielmehr dem königlichen Schwedischen abgeordneten, Johan Lehansen, so das schreiben übergebracht, mündlich, mit schwerer bedrohung angedeutet Chemnitz schwed. krieg 1 (1648), 10, 1; diesem war der übergebrachte grusz sehr angenehm Bucholtz Herkuliskus 180.
erweitert: überliefern, vermitteln: dasz man durch sie (die schreibkunst) ... alle werke des menschlichen geistes auf die späteste nachwelt überbringen kann biblioth. ält. schriftw. d. Schweiz II 3, 10; da ja der rhapsode den zuhörern den sinn des dichters überbringen soll Schleiermacher Platon 2, 268; das geschäft der sinne ist, eindrücke ... zu überbringen Jacobi (1812) 2, 271;

jedoch ich singe nicht, ihr ganzes lob zu singen:
diesz mag ihr lebenslauf der nachwelt überbringen
Rost verm. ged. (1769) 4.


3) übersetzen, im 17. jahrh. häufig: daher schicken sich schöne fragen, von den sprichwörtern, ... in unser muttersprache füglich zu überbringen Harsdörffer frauenzimmer-gesprechspiele 1 K 7a; als Markhold dises lihd verfärtiget hatte, so gahb er solches .., dem Huldreich, dehr es nahchmahls auch in französische reimen überbrachte Zesen adriat. Rosemund 103 neudr.; part. überbracht (z. b. Butschky hochd. kanz. 22) und übergebracht: (mir ward) vertraulichen gesagt, dasz X. Y. die gestern wider mich eingelegte schrifft nun ins teutsch übergebracht hätten Moscherosch ges. 2 (1666), 576.

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4) convincere, überwinden Schöpper syn. (1550) 94b;

in hoffart, fleysch, und augen gir,
vil menschen leben als di thier.
wann alle recht sin gantz veracht
wo si gewalt hat überbracht
Schwartzenberg teutsch Cicero (1534) 157a.


5) verbringen, hinbringen, vgl. auch Schiller-Lübben 3, 253;

bisz endlich dich und sie (die brautleute) nach überbrachter nacht,
der vater alles lichts zu lichtes kindern macht
Morhof unterricht 2, 122.


6) übereinbringen, zu übereinstimmung führen, vgl. Lexer 2, 1610; so kan ich doch sy (die chronik) mit den latinischen hystorien und cronicka nit mit der wahrheit überbringen Reichenauer chron. 4, 10.
7) nd. overbrengen, verschwenden, profligare Diefenbach 463b; Schiller-Lübben a. a. o.
 
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überbringer, m. ,
1) nl. overbrenger; dän.-norweg. overbringer; schwed. öfverbringare. perlator, legatus Stieler 244. dat. und acc. sg. zeigen im 17. und 18. jahrh. bei artikelloser verwendung schwache flexion: euer fürstl. gnaden, geruhen gnädig, überbringern dessen ... anzuhalten Harsdörffer frauenzimmer - gesprechspiele 7, 312; wenn ich ..., durch überbringern, mündlich verständiget werden möchte Butschky hochd. kanz. 52; ich habe demnach überbringern dieses, bitlich vermocht, meine stelle ... zu vertreten Neumark palmbaum 298; er wolle sein gründliches bedenken, durch überbringern dieses wohl verwahret zurück senden Thomasius ernsthafte gedanken (1720) 2, 110; da ich auf einer visiten-karte für überbringern einen wechsel trassirte Thümmel reise 10, 61; schicken sie mir doch durch überbringern die ... fünf Louisd'or Möser 3, 20; befehlen sie (Schiller) überbringern, wann er mit der kutsche kommen soll IV 16, 192 Weim.; selten verwendet Göthe die starke flexion: überbringer, herrn ..., nehmen sie freundlich auf IV 28, 1 Weim.
fast stets mit gen. attrib.: den überbringer dieser unglücklichen post Ziegler asiat. Banise 259; von den überbringern dieser traurigen überreste Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 2, 575; der überbringer meines schreibens Schubart briefe 1, 122 Strausz; der überbringer der gabe Brentano 4, 330; überbringer dieser zeilen Bismarck gedank. u. erinnergn. 1, 229 volksausg.; der überbringer der quittung bürgerl. gesetzbuch § 370; der überbringer meiner innigen theilnahme Hoffmann v. Fallersleben 7, 416; formelhaft: der überbringer dieses, z. b. Schnabel insel Felsenbg. 386, 22 Ullrich; Klopstock briefe 166 Lappenberg; J. Paul 7/10, 407; moviertes fem. die überbringerin perlatrix Kirsch 298a; allgemein.
2) verschwender (nd.), profligator Diefenbach 463b.
3) klätscher Stürenburg (1857) 162b.
4) im maschinenbau bestimmte wellen oder räder, welche zur kraftübertragung dienen.
 
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überbringung, f. ,
1) porto, trasporto Kramer (1678) 1067a; perlatio Steinbach 1, 175; mit objectsgenitiv: der poet dessen werk ist die kräfte der natur in der überbringung des möglichen in den stand der würklichkeit nachzuahmen Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren 165; bei gedachter oder ausgesprochener zielangabe ganz allgemein: hiermit befohle er seinen leuten, wie sie es, mit überbringung der prinzessin ... halten solten A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 497; überbringung eines gruszes, eines schreibens, einer gabe u. s. w.; überbringung von personen und waaren Nicolai reise d. Deutschland u. s. w. 2, 412; die überbringung von Cäsars kopf Mommsen röm. gesch. 3, 394; selten mit subjectsgenitiv: leier, insonderheit die hieroglyphe des schlangenstabes sind die offenbarsten überbringungen des Ägypters Herder 6, 404; compos. wie überbringungsart, f., überbringungskosten pl. seit dem 18. jahrh.
2) verbringung (s. o. überbringen 5): ihr werdet mir die gnad thun, mir zu überbringung desz winters mit einer danckbarkeit verhülfflich zu erscheinen Harsdörffer secretarius 2, 465.
 
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überbruch, m., excessus violentus in der rechtssprache des 15. jahrh., vgl. Haltaus 1813; iwerbrücht muthwille lux. ma. 194a.

[Bd. 23, Sp. 151]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbrücke, f., brücke, verengt verbindungsgang: das gouvernementsgebäude, dessen oberer stock durch eine hölzerne überbrücke mit dem fürstenwalle zusammenhing Immermann 18, 45.
 
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überbrücken, v. , nl. overbruggen. untrennbare und trennbare (s. u. 2) verbindung.
1) ripas ponticulo conjungere Stieler 248; viam super amnem construo Steinbach 1, 209; einen flusz, eine kluft überbrücken: der haufe aus dem Teckelnburger lande ... hat ... das wasser nemen und überbrücken wollen C. Spangenberg Mansf. chron. (1572) 442a; er ..., überbrückte mit Straszburger schiffen die Rheinarme Laube 15, 326; das II. Bayrische korps ... überbrückte den flusz bei Corbeil Moltke 3, 119; die eisspalten (des zugefrorenen sees) müssen mit brettern überbrückt werden Ritter erdkunde 3, 103; das part. häufig in attrib. function: ein vielfach überbrückter waldbach Auerbach 1, 7;

der herbe wind von norden
beherschet jetzt die ganze luft,
erfüllt das land mit eis und schnee,
und überbrücket flusz' und see
Grob dichter. versuchg. (1678) 129;

scharfer frost hat überbrückt
jenen strom
Rückert 4, 115;

ihr werdet endlich gar mit ewrer feinde rücken
selbst noch den schnellen strohm des Euphrats überbrücken
König ged. 102;

das meer überbrücken:

er hätte selbst die see mit schiffen überbrücket
A. U. v. Braunschweig Octavia 3, 685;

es kan ein schnelles schiff die wellen überbrukken
Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 5 vorr. 3.

häufig bildlich: auch diese verschmelzung blieb ein rausch, der verflog und den zwiespalt der naturen nicht überbrückte Polenz Grabenhäger 1, 317. reflexiv: die kluft zwischen ihm und uns scheint sich zu überbrücken Nietzsche 4, 142.
2) in trennbarer verbindung: jemanden oder etwas über einen flusz usw. hinüberbringen: könig Carl hat sich an die Elbe gemacht, einen auserlesenen zeug mit sich geführet, bald übergebrücket, und das kriegsvolck hinüber gesetzt C. Spangenberg mansfeldische chron. (1572) 83a; das sie überbrücken sollen über die Motlaw Schütz historia rerum Prussic. (1592) 7, O 1a; sayndt aber (die schiffbrücken) am fertigsten zu führen, überzubrücken, und wider abzuthun Kirchhof militaris discipl. 102.
 
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überbrückung, f., conjunctio pontis Stieler 248; Steinbach 1, 209; die Franzosen haben überbemelten Ticzin gebrugkt und wie wol dye Hispanier am wasser gelegen, so haben sie doch der überbruckung der Franzosen nit widder stehen mögen quelle (1523) bei Diefenbach-Wülcker 879; eine überbrückung des Rheins galt noch für unmöglich Treitschke deutsche gesch. 4, 595. pl.: überbrückungen Benzler 2, 238. bildlich allgemein, z. b.: überbrückung von gegensätzen u. ä.
 
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überbrühen, v., mit siedendem wasser übergieszen. untrennbare verb. brullare Kramer (1678) 1067a; die groszen wurtzen (vom bocksbart) werden ... überbrüht, und die schwartze haut davon abgezogen Hohberg georgica curiosa 1, 484. bildlich: da der anblick deiner uniform ihn augenblicklich mit misztrauen überbrühte Bartsch Haindlkinder (1908) 83.
 
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überbrüllen, v., musik oder geräusch brüllend übertönen. nl. overbrullen. untrennbare verb.: musik ertönte — siegesgeschrey überbrüllte sie Klinger werke 5, 314; wenn die Deimerstetter ein lied begannen, sangen die Renkinger ein anderes drein und überbrüllten sie Auerbach dorfgesch. 5, 177. ähnlich: überbrummen, v., vgl. Campe 5, 10.
 
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überbrüten, v., brütend bedecken. untrennbare verb.: der himmel überbrütet uns so still und schläfrig Lenau an Löwenthal 54 Frankl. reflexiv:

wenn's fieberhaft durchaus im staate wüthet
und übel sich in übeln überbrütet
Göthe 15, 10 Weim.


 
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überbücken, v.
1) jemanden oder sich nach vorne beugen, trennbare verbindung: indem er sich vorne überbückte Bode Tristram Schandy 8, 61. verengt: einen überbücken = jemanden züchtigen Bernd Posener spr. 325; auch absolut

[Bd. 23, Sp. 152]


überbücken = sich einer züchtigung, demüthigung unterziehen: alldieweil derselbe (Luther) bey ihnen (den Jesuiten) ... in ihren satyris und teufelsgetichten allermeiszt musz herhalten und überbücken Rinckhart christl. ritter 9 neudr.; die buren haben sich verschworen, sie wollen allen stadtleuten die hälse brechen, und wenn ich nicht flugs den ehrbaren mantel erdappet hätte, als ein gemeineltester, so hätte ich schon müszen überbucken Weise unvergnügte seele 103.
2) als untrennbare verbindung: zu viel bücken Campe 5, 10.

 

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