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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbrechen bis überbrücke (Bd. 23, Sp. 148 bis 151)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbrechen, v. , nl. overbreken.
1) übertreten, brechen, in der rechtsprosa des 14. bis 16. jahrh.; vgl. Lexer 2, 1610; Haltaus (1758) 1813; als dick er alsdann sein gebot überbricht als wettet er dem vogt weisth. 5, 404 (a. 1361).
2) in der bergwerksprache: einen stollen vollständig abbauen, to surpass the field of a mine Beil 613; überbrochen feld ist, das gantz bisz an die marckscheid aufgefahren und abgebauet Schönberg (1693) 100; mine thoroughly worked Hilpert 634c.
3) in der seemannssprache: das überkommen einer sich brechenden see Stenzel seem. 432a.
 
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überbreit, adj., über das masz breit, sehr breit. nl. overbreed. städterinnen, welche eine art überbreiter hüte trugen Keller 6, 96;

und wo die groszen flüsse sich ergieszen
durch überbreites reichbebautes land
Göthe 16, 323 Weim.


 
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überbreiten, v. ,
1) in untrennbarer verbindung: etwas bedecken, vgl. Lexer 2, 1610;

hoch in die wolken ...
siehst du den thurm und seine leuchte ragen,
mit hellem licht das eiland überbreiten
Oetker lebenserinner. 1, 210;

wo der bemoosten eiche schattendach
die netzumhangne wohnung überbreitet
Matthisson 1, 110.

part. überbreitet in pass. bedeutung:

in diesem stund der könig auf
trat in seinen thron hinauf,
der königlich war überbreitet lieder a. d. winterkönig 15 Wolkan;

rein gescheuert der fichtene tisch, das ehliche bette
überbreitet mit decken, geputzt die niedlichen kindlein
Kosegarten dicht. 1, 129;

ein buntes thal,
mit grünen matten reichlich überbreitet
Platen 1, 397.

reflexiv: sich verbreiten:

berufe nicht die wohlbekannte schaar,
die strömend sich im dunstkreis überbreitet
Göthe Faust 1127.


2) in trennbarer verbindung: ich breit über, supersterno Alberus (1540) ttiija; übergebreitet, instratus, superimpositus, supervagatus Kirsch (1723) 298b; das zum schutz übergebreitete gewand Welcker alte denkm. 1, 271; das schönste bahrtuch, was sie in der stadt den vornehmsten leuten überbreiten, leih' ich für dich aus Anzengruber 5, 67;

der seine wolcken überbreitet
den himmeln, die er hat bereitet
Opitz ps. 147, 3;

doch breit ich's (das tuch) über, fehlt mir noch die decke
Brentano 1, 129.


 
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überbrennen, v. , trennbare (s. u. 3) und untrennbare verb., part. überbrannt, seltener übergebrannt (z. b. übergebrannte ziegelsteine Göthe III 7, 40, 21 Weim.).
1) abbrühen, oberflächlich rösten: erstlich musz man die kütten durchbohren, und in siedendem wasser überbrennen Hohberg georgica curiosa 1, 220.
2) zu viel brennen, in der bergwerksprache das silber über den gewöhnlichen grad der feine brennen Jacobsson 4, 465a; überbranntes silber Bucher 415a (s. o. überbrand).
3) im brennen von einem orte zum andern übergreifen: wie ein gewitter schnell von wolke zu wolke überbrennt, ... so wettert eine begeisterung blitzschnell durch ganze völker Görres 1, 244.
 
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überbrett, n., pluteus, leist, pultbret Frischlin nomencl. (1591) 329.
 
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überbrettl, n., variététheater, von Wolzogen 1901 nach Nietzsche's übermensch zu brettl, bühne der bänkelsänger gebildet; vgl. Ladendorf schlagwörterbuch 316; Riemann musiklex.7 1455a; hierzu weiterbildungen überbrettlkunst, f., u. a.
 
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überbringen, v. , transferre. mhd. überbringen; nl. overbrengen; engl. overbring; dän.-norweg. overbringe; schwed. öfverbringa. in trennbarer und untrennbarer verbindung

[Bd. 23, Sp. 149]


gebraucht, wobei die wbb., dem heutigen gebrauch ziemlich entsprechend, die erste auf die bedeutung 1) (s. u.) beschränken.
1) ich bringe über, defero, transporto, übergebracht, delatus, transportatus Steinbach 1, 175. in der neueren sprache meist determiniert: herüber-, bzw. hinüberbringen. viel hundert kähne und nachen wurden von den meergöttern an beide ufer geführt, die gäste überzubringen A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 565; der auch darauf ohne verzug, sein volck in den Wallinischen werder mit böten überzubringen, embsig war Chemnitz schwed. krieg 58, 1; was würde man sagen, wenn man, um einen menschen gesund überzubringen, jedesmal hundert einschiffen müszte Möser 2, 16; fachausdruck bei deicharbeiten für das verlegen des deiches Benzler 2, 237;

die arbeit hat die berg durchgraben, ...
hat schiff gebaut, das mer zuzwingen
das es die leut musz überbringen
Fischart glückh. schiff v. 52 neudr.

part. prät. übergebracht: eine fehre, darauff fünffzig in sechszig pferde übergebracht werden können Chemnitz schwed. krieg 2, 257; als Kadu ... ans land übergebracht wurde Chamisso 2, 171; im 17. jahrh. und in der ersten hälfte des 18. jahrh. auch noch überbracht: der wundereiffrige prophet lebt annoch in dem irdischen paradeis, wohin er durch einen feurigen wagen ist überbracht worden Abr. a. S. Clara mercks Wien (1680) 37.
2) tradere. einen brief, ein geschenk, eine nachricht u. s. w. überbringen, allgemein: im übrigen wird derjenige, der dieses überbringet, unsere abenteur weitläuftiger erzehlen können A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 34; nachmittags professor Fernow, der seinen Dante überbrachte Göthe III 3, 284, 6 Weim.; mein diener, der mir einen brief von Diotima überbrachte Hölderlin 2, 189, 25; ich soll ihnen den dank des hauses überbringen Kürnberger nov. 2, 125; dasz musz ich ihm brühwarm, siedheisz überbringen Bäuerle kom. theater 1, 51. verengt berichten: ein nach der meierei gesandter bote überbrachte, dasz sie dort nicht gewesen sei Immermann 7, 221. ausplaudern, ausschwätzen Stürenburg 162b.
part. präs.: ew. wohlgeboren ersuche hiedurch, überbringendem boten die ... exemplare ... zu übergeben Göthe IV 36, 69 Weim.; die überbringenden werden erzählen können, dasz uns bisher manches gute mit eingestreuten übeln widerfahren IV 23, 72, 4 Weim.; part. prät. überbracht Steinbach 1, 175; das Mariabild (wurde) dem bapst zu Rom überbracht Dannhawer catechismusmilch 1, 199; darauf wird Catons kopf dem Cäsar überbracht Gottsched schaubühne 1, 202; im 17. jahrh. auch übergebracht: die taube (hat) einen ölzweig zu bezeugung des friedens ... übergebracht Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 1, D 1a; dasz sie vielmehr dem königlichen Schwedischen abgeordneten, Johan Lehansen, so das schreiben übergebracht, mündlich, mit schwerer bedrohung angedeutet Chemnitz schwed. krieg 1 (1648), 10, 1; diesem war der übergebrachte grusz sehr angenehm Bucholtz Herkuliskus 180.
erweitert: überliefern, vermitteln: dasz man durch sie (die schreibkunst) ... alle werke des menschlichen geistes auf die späteste nachwelt überbringen kann biblioth. ält. schriftw. d. Schweiz II 3, 10; da ja der rhapsode den zuhörern den sinn des dichters überbringen soll Schleiermacher Platon 2, 268; das geschäft der sinne ist, eindrücke ... zu überbringen Jacobi (1812) 2, 271;

jedoch ich singe nicht, ihr ganzes lob zu singen:
diesz mag ihr lebenslauf der nachwelt überbringen
Rost verm. ged. (1769) 4.


3) übersetzen, im 17. jahrh. häufig: daher schicken sich schöne fragen, von den sprichwörtern, ... in unser muttersprache füglich zu überbringen Harsdörffer frauenzimmer-gesprechspiele 1 K 7a; als Markhold dises lihd verfärtiget hatte, so gahb er solches .., dem Huldreich, dehr es nahchmahls auch in französische reimen überbrachte Zesen adriat. Rosemund 103 neudr.; part. überbracht (z. b. Butschky hochd. kanz. 22) und übergebracht: (mir ward) vertraulichen gesagt, dasz X. Y. die gestern wider mich eingelegte schrifft nun ins teutsch übergebracht hätten Moscherosch ges. 2 (1666), 576.

[Bd. 23, Sp. 150]



4) convincere, überwinden Schöpper syn. (1550) 94b;

in hoffart, fleysch, und augen gir,
vil menschen leben als di thier.
wann alle recht sin gantz veracht
wo si gewalt hat überbracht
Schwartzenberg teutsch Cicero (1534) 157a.


5) verbringen, hinbringen, vgl. auch Schiller-Lübben 3, 253;

bisz endlich dich und sie (die brautleute) nach überbrachter nacht,
der vater alles lichts zu lichtes kindern macht
Morhof unterricht 2, 122.


6) übereinbringen, zu übereinstimmung führen, vgl. Lexer 2, 1610; so kan ich doch sy (die chronik) mit den latinischen hystorien und cronicka nit mit der wahrheit überbringen Reichenauer chron. 4, 10.
7) nd. overbrengen, verschwenden, profligare Diefenbach 463b; Schiller-Lübben a. a. o.
 
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überbringer, m. ,
1) nl. overbrenger; dän.-norweg. overbringer; schwed. öfverbringare. perlator, legatus Stieler 244. dat. und acc. sg. zeigen im 17. und 18. jahrh. bei artikelloser verwendung schwache flexion: euer fürstl. gnaden, geruhen gnädig, überbringern dessen ... anzuhalten Harsdörffer frauenzimmer - gesprechspiele 7, 312; wenn ich ..., durch überbringern, mündlich verständiget werden möchte Butschky hochd. kanz. 52; ich habe demnach überbringern dieses, bitlich vermocht, meine stelle ... zu vertreten Neumark palmbaum 298; er wolle sein gründliches bedenken, durch überbringern dieses wohl verwahret zurück senden Thomasius ernsthafte gedanken (1720) 2, 110; da ich auf einer visiten-karte für überbringern einen wechsel trassirte Thümmel reise 10, 61; schicken sie mir doch durch überbringern die ... fünf Louisd'or Möser 3, 20; befehlen sie (Schiller) überbringern, wann er mit der kutsche kommen soll IV 16, 192 Weim.; selten verwendet Göthe die starke flexion: überbringer, herrn ..., nehmen sie freundlich auf IV 28, 1 Weim.
fast stets mit gen. attrib.: den überbringer dieser unglücklichen post Ziegler asiat. Banise 259; von den überbringern dieser traurigen überreste Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 2, 575; der überbringer meines schreibens Schubart briefe 1, 122 Strausz; der überbringer der gabe Brentano 4, 330; überbringer dieser zeilen Bismarck gedank. u. erinnergn. 1, 229 volksausg.; der überbringer der quittung bürgerl. gesetzbuch § 370; der überbringer meiner innigen theilnahme Hoffmann v. Fallersleben 7, 416; formelhaft: der überbringer dieses, z. b. Schnabel insel Felsenbg. 386, 22 Ullrich; Klopstock briefe 166 Lappenberg; J. Paul 7/10, 407; moviertes fem. die überbringerin perlatrix Kirsch 298a; allgemein.
2) verschwender (nd.), profligator Diefenbach 463b.
3) klätscher Stürenburg (1857) 162b.
4) im maschinenbau bestimmte wellen oder räder, welche zur kraftübertragung dienen.
 
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überbringung, f. ,
1) porto, trasporto Kramer (1678) 1067a; perlatio Steinbach 1, 175; mit objectsgenitiv: der poet dessen werk ist die kräfte der natur in der überbringung des möglichen in den stand der würklichkeit nachzuahmen Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren 165; bei gedachter oder ausgesprochener zielangabe ganz allgemein: hiermit befohle er seinen leuten, wie sie es, mit überbringung der prinzessin ... halten solten A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 497; überbringung eines gruszes, eines schreibens, einer gabe u. s. w.; überbringung von personen und waaren Nicolai reise d. Deutschland u. s. w. 2, 412; die überbringung von Cäsars kopf Mommsen röm. gesch. 3, 394; selten mit subjectsgenitiv: leier, insonderheit die hieroglyphe des schlangenstabes sind die offenbarsten überbringungen des Ägypters Herder 6, 404; compos. wie überbringungsart, f., überbringungskosten pl. seit dem 18. jahrh.
2) verbringung (s. o. überbringen 5): ihr werdet mir die gnad thun, mir zu überbringung desz winters mit einer danckbarkeit verhülfflich zu erscheinen Harsdörffer secretarius 2, 465.
 
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überbruch, m., excessus violentus in der rechtssprache des 15. jahrh., vgl. Haltaus 1813; iwerbrücht muthwille lux. ma. 194a.

[Bd. 23, Sp. 151]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbrücke, f., brücke, verengt verbindungsgang: das gouvernementsgebäude, dessen oberer stock durch eine hölzerne überbrücke mit dem fürstenwalle zusammenhing Immermann 18, 45.

 

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