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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbösern bis überbrettl (Bd. 23, Sp. 147 bis 148)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbösern, v., dass. wie überbösen: der junkher überbösert damit den wein und die arznei Zimm. chr. 2, 487, 36; denn so böse war doch ihr keiner, gott schicket im ein bösern übern halsz, der in endlich überbösert Mathesius Sarepta 86b; ihr lebendige mänschen seit so gar überbösert, dasz ihr auch die todte in den gräbern nicht könnet unverstichelt, unverachtet und unverfolget lassen Moscherosch ges. (1650) 1, 220.
 
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überbrand, m., das brennen des silbers über die gewöhnliche feinheit Göpfert 97; vgl. auch Junghans gräublein ertz (1680) F d; der überbrand, wie man es nicht allewege an der schnur haben kan, wird den gewercken bezalet oder zu erhaltung alter stollen und zechen angelegt Mathesius Sarepta 74b.
 
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überbrauch, m., miszbrauch: der überbrauch in zeiten der noth Gentz 3, 296.
 
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überbrauchen, v., zu viel brauchen, miszbrauchen: die vernunft, die überbraucht wird Paracelsus opera 1, 530c; diese erklärungsweise wird jedoch allzu oft überbraucht Gerhard akad. abhandl. 2, 512.
 
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überbrausen, v. , nl. overbruisen. in bedeutung 5) trennbare verb., sonst untrennbar.
1) über etwas hin brausen, es brausend bedecken: (kirchen) sollten hoch und sicher hinausragen, wenn alles land umher die fluten überbrausten Allmers marschenb. 1, 27; der landstreifen einwärts zur böhmischen grenze aber, vom böhmischen boreas überbraust, wurde lange zeit gänzlich gemieden Wimmer gesch. d. deutsch. bodens 169; die welt überbrausen und plündern, geniessen, herrschen, rauben wollen sie Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 3, 210.
2) brausend übertönen: ein lerm, den ... Neptun im grösten sturm nicht zu überbrausen vermocht hätte Meiszner Alcibiades 4, 264;

es überbraust der sturm die zarte stimme
Göthe Iphigenie 496;

dann tritt er
heraus ins volk an tagen, wo die menge
sich überbraust und eines mächtigen
der unentschlossene tumult bedarf
Hölderlin 2, 235, 17.


3) über etwas hinaus brausen: die ersten kühnen gedanken die zum erstenmal die engen lebensgrenzen überbrausten Bettine Günderode 2, 258; davon der überbraus, m.:

des vollen gottes ausstrom, überbraus,
der nie zurück zu seinem quelle kehrt
Lenau 379 Barthel.


4) durch eine wasserbrause besprengen: die ... jungen tabakspflänzchen müssen ... durch überbrausen mit einer feingelöcherten gieszkanne feucht erhalten werden Schwerz prakt. ackerbau 99.
5) absolut zunächst von flüssigkeiten, vgl. DWB überkochen, DWB übersieden, DWB überschäumen u. s. w., dann bildlich: die jetzigen leute ... dürften gar leicht überbrausen, woferne man ihnen den kopf ein wenig warm machen wolte Lindenborn Diogenes (1742) 1, 7; damit sich die überbrausende hitze bey ihm setzen möchte neuestes aus d. anmuth. gelehrs. (1751) 7, 19; in der überbrausenden sprache des heiligthums Herder 6, 358;

[Bd. 23, Sp. 148]


zu enge sind der seele
die ufer ihres leibes,
und jubelnd überbrausen
die fluthen des entzückens
Lenau 159 Barthel.


 
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überbrechen, v. , nl. overbreken.
1) übertreten, brechen, in der rechtsprosa des 14. bis 16. jahrh.; vgl. Lexer 2, 1610; Haltaus (1758) 1813; als dick er alsdann sein gebot überbricht als wettet er dem vogt weisth. 5, 404 (a. 1361).
2) in der bergwerksprache: einen stollen vollständig abbauen, to surpass the field of a mine Beil 613; überbrochen feld ist, das gantz bisz an die marckscheid aufgefahren und abgebauet Schönberg (1693) 100; mine thoroughly worked Hilpert 634c.
3) in der seemannssprache: das überkommen einer sich brechenden see Stenzel seem. 432a.
 
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überbreit, adj., über das masz breit, sehr breit. nl. overbreed. städterinnen, welche eine art überbreiter hüte trugen Keller 6, 96;

und wo die groszen flüsse sich ergieszen
durch überbreites reichbebautes land
Göthe 16, 323 Weim.


 
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überbreiten, v. ,
1) in untrennbarer verbindung: etwas bedecken, vgl. Lexer 2, 1610;

hoch in die wolken ...
siehst du den thurm und seine leuchte ragen,
mit hellem licht das eiland überbreiten
Oetker lebenserinner. 1, 210;

wo der bemoosten eiche schattendach
die netzumhangne wohnung überbreitet
Matthisson 1, 110.

part. überbreitet in pass. bedeutung:

in diesem stund der könig auf
trat in seinen thron hinauf,
der königlich war überbreitet lieder a. d. winterkönig 15 Wolkan;

rein gescheuert der fichtene tisch, das ehliche bette
überbreitet mit decken, geputzt die niedlichen kindlein
Kosegarten dicht. 1, 129;

ein buntes thal,
mit grünen matten reichlich überbreitet
Platen 1, 397.

reflexiv: sich verbreiten:

berufe nicht die wohlbekannte schaar,
die strömend sich im dunstkreis überbreitet
Göthe Faust 1127.


2) in trennbarer verbindung: ich breit über, supersterno Alberus (1540) ttiija; übergebreitet, instratus, superimpositus, supervagatus Kirsch (1723) 298b; das zum schutz übergebreitete gewand Welcker alte denkm. 1, 271; das schönste bahrtuch, was sie in der stadt den vornehmsten leuten überbreiten, leih' ich für dich aus Anzengruber 5, 67;

der seine wolcken überbreitet
den himmeln, die er hat bereitet
Opitz ps. 147, 3;

doch breit ich's (das tuch) über, fehlt mir noch die decke
Brentano 1, 129.


 
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überbrennen, v. , trennbare (s. u. 3) und untrennbare verb., part. überbrannt, seltener übergebrannt (z. b. übergebrannte ziegelsteine Göthe III 7, 40, 21 Weim.).
1) abbrühen, oberflächlich rösten: erstlich musz man die kütten durchbohren, und in siedendem wasser überbrennen Hohberg georgica curiosa 1, 220.
2) zu viel brennen, in der bergwerksprache das silber über den gewöhnlichen grad der feine brennen Jacobsson 4, 465a; überbranntes silber Bucher 415a (s. o. überbrand).
3) im brennen von einem orte zum andern übergreifen: wie ein gewitter schnell von wolke zu wolke überbrennt, ... so wettert eine begeisterung blitzschnell durch ganze völker Görres 1, 244.
 
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überbrett, n., pluteus, leist, pultbret Frischlin nomencl. (1591) 329.
 
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überbrettl, n., variététheater, von Wolzogen 1901 nach Nietzsche's übermensch zu brettl, bühne der bänkelsänger gebildet; vgl. Ladendorf schlagwörterbuch 316; Riemann musiklex.7 1455a; hierzu weiterbildungen überbrettlkunst, f., u. a.

 

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