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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überblühen bis überbrausen (Bd. 23, Sp. 146 bis 147)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überblühen, v. , mhd. überblüejen Lexer 2, 1609.
1) mit blüthen bedecken: wie ist's doch möglich, dasz das alte gemäuer so überblüht ist Bettine Günderode 1, 140;

(der Tyber) sucht die tempel der Penaten —
die stellen sind mit wildnisz überblüht!
Tiedge 2, 195;

aloen, mächtig an wuchs, überblühn,
jede den fels spiegelnde bucht
Platen 1, 208.


2) hinüberblühen, mit inchoativem nebensinn: da hier nicht ... ein Narcisz oder Adonis in eine narcisse oder hyacinthe überblüht, sondern aus der blumenglocke ein adonisköpfchen ... sich schaukelnd hervorhebt Böttiger kleine schr. 2, 373; ähnlich:

die kreuterlein und blumen schon
verbleiben auch bey einem dhon ...
und überblühen nimmermehr
Ringwalt christliche warnung E 1a.


3) im blühen übertreffen, schon mhd., vgl. Lexer a. a. o.; sie überblühte alle an gestalt, wie die königliche rose die anderen blumen Heinse 5, 94 Schüddekopf. refl.: der baum hat sich überblühet, periit arbor multitudine florum Steinbach 1, 139; sich überblühen, sich überleben Sanders handwb. 728.
 
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überblümen, v., mit blumen bedecken. nl. overbloemen; engl. overbloom. o ir gezierten mit keuscheit, ... überblümet mit blumen der tugent Luther 102, 337 Weim.; so überlaubt, so überblümt der allgütige die kirchhofsmauer des lebens J. Paul 7, 271;

langt mir (Venus) die atlaszschuh mit stickwerk überblümt
Mühlpforth ged. (1686) 19;

wer nun zur bunten frühlingszeit
schaut, wie die gärten überblümet
Triller poet. betr. 1, 15.


 
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überbochen, überbuchen, v., durch bochen (s. o. th. 2, sp. 199) überwinden: und hetten die künig ein ... krieg miteinander, wolt einer den andern überpuchen mit der menig Aventin 4, 476, 23; nun hab ich sorg, das dich dein gesell überboch und überschrei, damit du dich von guter meinung abwenden lassest Carbach Livius 119; so diese luna Mercurii nicht gemeistert wirt, so sind ... alle kranckheiten unheilbar, dieser mond werde dann überbocht Paracelsus opera 1, 664 A. hierzu die ableitung überbocheln, v., Keisersberg bilgersch. 80d.
 
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überboldern, überbollern, v., increpare, rauh anfahren: der knecht mit 1 pfund, den überboldert der herr und sprach Keisersberg brösamlin 1, 15c; die form überbollern bei Alberus wb. Yyiijb.
 
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überböse, adj., sehr böse: alt eselfleisch ..., das da gar ein überbösen saft hat, sich nit wol verdäuwen laszt Gesner thierbuch 43; zweifele ich nun an den überbösen, so wird er mir es auch zu gute halten, wenn ich nicht so festen glaubens an die überguten bin Klinger werke 7, 97; überfromm zu sein wie Edmund, ist im grunde meiner natur zuwider, und überböse wie jener narr und gaukler nicht minder Riehl gesch. aus alter zeit 2, 172;

(er) so hart gepeynigt worden war
mit einem überbösen weib
Hans Sachs 9, 435, 33 Keller.


 
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überbösen, v., im bösen übertreffen, dann überhaupt, überwinden, überlisten. nur in der älteren sprache üblich. mhd. überbœsen Lexer 2, 1609; schicket aber an solche böse zornige junckern nach einen bösern, den Türcken,

[Bd. 23, Sp. 147]


wil zusehen, weil sie ja böse sein wollen, welcher hie den andern überbösen werde. sey nu böse, wer böse sein kan; itzt gilts bösens und überbösens Luther 302, 161 Weim.; Carolus ein junger grüner fürst, wil dem unfal nit weichen, sonder überbösen Franck chron. Germ. 2512; ein junger man musz etwa viermal verderben, ehe er das glück überböszt und recht hauszen lernt Franck sprüchw. (1545) 1, 12b; man musz das unglück überbösen 1, 22b; vgl. auch Schottel haubtspr. 1123; (die Römer) haben das unglück mit herrengewalt überpöst Aventin 4, 473, 8; wer den andern überbösen, und in sack schieben kan, der ist meister Agricola sprichw. 51b;

bisz er (Odysseus) das falsch wib (Circe) überböszt
und syn gesellen all erlöst
Brant narrensch. 108, 81;

er hat mit seiner heiligen geburt
den teuffel überböset kirchenl. 3, 925 Wackernagel.


 
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überbösern, v., dass. wie überbösen: der junkher überbösert damit den wein und die arznei Zimm. chr. 2, 487, 36; denn so böse war doch ihr keiner, gott schicket im ein bösern übern halsz, der in endlich überbösert Mathesius Sarepta 86b; ihr lebendige mänschen seit so gar überbösert, dasz ihr auch die todte in den gräbern nicht könnet unverstichelt, unverachtet und unverfolget lassen Moscherosch ges. (1650) 1, 220.
 
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überbrand, m., das brennen des silbers über die gewöhnliche feinheit Göpfert 97; vgl. auch Junghans gräublein ertz (1680) F d; der überbrand, wie man es nicht allewege an der schnur haben kan, wird den gewercken bezalet oder zu erhaltung alter stollen und zechen angelegt Mathesius Sarepta 74b.
 
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überbrauch, m., miszbrauch: der überbrauch in zeiten der noth Gentz 3, 296.
 
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überbrauchen, v., zu viel brauchen, miszbrauchen: die vernunft, die überbraucht wird Paracelsus opera 1, 530c; diese erklärungsweise wird jedoch allzu oft überbraucht Gerhard akad. abhandl. 2, 512.
 
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überbrausen, v. , nl. overbruisen. in bedeutung 5) trennbare verb., sonst untrennbar.
1) über etwas hin brausen, es brausend bedecken: (kirchen) sollten hoch und sicher hinausragen, wenn alles land umher die fluten überbrausten Allmers marschenb. 1, 27; der landstreifen einwärts zur böhmischen grenze aber, vom böhmischen boreas überbraust, wurde lange zeit gänzlich gemieden Wimmer gesch. d. deutsch. bodens 169; die welt überbrausen und plündern, geniessen, herrschen, rauben wollen sie Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 3, 210.
2) brausend übertönen: ein lerm, den ... Neptun im grösten sturm nicht zu überbrausen vermocht hätte Meiszner Alcibiades 4, 264;

es überbraust der sturm die zarte stimme
Göthe Iphigenie 496;

dann tritt er
heraus ins volk an tagen, wo die menge
sich überbraust und eines mächtigen
der unentschlossene tumult bedarf
Hölderlin 2, 235, 17.


3) über etwas hinaus brausen: die ersten kühnen gedanken die zum erstenmal die engen lebensgrenzen überbrausten Bettine Günderode 2, 258; davon der überbraus, m.:

des vollen gottes ausstrom, überbraus,
der nie zurück zu seinem quelle kehrt
Lenau 379 Barthel.


4) durch eine wasserbrause besprengen: die ... jungen tabakspflänzchen müssen ... durch überbrausen mit einer feingelöcherten gieszkanne feucht erhalten werden Schwerz prakt. ackerbau 99.
5) absolut zunächst von flüssigkeiten, vgl. DWB überkochen, DWB übersieden, DWB überschäumen u. s. w., dann bildlich: die jetzigen leute ... dürften gar leicht überbrausen, woferne man ihnen den kopf ein wenig warm machen wolte Lindenborn Diogenes (1742) 1, 7; damit sich die überbrausende hitze bey ihm setzen möchte neuestes aus d. anmuth. gelehrs. (1751) 7, 19; in der überbrausenden sprache des heiligthums Herder 6, 358;

[Bd. 23, Sp. 148]


zu enge sind der seele
die ufer ihres leibes,
und jubelnd überbrausen
die fluthen des entzückens
Lenau 159 Barthel.

 

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