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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überblind bis überbrauch (Bd. 23, Sp. 145 bis 147)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überblind, adj., vollständig blind, nl. overblind. eine greifliche und überblinde thorheit Guarinonius grewel der verw. 1072;

blind, überblinds teutschland
an geist und an verstand!
H. Sachs 1, 350, 27 Keller.


 
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überblitzen, v. ,
1) über etwas hinblitzen Campe 5, 9. meist bildlich: 'was willst bei ihm', fragte das graue gesicht und überblitzte Uli mit seinen curiosen augen Gotthelf 3, 93; ein fliegendes roth überblitzte das sanfte bleichgesichtchen des gealterten jünglings Kürnberger novellen 2, 251; in der ferne blaute, von lichtern überblitzt,

[Bd. 23, Sp. 146]


das meer Bayer studien, in bib. d. schr. a. Böhmen 389;

bis dasz du (das schwert) aus des blutes dampf hervor
das leichenfeld als sieger überblitztest
Raupach dram. werke ernster gatt. 7, 137.


2) an glanz jemanden übertreffen:

sonne, scheine! sie, die meine,
überblitzet deinen strahl
Birken lorbeerhäyn 27;

die wild'sten augen wollt' ich überblitzen,
das kühnste herz auf erden übertrotzen Shakespeare 4, 34;

er blitzte feurig der komet, doch konnt' er
den mond nicht überblitzen
Werner Luther 3, 1.


 
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überblühen, v. , mhd. überblüejen Lexer 2, 1609.
1) mit blüthen bedecken: wie ist's doch möglich, dasz das alte gemäuer so überblüht ist Bettine Günderode 1, 140;

(der Tyber) sucht die tempel der Penaten —
die stellen sind mit wildnisz überblüht!
Tiedge 2, 195;

aloen, mächtig an wuchs, überblühn,
jede den fels spiegelnde bucht
Platen 1, 208.


2) hinüberblühen, mit inchoativem nebensinn: da hier nicht ... ein Narcisz oder Adonis in eine narcisse oder hyacinthe überblüht, sondern aus der blumenglocke ein adonisköpfchen ... sich schaukelnd hervorhebt Böttiger kleine schr. 2, 373; ähnlich:

die kreuterlein und blumen schon
verbleiben auch bey einem dhon ...
und überblühen nimmermehr
Ringwalt christliche warnung E 1a.


3) im blühen übertreffen, schon mhd., vgl. Lexer a. a. o.; sie überblühte alle an gestalt, wie die königliche rose die anderen blumen Heinse 5, 94 Schüddekopf. refl.: der baum hat sich überblühet, periit arbor multitudine florum Steinbach 1, 139; sich überblühen, sich überleben Sanders handwb. 728.
 
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überblümen, v., mit blumen bedecken. nl. overbloemen; engl. overbloom. o ir gezierten mit keuscheit, ... überblümet mit blumen der tugent Luther 102, 337 Weim.; so überlaubt, so überblümt der allgütige die kirchhofsmauer des lebens J. Paul 7, 271;

langt mir (Venus) die atlaszschuh mit stickwerk überblümt
Mühlpforth ged. (1686) 19;

wer nun zur bunten frühlingszeit
schaut, wie die gärten überblümet
Triller poet. betr. 1, 15.


 
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überbochen, überbuchen, v., durch bochen (s. o. th. 2, sp. 199) überwinden: und hetten die künig ein ... krieg miteinander, wolt einer den andern überpuchen mit der menig Aventin 4, 476, 23; nun hab ich sorg, das dich dein gesell überboch und überschrei, damit du dich von guter meinung abwenden lassest Carbach Livius 119; so diese luna Mercurii nicht gemeistert wirt, so sind ... alle kranckheiten unheilbar, dieser mond werde dann überbocht Paracelsus opera 1, 664 A. hierzu die ableitung überbocheln, v., Keisersberg bilgersch. 80d.
 
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überboldern, überbollern, v., increpare, rauh anfahren: der knecht mit 1 pfund, den überboldert der herr und sprach Keisersberg brösamlin 1, 15c; die form überbollern bei Alberus wb. Yyiijb.
 
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überböse, adj., sehr böse: alt eselfleisch ..., das da gar ein überbösen saft hat, sich nit wol verdäuwen laszt Gesner thierbuch 43; zweifele ich nun an den überbösen, so wird er mir es auch zu gute halten, wenn ich nicht so festen glaubens an die überguten bin Klinger werke 7, 97; überfromm zu sein wie Edmund, ist im grunde meiner natur zuwider, und überböse wie jener narr und gaukler nicht minder Riehl gesch. aus alter zeit 2, 172;

(er) so hart gepeynigt worden war
mit einem überbösen weib
Hans Sachs 9, 435, 33 Keller.


 
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überbösen, v., im bösen übertreffen, dann überhaupt, überwinden, überlisten. nur in der älteren sprache üblich. mhd. überbœsen Lexer 2, 1609; schicket aber an solche böse zornige junckern nach einen bösern, den Türcken,

[Bd. 23, Sp. 147]


wil zusehen, weil sie ja böse sein wollen, welcher hie den andern überbösen werde. sey nu böse, wer böse sein kan; itzt gilts bösens und überbösens Luther 302, 161 Weim.; Carolus ein junger grüner fürst, wil dem unfal nit weichen, sonder überbösen Franck chron. Germ. 2512; ein junger man musz etwa viermal verderben, ehe er das glück überböszt und recht hauszen lernt Franck sprüchw. (1545) 1, 12b; man musz das unglück überbösen 1, 22b; vgl. auch Schottel haubtspr. 1123; (die Römer) haben das unglück mit herrengewalt überpöst Aventin 4, 473, 8; wer den andern überbösen, und in sack schieben kan, der ist meister Agricola sprichw. 51b;

bisz er (Odysseus) das falsch wib (Circe) überböszt
und syn gesellen all erlöst
Brant narrensch. 108, 81;

er hat mit seiner heiligen geburt
den teuffel überböset kirchenl. 3, 925 Wackernagel.


 
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überbösern, v., dass. wie überbösen: der junkher überbösert damit den wein und die arznei Zimm. chr. 2, 487, 36; denn so böse war doch ihr keiner, gott schicket im ein bösern übern halsz, der in endlich überbösert Mathesius Sarepta 86b; ihr lebendige mänschen seit so gar überbösert, dasz ihr auch die todte in den gräbern nicht könnet unverstichelt, unverachtet und unverfolget lassen Moscherosch ges. (1650) 1, 220.
 
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überbrand, m., das brennen des silbers über die gewöhnliche feinheit Göpfert 97; vgl. auch Junghans gräublein ertz (1680) F d; der überbrand, wie man es nicht allewege an der schnur haben kan, wird den gewercken bezalet oder zu erhaltung alter stollen und zechen angelegt Mathesius Sarepta 74b.
 
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überbrauch, m., miszbrauch: der überbrauch in zeiten der noth Gentz 3, 296.

 

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