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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überblick bis überbösern (Bd. 23, Sp. 144 bis 147)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überblick, m. , aussicht, übersicht. entlehnt ins dän.-norweg. overblik, schwed. öfverblick. seit dem 18. jahrh. allgemein üblich.

[Bd. 23, Sp. 145]



1) aussicht, rundblick: Hermann setzte sich auf eine wiese, ... und genosz den überblick Immermann 5, 174; der sprecher wuszte manchem seinen platz zu loben wegen der nachbarn und der nähe der frauen und wegen gutem überblick über den saal Freytag 8, 30;

sie umdrängen ihn, beneidend
mich um seiner schönen glieder
wonnevollen überblick
Göthe 50, 343 Weim.

meist in abgezogener bedeutung: heiterer überblick des beweglichen, immer kreis- und spiralartig wiederkehrenden erdetreibens Göthe IV 33, 27, 16 Weim.; eine vorarbeit ..., wodurch ich mir höheren genusz und weiteren überblick bereitete 412, 124, 17 Weim.; wenn wir diesen 110ten psalm in einem überblick bringen Jung-Stilling 3, 566 Grollmann; zum überblick der geschichte sind abtheilungen allerdings bequem Herder 16, 354; bei einem flüchtigen überblick des buches Göthe 31, 27, 26 Weim. mit dem nebensinn des summarisch zusammenfassenden: tabelle zum überblick der innern verfassung von Rom allgem. deutsche bibl. anhang zu band 53—86 (1771) 848; das hineinarbeiten in das detail hat ... dem überblick des ganzen geschadet Hegel 191, 102; überblick auf die gegenwärtigen zustände Holtei erzähl. schr. 14, 23; den überblick über das ganze verlieren Raupach dram. werke kom. gatt. 1, 207. seltener im plur.: ich ergötze mich an der lebhaftigkeit seiner überblicke Göthe 45, 249, 7 Weim. hierzu eine adverbialbildung überblicklich R. Wagner 2, 152.
2) fähigkeit zu raschem erfassen weiter zusammenhänge; augenmasz Heynatz syn. 1, 305a; mir hat an dieser kleinen abhandlung ... alles wolgethan: ruhiger sinn, treue kenntnisz, überblick, neigung gegen das einzelne Göthe IV 42, 213 Weim.; ein erfahrner freund von groszem überblick Athenäum 1, 152; der schnelle überblick ... des thätigen mannes Friedr. Schlegel 1, 6; bei deiner gewandtheit und deinem überblick giebt sich das von selbst Holtei erzähl. schr. 19, 181; offne, klare augen von raschem überblick Ludwig 1, 346.
 
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überblicken, v. , nl. overblikken; schwed. öfverblicka.
1) über etwas hinblicken, seit dem 18. jahrh. in eigentlicher und metaphorischer verwendung allgemein: dasz aus der einzigen thüröffnung der gesammte für die beobachtung bestimmte raum überblickt werden kann Mommsen röm. staatsrecht 1, 30; Regine überblickte die versammlung mit feuchten augen Meyr erzähl. aus dem Ries 3, 196; auch bei unpersönlichem subject: schlosz Ayra ... überblickte den see Fontane I 4, 102;

die sonne, deren güldnes stralen
heut unsre halbwelt überblickt,
wird abends in die see geschickt
A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 993.

metaphorisch: um deiner freundschaft ganzen umfang zu überblicken Meiszner Alcibiades (1781) 3, 263; in deiner gegenwart überblick' ich ruhig mein leben Göthe 132, 279 Weim.; wenn ich meinen gegenwärtigen wirkungskreis überblicke Klinger werke 9, 287; überblicken wir den totalen inhalt unsers daseyns Hegel 101, 123; dazu überblickung, f.: bei erstmaliger, eiliger überblickung der episteln Holtei erzähl. schr. 6, 38.
2) über etwas hinaus sehen und daher nicht bemerken, z. b. den druckfehler habe ich überblickt u. ä.
3) Campe bucht überblicken als trennbare verbindung in der bedeutung hinüberblicken.
4) die aus dem 12. jahrh. belegte bedeutung 'an glanz übertreffen' (mhd. wb. 1, 208b), blieb nicht lebendig.
 
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überblind, adj., vollständig blind, nl. overblind. eine greifliche und überblinde thorheit Guarinonius grewel der verw. 1072;

blind, überblinds teutschland
an geist und an verstand!
H. Sachs 1, 350, 27 Keller.


 
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überblitzen, v. ,
1) über etwas hinblitzen Campe 5, 9. meist bildlich: 'was willst bei ihm', fragte das graue gesicht und überblitzte Uli mit seinen curiosen augen Gotthelf 3, 93; ein fliegendes roth überblitzte das sanfte bleichgesichtchen des gealterten jünglings Kürnberger novellen 2, 251; in der ferne blaute, von lichtern überblitzt,

[Bd. 23, Sp. 146]


das meer Bayer studien, in bib. d. schr. a. Böhmen 389;

bis dasz du (das schwert) aus des blutes dampf hervor
das leichenfeld als sieger überblitztest
Raupach dram. werke ernster gatt. 7, 137.


2) an glanz jemanden übertreffen:

sonne, scheine! sie, die meine,
überblitzet deinen strahl
Birken lorbeerhäyn 27;

die wild'sten augen wollt' ich überblitzen,
das kühnste herz auf erden übertrotzen Shakespeare 4, 34;

er blitzte feurig der komet, doch konnt' er
den mond nicht überblitzen
Werner Luther 3, 1.


 
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überblühen, v. , mhd. überblüejen Lexer 2, 1609.
1) mit blüthen bedecken: wie ist's doch möglich, dasz das alte gemäuer so überblüht ist Bettine Günderode 1, 140;

(der Tyber) sucht die tempel der Penaten —
die stellen sind mit wildnisz überblüht!
Tiedge 2, 195;

aloen, mächtig an wuchs, überblühn,
jede den fels spiegelnde bucht
Platen 1, 208.


2) hinüberblühen, mit inchoativem nebensinn: da hier nicht ... ein Narcisz oder Adonis in eine narcisse oder hyacinthe überblüht, sondern aus der blumenglocke ein adonisköpfchen ... sich schaukelnd hervorhebt Böttiger kleine schr. 2, 373; ähnlich:

die kreuterlein und blumen schon
verbleiben auch bey einem dhon ...
und überblühen nimmermehr
Ringwalt christliche warnung E 1a.


3) im blühen übertreffen, schon mhd., vgl. Lexer a. a. o.; sie überblühte alle an gestalt, wie die königliche rose die anderen blumen Heinse 5, 94 Schüddekopf. refl.: der baum hat sich überblühet, periit arbor multitudine florum Steinbach 1, 139; sich überblühen, sich überleben Sanders handwb. 728.
 
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überblümen, v., mit blumen bedecken. nl. overbloemen; engl. overbloom. o ir gezierten mit keuscheit, ... überblümet mit blumen der tugent Luther 102, 337 Weim.; so überlaubt, so überblümt der allgütige die kirchhofsmauer des lebens J. Paul 7, 271;

langt mir (Venus) die atlaszschuh mit stickwerk überblümt
Mühlpforth ged. (1686) 19;

wer nun zur bunten frühlingszeit
schaut, wie die gärten überblümet
Triller poet. betr. 1, 15.


 
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überbochen, überbuchen, v., durch bochen (s. o. th. 2, sp. 199) überwinden: und hetten die künig ein ... krieg miteinander, wolt einer den andern überpuchen mit der menig Aventin 4, 476, 23; nun hab ich sorg, das dich dein gesell überboch und überschrei, damit du dich von guter meinung abwenden lassest Carbach Livius 119; so diese luna Mercurii nicht gemeistert wirt, so sind ... alle kranckheiten unheilbar, dieser mond werde dann überbocht Paracelsus opera 1, 664 A. hierzu die ableitung überbocheln, v., Keisersberg bilgersch. 80d.
 
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überboldern, überbollern, v., increpare, rauh anfahren: der knecht mit 1 pfund, den überboldert der herr und sprach Keisersberg brösamlin 1, 15c; die form überbollern bei Alberus wb. Yyiijb.
 
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überböse, adj., sehr böse: alt eselfleisch ..., das da gar ein überbösen saft hat, sich nit wol verdäuwen laszt Gesner thierbuch 43; zweifele ich nun an den überbösen, so wird er mir es auch zu gute halten, wenn ich nicht so festen glaubens an die überguten bin Klinger werke 7, 97; überfromm zu sein wie Edmund, ist im grunde meiner natur zuwider, und überböse wie jener narr und gaukler nicht minder Riehl gesch. aus alter zeit 2, 172;

(er) so hart gepeynigt worden war
mit einem überbösen weib
Hans Sachs 9, 435, 33 Keller.


 
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überbösen, v., im bösen übertreffen, dann überhaupt, überwinden, überlisten. nur in der älteren sprache üblich. mhd. überbœsen Lexer 2, 1609; schicket aber an solche böse zornige junckern nach einen bösern, den Türcken,

[Bd. 23, Sp. 147]


wil zusehen, weil sie ja böse sein wollen, welcher hie den andern überbösen werde. sey nu böse, wer böse sein kan; itzt gilts bösens und überbösens Luther 302, 161 Weim.; Carolus ein junger grüner fürst, wil dem unfal nit weichen, sonder überbösen Franck chron. Germ. 2512; ein junger man musz etwa viermal verderben, ehe er das glück überböszt und recht hauszen lernt Franck sprüchw. (1545) 1, 12b; man musz das unglück überbösen 1, 22b; vgl. auch Schottel haubtspr. 1123; (die Römer) haben das unglück mit herrengewalt überpöst Aventin 4, 473, 8; wer den andern überbösen, und in sack schieben kan, der ist meister Agricola sprichw. 51b;

bisz er (Odysseus) das falsch wib (Circe) überböszt
und syn gesellen all erlöst
Brant narrensch. 108, 81;

er hat mit seiner heiligen geburt
den teuffel überböset kirchenl. 3, 925 Wackernagel.


 
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überbösern, v., dass. wie überbösen: der junkher überbösert damit den wein und die arznei Zimm. chr. 2, 487, 36; denn so böse war doch ihr keiner, gott schicket im ein bösern übern halsz, der in endlich überbösert Mathesius Sarepta 86b; ihr lebendige mänschen seit so gar überbösert, dasz ihr auch die todte in den gräbern nicht könnet unverstichelt, unverachtet und unverfolget lassen Moscherosch ges. (1650) 1, 220.

 

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