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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbleibling bis überblümen (Bd. 23, Sp. 143 bis 146)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbleibling, n., reliquiae Sim. Roth Oiiia;

wer wil dein überbleibling essen?
Hans Sachs 6, 139, 11 Keller;

ich wil den namen Babel ausrotten sampt seinen überbleiblingen und gewechs und geschlecht Luther 20, 554, 30 Weim.
 
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überbleibsel, n. , überrest. mnl., nnl. overblijfsel. vereinzelt masc., z. b. Abrah. a S. Clara etwas für alle

[Bd. 23, Sp. 144]


2, 474; vernünftige tadlerinnen 2, 19; Zimmermann einsamkeit 1, 56; Keller 6, 17; als fem. bei Stolberg 8, 463: im jahre 1401 stürzte die letzte stehende überbleibsel ein. mit vollem suffixvocal selten: überbleibsal z. b. allgem. deutsche bibliothek 32, 205; Meiszner Alcibiades 3, 230; Gentz 4, 35; Heynatz handb.3 382a.
bedeutung und gebrauch: rimasugli, restanze Kramer (1678) 1066b; reliquiae Steinbach 1, 130; fragment, bruchstück Kinderling reinigkeit d. deutsch. spr. 270; erst seit dem 18. jahrh. allgemein. Maaler 444a setzt dafür überleipscheten.
1) speisereste: auf den straszen die brocken und schmutzigen überbleibsel von fremden tischen betteln Lessing 9, 152; Rüpel aber verzehrte bereits mit groszem appetit die überbleibsel vom gestrigen mahle Eichendorff 3, 455.
2) gebeine verstorbener: zeige mir, wo die theuern überbleibsel meines Abradates ligen Wieland werke 3, 10; dieser staub, der die geheiligte überbleibsel meiner ältern bedeckte Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim 1, 84; lasz das überbleibsel meines leibes nicht unbegraben liegen Arnim 11, 86.
3) ruine, fragment, bruchstück: auch sieht man überbleibsel von gebäuden der villa des Lucullus Stolberg 7, 360; der erste anhang ... enthält beobachtungen über ... überbleibsel von griechischen handschriften anhang zur allgem. deutsch. bibliothek 1—12, 8; in Rom begannen die beiden freunde die überbleibsel der antiken bauwerke auszumessen Grimm Michelangelo 1, 32; er hatte nach der niederlage bei Nördlingen die überbleibsel der armee wieder gesammelt Hebbel 9, 184.
4) auch abstract ganz allgemein für 'rest': überbleibsel von einer alten leidenschaft im herzen samml. v. schausp. 6, 118; die überbleibsel von dem fieber sind verschwunden Lavater verm. schr. 1, 59; das gröszte überbleibsel des göttlichen ebenbildes ist die liebe Hippel lebensläufe 31, 362; ich hielt es für ein überbleibsel meines finstern lebens Hölderlin 2, 37, 40; überbleibsel teutschen wesens Görres 2, 252; die groszen überbleibsel südlicher bildung milderten die sitten Raumer gesch. d. Hohenst. 1, 7.
 
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überbleibung, f., rest, überbleibsel. reliquiae Diefenbach 491a; Steinbach 1, 130; wir haben die Thebanen als arme ellend und erbermlich lüte in unser statt enpfangen, ... als ain überbelybung dines siges Wyle translationen 149, 31; (er) verleust die überbeleibungen der stat (reliquias civitatis) Zainerbibel num. 24, 19; nahe bei Sirvan sind die überbleibungen eines thurmes von steinen und todtenköpfen zu finden Gryphius trauersp. 254; absonderlich sammlete er die überbleibung des Quintilius Varus in einen steinernen krug Lohenstein Arminius 1, 81b; mit derogleichen schertz vertrieben wir die überbleibung selbigen tages 469a; crystallene überbleibungen des schmertzes von den augen wischen Hallmann Heraklius 8; excrementum, in teutsch überflusz, gerechter aber überbleibung Guarinonius grewel d. verw. (1610) 1089; die stinckende ... überbleibungen der ersten verdauung mediz. maulaffe (1719) 967. überbleibnis, f., dass. wie überbleibung Diefenbach a. a. o.
 
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überbleichen, v.
1) mit helligkeit überdecken:

überbleicht erscheint mir schon
von grauer zelten woge weit das thal dahin
Göthe 15, 110 Weim.


2) nochmals bleichen, z. b. leinen auf der bleiche.
 
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überblenden, v.
1) so viel wie verblenden: don Kichote vom zorn gantz überblendet war Bastel v. d. Sohle Don Kichotte (1648) 111.
2) an glanz übertreffen: überstrahlt' er (Christus) seine zeitgenossen an irdischer hoheit? überblendet' er seine brüder an vergänglichem schimmer? Kosegarten rhaps. 1 (1790), 115; im übermasse neben einander gehäufte schönheiten, die sich wechselseitig überblenden Börne 1, 33; das gewaltige abendlicht hatte sie (die beleuchteten häuser) überblendet, jetzt im dunkeln lebten sie den augen wieder Bartsch Haindlkinder (1908) 69.
 
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überblick, m. , aussicht, übersicht. entlehnt ins dän.-norweg. overblik, schwed. öfverblick. seit dem 18. jahrh. allgemein üblich.

[Bd. 23, Sp. 145]



1) aussicht, rundblick: Hermann setzte sich auf eine wiese, ... und genosz den überblick Immermann 5, 174; der sprecher wuszte manchem seinen platz zu loben wegen der nachbarn und der nähe der frauen und wegen gutem überblick über den saal Freytag 8, 30;

sie umdrängen ihn, beneidend
mich um seiner schönen glieder
wonnevollen überblick
Göthe 50, 343 Weim.

meist in abgezogener bedeutung: heiterer überblick des beweglichen, immer kreis- und spiralartig wiederkehrenden erdetreibens Göthe IV 33, 27, 16 Weim.; eine vorarbeit ..., wodurch ich mir höheren genusz und weiteren überblick bereitete 412, 124, 17 Weim.; wenn wir diesen 110ten psalm in einem überblick bringen Jung-Stilling 3, 566 Grollmann; zum überblick der geschichte sind abtheilungen allerdings bequem Herder 16, 354; bei einem flüchtigen überblick des buches Göthe 31, 27, 26 Weim. mit dem nebensinn des summarisch zusammenfassenden: tabelle zum überblick der innern verfassung von Rom allgem. deutsche bibl. anhang zu band 53—86 (1771) 848; das hineinarbeiten in das detail hat ... dem überblick des ganzen geschadet Hegel 191, 102; überblick auf die gegenwärtigen zustände Holtei erzähl. schr. 14, 23; den überblick über das ganze verlieren Raupach dram. werke kom. gatt. 1, 207. seltener im plur.: ich ergötze mich an der lebhaftigkeit seiner überblicke Göthe 45, 249, 7 Weim. hierzu eine adverbialbildung überblicklich R. Wagner 2, 152.
2) fähigkeit zu raschem erfassen weiter zusammenhänge; augenmasz Heynatz syn. 1, 305a; mir hat an dieser kleinen abhandlung ... alles wolgethan: ruhiger sinn, treue kenntnisz, überblick, neigung gegen das einzelne Göthe IV 42, 213 Weim.; ein erfahrner freund von groszem überblick Athenäum 1, 152; der schnelle überblick ... des thätigen mannes Friedr. Schlegel 1, 6; bei deiner gewandtheit und deinem überblick giebt sich das von selbst Holtei erzähl. schr. 19, 181; offne, klare augen von raschem überblick Ludwig 1, 346.
 
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überblicken, v. , nl. overblikken; schwed. öfverblicka.
1) über etwas hinblicken, seit dem 18. jahrh. in eigentlicher und metaphorischer verwendung allgemein: dasz aus der einzigen thüröffnung der gesammte für die beobachtung bestimmte raum überblickt werden kann Mommsen röm. staatsrecht 1, 30; Regine überblickte die versammlung mit feuchten augen Meyr erzähl. aus dem Ries 3, 196; auch bei unpersönlichem subject: schlosz Ayra ... überblickte den see Fontane I 4, 102;

die sonne, deren güldnes stralen
heut unsre halbwelt überblickt,
wird abends in die see geschickt
A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 993.

metaphorisch: um deiner freundschaft ganzen umfang zu überblicken Meiszner Alcibiades (1781) 3, 263; in deiner gegenwart überblick' ich ruhig mein leben Göthe 132, 279 Weim.; wenn ich meinen gegenwärtigen wirkungskreis überblicke Klinger werke 9, 287; überblicken wir den totalen inhalt unsers daseyns Hegel 101, 123; dazu überblickung, f.: bei erstmaliger, eiliger überblickung der episteln Holtei erzähl. schr. 6, 38.
2) über etwas hinaus sehen und daher nicht bemerken, z. b. den druckfehler habe ich überblickt u. ä.
3) Campe bucht überblicken als trennbare verbindung in der bedeutung hinüberblicken.
4) die aus dem 12. jahrh. belegte bedeutung 'an glanz übertreffen' (mhd. wb. 1, 208b), blieb nicht lebendig.
 
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überblind, adj., vollständig blind, nl. overblind. eine greifliche und überblinde thorheit Guarinonius grewel der verw. 1072;

blind, überblinds teutschland
an geist und an verstand!
H. Sachs 1, 350, 27 Keller.


 
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überblitzen, v. ,
1) über etwas hinblitzen Campe 5, 9. meist bildlich: 'was willst bei ihm', fragte das graue gesicht und überblitzte Uli mit seinen curiosen augen Gotthelf 3, 93; ein fliegendes roth überblitzte das sanfte bleichgesichtchen des gealterten jünglings Kürnberger novellen 2, 251; in der ferne blaute, von lichtern überblitzt,

[Bd. 23, Sp. 146]


das meer Bayer studien, in bib. d. schr. a. Böhmen 389;

bis dasz du (das schwert) aus des blutes dampf hervor
das leichenfeld als sieger überblitztest
Raupach dram. werke ernster gatt. 7, 137.


2) an glanz jemanden übertreffen:

sonne, scheine! sie, die meine,
überblitzet deinen strahl
Birken lorbeerhäyn 27;

die wild'sten augen wollt' ich überblitzen,
das kühnste herz auf erden übertrotzen Shakespeare 4, 34;

er blitzte feurig der komet, doch konnt' er
den mond nicht überblitzen
Werner Luther 3, 1.


 
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überblühen, v. , mhd. überblüejen Lexer 2, 1609.
1) mit blüthen bedecken: wie ist's doch möglich, dasz das alte gemäuer so überblüht ist Bettine Günderode 1, 140;

(der Tyber) sucht die tempel der Penaten —
die stellen sind mit wildnisz überblüht!
Tiedge 2, 195;

aloen, mächtig an wuchs, überblühn,
jede den fels spiegelnde bucht
Platen 1, 208.


2) hinüberblühen, mit inchoativem nebensinn: da hier nicht ... ein Narcisz oder Adonis in eine narcisse oder hyacinthe überblüht, sondern aus der blumenglocke ein adonisköpfchen ... sich schaukelnd hervorhebt Böttiger kleine schr. 2, 373; ähnlich:

die kreuterlein und blumen schon
verbleiben auch bey einem dhon ...
und überblühen nimmermehr
Ringwalt christliche warnung E 1a.


3) im blühen übertreffen, schon mhd., vgl. Lexer a. a. o.; sie überblühte alle an gestalt, wie die königliche rose die anderen blumen Heinse 5, 94 Schüddekopf. refl.: der baum hat sich überblühet, periit arbor multitudine florum Steinbach 1, 139; sich überblühen, sich überleben Sanders handwb. 728.
 
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überblümen, v., mit blumen bedecken. nl. overbloemen; engl. overbloom. o ir gezierten mit keuscheit, ... überblümet mit blumen der tugent Luther 102, 337 Weim.; so überlaubt, so überblümt der allgütige die kirchhofsmauer des lebens J. Paul 7, 271;

langt mir (Venus) die atlaszschuh mit stickwerk überblümt
Mühlpforth ged. (1686) 19;

wer nun zur bunten frühlingszeit
schaut, wie die gärten überblümet
Triller poet. betr. 1, 15.

 

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