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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbildung bis überbleib (Bd. 23, Sp. 140 bis 142)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbildung, f., degeneratio, zu überbilden 2 (s. o.): da nun meine stufenreihe folgendermaszen geht — natur — bildung — überbildung oder tod Brentano Godwi 1, 345; barbaren aus mangel an bildung und barbarei aus üppiger überbildung sind gleich ekelhaft Zschokke 3, 317; vor solchen verirrungen der verfeinerung und überbildung ist Uhland bewahrt worden durch seine köstliche schlichte einfalt Treitschke aufsätze 1, 274.
 
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überbinde, f., overbandage Hilpert 634b; hauptbinde eines verbandes Krünitz 192, 197; ein halstuch, das einer schützenden überbinde ähnlich sah Gutzkow zauberer von Rom 5, 78.
 
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überbinden, v. , nl. overbinden; dän.-norw. overbinde; schwed. öfverbinda. als untrennbare und trennbare (in bedeutung 2) verbindung verzeichnet bei Campe 5, 8, Hilpert 634c u. a.
1) einbinden, mit einer binde u. ä. umgeben, verbinden: so das glid überbunden ist so mügen die natürlichen geist und leben nit ze hilf kommen dem hart gefangenen glid Gersdorff wundarzney (1517) 66, 1b; überbinde die wunden nicht, dasz sie nicht geschwelle Würtz practica d. wundartzney (1612) 16; einige lange, zu thürsturzen und ähnlichen überbindenden bedürfnissen nöthige steine Göthe IV 11, 81 Weim.;

der selbig kranz ist schier ganz
mit seiden überpunden volksl. 643 Uhland.


2) superalligare Maaler 442a; ein ding oben auf etwas binden Stoer (1650) 495b; einem etwas überbinden, superilligare aliquid alicui Kirsch (1723) 298a; und wann man das pflaster dem pferd überpinden will Mynsinger von

[Bd. 23, Sp. 141]


den falken u. s. w. 78; tormentillwurtzen frisch zerstossen und wie ein pflaster übergebunden Hohberg georg. curiosa 1, 310.
3) schweizerisch auch in abgezogener bedeutung: einem etwas auferlegen Hunziker 269; ich überbinde dir myn trüw, tibi meam astringo fidem Terenz deutsch (1499) 39b; da man sich mit einander aufs höchste beeydt und überbindt kriegsbuch des frides 160; die kosten wurden dem staat überbunden allgem. Schweiz. zeitg. (1895) 14. juli; dieser (frau) überband sie nun die nächste aufsicht und führung des neuen ankömmlings Meyer-Merian Mareili (1892) 29; Hans Joggi hat die unterpfändlichen schulden auf sein gütlein überbunden Gotthelf 19, 19.
4) fachausdruck im festungsbau, vgl. Krünitz 192, 198.
5) zu fest binden. hierzu überbindung, f., Gersdorff wundarznei (1517) 44, 2a.
 
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überbitten, v., jemanden durch bitten überwinden. untrennbare verb.: exorabilis, der sich erbitten oder überbitten lest Alberus (1540) Ttiiija; ain sollich hert hertz mag von niemman überbeetten werden Keisersberg pred. 55b; darauf leget ich grosz bitte an Heinrich Schweinichen, welchen ich denn auch überbat, dasz er auf 3 wochen bewilliget, mit nach Prag zu ziehen Schweinichen denkwürd. 214; dieser wolte nicht mit herausz, endlich liesz er sich überbitten Weise erznarren 217 neudr.;

Troja sahe längsten schon
den Priamus Alciden überbitten
Opitz Trojanerinnen v. 852;

ist ihr gerechter zorn denn nicht zu überbitten?
Gryphius trauersp. 318;

doch der himmel, der bisher viel gewalt von dir erlitten,
liesz sich endlich dein gebeth zur erbarmung überbitten
Günther 872.


 
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überblasen, v. , nl. overblazen. untrennbare verb.:
1) über etwas hin blasen:

(der trauerseufzer) Charons schiff bald überbläst!
Stieler geharnschte Venus 79 neudr.


2) durch blasen zu sehr anstrengen: mein überblasnes rohr Stoppe Parnasz (1835) 45; refl.: sich überblasen, to hurt one's self by blowing too much Hilpert (1845) 634c.
3) zu hoch blasen vgl. Riemann musiklex.7 1455a; überblasene töne ebd., hierzu überblasung, f., Mattheson vollkomm. capellm. 13.
4) eine arie überblasen, to play a tune at one breath, from beginning to end Hilpert (1845) a. a. o.
 
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überblatt, n., soviel wie überschuh Hübner handlungslex. (1776) 2365; oberleder Jacobsson 4, 465a.
 
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überblatten, v. ,
1) in der handwerkersprache zwei sich kreuzende hölzer an der berührungsfläche in einanderfügen, dasz sie die dicke eines holzes haben Bucher 415a; davon überblattung, f., feste zusammenfügung Stenzel seem. 432a.
2) interlegere poma, non tota colligere, sed per intervalla decerpere Serz (1797) 160.
 
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überblättern, v. , nl. overbladeren. untrennbare verb.:
1) eine schrift u. s. w. durchblättern, flüchtig überlesen: kannten sie diese gelehrten männer schon vorher? fragte ich, indem wir beyde ihre schriften vorläufig überblätterten Thümmel reise 4, 84;

(das buch) begreiffet sonder zweifel sachen die da nicht gemein;
aber nach dem überblättern kan Markolfus besser sein
Grob dichter. versuchg. (1678) 27.


2) blätternd überspringen: diejenigen stellen aber musz er überblättert oder wieder vergessen haben, wo die schrift den erlaubten gebrauch der welt von dem misbrauche sorgfältig unterscheidet Joh. E. Schlegel 3, 427; wo sind denn die leichengedichte? ich musz sie überblättert haben. ich weisz: sie sind weiter forne Petrasch lustsp. 2, 118.
3) mit blättern überdecken Sanders handwb. 728. in dieser bedeutung schon mhd. (s. Lexer 2, 1609).
 
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überbläuen, v., untrennbare verb.: 1) mit blauer farbe bedecken. auch ohne umlaut: überblauen: so dasz ihre (der gegenstände) eigenthümliche farbe zuletzt verloren ging, oder wenigstens, sehr überbläut sie sich dem auge darstellten Göthe 31, 106, 12 Weim.;

[Bd. 23, Sp. 142]


der himmel mag sich wolken bald erzeugen,
und bald die kuppel wieder überblauen
Platen 1, 444;

sie liegen weithin ruhig ausgestreckt
im weichen gras, vom mantel zugedeckt:
wie rein der himmel, der sie überblaut!
Pichler marksteine 50.

2) zu blau färben Sanders handwb. 728. 3) an bläue übertreffen ebenda.
 
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überblechen, v., mit blech bedecken: weil sie den armen jungen, mit harnischen und anderm solchen eisenwerk überblecht hatten Göthe 43, 94, 17 Weim.; vor der überblechten hausthür J. Paul 1, 75; viele dieser wohnungen, sind nur überblechte erdlöcher tägl. rundsch. (1899) nr. 288 ac.
 
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überbleib, m., rest, überbleibsel (s. d.). mnd. overblîf Schiller - Lübben 3, 252; vgl. auch woordenb. 11, 1625. auch vom schwundstufenvocal kommt die bildung des subst. vereinzelt vor: überblieb, m., z. b. Löhe evangelienpostille (1848) 139b; das ... den zerstreuten überbleib deines volkes sammelt Arnim 1, 76; eine fem. ableitung überbleibe, f., findet sich bei W. Scherffer 82 Drechsler; vgl. auch:

hab ich die nothdurft meinem leibe,
mein brod und auch mein saltz dazu,
so nehm ichs mit der überbleibe,
und brauch es so in stiller ruh
Schmolcke trost- u. geistr. schr. 1, 193.

auch eine ableitung mit -ede (entsp. ahd. -ida) belegen die wbb., z. b.: reliquiae die überbleybeten, das man von einem dinge überlasset Calepinus undez. ling. 1245b; die überbleibeten, die abschnitzeln Megiserus thes. 2, 409b. zur form überleibeten pl. vgl. Staub-Tobler 3, 977. alle diese bildungen sind heute durch überbleibsel verdrängt und auszer gebrauch.

 

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