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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbezahlen bis überblatten (Bd. 23, Sp. 138 bis 141)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbezahlen, v., schwed. öfverbetala. 1) voll auszahlen. vgl. auch Schiller-Lübben 3, 253; wer da verkeufft, nichts borge noch bürgen anneme sondern las

[Bd. 23, Sp. 139]


ihm bar überbetzalen Luther 15, 303 Weim. heute veraltet. 2) mehr als den bedungenen oder normalen preis für etwas zahlen, z. b. das bild ist überbezahlt worden.
 
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überbiegen, v., nl. overbuigen. trennbare verb., dasselbe wie überbeugen. meist reflexiv:

(die zweige) bogen sich über und sprachen leise
Herder 27, 41;

ich hab weiden wollen hauen und mich zu weit übergebogen Ludwig 2, 150; part. übergebogen, aber auch überbogen: das rechte knie steif oder strack und das lincke ein wenig fürwärts übergebogen Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 246, § 2; mit übergebognem kopf Hermes manch Hermäon 2, 117; mit beiden ruhig auf den tisch gestemmten händen seinen übergebogenen körper unterstützend Göthe 491, 211, 17 Weim.; hochgezogene, in lauben übergebogene rosenbüsche Görres br. 1, 188;

(lauben) hab ich mit weinreben umbzogen
und oben gwelbweisz überbogen
Hans Sachs 10, 403, 26 Keller;

dort speyn ...
vier schwimmende tritone, mit überbognem hals
den dicken strom gen himmel
Dusch verm. werke (1754) 151;

eine überbogene (= aufwärts gebogene) nase Lohenstein Arminius 2, 1019b. bildlich:

weil gerechtigkeit stets wirdt betrogen
von list und lügen überbogen
Hans Sachs 7, 250, 34 Keller.


 
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überbieten, v. , nl. overbieden, dän.-norweg. overbyde, schwed. öfverbjuda. untrennbare verb.:
1) höher anschlagen oder achten, dann es werth ist, pluris iudicare quam par sit Stoer (1650) 495b; zu viel begehren Kramer (1678) 1066b; nimio pretio iudicare Dentzler clavis ling. lat. 294a; seine waaren überbieten, mettre ses marchandises à trop haut prix Frisch dict. (1719) 565; die koufleüt sollen die kouffmanschatz nit überbieten, sunder mit einem wort verkouffen Keisersberg christl. künigin 46; wie theuer bietet ihr, oder wie gebt ihr das? überbietets mir nicht, wan ihr einen guten kunden haben wollet Duez nomencl. (1652) 60; der verkäufer welcher überbietet, um nachlassen zu können Garve anm. zu Cicero de off. 3, 70;

und weiter hör,
welchs auch allhie zu loben sehr,
dasz man nicht überpiettet auch
die wahren, wie der Welschen brauch
Mangold marckschiff (1596) Diiij.


2) mer auff ein ding bieten dann ein anderer, contra liceri Maaler (1561) 442a; plus liceri Schönsleder prompt. (1647) F 6a; licitatione vincere Stieler 181; es war wohl unartig dasz ich sie (in der auction) überbot Thümmel reise 3, 286; die fünfhundert goldgulden meines widersachers sind gegen mich, und da ich ihn nicht überbieten kann, so musz ich zu grunde gehen Klinger werke 3, 94; bey einigen ist sie zu ihrem groszen verdrusz überboten worden (auf der auction) Göthe IV 37, 35 Weim.; vergöttern sich um ein mittagessen, und möchten einander vergiften um ein unterbett, das ihnen beim aufstreich überboten wird Schiller 2, 30. substantivierter inf.: das überbieten, licitatio Garthius 423a; nach einem ziemlich hartnäckigen überbieten erstand ihn Manz und er wurde ihm zugeschlagen Keller 4, 84; Heynatz antibarb. 2, 485 und Campe 5, 8 setzen überbieten in bedeutung 1 u. 2 als trennbare verbindung an, der gebrauch giebt ihnen nicht recht; vgl. z. b. auch bei absol. verwendung: sie überbiethen vergebens Bäuerle kom. theater 5, 37.
3) aus 2) erweitert: übertreffen. seit dem 18. jahrh. ganz allgemein:

sein rosz im lauf die andern überbot
Gries Ariostos ras. Roland 1, 251;

(die tulpe) überbeut den saphir doch an farbe,
doch an farbe den rubin
Platen 2, 8;

wenn nicht eine glanzvolle vermählung diese schmach überbietet Arnim 9, 64; gewalt und list mit gleichen waffen zu überbieten Droste-Hülshoff 2, 262; Rom war so glücklich in den fehlern stets von seinem gegner überboten zu werden Mommsen röm. gesch. 1, 744; er überbot wo möglich die schüler in keckheit und mutwillen Keller 6, 96; die reichen Juden hatten angefangen, sich ganz wie die polnischen edelleute zu kleiden,

[Bd. 23, Sp. 140]


ja sie überboten sie an pracht Moltke schrift. u. denkwürdigk. 2, 105; eine nicht zu überbietende deutlichkeit und durchsichtigkeit der darstellung Nietzsche 1, 112. häufig reflexiv: man wetteiferte, man überbot sich, um jene lakonischen worte recht wahr zu finden Göthe 24, 100 Weim.; meine eltern überboten sich in lobeserhebungen des grafen Ebner-Eschenbach 4, 427; die sich überbietende sammellust am Dresdner hofe Justi Winckelmann 1, 203.
zu überbieten 1 und 3 als subst. überbot, n. und m., sowie überbietung, f., Kramer teutsch-ital. wb. 1 (1700), 107b; Jagemann (1816) 1191a; Sanders handwb. 728; durch überbietung (der handwerker) geäffet werden Hohberg georg. curiosa. 1, 177; (Hebbel) scheint die groteske des mittelalterlichen gedichtes durch lächerliche überbietungen zu verhöhnen R. Wagner 9, 168. überbieter, m., emtor pinguior Stieler 181.
 
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überbilden, v. , untrennbare verb.:
1) mhd. überbilden, transfigurare Diefenbach gloss. 592c; verdeutschung von transformare, nur in der prosa der ma. mystiker, z. b.: ein gelassener mensch musz entbildet werden von der creatur, gebildet werden mit Cristo, und überbildet in der gotheit Suso deutsche schrift. 168, 9; vgl. Lexer 1, 1609. hierzu überbildlich, adj., Tauler bei Schottel haubtspr. 642. überbildlichkeit, f., Böhme 4, 199.
2) jemanden über das nützliche masz hinaus erziehen (s. o. th. 2. sp. 15), meist reflexiv: sich überbilden, einen zu hohen grad von technischer oder geistiger cultur erwerben; seit der 2. hälfte des 18. jahrh. allgemein: eisenbahnen, schnellposten, dampfschiffe sind es, worauf die gebildete welt ausgeht, sich zu überbieten, zu überbilden und dadurch in der mittelmäszigkeit zu verharren Göthe IV 39, 216 Weim.; wenn nun eine schöne natur sich allzu zart, sich allzu gewissenhaft bildet, ja, wenn man will, sich überbildet 23, 164, 7 Weim.; (ein volk) das sich schon überbildet hat und in treulosigkeit und sinnentaumel versunken ist Ritter erdkunde 1, 351; meist part.: die sogenannten naturdichter sind frisch und neu aufgeforderte, aus einer überbildeten, stockenden, manierirten kunstepoche zurückgewiesene talente Göthe 422, 120, 13 Weim.; verzärtelt und überbildet Immermann 7, 35; das gelingen ist die gottheit der ungebildeten wie der überbildeten menschen Dahlmann gesch. v. Dännemark 1, 78, 10; ich habe dieses gedicht vielen vorgelesen, sowohl einfachen als fast überbildeten menschen Droste-Hülshoff br. an Schücking 253; die überbildete professorstochter Nestroy 8, 228.
 
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überbildung, f., degeneratio, zu überbilden 2 (s. o.): da nun meine stufenreihe folgendermaszen geht — natur — bildung — überbildung oder tod Brentano Godwi 1, 345; barbaren aus mangel an bildung und barbarei aus üppiger überbildung sind gleich ekelhaft Zschokke 3, 317; vor solchen verirrungen der verfeinerung und überbildung ist Uhland bewahrt worden durch seine köstliche schlichte einfalt Treitschke aufsätze 1, 274.
 
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überbinde, f., overbandage Hilpert 634b; hauptbinde eines verbandes Krünitz 192, 197; ein halstuch, das einer schützenden überbinde ähnlich sah Gutzkow zauberer von Rom 5, 78.
 
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überbinden, v. , nl. overbinden; dän.-norw. overbinde; schwed. öfverbinda. als untrennbare und trennbare (in bedeutung 2) verbindung verzeichnet bei Campe 5, 8, Hilpert 634c u. a.
1) einbinden, mit einer binde u. ä. umgeben, verbinden: so das glid überbunden ist so mügen die natürlichen geist und leben nit ze hilf kommen dem hart gefangenen glid Gersdorff wundarzney (1517) 66, 1b; überbinde die wunden nicht, dasz sie nicht geschwelle Würtz practica d. wundartzney (1612) 16; einige lange, zu thürsturzen und ähnlichen überbindenden bedürfnissen nöthige steine Göthe IV 11, 81 Weim.;

der selbig kranz ist schier ganz
mit seiden überpunden volksl. 643 Uhland.


2) superalligare Maaler 442a; ein ding oben auf etwas binden Stoer (1650) 495b; einem etwas überbinden, superilligare aliquid alicui Kirsch (1723) 298a; und wann man das pflaster dem pferd überpinden will Mynsinger von

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den falken u. s. w. 78; tormentillwurtzen frisch zerstossen und wie ein pflaster übergebunden Hohberg georg. curiosa 1, 310.
3) schweizerisch auch in abgezogener bedeutung: einem etwas auferlegen Hunziker 269; ich überbinde dir myn trüw, tibi meam astringo fidem Terenz deutsch (1499) 39b; da man sich mit einander aufs höchste beeydt und überbindt kriegsbuch des frides 160; die kosten wurden dem staat überbunden allgem. Schweiz. zeitg. (1895) 14. juli; dieser (frau) überband sie nun die nächste aufsicht und führung des neuen ankömmlings Meyer-Merian Mareili (1892) 29; Hans Joggi hat die unterpfändlichen schulden auf sein gütlein überbunden Gotthelf 19, 19.
4) fachausdruck im festungsbau, vgl. Krünitz 192, 198.
5) zu fest binden. hierzu überbindung, f., Gersdorff wundarznei (1517) 44, 2a.
 
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überbitten, v., jemanden durch bitten überwinden. untrennbare verb.: exorabilis, der sich erbitten oder überbitten lest Alberus (1540) Ttiiija; ain sollich hert hertz mag von niemman überbeetten werden Keisersberg pred. 55b; darauf leget ich grosz bitte an Heinrich Schweinichen, welchen ich denn auch überbat, dasz er auf 3 wochen bewilliget, mit nach Prag zu ziehen Schweinichen denkwürd. 214; dieser wolte nicht mit herausz, endlich liesz er sich überbitten Weise erznarren 217 neudr.;

Troja sahe längsten schon
den Priamus Alciden überbitten
Opitz Trojanerinnen v. 852;

ist ihr gerechter zorn denn nicht zu überbitten?
Gryphius trauersp. 318;

doch der himmel, der bisher viel gewalt von dir erlitten,
liesz sich endlich dein gebeth zur erbarmung überbitten
Günther 872.


 
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überblasen, v. , nl. overblazen. untrennbare verb.:
1) über etwas hin blasen:

(der trauerseufzer) Charons schiff bald überbläst!
Stieler geharnschte Venus 79 neudr.


2) durch blasen zu sehr anstrengen: mein überblasnes rohr Stoppe Parnasz (1835) 45; refl.: sich überblasen, to hurt one's self by blowing too much Hilpert (1845) 634c.
3) zu hoch blasen vgl. Riemann musiklex.7 1455a; überblasene töne ebd., hierzu überblasung, f., Mattheson vollkomm. capellm. 13.
4) eine arie überblasen, to play a tune at one breath, from beginning to end Hilpert (1845) a. a. o.
 
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überblatt, n., soviel wie überschuh Hübner handlungslex. (1776) 2365; oberleder Jacobsson 4, 465a.
 
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überblatten, v. ,
1) in der handwerkersprache zwei sich kreuzende hölzer an der berührungsfläche in einanderfügen, dasz sie die dicke eines holzes haben Bucher 415a; davon überblattung, f., feste zusammenfügung Stenzel seem. 432a.
2) interlegere poma, non tota colligere, sed per intervalla decerpere Serz (1797) 160.

 

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