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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbescheiden bis überbieten (Bd. 23, Sp. 138 bis 139)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbescheiden, adj., sehr bescheiden, dürftig. nl. overbescheiden. so überbescheiden bin ich auch nicht, dasz ich mir meiner vorzüge nicht wohl bewuszt seyn sollte schrift. d. Göthegesellschaft 7, 285; seine (Grillparzers) materiell überbescheidene lebensstellung die quelle 3. jahrg. nr. 9, 2; überbescheiden musz oft hunger leiden Wander 5, 1779.
 
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überbesserung, f., mehrwert, überschusz des wertes, melioration Jablonski 805b; vgl. auch Scherz gloss. 1695a; ita in Suevia utile dominium emphyteutae vocitari solet: weil ad emphyteutam jeniges gehörig, so er über den canonem aus solchen lehengütern erbauet Besold thes. (1697) 950; wann überbesserung an dem pfandt befunden wurde Frankf. ref. 1, 45 § 18.
 
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überbesoldung, f., mehrbesoldung, überbezahlung: daraus kömpt eines jeden doppelsöldners überbesoldung Kirchhof milit. discipl. (1602) 83.
 
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überbestialisch, adj., das trinken ist ein überbestialisches und überviehisch laster Dannhawer catechismusmilch 2, 446; durch den unkeuschen und überbestialischen zwang Guarinonius grewel der verw. 1101.
 
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überbett, n., deckbett, coltra, boldrone Kramer (1678) 1066b.
 
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überbeugen, v., sich oder andere über etwas hin vor- oder zurückbeugen; trennbare verb., vgl. Kramer hochniederd. wb. (1719) 218a; die zweige überbeugen allg. haushalt.-lex. 1, 189b; er hat zu viel übergebeugt, redensart, womit die Deutschen die trunkenheit einer person andeuten Lichtenberg verm. schr. 3, 39; meist reflexiv:

sie beugte sich über zu schöpfen
Göthe 50, 245 Weim.;

so weit sich mein kopf auch rückwärts überbeugte Matthisson 4, 153; er hatte sich vorn übergebeugt Droste-Hülshoff 2, 274; ohne sich vorn überzubeugen Keller 5, 214. davon überbeugung, f.: überbeugung nach hinten Sömmerring bau d. menschl. körpers 2, 34.
 
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überbevölkern, v., so viel wie bevölkern oder übervölkern. dän.-norw. overbefolke, schwed. öfverbefolka. meist im part.: überbevölkert, nl. overbevolkt. verlassen sind die alten myrtenwälder, die einst so überbevölkert waren Heine 3, 433. hierzu überbevölkerung, f., zu dichte bevölkerung Pestalozzi 6, 96.
 
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überbewuszt, adj., zu selbstbewuszt, anmaszend: Moltke br. u. denkw. 1, 93. hierzu überbewusztheit, f., anmaszung: die überbewusztheit moderner köpfe Vischer vorträge u. abhandl. gesch. inhalts (1865) 377.
 
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überbezahlen, v., schwed. öfverbetala. 1) voll auszahlen. vgl. auch Schiller-Lübben 3, 253; wer da verkeufft, nichts borge noch bürgen anneme sondern las

[Bd. 23, Sp. 139]


ihm bar überbetzalen Luther 15, 303 Weim. heute veraltet. 2) mehr als den bedungenen oder normalen preis für etwas zahlen, z. b. das bild ist überbezahlt worden.
 
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überbiegen, v., nl. overbuigen. trennbare verb., dasselbe wie überbeugen. meist reflexiv:

(die zweige) bogen sich über und sprachen leise
Herder 27, 41;

ich hab weiden wollen hauen und mich zu weit übergebogen Ludwig 2, 150; part. übergebogen, aber auch überbogen: das rechte knie steif oder strack und das lincke ein wenig fürwärts übergebogen Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 246, § 2; mit übergebognem kopf Hermes manch Hermäon 2, 117; mit beiden ruhig auf den tisch gestemmten händen seinen übergebogenen körper unterstützend Göthe 491, 211, 17 Weim.; hochgezogene, in lauben übergebogene rosenbüsche Görres br. 1, 188;

(lauben) hab ich mit weinreben umbzogen
und oben gwelbweisz überbogen
Hans Sachs 10, 403, 26 Keller;

dort speyn ...
vier schwimmende tritone, mit überbognem hals
den dicken strom gen himmel
Dusch verm. werke (1754) 151;

eine überbogene (= aufwärts gebogene) nase Lohenstein Arminius 2, 1019b. bildlich:

weil gerechtigkeit stets wirdt betrogen
von list und lügen überbogen
Hans Sachs 7, 250, 34 Keller.


 
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überbieten, v. , nl. overbieden, dän.-norweg. overbyde, schwed. öfverbjuda. untrennbare verb.:
1) höher anschlagen oder achten, dann es werth ist, pluris iudicare quam par sit Stoer (1650) 495b; zu viel begehren Kramer (1678) 1066b; nimio pretio iudicare Dentzler clavis ling. lat. 294a; seine waaren überbieten, mettre ses marchandises à trop haut prix Frisch dict. (1719) 565; die koufleüt sollen die kouffmanschatz nit überbieten, sunder mit einem wort verkouffen Keisersberg christl. künigin 46; wie theuer bietet ihr, oder wie gebt ihr das? überbietets mir nicht, wan ihr einen guten kunden haben wollet Duez nomencl. (1652) 60; der verkäufer welcher überbietet, um nachlassen zu können Garve anm. zu Cicero de off. 3, 70;

und weiter hör,
welchs auch allhie zu loben sehr,
dasz man nicht überpiettet auch
die wahren, wie der Welschen brauch
Mangold marckschiff (1596) Diiij.


2) mer auff ein ding bieten dann ein anderer, contra liceri Maaler (1561) 442a; plus liceri Schönsleder prompt. (1647) F 6a; licitatione vincere Stieler 181; es war wohl unartig dasz ich sie (in der auction) überbot Thümmel reise 3, 286; die fünfhundert goldgulden meines widersachers sind gegen mich, und da ich ihn nicht überbieten kann, so musz ich zu grunde gehen Klinger werke 3, 94; bey einigen ist sie zu ihrem groszen verdrusz überboten worden (auf der auction) Göthe IV 37, 35 Weim.; vergöttern sich um ein mittagessen, und möchten einander vergiften um ein unterbett, das ihnen beim aufstreich überboten wird Schiller 2, 30. substantivierter inf.: das überbieten, licitatio Garthius 423a; nach einem ziemlich hartnäckigen überbieten erstand ihn Manz und er wurde ihm zugeschlagen Keller 4, 84; Heynatz antibarb. 2, 485 und Campe 5, 8 setzen überbieten in bedeutung 1 u. 2 als trennbare verbindung an, der gebrauch giebt ihnen nicht recht; vgl. z. b. auch bei absol. verwendung: sie überbiethen vergebens Bäuerle kom. theater 5, 37.
3) aus 2) erweitert: übertreffen. seit dem 18. jahrh. ganz allgemein:

sein rosz im lauf die andern überbot
Gries Ariostos ras. Roland 1, 251;

(die tulpe) überbeut den saphir doch an farbe,
doch an farbe den rubin
Platen 2, 8;

wenn nicht eine glanzvolle vermählung diese schmach überbietet Arnim 9, 64; gewalt und list mit gleichen waffen zu überbieten Droste-Hülshoff 2, 262; Rom war so glücklich in den fehlern stets von seinem gegner überboten zu werden Mommsen röm. gesch. 1, 744; er überbot wo möglich die schüler in keckheit und mutwillen Keller 6, 96; die reichen Juden hatten angefangen, sich ganz wie die polnischen edelleute zu kleiden,

[Bd. 23, Sp. 140]


ja sie überboten sie an pracht Moltke schrift. u. denkwürdigk. 2, 105; eine nicht zu überbietende deutlichkeit und durchsichtigkeit der darstellung Nietzsche 1, 112. häufig reflexiv: man wetteiferte, man überbot sich, um jene lakonischen worte recht wahr zu finden Göthe 24, 100 Weim.; meine eltern überboten sich in lobeserhebungen des grafen Ebner-Eschenbach 4, 427; die sich überbietende sammellust am Dresdner hofe Justi Winckelmann 1, 203.
zu überbieten 1 und 3 als subst. überbot, n. und m., sowie überbietung, f., Kramer teutsch-ital. wb. 1 (1700), 107b; Jagemann (1816) 1191a; Sanders handwb. 728; durch überbietung (der handwerker) geäffet werden Hohberg georg. curiosa. 1, 177; (Hebbel) scheint die groteske des mittelalterlichen gedichtes durch lächerliche überbietungen zu verhöhnen R. Wagner 9, 168. überbieter, m., emtor pinguior Stieler 181.

 

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