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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbein bis überbevölkern (Bd. 23, Sp. 137 bis 138)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbein, n. , verhärtete sehnengeschwulst, knochenauswuchs. mhd. überbein Lexer 2, 1608; nl. overbeen; dän. overben. nhd. vereinzelt auch oberbein (z. b. Hohberg georg. cur. aucta 3, 228a; Comenius § 286), wogegen Heynatz handb.3 333b sich äuszert. pl.: überbeine (z. b. Jacobi 4, 130); auch in den meisten dialecten gebraucht, vgl. Wöste 192a; Mi wb. d. meckl. ma. 4b; Bauer-Collitz 108b; Hügel Wien. dial. 169a; Hunziker 269.
1) es geschieht zu zeiten, dasz an einem ort des leibs ein solch materi zufleuszet, die ob einem bein erhartet und wachset, welches wir ein überbein nennen Wirsung arzneibuch 527; überbein wird zuweilen auch die schilddrüsengeschwulst (Auerbach romane 2, 7) und der höcker (Arnim 8, 339) genannt. das überbein wächst und wird durch segensspruch beschworen (12. jahrh., Müllenhof-Scherer denkm.3 2, 305), abgeschnitten (Hans Sachs 9, 34 Keller), überbunden (Zimm. chron. 3, 540, 31), oder durch arzneimittel vertrieben: zwo adern seind auf der grossen zehen an beiden füssen, seind gut zu lassen ... für ... die überbeyn, die da wachsen an den schinbeynen Dryander d. ganzen arzenei gem. inhalt (1542) 56a; zerstoszen und pflasterweis übergelegt, vertreibet (es) die überbein, Tabernaemontanus 1140.
2) bildlich: fehler, überflusz, überlast:

dhäin weltleichs mensch ward nie so rain,
es hunch an einem überpayn ring 23c, 11;

(dasz man) allen überflusz vermeid,
ihn als ein überbein abschneid
Hans Sachs 9, 34, 8 Keller;

überbeine, sechste dinge J. Grimm kl. schrift. 1, 409; er ist mir ein überbein praegravis mihi est Serz (1797) 160; wilt du anderst ein rechter bilgerin sein, so must du der wölt ein iber pain sein Keisersberg bilgersch., bei Dacheux 268; mein freund präsentierte mich gehörig, damit ich in dieser korporazion der freundschaft kein überbein und hors d'oeuvre bliebe J. Paul Kampanerthal 14.
überbeinig, adj., che ha soprossi Jagemann (1816) 1191a. die wen of een knobbelgezwel heeft Kramer deutschholl.

[Bd. 23, Sp. 138]


wb. (1787) 465a. hierzu überbeinigkeit, f., bildlich für widerspenstigkeit Görres br. 2, 84.
 
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überbeiszen, v. , mhd. überbîzen, nl. overbijten, dän. overbide. untrennbare verb.
1) durch beiszen übertreffen, überwinden Lexer 2, 1609; wann sie (die hähne) sich miteinander beiszen, musz man sie voneinander treiben, weil derjenige, der überbissen wird, hernach den muth verlieret Hohberg georg. curios. aucta 3, 9, 266a. bildlich:

wenn man ein wenig schreit, biszweilen stille liegt
und manches überbeiszt, so hat man doch gesiegt
Weise zeitvertr. 2, 65.


2) refl. sich überbeiszen, to strain one's jaw in biting Hilpert 634b. verengt: der essig überbeiszt sich, acetum moritur Steinbach 1, 116.
3) beiszend bedecken: die sich überbeiszenden lachenden lippen Gutzkow 9, 178. substantiviert. inf.: dies wonnige überbeiszen der lippen, wenn diese männer ... aus ihrer flasche getrunken haben 327.
 
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überbekommen, v., wasser aufnehmen; vgl. Stenzel seemannsspr. 432; das schiff arbeitete heftig und bekam viel seewasser über Weserzeitg. 1859 nr. 1749. im heutigen sprachgebrauch für überdrüssig werden: ich bekomme die sache über.
 
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überbeschäftigt, adj., sehr beschäftigt: Richelieu ein überbeschäftigter mann Laube 5, 123; meine frau, die mit neuen rollen und proben überbeschäftigt ist Hebbel br. 5, 29. hierzu überbeschäftigung, f., Pückler briefwechs. 8, 135.
 
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überbescheiden, adj., sehr bescheiden, dürftig. nl. overbescheiden. so überbescheiden bin ich auch nicht, dasz ich mir meiner vorzüge nicht wohl bewuszt seyn sollte schrift. d. Göthegesellschaft 7, 285; seine (Grillparzers) materiell überbescheidene lebensstellung die quelle 3. jahrg. nr. 9, 2; überbescheiden musz oft hunger leiden Wander 5, 1779.
 
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überbesserung, f., mehrwert, überschusz des wertes, melioration Jablonski 805b; vgl. auch Scherz gloss. 1695a; ita in Suevia utile dominium emphyteutae vocitari solet: weil ad emphyteutam jeniges gehörig, so er über den canonem aus solchen lehengütern erbauet Besold thes. (1697) 950; wann überbesserung an dem pfandt befunden wurde Frankf. ref. 1, 45 § 18.
 
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überbesoldung, f., mehrbesoldung, überbezahlung: daraus kömpt eines jeden doppelsöldners überbesoldung Kirchhof milit. discipl. (1602) 83.
 
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überbestialisch, adj., das trinken ist ein überbestialisches und überviehisch laster Dannhawer catechismusmilch 2, 446; durch den unkeuschen und überbestialischen zwang Guarinonius grewel der verw. 1101.
 
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überbett, n., deckbett, coltra, boldrone Kramer (1678) 1066b.
 
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überbeugen, v., sich oder andere über etwas hin vor- oder zurückbeugen; trennbare verb., vgl. Kramer hochniederd. wb. (1719) 218a; die zweige überbeugen allg. haushalt.-lex. 1, 189b; er hat zu viel übergebeugt, redensart, womit die Deutschen die trunkenheit einer person andeuten Lichtenberg verm. schr. 3, 39; meist reflexiv:

sie beugte sich über zu schöpfen
Göthe 50, 245 Weim.;

so weit sich mein kopf auch rückwärts überbeugte Matthisson 4, 153; er hatte sich vorn übergebeugt Droste-Hülshoff 2, 274; ohne sich vorn überzubeugen Keller 5, 214. davon überbeugung, f.: überbeugung nach hinten Sömmerring bau d. menschl. körpers 2, 34.
 
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überbevölkern, v., so viel wie bevölkern oder übervölkern. dän.-norw. overbefolke, schwed. öfverbefolka. meist im part.: überbevölkert, nl. overbevolkt. verlassen sind die alten myrtenwälder, die einst so überbevölkert waren Heine 3, 433. hierzu überbevölkerung, f., zu dichte bevölkerung Pestalozzi 6, 96.

 

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