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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überbau bis überbekommen (Bd. 23, Sp. 135 bis 138)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überbau, m. , mhd. überbû auch n., vgl. Lexer handwb. 2, 1611; als fem. von Hohberg georg. curiosa 1, 334b gebraucht.
1) in der rechtsprosa seit dem 13. jahrhundert das bauen über eine bestimmte linie oder grenze hinaus. zu dem rechtsbegriff überbau citiert Haltaus ein Freiberger statut: ein edlich manne der hausz und hoffe hat, der mag bauen auf dem seinen was er will, und unter sich wie tieffe er will und über sich wie hoch er will und mag bauen vierdhalbe fusse über die gassen 1812; vgl. auch die belege aus dem 13. und 14. jahrh. bei Lexer a. a. o. in der heutigen rechtsprosa: hat der eigentümer eines grundstücks ... über die grenze gebaut, ... so hat der nachbar den überbau zu dulden, es sei denn bürgerl. gesetzbuch § 912, absatz 1. in der älteren sprache auch das pflügen über die eigene grenze hinaus.
2) so viel wie raubbau (13. jahrh., vgl. Lexer a. a. o. und s. unten überbauen 7.
3) als concretum der besitz, der auszerhalb einer gemeindegrenze liegt: wir ... verkeufin ... deme commendure und den broederin gemeinligen des dutzschin husis bi Marpurch alsulgin ubirbu und ubirgrif, den si da hant zu Widelinbach uswendich der porten, is si an wingartin, an huse und an hobe und so wi man is anderis genennin mach hess. urk. (1324) 2, 352.
jener theil eines bauwerkes, der über das fundament hinausragt Jacobsson (1784) 4, 464b; projecta, superposita,

[Bd. 23, Sp. 136]


praestructa aedificia Stieler 102; projecture, projection Hilpert 634b; häufig werden wetterdächer an den gebäuden so genannt Krünitz 192, 182; auf einem gekieselten wege gelangte man ... zu einem epheu- und weinumrankten überbau an der rechten seite des landhauses Gutzkow ritter vom geiste 2, 374.
4) jedes bauwerk, das über etwas errichtet wird: überbau eine eiche, und sieh wie sie durch ihr starkes vermögen empor strebt! ... kraft hat sie, dein überbau liegt an ihrer wurzel Klinger theater 2, 152; brückenhaus ist ein mittschiffs von bord zu bord reichender überbau Stenzel seem. 432; ein brunnen ..., in dessen steinernem überbau der eimer hing Storm 17, 37.
 
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überbauen, v. , supra aedificare. mhd. überbûwen, mnd. overbûwen, nl. overbouwen, dän.-norweg. overbygge, schwed. öfverbygga. in der bedeutung 2) trennbare composition, sonst immer untrennbar. von den mhd. bedeutungen (Lexer handwb. 2, 1611) 'in besitz nehmen' (s. auch o. th. 1 sp. 1172 s. v. bauen), 'überackern' und 'auf fremdem grund ein gebäude aufführen', hat sich nur die letzte in der alten und neuen rechtsprosa erhalten. daneben bildeten sich neue verwendungsarten aus.
1) aedificando alteri nocere, also bauen, dasz man auf des andern grund kompt Stoer 495b; belege aus urkunden (seit dem 13. jahrh.) bei Lexer a. a. o., Scherz 1695a und Haltaus 1812; in der älteren sprache mit acc. der person: so einer den andern anklagt, er hab in überbawet, überzeunt, überackert, übermähet, mögen solich und dergleichen irrung anders nit, dann durch offne beschawe mit ordenlicher kundtschafft recht erörtert werden statutenb. 24b. der rentenberechtigte kann jederzeit verlangen, dasz der rentenpflichtige ihm gegen übertragung des eigentums an dem überbauten theile des grundstücks den werth ersetzt bürgerl. gesetzb. § 915, abs. 2.
2) über die grundlinie hinaus bauen: man hatte die gallerien ein wenig übergebaut Heynatz antib. 2, 485; vgl. auch Hilpert 634b; in Frankfurt hatte man bei aufführung hölzerner gebäude sich erlaubt, nicht allein mit dem ersten, sondern auch mit den folgenden stocken überzubauen Göthe 26, 19 Weim. bildlich: dasz sie (die gestalt) etwas vorne übergebaut stand Bode Yoricks empfinds. reise (1768) 1, 10.
3) auf etwas bauen, es durch ein bauwerk überdecken, vgl. Jacobsson 4, 465a; der bauer bestand auf seinem rechte, seinen grund und boden zu überbauen wo und wie es ihm beliebe Wieland 8, 38; das wunderthätige wasser, welches auf dem brunnberge in dem überbauten brünnlein ist Stifter 5, 1, 29; das schiff war mit einer grünen laube überbaut Keller 6, 245.

die nachtigallen wohnen
so liebend, so vertraut
in deinem schoosz, mit kronen
von blüten überbaut
Tiedge 2, 25;

die stätte, wo sie ob der brücke hangen,
die schmal und spärlich überbaut den flusz
Immermann 16, 491.


4) durch umbauen verändern: die alte einst byzantinisch angelegte, jetzt höchst zopfig überbaute kirche Gutzkow zauberer v. Rom 5, 8. auch bildlich: ich werde streben die überbauten und versteckten ... grundfesten des alten römischen volks ... zu entdecken Niebuhr röm. gesch. 1, 3;
5) höher bauen als ein anderer, aedificia altius tollere Stieler 102; dann jemanden übertreffen: keiner wollte den andern überbauen, übermeistern Herder 19, 210;

ja, du hast in überbaut wol
umb einen guten dicken zol
Hans Sachs 14, 67, 2 Keller-Götze.

verengt; einen überbauen = eim mit bauwen die gesicht verschlahen Maaler 442a; vgl. auch woordenb. 11, 1621.
6) refl. sich überbauen, supra modum sumtu et magnificentia prodire Dentzler clavis linguae lat. 294a; kein meyer soll über vermögen bawen, also aber kan er mercken ob er sich nit überbawet Sebiz feldbau 33;

treibt nicht mit kleidung übrig pracht,
euch auch nicht überbawet
Ringwalt evangelia a 7b.


7) raubbau treiben: güter, werden entweder übelgebawet oder überbawet Sebiz feldbau 26.

[Bd. 23, Sp. 137]



8) part. überbaut für zu hoch gebaut (s. o. th. 1, sp. 1162 s. v. bau 4): die pferde ... zeichneten sich durch ... überbaute kruppen aus Alten handb. für heer und flotte 1, 322.
9) überhaut sein für erhalten, bekommen s. Grolmann gaunerspr. 1, 72b.
 
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überbauung, f.
1) landwirthschaftliche bearbeitung: vergeblich forschte er zwischen der rastlosen überbauung des bodens nach spuren früherer pfade Keller 8, 5. auch ausbeutung des bodens: unwirtschaftliche behandlung und überbauung Schwappach handb. forst- u. jagdgesch. 1, 129.
2) bauliche umänderung: umgestaltungen und überbauungen Ritter erdkunde (1822) 16, 298.
 
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überbäumen, v., meist refl., sich aufbäumen, sich überstürzen: das haupthaar, in dichten locken sich vorn überbäumend Grimm Michelangelo 2, 133. metaphorisch: widerspänstig sein. substantivierter inf.: papst Leo VII warf ihnen ihren geitz, stoltz, überbeumen, überflusz in kleidern ... für Nigrinus papist. inquis. 336.
 
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überbedächtig, adj. u. adv., allzu vorsichtig: es sind die bekannten regulae amoris welche die neuere critik überbedächtig ins fünfzehnte jahrh. herabsetzen will J. Grimm kl. schrift. 3, 44; wie es überbedächtige leute wohl thun Mommsen röm. gesch. 5, 53; daraus überbedächtigkeit unentschlossenheit: im vertrauen auf Koburgs überbedächtigkeit allg. weltgesch. 10, 156 Grote.
 
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überbefriedigen, v., vollständig, oder über erwarten befriedigen, nur im part. üblich: er sieht seine wünsche erfüllt, seine hoffnungen überbefriedigt Göthe 46, 36, 14 Weim.
 
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überbefruchten, v., superfetare Krünitz 192, 184. hiezu überbefruchtung, f., dass. wie DWB überschwängerung Krünitz a. a. o.; vgl. auch woordenb. 11, 1619. bildlich Jean Paul 45, 314.
 
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überbehalten, v., nl. overbehouden. trennbare verb. 1) übrig oder zurückbehalten Adelung 4, 1128. von Heynatz (antibarb. 2, 487) als veraltet verworfen. 2) aufbehalten, z. b. den hut Hilpert 634b.
 
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überbein, n. , verhärtete sehnengeschwulst, knochenauswuchs. mhd. überbein Lexer 2, 1608; nl. overbeen; dän. overben. nhd. vereinzelt auch oberbein (z. b. Hohberg georg. cur. aucta 3, 228a; Comenius § 286), wogegen Heynatz handb.3 333b sich äuszert. pl.: überbeine (z. b. Jacobi 4, 130); auch in den meisten dialecten gebraucht, vgl. Wöste 192a; Mi wb. d. meckl. ma. 4b; Bauer-Collitz 108b; Hügel Wien. dial. 169a; Hunziker 269.
1) es geschieht zu zeiten, dasz an einem ort des leibs ein solch materi zufleuszet, die ob einem bein erhartet und wachset, welches wir ein überbein nennen Wirsung arzneibuch 527; überbein wird zuweilen auch die schilddrüsengeschwulst (Auerbach romane 2, 7) und der höcker (Arnim 8, 339) genannt. das überbein wächst und wird durch segensspruch beschworen (12. jahrh., Müllenhof-Scherer denkm.3 2, 305), abgeschnitten (Hans Sachs 9, 34 Keller), überbunden (Zimm. chron. 3, 540, 31), oder durch arzneimittel vertrieben: zwo adern seind auf der grossen zehen an beiden füssen, seind gut zu lassen ... für ... die überbeyn, die da wachsen an den schinbeynen Dryander d. ganzen arzenei gem. inhalt (1542) 56a; zerstoszen und pflasterweis übergelegt, vertreibet (es) die überbein, Tabernaemontanus 1140.
2) bildlich: fehler, überflusz, überlast:

dhäin weltleichs mensch ward nie so rain,
es hunch an einem überpayn ring 23c, 11;

(dasz man) allen überflusz vermeid,
ihn als ein überbein abschneid
Hans Sachs 9, 34, 8 Keller;

überbeine, sechste dinge J. Grimm kl. schrift. 1, 409; er ist mir ein überbein praegravis mihi est Serz (1797) 160; wilt du anderst ein rechter bilgerin sein, so must du der wölt ein iber pain sein Keisersberg bilgersch., bei Dacheux 268; mein freund präsentierte mich gehörig, damit ich in dieser korporazion der freundschaft kein überbein und hors d'oeuvre bliebe J. Paul Kampanerthal 14.
überbeinig, adj., che ha soprossi Jagemann (1816) 1191a. die wen of een knobbelgezwel heeft Kramer deutschholl.

[Bd. 23, Sp. 138]


wb. (1787) 465a. hierzu überbeinigkeit, f., bildlich für widerspenstigkeit Görres br. 2, 84.
 
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überbeiszen, v. , mhd. überbîzen, nl. overbijten, dän. overbide. untrennbare verb.
1) durch beiszen übertreffen, überwinden Lexer 2, 1609; wann sie (die hähne) sich miteinander beiszen, musz man sie voneinander treiben, weil derjenige, der überbissen wird, hernach den muth verlieret Hohberg georg. curios. aucta 3, 9, 266a. bildlich:

wenn man ein wenig schreit, biszweilen stille liegt
und manches überbeiszt, so hat man doch gesiegt
Weise zeitvertr. 2, 65.


2) refl. sich überbeiszen, to strain one's jaw in biting Hilpert 634b. verengt: der essig überbeiszt sich, acetum moritur Steinbach 1, 116.
3) beiszend bedecken: die sich überbeiszenden lachenden lippen Gutzkow 9, 178. substantiviert. inf.: dies wonnige überbeiszen der lippen, wenn diese männer ... aus ihrer flasche getrunken haben 327.
 
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überbekommen, v., wasser aufnehmen; vgl. Stenzel seemannsspr. 432; das schiff arbeitete heftig und bekam viel seewasser über Weserzeitg. 1859 nr. 1749. im heutigen sprachgebrauch für überdrüssig werden: ich bekomme die sache über.

 

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