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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überband bis überbehalten (Bd. 23, Sp. 135 bis 137)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überband, n., ligamen. mnl. overbant, nnl. overband. Frischlin nomenclat. (1591) 233; das vasz das do nit hat ein decksal oder ein überbant erste deutsche bibel num. 19, 15. verengt: copula, so man über einen schaden bindet Stoer 495b.
 
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überbarbarisch, adj. u. adv., sehr grausam. nl. overbarbaarsch. im 17. jahrh. nicht selten: die schreckliche tyrannische überbarbarische execution verhandl. d. schles. fürsten 4, 174; die überbarbarische gottsschänderei Dannhawer catechismusmilch 1, 363; weil schwerlich deme zu trawen stand, von welchem man ungeachtet empfangener wolthat überbarbarisch verfolgt worden Chemnitz schwed. krieg 2, 676.
 
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überbart, m., bart der oberlippe: leute, welche den überbarth niemals beschneiden, sondern lang über das maul herunterhangen lassen Olearius reisebesch. (1696) 306.
 
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überbau, m. , mhd. überbû auch n., vgl. Lexer handwb. 2, 1611; als fem. von Hohberg georg. curiosa 1, 334b gebraucht.
1) in der rechtsprosa seit dem 13. jahrhundert das bauen über eine bestimmte linie oder grenze hinaus. zu dem rechtsbegriff überbau citiert Haltaus ein Freiberger statut: ein edlich manne der hausz und hoffe hat, der mag bauen auf dem seinen was er will, und unter sich wie tieffe er will und über sich wie hoch er will und mag bauen vierdhalbe fusse über die gassen 1812; vgl. auch die belege aus dem 13. und 14. jahrh. bei Lexer a. a. o. in der heutigen rechtsprosa: hat der eigentümer eines grundstücks ... über die grenze gebaut, ... so hat der nachbar den überbau zu dulden, es sei denn bürgerl. gesetzbuch § 912, absatz 1. in der älteren sprache auch das pflügen über die eigene grenze hinaus.
2) so viel wie raubbau (13. jahrh., vgl. Lexer a. a. o. und s. unten überbauen 7.
3) als concretum der besitz, der auszerhalb einer gemeindegrenze liegt: wir ... verkeufin ... deme commendure und den broederin gemeinligen des dutzschin husis bi Marpurch alsulgin ubirbu und ubirgrif, den si da hant zu Widelinbach uswendich der porten, is si an wingartin, an huse und an hobe und so wi man is anderis genennin mach hess. urk. (1324) 2, 352.
jener theil eines bauwerkes, der über das fundament hinausragt Jacobsson (1784) 4, 464b; projecta, superposita,

[Bd. 23, Sp. 136]


praestructa aedificia Stieler 102; projecture, projection Hilpert 634b; häufig werden wetterdächer an den gebäuden so genannt Krünitz 192, 182; auf einem gekieselten wege gelangte man ... zu einem epheu- und weinumrankten überbau an der rechten seite des landhauses Gutzkow ritter vom geiste 2, 374.
4) jedes bauwerk, das über etwas errichtet wird: überbau eine eiche, und sieh wie sie durch ihr starkes vermögen empor strebt! ... kraft hat sie, dein überbau liegt an ihrer wurzel Klinger theater 2, 152; brückenhaus ist ein mittschiffs von bord zu bord reichender überbau Stenzel seem. 432; ein brunnen ..., in dessen steinernem überbau der eimer hing Storm 17, 37.
 
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überbauen, v. , supra aedificare. mhd. überbûwen, mnd. overbûwen, nl. overbouwen, dän.-norweg. overbygge, schwed. öfverbygga. in der bedeutung 2) trennbare composition, sonst immer untrennbar. von den mhd. bedeutungen (Lexer handwb. 2, 1611) 'in besitz nehmen' (s. auch o. th. 1 sp. 1172 s. v. bauen), 'überackern' und 'auf fremdem grund ein gebäude aufführen', hat sich nur die letzte in der alten und neuen rechtsprosa erhalten. daneben bildeten sich neue verwendungsarten aus.
1) aedificando alteri nocere, also bauen, dasz man auf des andern grund kompt Stoer 495b; belege aus urkunden (seit dem 13. jahrh.) bei Lexer a. a. o., Scherz 1695a und Haltaus 1812; in der älteren sprache mit acc. der person: so einer den andern anklagt, er hab in überbawet, überzeunt, überackert, übermähet, mögen solich und dergleichen irrung anders nit, dann durch offne beschawe mit ordenlicher kundtschafft recht erörtert werden statutenb. 24b. der rentenberechtigte kann jederzeit verlangen, dasz der rentenpflichtige ihm gegen übertragung des eigentums an dem überbauten theile des grundstücks den werth ersetzt bürgerl. gesetzb. § 915, abs. 2.
2) über die grundlinie hinaus bauen: man hatte die gallerien ein wenig übergebaut Heynatz antib. 2, 485; vgl. auch Hilpert 634b; in Frankfurt hatte man bei aufführung hölzerner gebäude sich erlaubt, nicht allein mit dem ersten, sondern auch mit den folgenden stocken überzubauen Göthe 26, 19 Weim. bildlich: dasz sie (die gestalt) etwas vorne übergebaut stand Bode Yoricks empfinds. reise (1768) 1, 10.
3) auf etwas bauen, es durch ein bauwerk überdecken, vgl. Jacobsson 4, 465a; der bauer bestand auf seinem rechte, seinen grund und boden zu überbauen wo und wie es ihm beliebe Wieland 8, 38; das wunderthätige wasser, welches auf dem brunnberge in dem überbauten brünnlein ist Stifter 5, 1, 29; das schiff war mit einer grünen laube überbaut Keller 6, 245.

die nachtigallen wohnen
so liebend, so vertraut
in deinem schoosz, mit kronen
von blüten überbaut
Tiedge 2, 25;

die stätte, wo sie ob der brücke hangen,
die schmal und spärlich überbaut den flusz
Immermann 16, 491.


4) durch umbauen verändern: die alte einst byzantinisch angelegte, jetzt höchst zopfig überbaute kirche Gutzkow zauberer v. Rom 5, 8. auch bildlich: ich werde streben die überbauten und versteckten ... grundfesten des alten römischen volks ... zu entdecken Niebuhr röm. gesch. 1, 3;
5) höher bauen als ein anderer, aedificia altius tollere Stieler 102; dann jemanden übertreffen: keiner wollte den andern überbauen, übermeistern Herder 19, 210;

ja, du hast in überbaut wol
umb einen guten dicken zol
Hans Sachs 14, 67, 2 Keller-Götze.

verengt; einen überbauen = eim mit bauwen die gesicht verschlahen Maaler 442a; vgl. auch woordenb. 11, 1621.
6) refl. sich überbauen, supra modum sumtu et magnificentia prodire Dentzler clavis linguae lat. 294a; kein meyer soll über vermögen bawen, also aber kan er mercken ob er sich nit überbawet Sebiz feldbau 33;

treibt nicht mit kleidung übrig pracht,
euch auch nicht überbawet
Ringwalt evangelia a 7b.


7) raubbau treiben: güter, werden entweder übelgebawet oder überbawet Sebiz feldbau 26.

[Bd. 23, Sp. 137]



8) part. überbaut für zu hoch gebaut (s. o. th. 1, sp. 1162 s. v. bau 4): die pferde ... zeichneten sich durch ... überbaute kruppen aus Alten handb. für heer und flotte 1, 322.
9) überhaut sein für erhalten, bekommen s. Grolmann gaunerspr. 1, 72b.
 
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überbauung, f.
1) landwirthschaftliche bearbeitung: vergeblich forschte er zwischen der rastlosen überbauung des bodens nach spuren früherer pfade Keller 8, 5. auch ausbeutung des bodens: unwirtschaftliche behandlung und überbauung Schwappach handb. forst- u. jagdgesch. 1, 129.
2) bauliche umänderung: umgestaltungen und überbauungen Ritter erdkunde (1822) 16, 298.
 
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überbäumen, v., meist refl., sich aufbäumen, sich überstürzen: das haupthaar, in dichten locken sich vorn überbäumend Grimm Michelangelo 2, 133. metaphorisch: widerspänstig sein. substantivierter inf.: papst Leo VII warf ihnen ihren geitz, stoltz, überbeumen, überflusz in kleidern ... für Nigrinus papist. inquis. 336.
 
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überbedächtig, adj. u. adv., allzu vorsichtig: es sind die bekannten regulae amoris welche die neuere critik überbedächtig ins fünfzehnte jahrh. herabsetzen will J. Grimm kl. schrift. 3, 44; wie es überbedächtige leute wohl thun Mommsen röm. gesch. 5, 53; daraus überbedächtigkeit unentschlossenheit: im vertrauen auf Koburgs überbedächtigkeit allg. weltgesch. 10, 156 Grote.
 
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überbefriedigen, v., vollständig, oder über erwarten befriedigen, nur im part. üblich: er sieht seine wünsche erfüllt, seine hoffnungen überbefriedigt Göthe 46, 36, 14 Weim.
 
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überbefruchten, v., superfetare Krünitz 192, 184. hiezu überbefruchtung, f., dass. wie DWB überschwängerung Krünitz a. a. o.; vgl. auch woordenb. 11, 1619. bildlich Jean Paul 45, 314.
 
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überbehalten, v., nl. overbehouden. trennbare verb. 1) übrig oder zurückbehalten Adelung 4, 1128. von Heynatz (antibarb. 2, 487) als veraltet verworfen. 2) aufbehalten, z. b. den hut Hilpert 634b.

 

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