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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überarbeitung bis überbart (Bd. 23, Sp. 133 bis 135)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überarbeitung, f.
1) überanstrengung, s. oben überarbeiten 1. so kommt es, dasz durch überarbeitung derjenigen organe, die vergleichsweise zur ruhe bestimmt sind ... der eine den gallenfiebern, der andere der auszehrung häufig erliegt Peschel völkerkunde 95.
2) die nochmalige bearbeitung, umänderung, verbesserung (s. oben überarbeiten 2); Krünitz 192, 175; es giebt farben, womit man mit einem pinselstrich mehr ausrichtet, als mit öfterer überarbeitung durch andere farben Sulzer theorie d. schönen künste 2, 107; Michelangelo, der nicht, wie es heute geschieht, den stein bis auf die letzte überarbeitung fremden händen überliesz Grimm Michelangelo 1, 197; aber diese überarbeitungen in längeren zwischenräumen haben dem drama auch das schöne ebenmasz genommen Freytag 14, 166; der (münz-) fälscher benutzt dabei echte münzen, deren bild ... er durch überarbeitung mit dem stichel ... verändert Luschin von Ebengreuth münzk. u. geldg. 128.
 
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überärmel, m., streifärmel Kramer hochniederd. wb. (1719) 218a; überzug über einen ärmel Ludwig teutschengl. wb. 1785; vgl. Krünitz 192, 177.
 
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überart, f., zu übereren: das ackern über den eigenen acker hinaus; s. oben überackern 1). injurien, schmehe, scheltwort ... jungfrawen schwechen, überart, auswerfung der malstein belangend Erff. st. ordn. D 1 ja.
 
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überart, f., übernatur:

(irdische vernunft) gar nichts versteht
wann got sein hohes werck in überart verhüllet
Rompler v. Löwenhalt ged. (1647) 27.


 
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überauf, richtungsadv., empor. Staub-Tobler 1, 120; schriftsprachlich selten:

(es ist) dein roth durchstriemter leib nur eine blosze wunde
daher geblüte dann, hoch überauf geschwellt,
an allen enden röhrt
Scultetus bei
Lessing 11, 188, 32.


 
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überäugig, adj., luscus, schelch, übersehig, gelincksichtig Schöpper synon. (1550) c 4a; überäugicht Kramer teutsch-ital. dict. 1 (1700), 44b; överöget Richey idiot. 178; överoogd Stürenburg 163b; öwerögsch flüchtig, hauptsachen übersehend Mi wb. der meckl. ma. 5a.
 
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überaus , verstärkungsadv. aus früherem richtungsadv., vgl. Schmeller 1, 158. nl. overuit nur steigerungsadv.
1) richtungsadv. überhinaus: wie den Tewrdanck ... der wind erhub und überaus wolt geworfen haben Teuerdank 56 überschr.; so musz man die ruder ... hert halten in den henden, dasz sie nit den ruderer überausz werfen Keisersberg schiff d. pen. 31c; also das ellende weib über die mauren des turnes überausz sahe Arigo decam. 510, 38; so ferr mit dem böler zu weit oder überausz geworfen wird Fronsperger kriegsbuch 1 b3; überaus schweifen supervagari Maaler 442c; überauszgon supereminere 442a; Schönsleder prompt. T 2b; als were gott so ein gros ausgebreitet ding, das durch und überaus alle reicht Luther 26, 333 Weim.; überausz langen eminere Dentzler clavis ling. lat. 294a; überausfahren Böhme schr. 5, 62; viel dergleichen böse schützen find man noch in der welt: dann der eine scheust überausz, dem andern bricht der bogen, ... dem vierdten verruckt der stuel Albertinus hirnschleiffer 411; der gebrauch veraltet rasch: efferveo über aus wallen Calepinus undec. ling. (1598) 463b wird in der Leydener ausg. (1654) 399 in oben auszhin w. geändert. auch

[Bd. 23, Sp. 134]


die bedeutung der flächenhaften verbreitung (= überall) kommt nach dem 16. jahrh. auszer übung.

Lazarus, gar überausz
voller geschwer ...
Hans Sachs 1, 269, 9 Keller;

herr, ich hab lieb die stett deins hausz
und den ort, da wohnt überausz
desz allmechtigen lob und ehr 18, 117, 12 Keller-Götze.


2) praeter modum, abgeschwächt valde, maxime.
a) bei verben: sich überaus bemühen, den schatz überaus vermehren Steinbach (1734) 1, 50; Adelung, Heynatz, Campe nennen die verwendung bei verben veraltet, doch ist sie, besonders bei den verben des affects, bis heute üblich.

ir knecht, ich bitt euch überausz
Hans Sachs 6, 143, 29 Keller;

die sach gefellt mir überausz
Alberus fabeln 36 neudr.;

das ziert dein nasen überausz
Scheit Grobianus v. 232 neudr.;

darinn er lobt und streicht herausz,
dieselbig mesze uberausz
Mangold marckschiff (1596) B;

da weint die mutter überausz
fieng an ein groszes klagen Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 258;

aber wenn ich dich betrachte, thut mir nur dies eine not:
dich zu setzen über alles, dich zu lieben überaus
Platen 2, 54;

(ich) weysz aber, das disz den papisten überausz miszfallen wirt Luther 8, 529 Weim.; der vater, welcher die kleider überaus schonete polit. maulaffe (1679) 3; also wurden ihre gemüther überaus beweget Lohenstein Arminius 1, 12b; durch ganz verstärkt: ganz überaus schnarchte er Immermann 3, 136; das schmeckte ihm ganz überaus Mörike 1, 238.
beim verb. subst. nur im 16. u. 17. jahrh.: es ist über aus und über alle masse, das wueten Luther 18, 359, 13 Weim.; ich weisz wenn du sie sehen würst, du würst sagen sie sey überaus Boltz Terenz deutsch 44b;

so grüsz dich gott, du edles hausz,
du schönes klösterlein,
dein schöne zier ist überausz fl. bl. zwey newe geistliche lieder (Augsburg bei M. A. H. (1638).


b) bei substantiven:

ja alle die darinnen (im himmel) wohnen,
die tragen unvorwelckte kronen,
mit wunderfreuden überaus
Ringwalt christl. warnung B 7b;

ey, das ist ein wunder überausz
Ayrer dramen 58;

er (gott) breitet weit die arme aus
und spricht in liebe überaus:
all, was da lebet, soll sich freun
Storm ged. (1852) 114.


selten attributiv vorangestellt: es ist vor auch wol ein gelert in allerley kunst und sprachen, ein überausz seculum gewesen, wie mans liszt Franck chron. Germ. (1538) 31.
c) bei adjectiven u. adv. zur steigerung und umschreibung des superlativs ganz allgemein: circumloquimur superlativum per positivum addita dictione überausz ... als: er ist überaus freigebig super ommia liberalis est Albertus gramm. 56; perhumane ser freuntlich, überausz freuntlich Alberus dict. (1540) 8b; überausz fürträffenlich praeexcellens Maaler 441d; darumb ist's gar überausz eyn nerricht ding Luther 11, 262, 31 Weim.; sampt einem meinem bruder, der überausz ein schöner jüngling war buch der liebe 160c; er ist gesprech und beder rechten gaistlichs und werltliches überaus wolgelert Wyle translationen 17, 16 Keller; einen überausz köstlichen krantz Wickram 1, 265, 32; den hett er überausz lieb Knebel chron. v. Kaisheim 267; es hat ein jeder mit sich ... überausz genug zu schaffen Mathesius Sarepta 221b; von dem überausz jesuwidrischen schreiben Fischart nachtrab 1; sie war auch überausz schön und rohtbacket volksb. v. dr. Faust 75 neudr.; nun hett aber dieser solche red überaus hoch für übel Bebel facetiae (1589) 66b; ein grosses ... feld, welches mit überausz hohen ... mauren umbgeben Moscherosch gesichte (1650) 197; aber seine gründe darauf er bauet sein überausz schlecht Morhof unterricht (1682) 1, 31; überausz lustig Simplicissimus 3

[Bd. 23, Sp. 135]


neudr.; überaus rachgierig Springinsfeld 38, 26 Keller; er sahe es überaus gerne Lohenstein Arminius 1, 3; sie haben überaus recht Gottsched deutsche schaubühne (1741) 2, 85; ein überaus seltenes übel Haller Usong (1771) 45; von Ridinger, einem überaus geschickten thiermahler Lavater physiogn. frag. 1, 253; mit überaus schnellen schritten Novalis 4, 60; überaus lichte augen Droste-Hülshoff 2, 332; sie erholt sich nur überaus langsam Humboldt br. an Welcker 65; überaus zufrieden Steffens was ich erlebte 1, 114; der natur überaus gemäsz Justi Winckelmann 1, 379; von überaus edler gestalt Ludwig 2, 418; ein überaus wichtiges zugeständnisz Ranke 1, 116; auch zu doppelter steigerung: sanct Bernhardt sagt, dasz er lieber wolte in einen überausz sehr heiszen offen gehen Nigrinus von zäuberern u. s. w. 23; desz überausz sehr heiligen vaters Schupp schrift. 404;

wann ich bin freydig überausz
Hans Sachs 21, 37, 15 Keller-Götze;

gott hat uns sölchen könig beschert
der überausz ist wol gelert
Alberus fabeln 95 neudr.;

wie ist's doch so still überausz
allhier vor des Admeti hausz!
W. Spangenberg Alcestis 205;

gott Jupiter gieng in sein hausz,
herrlich geschmücket überausz
Spreng Ilias 11b;

der Isegrimm der sprach: das ist ein seltzam ding
dasz dies der könig schetzt so überaus gering Reinicke fuchs (1650) 197.

flectiert und in die adj.-classe übergeführt: etwas überauszes und ungemeines Arndt werke 1, 19.
 
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überbacken, v., nl. overbakken. untrennb. verb. 1. oberflächlich backen oder nochmals backen. 2. zu viel backen. part. überbacken in beiden bedeutungen Jagemann (1816) 1191a.
 
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überband, n., ligamen. mnl. overbant, nnl. overband. Frischlin nomenclat. (1591) 233; das vasz das do nit hat ein decksal oder ein überbant erste deutsche bibel num. 19, 15. verengt: copula, so man über einen schaden bindet Stoer 495b.
 
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überbarbarisch, adj. u. adv., sehr grausam. nl. overbarbaarsch. im 17. jahrh. nicht selten: die schreckliche tyrannische überbarbarische execution verhandl. d. schles. fürsten 4, 174; die überbarbarische gottsschänderei Dannhawer catechismusmilch 1, 363; weil schwerlich deme zu trawen stand, von welchem man ungeachtet empfangener wolthat überbarbarisch verfolgt worden Chemnitz schwed. krieg 2, 676.
 
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überbart, m., bart der oberlippe: leute, welche den überbarth niemals beschneiden, sondern lang über das maul herunterhangen lassen Olearius reisebesch. (1696) 306.

 

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