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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überanstrengen bis überauf (Bd. 23, Sp. 130 bis 133)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überanstrengen, v., übermäszig anstrengen. entlehnt ins dän.-norweg. overanstrænge, schwed. öfveranstränga. untrennb. verb.: er überanstrengt weder mensch noch tier Heer könig d. Bernina 205; part. überangestrengt und überanstrengt: auf der reise nach Leipzig hatte er sich bei einem wagenunfall die brust überangestrengt Bielschowsky Göthe 1, 90; womit hat er dich gedrängt — und deinen dienstgehorsam überangestrengt? Rückert 11, 451; statt der überangestrengten stimme seiner schwester vernahm der bursche eine glockenhelle Ebner-Eschenbach 5, 99; (ein kopf), der durch kenntnisse nicht überanstrengt war Polenz Grabenhäger 1, 167; im werk (fabrik) muszt bei staub und rauch alleweil das gleiche tun, so dasz der eine körperteil überanstrengt, der andere verkümmert wird Rosegger wildlinge 335; häufig reflexiv sich überanstrengen, körperlich und geistig, allgemein.
 
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überanstrengung, f., hyperentasis, eine bis zur erschöpfung der kraft fortgesetzte thätigkeit oder arbeitsleistung Koch encycl. 10, 468a; auf die überanstrengung

[Bd. 23, Sp. 131]


folgt erschlaffung Gervinus gesch. d. 19. jahrh. 7, 10; die gemütsbewegung und geistige überanstrengung an dem tage vor dem tode seines ältern sohnes hatten seine letzte kraft untergraben Ludwig 1, 379; auch waffen, die durch maschinen bewegt werden, sind gegen überanstrengung nicht gefeit Alten handb. f. heer u. flotte 2, 259; auch plur.: nach unzähligen überanstrengungen seiner kräfte Ritter erdkunde 7, 805.
 
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überantworten, v., tradere. dän.-norw. overantvorde und schwed. öfverantvarda aus mnd. entlehnt. untrennbare verb.; mhd. überantworten; seit dem 15. jahrh. belegt. zur form: oberdeutsch vorwiegend die ältere form mit u (ü) im stamm (s. oben th. 1, sp. 509f.), z. b. inf. überantwurten Geiler bilgersch. B 3b; er überantwurtet Wickram 1, 19, 8; Tschudi chron. Helv. 1, 46; part. überantwurt Zwingli deutsche schr. 1, 125; überantwurt d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 107a; überantwurtet Frisius dict. 469b; manche oberdeutsche schriftsteller schwanken in der orthographie zwischen o und u (z. b. Hutten Boltz, Seb. Münster), andere haben nur o (z. b. Hans Sachs, Maaler); mitteldeutsch (z. b. Luther) und schriftdeutsch: o. synkopierung des e des part. (überantwort für überantwortet) ist im 16. jahrhundert ganz allgemein und findet sich noch im 18. vereinzelt. als trennbare comp. wird überantworten selten behandelt: oberczuantworten schles. urk. (1454) 1, 204; Weller d. ersten d. zeitungen (1510) 17; Luther 23, 466, 15; übergeantwurt urk. z. gesch. Maxim. 410; schles. urk. (1501) 2, 191; Luther 23, 470; übergeantwortet Alexis Roland von Berlin 2, 390.
bedeutung und gebrauch: wie ausantworten nimmt ü. die heute verlorene bedeutung des simplex antworten = übergeben auf: trado, ich überantwort Alberus (1540) B B ija; in manus dare Maaler 441d; zustellen, tradere in mano Hulsius (1605) 143a; behändigen Sattler (1617) 346; transferre Stieler 2581; überliefern Frisch dict. (1719) 565; darreichen, bringen curiöses bauernlexikon (1728) 124; schon ende des 18. jahrhunderts gilt es in freier verwendung veraltet (Heynatz, Adelung, anders Krünitz 192, 172); brief überantworten epistolam reddere Maaler (1561) a. a. o.; credentzschreiben dienen dazu, das man deme trauen sol, der sie überantwortet Gueintz rechtschreibung (1666) 46; so bald du den brief wirst überantwortet haben, wird der richter seine tochter dir zum weibe geben Olearius reisebeschr. (1696) 262; ich will ihnen auch sein urtheil über den 1. theil von Sternbald wiedergeben, sie überantworten es Tieck Caroline 1, 219 Waitz.
in der rechtsprosa: mit allem gewalt ausz den handen lassen und übergäben, emancipare Maaler a. a. o.; sie mögen das pfand dem centgräffen überantworten weisth. 3, 416 (Wetterau 1461); wenn der vogt die frau in des mannes hand geben will, nimmt er die frau, ein schwert, ein gülden fingerlin ... und überantwortet sie so dem mann J. Grimm kl. schrift. 2, 201; demnach bestand das vermögen (Mozarts) aus 592 fl. 9 kr., welches der wittwe ... überantwortet wurde Jahn Mozart 689 anm. 26; von da allgemein: auf das dich der widersacher nicht ... überantworte dem richter, und der richter überantworte dich dem diener Matth. 5, 25; darnach kamen die geistlichen ... zusamen, das sie mich ... dem weltlichen schwert überantwurten zebrennen Eberlin von Günzburg 2, 106 neudr.; so solten alle ... dieselbige dem weltlichen richter zur leibstraf überantworten Fischart binenkorb (1588) 12a; diener, überantworte diese beyden mörder alsobald dem hencker engl. comed. u. trag. (1624) R 5b; Pompeius ... überantwortete ihn so wie die übrigen insurgentenchefs dem scharfrichter Mommsen röm. gesch. 3, 35;

da hat man überantwort in
zw pewarn dem maister de Campo
Hans Sachs 22, 398, 12 Keller-Götze.


in weiterer verwendung: ausliefern, preisgeben, verraten Megiserus (1592) Oo 6; eine tochter, welche den eignen vater seinen feinden zu überantworten im stande ist, verdient diesen namen nicht Immermann 6, 118; Deutschland, die wiege der reformation, ... soll römischen priestern überantwortet werden Gutzkow 10, 46; er hatte ... in ihr eine vertraute, ohne sich durch eigenes geständnisz ihr überantwortet zu haben! Holtei schr. 3, 169.

[Bd. 23, Sp. 132]



anvertrauen: das übel hatte sich so gesteigert, dasz die eltern das arme kind nicht im hause behalten konnten, sondern einer öffentlichen anstalt überantworten muszten Göthe 20, 267 Weim.; meine zwei knaben sind bereits den schulen überantwortet Chamisso 6, 151; sie ... würde ihm ... die schlüssel ihrer schatzkammer überantwortet haben François letzte Reckenburgerin 1, 176.
statt dat. der person mit präpositionalconstruction (in, zu, an, gegen): es ist zukünftig, das des menschen son überantwortet werde in der menschen hende Matth. 17, 22; (Saulus) überantwortet sie ins gefengnis apost.-gesch. 8, 3; welche sie in die haft überantworten musten Schütz hist. rer. Prussic. (1592) 2, K 4b; es wird aber ein bruder den andern zum tode überantworten Matth. 10, 21; als wenn sie ihn zum tod überantwortet hätten Niebuhr röm. gesch. 3, 235; ein überantworten der zerrütteten reichsfreiheit an den jetzt übermächtigen kaiser Laube 15, 7; der hatt ettlichen fürsten gebotten, mich gefangen gen Rom zeüberantwurten Hutten opera 1, 372; auch absolut: hüet eu vor den menschen, sie werden eu überantworten in iren landtägen Berth. v. Chiemsee theologey 111; bey der communion küssest du zwar Christum mit dem munde, aber du überantwortest ihn hernach, dasz er geschleppet werde auf den berg Calvariae Schupp schrift. 283.
 
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überantwortung, f., traditio Maaler (1561) 441d; zustellung oder übergebnusz Frisius dict. (1556) 136a; lieferung Stoer (1650) 495b; deditio Stieler 2581. wie überantworten im freien gebrauch veraltet, als rechtsausdruck, auch metaphorisch, allgemein. er mich von solicher schuld, vergknisz und gelittnem costen und schaden lidige, und unclagbar mach mit überantwortung des pfärts Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) s 1a; die überantwortung Christi für Pilatum Keisersberg passion 55d; hatte er seine in Judäa umhergesandten jünger auf etwas anders, als auf ... überantwortung in die richterstühle vertröstet? Herder 19, 183; bis zur überantwortung der Julirevolution an die strohjobberey der börse Gutzkow 12, 231.
 
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überarbeit, f.
1) sehr grosze mühsal: aus der mhd. bedeutung von arbeit = mühe erwachsen:

diu kristenheit lite überarbeit grôze Lohengrin 5067.


2) auszerordentliche dienstleistung; arbeit, über die ausbedungene tageszeit hinaus, z. b. ü. machen, tun, leisten, für ü. bezahlt werden; vgl. lux. ma. 193b; fabrikmäszige ... überarbeit R. Wagner 7, 296.
 
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überarbeiten, v. , supra modum laborare. nl. overarbeiden; dän.-norweg. overarbejde aus mnd. entlehnt. untrennb. comp.; für trennb. comp. in der bedeut. 2 tritt allgem. deutsche bibl. 38, 152 ein, dagegen Heynatz antib. 2, 486; part. übergearbeitet für regelmäsziges überarbeitet vereinzelt: Winckelmann 5, 104; Tieck 4, 104; als trennb. comp. notieren Campe 5, 7 und Sanders handwb. 728 das wort in der bedeutung 'hinüberarbeiten'.
1) laboribus vires corporis et animi frangere Steinbach 1, 33; so man das pferd überarbait hatt Mynsinger von den falken 80; wenn der jäger den hund entweder durch überarbeiten oder durchs herum schleppen in ungeschlachtem wetter ... ganz unlustig zum suchen machet Heppe aufrichtiger lehrprinz (1751) 299; meist refl.: sich überarbeiten Crecelius 2, 831; Stürenburg 162a; wann einer in eines herren dienst ist, ... derselbige soll vor allen dingen sich hüten, dasz er sich nit überarbeite Agyrtas grillenvertreiber (1670) 3, 119; man musz es so mit der arbeit halten, wie mit dem essen und trinken; man musz immer nur so lange essen und trinken, dasz man noch appetit behält, und so auch sich nicht überarbeiten Heinse 7, 29 Schüddekopf; diese kur ... wirkt auf überarbeitete nerven nicht beruhigend Bismarck gedank. u. erinnergn. 2, 223 volksausg. verengt als fachausdruck in der landwirthschaft für überbuttert, überknetet Koch encycl. 10, 468.
2) über etwas hin arbeiten oder nochmals bearbeiten und dadurch verbessern, vgl. Heynatz a. a. o.; Krünitz encycl. 192, 172; von statuen, die völlig mit dem eisen überarbeitet worden, ist der Laokoon die schönste Winckelmann 5, 27; ich habe ... die matten verse überarbeitet

[Bd. 23, Sp. 133]


Göthe IV 28, 6 Weim.; ew. hochwohlgeb. empfangen abermals geneigt den überarbeiteten aufsatz, der noch immer genug seinen extemporirten ursprung verräth IV 34, 251, 19 Weim.; doch wird das im vorliegenden fall, wo ich ein libretto blosz überarbeiten, nicht schreiben soll, wohl leichter gehen, wie es sonst ginge Hebbel briefe 4, 29; daraus: überarbeiter: z. b. die überarbeiter des Nibelungenliedes J. v. Müller 17, 361.
3) jemanden in der arbeit übertreffen: ich getraue mir ihn zu überarbeiten, niederzuarbeiten, ich getraue mir mit ihm zu wettarbeiten Kramer teutsch-italiän. dict. 1 (1700), 29a; je schneller gearbeitet wird, desto besser. zeit ist geld. einer überarbeitet den anderen Halbe ring des lebens (1909) 154.
4) über die gewöhnliche arbeitszeit hinausarbeiten; trennb. verb., vgl. Stürenburg 162a; lux. ma. 193b; Sanders handwb. 728.
 
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überarbeitung, f.
1) überanstrengung, s. oben überarbeiten 1. so kommt es, dasz durch überarbeitung derjenigen organe, die vergleichsweise zur ruhe bestimmt sind ... der eine den gallenfiebern, der andere der auszehrung häufig erliegt Peschel völkerkunde 95.
2) die nochmalige bearbeitung, umänderung, verbesserung (s. oben überarbeiten 2); Krünitz 192, 175; es giebt farben, womit man mit einem pinselstrich mehr ausrichtet, als mit öfterer überarbeitung durch andere farben Sulzer theorie d. schönen künste 2, 107; Michelangelo, der nicht, wie es heute geschieht, den stein bis auf die letzte überarbeitung fremden händen überliesz Grimm Michelangelo 1, 197; aber diese überarbeitungen in längeren zwischenräumen haben dem drama auch das schöne ebenmasz genommen Freytag 14, 166; der (münz-) fälscher benutzt dabei echte münzen, deren bild ... er durch überarbeitung mit dem stichel ... verändert Luschin von Ebengreuth münzk. u. geldg. 128.
 
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überärmel, m., streifärmel Kramer hochniederd. wb. (1719) 218a; überzug über einen ärmel Ludwig teutschengl. wb. 1785; vgl. Krünitz 192, 177.
 
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überart, f., zu übereren: das ackern über den eigenen acker hinaus; s. oben überackern 1). injurien, schmehe, scheltwort ... jungfrawen schwechen, überart, auswerfung der malstein belangend Erff. st. ordn. D 1 ja.
 
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überart, f., übernatur:

(irdische vernunft) gar nichts versteht
wann got sein hohes werck in überart verhüllet
Rompler v. Löwenhalt ged. (1647) 27.


 
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überauf, richtungsadv., empor. Staub-Tobler 1, 120; schriftsprachlich selten:

(es ist) dein roth durchstriemter leib nur eine blosze wunde
daher geblüte dann, hoch überauf geschwellt,
an allen enden röhrt
Scultetus bei
Lessing 11, 188, 32.

 

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