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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überacht bis überarbeit (Bd. 23, Sp. 126 bis 132)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überacht, f., aberacht (s. o. th. 1 sp. 32). mhd. überæhte Lexer 2, 1608; mnd. overacht Schiller-Lübben 3, 252; das ist alles nichts gegen gottes zorn zurechnen, wenn gott einen in die acht und überacht thut Mathesius Syrach (1586) 100b; und kamen ich und mein bruder in acht und überacht Götz von Berlichingen (1731) 52; da der kaiser ihm mit acht und überacht drohte Chézy erzähl. und novellen (1822) 1, 165.
 
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überackern, v. , über etwas hin den pflug führen. untrennbare comp. part.: überackert Steinbach 1, 9; Adelung 4, 745; mit umlaut im stamm: überäckert bei Geffcken bilderkatechismus, beilage 65; als trennbare und untrennbare verbindung gebucht bei Campe 5, 7; Hilpert 634a; Sanders8 handwb. 728a.
1) über den eigenen acker hinaus ackern, vgl. Lexer 2, 1608; so einer den andern anklagt, er hab in überbawet, überzeunt, überackert, übermähet, mögen solich und dergleichen irrung anders nit, dann durch offne beschawe mit ordenlicher kundtschaft recht erörtert werden statutenbuch 24b; synonyma zu überackern: übereren: were auch, dasz jemant den andern überirry weisth. 1, 40 (Wetterschwyl); die ir land und ecker grössent mit übereren, markstein verrucken oder ander betrüglichkeit irer nachbauren Keisersberg dreieckecht spiegel C c 4a; vgl. auch Richthoven 1111b; Martin-Lienhart 1, 62; hierzu überahrt, f., Stieler 18; überäferen Staub-Tobler 1, 107.
2) über eine fläche hin den pflug führen, obarare, perarare Stieler 18; oder ist des holtzes nicht so vil, so ists genug wann mans abhawet und ... überackert Sebiz feldbau 21; mit forchen überackert Opitz Argenis 2, 461.
3) den acker, der schon gepflügt ist, noch einmal überpflügen Jacobsson 4, 464a.
 
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überall , raumadv., per totum, ubique. ahd. ubaral; uberal; mhd. überal; mnd. overal; mnl. u. nnl. overal, schwed. öfveralt; dän. overalt (schwed.-dän. aus dem mnd. entlehnt); ags. ofereall; engl. overall; fries. ural. uneigentliche composition aus über all = über alles hin (vgl. oben über c. acc. 1). die adverbielle verwendung ist zwar schon für das 8. jahrh. durch glossen erwiesen (Graff 1, 215 f.), doch bleibt das gefühl für die präpositionale verbindung noch in mhd. zeit und drüber hinaus durchaus lebendig (vgl. Wiessner beiträge 27, 39). die späte zusammenrückung zur composition überall erklärt auch das schwanken in der betonung: Adelung, Weigand, Heyne u. a. wbb. betonen überáll, Campe, Sanders nennen den wortaccent schwankend; die dialecte verhalten sich verschieden, vgl. z. b. Hunziker 268; Martin-Lienhart 1, 28. dreisilbige formen vereinzelt: überale Schede ps. 90, 18 neudr.; überalle P. Gerhart in Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 378; überallen Rosegger schr. 7, 76.
1) local: über alles hin: uuas thiu tuniha unginait fon obanentigi ubar al giuueban, desuper per totum Tatian 203, 2;

der palas unt die wende was allez überal
gezieret gegen den gesten Nib. 565, 1;

(er) lûte die glocken, die er vant
vaste ze sturme, daz der schal
quam in daz dorf überal Reinhart Fuchs 1574;

[Bd. 23, Sp. 127]



Gunterfay sein bek erschal,
daz man es höret überal ring 3, 1;

(die raupen vertreibt man durch einen rauch), der überal durch den garten gehet, durch den wind hin und her getriben Herr feldbau (1551) 144b; sie ... lassen auch die schuch überal mit perlen besetzen Heyden Plinius 378; er schauet überall und sorgt, ein liebreicher vater maler Müller werke 1, 26; die allwirkende überallergoszene quelle alles lebens Herder 10, 324;

schaut hin, dort liegt in finstern stall,
des herschaft gehet überall
Paul Gerhardt 4, 8;

in der neueren sprache meist determiniert: überallhin (s. u.).
2) gänzlich, vollständig, in jeder hinsicht, auch ohne locale beziehung; schon ahd.:

er uuas goteforahtal ioh rehto er lebêta ubaral
Otfrid 1, 15, 3;

nun aller getrüwester vatter thu mir überall das du wilt der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 31a; der tisch war ... mit ausgehungerten und an kleidungen überall zerlumpten kindern besetzt Grimmelshausen vogelnest 410, 26 Keller; in derselben zit ... verbrann ze Lucern die pfistergass überall Tschudi chron. Helvet. 2, 623; sagen sie doch dem (seine critisiersucht ausgenommen) sonst überall guten mann, dasz ich Gleim an Bürger (1771) 1, 37 Strodtmann; das glück verliesz den könig und wandte sich überall zu herzog Heinrich Grimm deutsche sagen 2, 88;

schaw, mein Kargas! wie sichst so schmal?
du bist entstellet überal,
gefarbt wie all verdorben rosen
Hans Sachs 9, 28 Keller;

und bin ein kind, in sünden blind,
zum guten gar ersterbet,
und überall, durch Adams fall,
an leib und seel verderbet
Ringwalt handbüchlin A 8a;

so darf sie in das fegfeur nicht:
und wird gefreiet überal
von desz fegfeurs schmertzlicher qual
W. Spangenberg ausgewählte dicht. 48;

gib, dasz die böse rott
nicht treib ihren spott
aus mir und meinem fall,
als hätt ich überall
verspielet und verloren
Gerhardt in Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 379a;

nun dämpfet der trompeten schall
zwar sonst der musen sanfte flöten;
jedoch die lieder der poeten
verstummen noch nicht überall
Gottsched gedichte (1751) 68;

dieser mann dünkt überall
dem ... Diomed mir gleich
Bürger 1, 160 Bohtz.


3) insgesamt: mhd. findet sich über die streng locale function als richtungs-adv. hinaus überall sehr häufig zu collectiver zusammenfassung, besonders in der aufzählung verwendet: vgl. auch Schiller-Lübben 3, 252;

nu gê wir in den sal,
sô wænent des die Hiunen, daz wir sîn überal
tôt von dirre quâle, diu an uns ist getân Nib. 2121, 2;

ir was nâch der rehten zal
vierzig und hundert überal Erec 1697;

carptim, und uniuersi, opposita: in sunderheit oder in stücken und überal Frisius dict. 194b; in summa Calepinus undecim ling. 744b; alle miteinander, allesamptlich Stoer (1650) 495a; sämmtlich Kramer (1678) 1066b; heute ungebräuchlich. item an nuwer schult obirall 550 m. Marienb. treszlerbuch 46, 27; also hette man überal fünf stück der gantzen christlichen lere Luther 301, 132 Weim.; diser vier angelwind hat jeder noch zwen nebenwind, machen also überal zwölff Sebiz feldbau 6; es sind aber in dieser collection überall hundert und etliche dreiszig stücke zu finden Leibniz deutsche schrift. 2, 390;

ir sein doch überall nit mer
dann sechs, die wellen in bestan Teuerdank 99, 30;

hört, ir herren überall! fastn. 468, 14;

Abner du treuer diener mein,
gehe zu den frembden juden hin.
der seindt noch hie ein zimblich zahl,
ihr namen weist du überal Endinger judenspiel 26 neudr.;

[Bd. 23, Sp. 128]



der menner waren überall
fünf tausent und nicht minder
Ringwalt evangelia M 4b.


4) im allgemeinen, überhaupt; allgemeinklich Maaler (1561) 441d; generatim Calepinus undecim ling. 610b; gehört nach Heynatz antibarb. 2, 486 schon im 18. jahrh. nicht mehr zum guten gebrauch, findet sich aber noch im 19. jahrhundert. Paul (wb.2 566) bezeugt landschaftlichen gebrauch bei negativen fügungen, frage- und bedingungssätzen. doch überall ist das affenhaar dicker und rauher dann anderer thier Gesner thierbuch 1; sie mögen vielleicht überall in zweifel ziehen, ob sie weiber seelen haben Wieland Agathon 2, 344; wenn überall etwas dabei zu denken übrig bleiben soll Kant 5, 430 Hartenstein; es entstand schon vorher die frage, ob überall ein christ das theater besuchen dürfe Göthe 40, 175, 26 Weim.; Newton behauptet, in dem weiszen farblosen lichte überall, besonders aber in dem sonnenlicht, seien mehrere farbige lichter wirklich enthalten II 2, 8 Weim.; geiz stand ihm gleichfalls ferne, wenn er überall einen fehler hatte, so war es ein wenig adelstolz Höfer aus der weiten welt (1861) 152;

herr, ich beschwöre dich, wenn's überall
dein wille ist, den prinzen zu begnadigen:
tu's, eh' ein höchstverhaszter schritt geschehn!
Heinr. v. Kleist 3, 106.


5) in negativen sätzen häufig, wo überall zur bloszen verstärkung der negation dient. schon mhd.:

lât einen ûz dem hûse nicht komen überal Nib. 2109, 1;

nequaquam, keinsfalls, überall nit Schöpper syn. (1550) h 6a; du solt kein mitlyden oder erbermd haben über den tüfel, nein, überal nit Keisersberg bilgersch. 46d; es ist bemerkenswerth, dasz da, wo diese begrüszungen seltner, oder überall nicht üblich sind, im ganzen genommen, weniger religion und menschenliebe herrschend zu seyn scheint Lavater Philemon (1785) 1, 32; er dachte auch überall nicht mehr daran Storm 6, 155; überall nirgend, nusquam gentium Garthius 501a; ain schwein ist überal nyenar zu gut, die weil es lebet Keisersberg schiff der penitenz 69d; du solst mir nichts überal geben 1 Mos. 30, 31; aber solch gespöt der gottlosen gefellet gott nichts überall Sirach 34, 22; nichts überal ist die gestalt verendert Kirchhof wendunmuth 138b; verspotten den geist gotes, und glauben gar überall nichts Thomas Müntzer schutzrede (1524) 21; und, damit wir ia unser seits überall nichts unterlaszen, damit der liebe friede dem verderblichen kriege vorgezogen werden möchte acta publica verhandl. d. schles. fürsten u. stände 2, 11; was haben aber wir catholische damit gewonnen: nichts überal postreuter (1620) 48; lasset den kriegs-leuten keinen mangel, nach dem andern allen fraget nichts überall Moscherosch ges. 2 (1666), 562;

nun mag der todt kommen zu mir
und in mich schieszen seinen stral!
ich fürcht in nichts mehr überal
Hans Sachs 6, 181, 19 Keller;

Xanthus fragt: »was kanstu wol?«
er sprach: »ich kan nichts überal«
Waldis Esopus 1, 12 Kurz;

was von döchterlin geboren wurdent, die solte man lebendig lossen, und der knaben keinen überal historienbibel 702 Merzdorf; findend wir je, dasz keiner überall so grecht ist in der ganzen menge Zwingli deutsche schr. 1, 88; so (ist) es gantz still, und überall kein wind Aitinger jagd u. weidbüchlein (1681) 91; mir ist überall kein schriftsteller aus dem fache dieser kenntnisse vorgekommen Lessing 11, 53; ohne das würden sie überall keine dichter seyn Schiller 10, 468, 22; es gibt überall kein dauerndes, weder auszer mir, noch in mir Fichte 2, 245; ist auch yemands, der heut glücklicher leb dann ich? bey Hercle niemands überal Boltz Terenz deutsch 58a

und was ghört in des tüffels zal,
das nimbt im nieman überal
Brant narrenschiff 14, 34;

kein thier lebet überall
es hat seinen feind und unfall
Rollenhagen froschmeuseler D 7a;

ist dann kein hoffnung überal,
dasz sie genesen möcht disz mahl?
Dähnhardt griechische dramen 1, 81.

[Bd. 23, Sp. 129]



6) ubique Diefenbach 608a; in ogni luogo Hulsius 143a; ubivis, quolibet loco Garthius 776b; ubicunque terrarum Schönsleder prompt. (1647) kkk 5b; an allen orten und enden Stoer 495a. der übergang aus dem richtungsadverb in das adv. der ruhe, die im heutigen schrift-deutsch alleinherrschende bedeutung, dürfte erst im 15. jahrh. begonnen haben. mittelhochdeutsche construction (s. o. 1) liegt noch vor in allen fällen wie: nun was in derselben gegendt ein könig, welches lob weit und überal erschalle Montanus schwankbücher 19. vom 16. jahrh. ab gewinnt die verwendung als adv. der ruhe rasch boden.
a) als adv. der ruhe: also bistu gern überal, uszgenummen bei dir selber Keisersberg brösamlin 1, 40d; ja so es in dorffen, merckten und etlich steten müglich ist ... warumb solt es nit überal müglich sein? Luther 6, 262 Weim.; das man dir zu spott überall davon werde sagen und singen Eberlin von Günzburg 3, 133 neudr.; weil ich ihr überall nachschliche Grimmelshausen vogelnest 363, 4 Keller; Ellenbogen besuchte ich zweymal, Schlackenwerth, Engelhaus, Aich waren nicht versäumt; überall steine geklopft Göthe IV 32, 51, 17 Weim.; der himmel ist uns überall gleich nahe Reinsberg-Düringsfeld 1, 732; häufig in gegensatz zu nirgends gestellt: wo sind die schwestern, fragte Fabel. — überall und nirgends, gab die sphinx zur antwort Novalis 4, 194; jenes genuszes ..., den ich nirgend fand, und überall doch ahnete und suchte Bettine Günderode 1, 100; dieses volk (die zigeuner) ist überall und nirgends Riehl kult. nov. 367; in weitester verwendung, local und übertragen: der glaube ..., dasz dort wie überall die erste bevölkerung dem boden entsproszen sei Mommsen röm. gesch. 1, 8; die gegensätze von natur und kunst, ... begegnen uns in Heinse's schriften überall Gervinus gesch. d. deutschen dichtung 5, 4; bei aller anerkennung und billigkeit fühle ich jederzeit und überall, dasz ich fortan auf vermissen ... angewiesen bin Pückler briefwechsel u. tageb. 3, 205; wie überall und stets im leben Holtei 40 jahre 5, 186;

der diener hat er überal
in aller welt ein grosze zal
Scheit frölich heimfart D 4b;

bald dort, bald da, ja überall
ist krieg, aufruhr und grosz trübsal
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 18;

ich fürcht mich nichts im finstern thal,
denn got ist bei mir überall,
auf allen meinen wegen
Ringwalt handbüchlin B 10b;

ein zelt, das man von orte rückt
um überall zu wohnen
Göthe 6, 12 Weim.


b) prägnant: allgegenwärtig: gott ist überall Keisersberg brösamlin 2, 34a;

ich hebe mein aug' auf, und seh,
und siehe, der herr ist überall!
Klopstock oden 1, 124, 58.


c) substantiviert: es ist Wagners genie der wolkenbildung, sein greifen, schweifen und streifen durch die lüfte, sein überall und nirgendswo Nietzsche 8, 34; während sonst ... sich alles wie ortlos in einem überall und nirgends wüst anhäuft Hildebrand sprachunterricht 212; als personenname und appellativ: der verleumbder sey wie der Überall ... halte sich fast bey jederman auf und habe ihn niemand ungerne Christstein weltmann (1675) 60; dasz, bey der erscheinung des Jon, der parteigeist des herrn Überall seine flügel regen dürfte, war vorauszusehen Göthe IV 16, 4, 14; bald war's (das erbtheil) auch wieder vergeudet und ich heimathlos, ... ein überall und nirgend Holtei erzähl. schr. 20, 190;

man weisz ja wohl, frau Überall (sonne),
warum sie diesen (den mond) zum gemahl
vor allen auserlesen —
weil er stockblind gewesen
Blumauer ged. (1782) 68;

gott ist der Überall,
gott ist der Ohnegrund
Arndt werke 5, 30;


d) oeverall für überrock nach dem franz. surtout Müller Aachen. ma. 174; vgl. auch nl. overal woordenboek 11, 1613 und engl. overall Murray 71. 290b.

[Bd. 23, Sp. 130]



7) immer. überall schlieszt in die locale zugleich auch temporale bedeutung ein: er hat sich überall als ein zuverlässiger mensch bewiesen heiszt zu allen zeiten und an allen orten Rumpf 347; die gelehrsamkeit findet überall, so wohl in kriegs- als friedens- zeiten seinen wehrmann mediz. maulaffe (1719) 61; wahrheit ist und bleibt überall wahrheit Herder 22, 12;

der winter folgt ihm bald, scheint hart, als ein tyrann
der überall verheert, nie glücklich machen kann
Giseke poet. werke 6.


8) determiniert: überallher, undique, ex omni parte Hederich (1729) 2397; du hast grosze anfechtung von dem tüffel, von der welt, von deim eignen fleisch, überalher Keisersberg brösamlin 2, 63c; ein pandämonium überallher zusammengehäufter mythen und superstitionen Nietzsche 1, 163; in der neueren sprache häufiger von überallher: von überallher nur gute und wohlwollende zeugnisse für ihn einliefen Keller 5, 61.
überallhin, quoquoversus Kirsch (1723) 298a; (die tabakpflanzen sind) in unsern landen so gemein, dasz sie überall hin verführet werden mediz. maulaffe 85; leider kommen die zeitungen überallhin Göthe IV 10, 6 Weim.; überallhin waren laub- und blumengirlanden gezogen Fontane I 6, 205.
9) mundartlich durch -ig-ableitung in die adjectivgruppe übergeführt: überallig, vgl. zeitschr. f. d. alt. 36, 28; Wunderlich sprachleben i. d. ma., wissensch. beihefte 12, 58.
 
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überalpisch, adj., transmontanus, transalpinus. nl. overalpisch. der hauptzweck sei ja besser erreicht, als wenn ein mächtiger überalpischer fürst nach Italien berufen werde Raumer gesch. d. Hohenst. 4, 490;

(der adel) hoffte durch vereinigung
mit jenen überalpischen monarchien
sein feodalrecht wieder aufzurichten.
Platen 2, 440.

auch überalpinisch: der nordische d. i. überalpinische ursprung der Etrusker ist auch nicht wahr Görres briefe 1, 25.
 
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überalt, adj., sehr alt, zu alt. nl. overoud. überalt man, decrepitus, überalt fraue, vetula voc. theut. h h 5b; Zürych, ein überalte statt Stumpf Schwytzerchron. 481a; mit den überalten und jungem volk (mit der ältesten und jüngsten mannschaft) Heilmann Thuc. 726;

o, sie ist überalt, die fei,
laut annalen, vor grauen jahren
Droste-Hülshoff 1, 405;

davon abgeleitet: überalter, n., gravitas Diefenbach gloss. 263b; überaltheit, f., decrepitudo voc. theut. (1482) h h 6a; überalten, v.: so das alter so gantz nicht überaltet wer Paracelsus opera (1616) 1, 836 A; überaltern, v., man sieht ... dasz ... 1806 die generale ... nicht ... überaltert waren Alten handb. f. heer und flotte 1, 294; überalterung, f., überalterung des offizierskorps ebda. 1, 545.
 
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überanbot,n., überangebot,n., anbot, das über den bedarf geht: überangebot an arbeitskräften Doren Florent. wolltuchindustrie 463.
 
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überanstrengen, v., übermäszig anstrengen. entlehnt ins dän.-norweg. overanstrænge, schwed. öfveranstränga. untrennb. verb.: er überanstrengt weder mensch noch tier Heer könig d. Bernina 205; part. überangestrengt und überanstrengt: auf der reise nach Leipzig hatte er sich bei einem wagenunfall die brust überangestrengt Bielschowsky Göthe 1, 90; womit hat er dich gedrängt — und deinen dienstgehorsam überangestrengt? Rückert 11, 451; statt der überangestrengten stimme seiner schwester vernahm der bursche eine glockenhelle Ebner-Eschenbach 5, 99; (ein kopf), der durch kenntnisse nicht überanstrengt war Polenz Grabenhäger 1, 167; im werk (fabrik) muszt bei staub und rauch alleweil das gleiche tun, so dasz der eine körperteil überanstrengt, der andere verkümmert wird Rosegger wildlinge 335; häufig reflexiv sich überanstrengen, körperlich und geistig, allgemein.
 
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überanstrengung, f., hyperentasis, eine bis zur erschöpfung der kraft fortgesetzte thätigkeit oder arbeitsleistung Koch encycl. 10, 468a; auf die überanstrengung

[Bd. 23, Sp. 131]


folgt erschlaffung Gervinus gesch. d. 19. jahrh. 7, 10; die gemütsbewegung und geistige überanstrengung an dem tage vor dem tode seines ältern sohnes hatten seine letzte kraft untergraben Ludwig 1, 379; auch waffen, die durch maschinen bewegt werden, sind gegen überanstrengung nicht gefeit Alten handb. f. heer u. flotte 2, 259; auch plur.: nach unzähligen überanstrengungen seiner kräfte Ritter erdkunde 7, 805.
 
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überantworten, v., tradere. dän.-norw. overantvorde und schwed. öfverantvarda aus mnd. entlehnt. untrennbare verb.; mhd. überantworten; seit dem 15. jahrh. belegt. zur form: oberdeutsch vorwiegend die ältere form mit u (ü) im stamm (s. oben th. 1, sp. 509f.), z. b. inf. überantwurten Geiler bilgersch. B 3b; er überantwurtet Wickram 1, 19, 8; Tschudi chron. Helv. 1, 46; part. überantwurt Zwingli deutsche schr. 1, 125; überantwurt d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 107a; überantwurtet Frisius dict. 469b; manche oberdeutsche schriftsteller schwanken in der orthographie zwischen o und u (z. b. Hutten Boltz, Seb. Münster), andere haben nur o (z. b. Hans Sachs, Maaler); mitteldeutsch (z. b. Luther) und schriftdeutsch: o. synkopierung des e des part. (überantwort für überantwortet) ist im 16. jahrhundert ganz allgemein und findet sich noch im 18. vereinzelt. als trennbare comp. wird überantworten selten behandelt: oberczuantworten schles. urk. (1454) 1, 204; Weller d. ersten d. zeitungen (1510) 17; Luther 23, 466, 15; übergeantwurt urk. z. gesch. Maxim. 410; schles. urk. (1501) 2, 191; Luther 23, 470; übergeantwortet Alexis Roland von Berlin 2, 390.
bedeutung und gebrauch: wie ausantworten nimmt ü. die heute verlorene bedeutung des simplex antworten = übergeben auf: trado, ich überantwort Alberus (1540) B B ija; in manus dare Maaler 441d; zustellen, tradere in mano Hulsius (1605) 143a; behändigen Sattler (1617) 346; transferre Stieler 2581; überliefern Frisch dict. (1719) 565; darreichen, bringen curiöses bauernlexikon (1728) 124; schon ende des 18. jahrhunderts gilt es in freier verwendung veraltet (Heynatz, Adelung, anders Krünitz 192, 172); brief überantworten epistolam reddere Maaler (1561) a. a. o.; credentzschreiben dienen dazu, das man deme trauen sol, der sie überantwortet Gueintz rechtschreibung (1666) 46; so bald du den brief wirst überantwortet haben, wird der richter seine tochter dir zum weibe geben Olearius reisebeschr. (1696) 262; ich will ihnen auch sein urtheil über den 1. theil von Sternbald wiedergeben, sie überantworten es Tieck Caroline 1, 219 Waitz.
in der rechtsprosa: mit allem gewalt ausz den handen lassen und übergäben, emancipare Maaler a. a. o.; sie mögen das pfand dem centgräffen überantworten weisth. 3, 416 (Wetterau 1461); wenn der vogt die frau in des mannes hand geben will, nimmt er die frau, ein schwert, ein gülden fingerlin ... und überantwortet sie so dem mann J. Grimm kl. schrift. 2, 201; demnach bestand das vermögen (Mozarts) aus 592 fl. 9 kr., welches der wittwe ... überantwortet wurde Jahn Mozart 689 anm. 26; von da allgemein: auf das dich der widersacher nicht ... überantworte dem richter, und der richter überantworte dich dem diener Matth. 5, 25; darnach kamen die geistlichen ... zusamen, das sie mich ... dem weltlichen schwert überantwurten zebrennen Eberlin von Günzburg 2, 106 neudr.; so solten alle ... dieselbige dem weltlichen richter zur leibstraf überantworten Fischart binenkorb (1588) 12a; diener, überantworte diese beyden mörder alsobald dem hencker engl. comed. u. trag. (1624) R 5b; Pompeius ... überantwortete ihn so wie die übrigen insurgentenchefs dem scharfrichter Mommsen röm. gesch. 3, 35;

da hat man überantwort in
zw pewarn dem maister de Campo
Hans Sachs 22, 398, 12 Keller-Götze.


in weiterer verwendung: ausliefern, preisgeben, verraten Megiserus (1592) Oo 6; eine tochter, welche den eignen vater seinen feinden zu überantworten im stande ist, verdient diesen namen nicht Immermann 6, 118; Deutschland, die wiege der reformation, ... soll römischen priestern überantwortet werden Gutzkow 10, 46; er hatte ... in ihr eine vertraute, ohne sich durch eigenes geständnisz ihr überantwortet zu haben! Holtei schr. 3, 169.

[Bd. 23, Sp. 132]



anvertrauen: das übel hatte sich so gesteigert, dasz die eltern das arme kind nicht im hause behalten konnten, sondern einer öffentlichen anstalt überantworten muszten Göthe 20, 267 Weim.; meine zwei knaben sind bereits den schulen überantwortet Chamisso 6, 151; sie ... würde ihm ... die schlüssel ihrer schatzkammer überantwortet haben François letzte Reckenburgerin 1, 176.
statt dat. der person mit präpositionalconstruction (in, zu, an, gegen): es ist zukünftig, das des menschen son überantwortet werde in der menschen hende Matth. 17, 22; (Saulus) überantwortet sie ins gefengnis apost.-gesch. 8, 3; welche sie in die haft überantworten musten Schütz hist. rer. Prussic. (1592) 2, K 4b; es wird aber ein bruder den andern zum tode überantworten Matth. 10, 21; als wenn sie ihn zum tod überantwortet hätten Niebuhr röm. gesch. 3, 235; ein überantworten der zerrütteten reichsfreiheit an den jetzt übermächtigen kaiser Laube 15, 7; der hatt ettlichen fürsten gebotten, mich gefangen gen Rom zeüberantwurten Hutten opera 1, 372; auch absolut: hüet eu vor den menschen, sie werden eu überantworten in iren landtägen Berth. v. Chiemsee theologey 111; bey der communion küssest du zwar Christum mit dem munde, aber du überantwortest ihn hernach, dasz er geschleppet werde auf den berg Calvariae Schupp schrift. 283.
 
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überantwortung, f., traditio Maaler (1561) 441d; zustellung oder übergebnusz Frisius dict. (1556) 136a; lieferung Stoer (1650) 495b; deditio Stieler 2581. wie überantworten im freien gebrauch veraltet, als rechtsausdruck, auch metaphorisch, allgemein. er mich von solicher schuld, vergknisz und gelittnem costen und schaden lidige, und unclagbar mach mit überantwortung des pfärts Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) s 1a; die überantwortung Christi für Pilatum Keisersberg passion 55d; hatte er seine in Judäa umhergesandten jünger auf etwas anders, als auf ... überantwortung in die richterstühle vertröstet? Herder 19, 183; bis zur überantwortung der Julirevolution an die strohjobberey der börse Gutzkow 12, 231.
 
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überarbeit, f.
1) sehr grosze mühsal: aus der mhd. bedeutung von arbeit = mühe erwachsen:

diu kristenheit lite überarbeit grôze Lohengrin 5067.


2) auszerordentliche dienstleistung; arbeit, über die ausbedungene tageszeit hinaus, z. b. ü. machen, tun, leisten, für ü. bezahlt werden; vgl. lux. ma. 193b; fabrikmäszige ... überarbeit R. Wagner 7, 296.

 

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