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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelthäter bis übelthuung (Bd. 23, Sp. 49 bis 52)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelthäter, m. , maleficus: es wollen auch einige grammatici ... wörtern, die in singulari auff ein er oder el auszgehen in plurali ein (e) zusetzen, als der vater, die vätere, oder da es sich im versz nicht schicke, das erste (e) wegwerffen und dafür setzen die übelthätre, die bürgre Morhof unterricht v. d. dtsch. spr. 1, 478. bedeutung und gebrauch.
1) im weitesten sinne: malefactor Diefenbach gloss. 344c; vgl. auch magus u. elymas 343c, 198b: zawberer, wol u. ubelteter; der übels thut, an evil doer Ludwig teutschengl. wb. (1765) 1780; kwaad doender Kramer hochniederd. wb. (1719) 217b; gutthäter und übelthäter under jn waren Seb. Franck chron. Germ. (1538) 201; bettetend für sich selbs und auch für die gut- und übeltäter Tschudi chron. 1, 374.
2) verengt: verbrecher, peinlich angeklagter, seit dem 15. jahrhdt. in der älteren rechtssprache allgemein üblich und von hier in die profane und geistliche literatur dringend: maleficus Maaler 441b; reo Megiserus (1592) Oo 5b; malfattore Hulsius 143a; delinquente Kramer (1678) 1065b; criminel, malfaiteur Frisch (1719) 565; noxius Kirsch 297b; reus Hederich 2395; verbrecher, malefizperson Chomel 8, 2191; vgl. auch asilum, freiung, do die ubeltheter yn fliehen Diefenbach gloss. 54a.
a) wir wollen auch aus fürstlicher obrigkait sölhen austretern, beschedigern und andern dergleichen übelthätern und iren helfern, enthaltern und fürschiebern, die in unsern und andern landen, niederzuwerfen und zu erobern mit allem vleiss nachstellen landpot in ober und nieder Baiern (1516) 8a; und so der übelthäter ergriffen wirt, bindt man in Seb. Münster cosm. 76; so sichs aber begibt, dasz der profosz einen übelthäter für recht stellt Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, a 3; im fall der commendant ... seumig were ..., das alsdan der magistratus loci allein die gebühr anschaffen und die übelthäter straffen möchte Chemnitz schwed. krieg 2, 421;

[Bd. 23, Sp. 50]


ist er neutral gewesen, so wird präsumirt, dasz der übelthäter ein beharrlicher ausreiser sey, kan aber dennoch in etwas begnadigt werden Fleming der vollk. teutsche soldat (1726) 130, 7; aus der neueren rechtsprosa durch missethäter (das Luther nach Teller 2, 47 noch gar nicht gebrauchte) und insbesonders durch verbrecher verdrängt.
b)

ir solt Barraban, den übelthetter
nemen aus seiner gefangkhnus schwär altdeutsche passionssp. 396 Wackernell;

herr landtpfleger, da bringen wir
ein übeltheter, den wir dir
überantworten nach deinr pflicht
das er werdt zu dem todt gericht
Hans Sachs 11, 286 Keller;

nach diesem auch all übelthätr ...
dieb, reuber, fehder und dergleichn
gesellen, thut zu bodem streichn
Ringwalt lauter wahrheit 236;

befilht sein dienern all derwegen,
den Joseph soll man gfangen legen
ins königs thurn zun vbelthäter
Nicod. Frischlin 69;

demnach er wie ein vbelthäter
durch ein scharff offenlich vrtheil
vom todt zum leben mit vnheil
verdammet wurd
Spreng Aeneis (1610) 2, 24a.


alle dye rauber vnd morder, auch was sunst übeltätter wären Hartlieb histori v. Alexander (1473) 12b; w macht du ... hertern richter über die übelteter ymer me erfinden? Stainhöwel de claris mulieribus 237; darumb der richter letzt nit den übeltheter unbillich, so er in noch ordnung des gesatzs tödten losst Geiler bilgersch. B VIb; es ist gewonlich, wan man ein vsz fürt, so gat der vbeldöter vor vnd gat der hencker hinnach Pauli schimpf und ernst 45 Österley; ja gleych wie die Juden lassen sie den übeltetther Barrabam losz und todten die gnade gottis, den unschuldigen son gottis Luther 2, 107, 5 Weim.; es sey dann, das du im römischen reich ... kein schwert, noch anders, domit man übelthäter strafft, habest Hutten 1, 373, 27; er tranck ... ein giffttrunck, den die Athener den übelthätern pflegten z geben Seb. Franck chron. Germ. 21; deszgleichen pflegen nit auch noch heut etliche eltern jre kinder, ... zur warnung mitzunehmen, wann man vbelthäter vom leben zum todt zurichten auszfüret? Fischart Garg. 4; stücklein von reddern, pfälen, stricken, damit vbelthäter gestrafft vnd hingericht Nigrinus von zäuberern 18; denn die vrtheil also, wie an öffentlichem gericht, vber die vbelthäter vnnd schldigen gesprochen wird volksb. v. dr. Faust 36 neudr.; Christus ... wurde ... vnder die mörder vnd vbelthäter zum allerscheuszlichsten todt ... verdambt Ayrer processus (1600) vorr. va; einer der eine paszquill verkaufft, über land schickt und unter die leute bringt, ist eben sowol ein übelthäter, als derjenige der sie gemacht hat Schupp schrift. 566; überall freistätte, friedensorte und heilige säulen angelegt, wohin dem übelthäter so wenig der richter als der rächer folgen durfte Möser 2, 339; aber das gemeine vorurtheil der gesetzgeber, die übelthäter nur als die verworfensten menschen anzusehen, ... trägt zu solcher übertriebenen härte ... viel bey Nicolai reise 6, 768; es ist eine eiche, auf der sonst die übelthäter aufgehängt worden sind Stifter 3, 200; gewöhnlich macht ihr herren von der justiz uns ärzten den vorwurf, dasz wir ... durch »unzurechnungsfähigkeit« gewisse übelthäter eurer macht entziehen wollen Holtei erzähl. schr. 3, 165.
c) auch in der geistlichen prosa aus der rechtssprache entnommen und oft in dieser prägnanten bedeutung z. b. golgotha daz ist ein stat der quelung var. der übeltheter Math. 27, 33 cod. tepl., ebenso Zainer-bibel; ob dirr nicht wer ein übelteter, wir hetten dir in nit geantwurt Joh. 18, 30 erste d. bibel. daneben auch erweitert für 'sünder, übertreter des sittengesetzes': verbirg mich ... vor dem hauffen der übelthäter (protexisti me ... a multitudine operantium iniquitatem) psalm 64, 3; er solde gekreucziget werden alsz eyn übelthetter vor got und der welt Luther 34I, 244, 23 Weim.; ertzurn dich nit ubir den böszen vind, lasz dich nit verdriessen die ubiltheter 8, 214; seyn doch

[Bd. 23, Sp. 51]


der mehrertheil der menschen vbelthäter vnd kommen doch durch buss widerumb zu gnaden buch der liebe (1587) 100d; er ist feind allen übelthätern, er bringet die lügner umb Dannhawer catechismus-milch 1, 39; wie die sünden der alten welt, also haben auch die übeltähter dieser kleinen welt einer sündflutt von nöhten Butschky Pathmos 561; o herr, der du alles weist, ... richter, dem kein übelthäter in gerechter straff entgeht ... wer will deiner hand entgehen? Schmolcke trost- u. geistr. schrift. 1, 36.
als schmäh- und scheltwort: du selloser, du übeltäter, warum hast du den tempel Appollinis schmähend beroubet? Stainhöwel Äsop. 73; ihr hertzen böser art, ihr schnöden übelthäter Treuer Dädalus 1, 217; weichet alle von mir jr verfluchten (maledicti) Matth. 25, 41 wird öfter mit übelthäter variiert, z. b.: darauf wird jnen der herr antwortten: ich hab euch nye erkennt. ir übeltäter müesst von mir abweichen Berth. v. Chiemsee theologey 19;

weicht ab jr vbeltheter all
Ringwalt handb. A 10b;

ich kenn euch nicht, weicht von mir schnell,
ihr übeltheter gehört zur hell
B. Krüger aktion J VIa;

ihr vbeltheter weicht von mir,
der herr erhört mein flehen ev. kirchenl. 1, 210 Fischer-Tümpel.


 
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übelthäterin, f., mhd. handwb. 2, 1606; wie übelthäter (s. oben) im strafrechtlichen sinn: 'verbrecherin'; malfaitrice Stöer 495a; und ward die übelthäterin durch sölchen weg z den hellen gesant Stainhöwel de claris mulieribus 181; (sie) nicht thet als eyn übelthäterin, die umb ir sünd gestraffet wäre Arigo decam. 251; die übelthäterin ward ... auff die foltern gespant Nigrinus von zäuberern (1592) 418 f.; sie waren einig, sich alsbald der übelthäterin zu versichern Lohenstein Arminius 615a; wissen sie nicht, dasz ich eingesperrt bin, wie eine übelthäterinn theater der Deutschen 6, 148.
 
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übelthäterisch, adj.: so wirdt das hoch vnd adelich geschlecht auff vbeltheterische weisz gestrafft werden Paracelsus opera 2, 608.
 
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übelthätig, adj. :
1) maleficus vbeldatig Sachse gloss. in Herrigs archiv 47, 442a; maleficiens voc. ex quo; malefactor Diefenbach 344c; kwaaddoende, misdoende Kramer d.-holl. wb. 465a; als gegensatz zu wohltätig gebraucht.
a) dasz nemlich die zween planeten Mars und Saturnus, welche die gestirnkündiger maleficos, das ist schädliche oder schaden zufügende und übelthätige nennen Prätorius blockesberg 502; ein übelthätiger dämon Gerstenberg Hamb. n. zeit. 123, 15; sie sollte gleich andern übelthätigen hexen mit feuer verbrannt werden Arndt schr. 2, 345;

Mars! du bist's! ich bin Saturnus
übelthätige gestirne,
im verein die schrecklichsten
Göthe 6, 137, 19 Weim.;

wohlthätige und übelthätige götter Wieland 13, 244; die neuere dichterwelt hat ihre wohlthätigen und übelthätigen feen davon entlehnt Böttiger 2, 334; beklaget jn selbs persönlich mit bitteren worten, nit anderst als wenn er noch in leben und übelthätig were Stumpf Schwytzerchron. 242b.
b) bei abstracten 'schaden stiftend': im achtzigsten jahre des alters, dem dreiszigsten übelthätiger regierung Stolberg 10, 90; so kalte und übelthätige überbleibsel einer so stark gewesenen jugendfreundschaft Laroche gesch. d. frl. von Sternheim 2, 97; wie übelthätig das vielerlei gemisch (von schriften) dem menschen sey, zeigt die erfahrung Wieland Horazens sat. 2. 46.
2) sündhaft, bösartig: tirannus Diefenbach gloss. 365b; nephandus 378c; malitiosus 344b; sacrilegus 506c; übelthätiger knecht furcifer Dasypodius Niiij;

nun wissent all zuo diser stund,
das ich in meiner pfarre han
gar ain übeltättigen man,
dem gottes dienst ist gar unwert
Kaufringer 3, 150;

da baten sy umb Barnaban;
der was ain übeltättig man
Hätzlerin liederbuch 303.

[Bd. 23, Sp. 52]



ich bin ein übeltetiger mensch gewesen d. heiligen leben i. d. winterteil (1471) 115b; als inen von syner übeltätigen tochter Tullia befolhen was Stainhöwel de claris mulieribus 168; die ... jn aussgeben in der menschen hertzenn als ainen bösen übelthätigen menschen Tauler sermones (1508) 80b; darumb wer ich ... eyn arger vnd vbelthätiger mensch Aimon (1535) i Vb; niemals sah man so viel traurige, übelwollende, übelthätige und erzürnte bestien Göthe 45, 82, 15 Weim.; der mann ist zu übelthätig, um ein bloszer dummkopf zu seyn. wir sehen keinen ausweg, ihn von der schuld eines bösen willens frey zu sprechen Wieland 19, 188; nichts ist übelthetigers, dann der geytzig Hans Sachs 22, 60, 31.
c) bei abstracten: leidenschaft von finsterer übelthätiger art Sulzer theorie 4, 321; jede neidische und übelthätige gesinnung verzerrt unsre gesichtszüge Wieland 6, 110; seine übelthätigen leidenschaften bemänteln 15, 93.
2) verengt, 'verbrecherisch': ein stock, do ynne man gefangen lüte oder übeldetige lüte enthalten mag (15. jahrh.) quelle bei Schmidt els. wb. 365a; die übelthetigen menschen foltern und peinigen Pauli schimpf u. ernst 87; da man ein übelthätige person gerichtet hat Ayrer proc. 532.
 
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übelthätiger, m., vbelthetiger nepharius voc. theut. (1482) hh 8a; maleficus oder zauberer ebd.;

den smelichen toid saltu dar an (am kreuze) liden,
die übeltediger soln dir hangen zu beiden sijten Alsfelder passionsspiel 141, 4405 Grein.


 
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übelthätigkeit, f., malivolentia Diefenbach gloss. 344b: gutherzig, unschuldig und von aller übelthätigkeit entfernt Wieland 15, 206.
 
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übelthätisch, adj.:

auch zwen übelthätisch böszwicht
wurden auch da mit im gericht
Hans Sachs 1, 312, 7 Kelle.


 
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übelthätlich, adv.: wie der unverschempt mund und brun der lügen diese so giftige scheltwort wider den keiser und die deudschen fürsten so felschlich und übelthetlich liege Luther königlicher wird zu Engelland schrifft an die chur und fürsten zu Sachsen 2, 209b.
 
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übelthuer, m., zu übel thun, s. DWB übel thun und o. übel 6, e; si antworten und sprachen zu im: ob dirr nit were ein übeltuer, wir heten in dir nit geantwurt cod. tepl. Joh. 18, 30, erste d. bibel vbelteter.
 
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übelthun, v. , prevaricari Diefenbach gloss. 458b, prostituere 467c, s. oben übel 6, e; häufig substantiviert:
1) sündigen, schaden, gegensatz wohltun: dem menschen alleine ist eine unsterbliche sele gegeben, welcher er durch sein wohl- oder übeltuhn das ewige leben oder den ewigen tod zuzihen kan Butschky Pathmos 231;

o! unglücksvolle zeit,
dasz dieses übelthun mir wohlthun ist
Tieck 2, 174;

übelthun will kein feyertag haben (il mal furo non vuol festa) Arigo decam. 161 Keller; ir seit all über ein leist gemacht und mit ander leut übelthn ewer eigen sünd bedecken unnd verbergen Montanus schwankb. 373; man forschet nach wolredenheit, und erlernet vbelthun Harsdörffer frauenzimmergesprechsp. 4, 121;

hüt dich vir hin vor übeltun,
wiltu werden gottes sun
Mone schausp. 2, 203, v. 489;

alles, alles, was ihn (Jesus) trifft
hat mein übelthun gestifft
Schmolcke trost- u. geistr. schr. 1, 862.


 
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übelthuung, f.: daz sie tunt di dink di da nit geziment, derfullt mit aller vngankait ..., vol neidz, der manslacht, der krieg, der triekait, der vbeltuung cod. tepl. Röm. 1, 29; ebenso erste d. bibel; var. in G beltetung.

 

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