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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelständlich bis übelthätiger (Bd. 23, Sp. 46 bis 52)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelständlich, adj., häszlich Schottel haubtspr. 961.
 
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übelstehend, adj.
1) unglücklich, zu übelstehen, vgl. oben übel und folgenden beleg:

[Bd. 23, Sp. 47]


lasz dir unser langes übelstehn
einmahl endlich doch zu hertzen gehn
Morhof unterr. 1, 786;

ich glaub auch das, so Christus noch yetzo auff erden in fleisch lebte, so würden im nicht allein die juden und heyden, sondern wir christen alles übelstehend wesen dieser welt zmessen Kirchhof wendunmuth 1, 293.
2) unziemlich: sed peccaturo obsistat tibi filius infans, sol dir wehren und im liecht oder wege stehen, wenn du etwas übelstehendes begehen wilt Corvinus fons lat. (1646) 797; hieraus erlernen wir zugleich, warum es nicht nur etwas übelstehendes, sondern der höchste grad der thorheit und gottesvergessenheit wäre, wann ein poet gott blutrünstig und verwundet vorstellen wollte Bodmer v. d. wunderbaren 62; selbst das bessere und vorzüglichere wird übelstehend, wenn es nachgemacht, nicht natürlich ist Garve anmerk. zum 1. buch v. Cic. de off. (1783) 147.
 
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übelstifter, m., missethäter: welcher ... durch etliche übelstifter und böswichte jämmerlich ermordet worden Rompler v. Löwenhalt reimged. 75.
 
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übelstimmig, adj., vbelstimmig, absonus Dasypodius dict. Niiij.
 
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übelstinkend, adj., graveolens Maaler (1561) 441b; das marck, so jhnen aus den beinen fleust, gibt einen bösen übelstinckenden geruch Heyden Plinius (1565) 434; von gar faulem vnd vbelstinckendem räsem kesz Thurneysser magna alchymia (1583) 143.
 
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übelthat, f. , vbeltat, missetat, poszheit, maleficium, nephas voc. theut. (1482) hh 5b; maleficium Diefenbach gloss. 344b; vgl. Graff 1, 94 und mhd. wb. 3, 148b.
zur form: umgelautete pl.-formen begegnen bei Stainhöwel u. Hutten: durch schwere sünd und übelthäten Stainhöwel de claris mulieribus 60; nachfolgende stuck und übelthät Hutten 3, 349; umb unser sünd und übeltät willen Arigo decam. 3, 7; starke pl.-formen sind nicht sicher nachzuweisen, meist handelt es sich um singulare verwendung, die oben genannte form übeltät ausgenommen. schwacher dat. sg.:

bringt man dann syn gtten fründt,
im z raten von der sündt
vnd von aller übelthaten
noch dannocht laszt er im nit raten
vnd blybt allzyt ein armer tropff
Murner narrenbeschw. 256 neudr.


bedeutung und gebrauch: missethat, miszhandlung, vertretung, sünd, verwirckung, verbrechung, unthat Sattler (1617) 273.
1) im weitesten sinne jede böse that, gegensatz: wohltat, gutthat; begriffliche abgrenzung gegen das syn. missethat versucht Rumpf 470: 'wird jemandem wehe gethan, so ist es eine übelthat, wird aber eine person oder ein gesetz verletzt, so ist es eine missethat, die ein stärkerer ausdruck ist'; ähnlich Eberhard-Masz 11, 138 ff.; missethat überwiegt im gebrauch, im älteren nhd. sowohl, wie insbesondere in der neueren zeit, vgl. Teller beurtheilung 2, 47, der für Luthers sprachgebrauch ein starkes übergewicht für missethat feststellt und übelthat nur im sg. bei ihm belegt findet. übelthat setzt sich zunächst als gegensatz zu wohltat fest: vnzeitig wolthat ist gleich einer übelthat Seb. Franck sprüchw. 1, 93a;

die wolthat, übel angewand,
wird übelthat gar wol genant
Logau sinnged. 78 Eitner;

wohlthat ist gar bald vergessen,
übelthat hart zugemessen
Reinsberg-Düringsfeld 2, 678;

sie haben gesehen, das man der wolthat balde und der übelthat langsam vergisset Luther 27, 384, 34 Weim.; denn es ist besser, das jr von wolthat wegen leidet, denn von übelthat wegen bibel 1. Petr. 3, 17; frag dein hertz, ob du dessenthalben deinem erlöser bist danckbar gewest? ob du nit dise unergründliche gutthaten mit übelthaten vergolten? Abr. a. s. Clara Judas d. ertzschelm 1, 525; seine hände hat er tausend mal zum wohlthun, nie zu einer übelthat ausgestreckt Miller prediger 2, 243; daneben aber auch in freier verwendung, fast immer im sg.: aber deyn tugend und vordienst kegen mir, seynt noch grosser dann die übelthat Hutten 2, 195, 40; sie facht an warnen den papst, und eröffnet

[Bd. 23, Sp. 48]


die zeit desz auffsehens und desz achthabens der übelthat Paracelsus opera 2, 581; die dan viel boszheit, schalckheit, übelthat und obermuth trieben chron. d. W. Gerstenberg 21; was unheils nur geschicht, was unwesen durch übeltaht entstehet ... alsbald musz das arme glükk es versehen haben Schottel friedenssieg 10 neudr.; Heliogabalus verübt viel übelthat Canitz ged. 72;

gib gütikeit für übeltatt
Hätzlerin liederbuch 253;

ach lieber son es ist mein rat:
verbring nit weiter übelthat
Hans Sachs 12, 560 Keller-Götze;

ich heisz ein affen yedermann,
der syn scham nit decken kan
und seyt syn eigen übelthat,
die er allzyt begangen hat,
des er billich schampte sich
Murner narrenbeschw. 53 neudr.;

der offtmals wider seinen willn ...
mus straffen mit des rechts gebisz
all übelthat und ergernisz
Ringwalt lauter warheit 125;

vnd schreibt darzu sein übelthat,
die er an vns begangen hat,
der falsch vntreu verrähterisch böszwicht
Ayrer dramen 186 Keller;

ich hauste in der Lampartey
mit übelthat und kriegsgeschrei
G. Keller 9, 257;

der pl. wird erst vom 17. jahrh. an häufiger: und din kurczes, krankes leben ... durch schentlich schwere sünd und übeltäten mainest zeöwegen Stainhöwel de claris mulieribus 60; di maynen, das inn warer frayndschafft alle boszhayten und übelthaten unsträflich seyen Schwartzenberg teutsch Cicero (1535) 77; darz gib ich ein antwurt, das ich weder die Romaniscen noch niemans anders in seinen vbeldadten verfechten vnd beschirmen wil Murner a. d. adel 11 neudr.; aller übelthaten ein ursachern schelten Guarinonius grew. d. verw. 15; und geschehen hernach durch dergleichen licentz die grösten übelthaten, die dann nicht so leicht zu reundiren stünden mediz. maulaffe 220; alle tugenden werden daher in die weiszglänzende lichtfarbe, alle übelthaten in die schwärze der nacht gemahlet Herder 24, 527; es ist merkwürdig, wie viel unglück, wie viele übelthaten der liebe gott verhütet Gotthelf 1, 217;

(er) will
mit herrscherwort den übelthaten steuern
und so entspringet weise manch gesetz
Göthe 9, 387, 598 Weim.


2) verengt eine gegen die gebote gottes verstoszende that, sünde: welcher (der teufel) die menschen in jhrer boszheit stercket, dasz sie ... solche übelthaten auszrichten Luther 342, 236, 20 Weim.; denn jr pflüget böses, und erndtet ubelthat, und esset lügen früchte Hos. 10, 13; darumb sollen alle christglawbige ... sich bevleyszen, sich übelthat zuenthalten Luther 18, 262, 15 Weim.; es ist auch nit war, dasz der tüffel die straffen erdichtet hab, ... dan der teüffel ist ein erfinder der sünden und got ein straffer der übeltadten Murner a. d. adel 48 neudr.; sie werden von jhr missethat, übeltat, sünden wegen sitzen in der hellen Paracelsus opera 2, 219a; kein ander weg ist zu gott, als ein neu gemüthe, das ... von der ubelthat ausgehet J. Böhme (1620) 4, 104;

wol dem, der nicht mit meuchelrath
im hertzen ist umbfangen,
noch etwan hat ein übelthat
mit loser puosz begangen
Ringwalt handbüchlin A 4a;

wann man allein auf gott besteht,
so schlächt er wol jedoch nicht tödt;
vnd wer sein vbelthat erkent,
dem reichet gott bereit die händ
Fischart anweisung zum Ismenius 382 v. 165 Hauffen;

herr nicht schicke deine rache
über meine böse sache,
ob sie wol durch übelthat
grossen zorn verdienet hat
M. Opitz bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 1, 242;

sey mein hülff und mein berather,
sprich mich losz für deinem vater
und streich aus mein übelthat ebd. 3, 133;

du bist ja nicht ein sünder
wie wir und unsere kinder,
von vbelthaten weistu nicht ebd. 3, 308.

[Bd. 23, Sp. 49]



3) jede gesetzlich strafbare handlung, in der älteren rechtsprosa und allgemein. ein fachterminus ist übelthat in der rechtssprache nicht geworden und verschwand aus dem wortschatz des neueren strafrechtes vollständig, das den allgemeinen begriff übelthat durch verbrechen und vergehen differenciert und ersetzt.
a) etlich derselben übelteter, nit allein die jhenen, die ungefangen, sonder auch etlich derselben, die solicher irer begangnen ubeltat halben in des reichs gefänncknus und pannden gewest Nürnberger polizeiordnungen 42 Baader; ich geschweyg, das, wie wol doch in teutschen landen gericht und recht ist, die übeltat, als die ich oder ein ander betriben hete, z straffen ... bey einer fremden öberkeit hien gericht werden solt Hutten 1, 412, 25; so jemandts vor langer zeit ein übelthat begangen hette, ist er etwas leichter zu straffen, dann so die that newlich beschehn were statutenbuch (1572) 143b.
b) länger erhält sich übelthat in der geschichtsprosa: deren mter lag übelthat halber in der gefencknis Heyden Plinius (1565) 50; seine straffgesetze hatten allein dieses zum zweck, die boszhafftigen von übelthaten abzuschrecken Birken ostländ. lorbeerhäyn 204; wie alle gesetze freyer nordischer völker waren die strafgesetze gelind, die Alfred auf die übelthaten setzte Haller Alfred könig d. Angels. 49; ferner ist gar keine rechte policey da, wodurch übelthaten vorgebeugt und gute ordnung erhalten werden könnte Nicolai reise 6, 758; auch geht es demjenigen, der verfestet und während der verfestung gefangen ist, stets an den leib, wenn er überführt wird, um welcher übelthat willen er auch gefangen seyn mag Eichhorn deutsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 635.
4) bosheit:

warumb solt ich in bösen tagen
mich fürchten, wenn die ubelthat
der bösen mich umbschrencket hat
Hans Sachs 18, 203, 8 Götze;

ob sie der feind gleich hat
aus groszer übelthat
ins wasser lassen werfen,
sie doch nicht sorgen dörfen
für ihre leib, der erden
solln sie zu theil doch werden
Opel-Cohn dreissigjähr. krieg 215.


 
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übelthäter, m. , maleficus: es wollen auch einige grammatici ... wörtern, die in singulari auff ein er oder el auszgehen in plurali ein (e) zusetzen, als der vater, die vätere, oder da es sich im versz nicht schicke, das erste (e) wegwerffen und dafür setzen die übelthätre, die bürgre Morhof unterricht v. d. dtsch. spr. 1, 478. bedeutung und gebrauch.
1) im weitesten sinne: malefactor Diefenbach gloss. 344c; vgl. auch magus u. elymas 343c, 198b: zawberer, wol u. ubelteter; der übels thut, an evil doer Ludwig teutschengl. wb. (1765) 1780; kwaad doender Kramer hochniederd. wb. (1719) 217b; gutthäter und übelthäter under jn waren Seb. Franck chron. Germ. (1538) 201; bettetend für sich selbs und auch für die gut- und übeltäter Tschudi chron. 1, 374.
2) verengt: verbrecher, peinlich angeklagter, seit dem 15. jahrhdt. in der älteren rechtssprache allgemein üblich und von hier in die profane und geistliche literatur dringend: maleficus Maaler 441b; reo Megiserus (1592) Oo 5b; malfattore Hulsius 143a; delinquente Kramer (1678) 1065b; criminel, malfaiteur Frisch (1719) 565; noxius Kirsch 297b; reus Hederich 2395; verbrecher, malefizperson Chomel 8, 2191; vgl. auch asilum, freiung, do die ubeltheter yn fliehen Diefenbach gloss. 54a.
a) wir wollen auch aus fürstlicher obrigkait sölhen austretern, beschedigern und andern dergleichen übelthätern und iren helfern, enthaltern und fürschiebern, die in unsern und andern landen, niederzuwerfen und zu erobern mit allem vleiss nachstellen landpot in ober und nieder Baiern (1516) 8a; und so der übelthäter ergriffen wirt, bindt man in Seb. Münster cosm. 76; so sichs aber begibt, dasz der profosz einen übelthäter für recht stellt Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, a 3; im fall der commendant ... seumig were ..., das alsdan der magistratus loci allein die gebühr anschaffen und die übelthäter straffen möchte Chemnitz schwed. krieg 2, 421;

[Bd. 23, Sp. 50]


ist er neutral gewesen, so wird präsumirt, dasz der übelthäter ein beharrlicher ausreiser sey, kan aber dennoch in etwas begnadigt werden Fleming der vollk. teutsche soldat (1726) 130, 7; aus der neueren rechtsprosa durch missethäter (das Luther nach Teller 2, 47 noch gar nicht gebrauchte) und insbesonders durch verbrecher verdrängt.
b)

ir solt Barraban, den übelthetter
nemen aus seiner gefangkhnus schwär altdeutsche passionssp. 396 Wackernell;

herr landtpfleger, da bringen wir
ein übeltheter, den wir dir
überantworten nach deinr pflicht
das er werdt zu dem todt gericht
Hans Sachs 11, 286 Keller;

nach diesem auch all übelthätr ...
dieb, reuber, fehder und dergleichn
gesellen, thut zu bodem streichn
Ringwalt lauter wahrheit 236;

befilht sein dienern all derwegen,
den Joseph soll man gfangen legen
ins königs thurn zun vbelthäter
Nicod. Frischlin 69;

demnach er wie ein vbelthäter
durch ein scharff offenlich vrtheil
vom todt zum leben mit vnheil
verdammet wurd
Spreng Aeneis (1610) 2, 24a.


alle dye rauber vnd morder, auch was sunst übeltätter wären Hartlieb histori v. Alexander (1473) 12b; w macht du ... hertern richter über die übelteter ymer me erfinden? Stainhöwel de claris mulieribus 237; darumb der richter letzt nit den übeltheter unbillich, so er in noch ordnung des gesatzs tödten losst Geiler bilgersch. B VIb; es ist gewonlich, wan man ein vsz fürt, so gat der vbeldöter vor vnd gat der hencker hinnach Pauli schimpf und ernst 45 Österley; ja gleych wie die Juden lassen sie den übeltetther Barrabam losz und todten die gnade gottis, den unschuldigen son gottis Luther 2, 107, 5 Weim.; es sey dann, das du im römischen reich ... kein schwert, noch anders, domit man übelthäter strafft, habest Hutten 1, 373, 27; er tranck ... ein giffttrunck, den die Athener den übelthätern pflegten z geben Seb. Franck chron. Germ. 21; deszgleichen pflegen nit auch noch heut etliche eltern jre kinder, ... zur warnung mitzunehmen, wann man vbelthäter vom leben zum todt zurichten auszfüret? Fischart Garg. 4; stücklein von reddern, pfälen, stricken, damit vbelthäter gestrafft vnd hingericht Nigrinus von zäuberern 18; denn die vrtheil also, wie an öffentlichem gericht, vber die vbelthäter vnnd schldigen gesprochen wird volksb. v. dr. Faust 36 neudr.; Christus ... wurde ... vnder die mörder vnd vbelthäter zum allerscheuszlichsten todt ... verdambt Ayrer processus (1600) vorr. va; einer der eine paszquill verkaufft, über land schickt und unter die leute bringt, ist eben sowol ein übelthäter, als derjenige der sie gemacht hat Schupp schrift. 566; überall freistätte, friedensorte und heilige säulen angelegt, wohin dem übelthäter so wenig der richter als der rächer folgen durfte Möser 2, 339; aber das gemeine vorurtheil der gesetzgeber, die übelthäter nur als die verworfensten menschen anzusehen, ... trägt zu solcher übertriebenen härte ... viel bey Nicolai reise 6, 768; es ist eine eiche, auf der sonst die übelthäter aufgehängt worden sind Stifter 3, 200; gewöhnlich macht ihr herren von der justiz uns ärzten den vorwurf, dasz wir ... durch »unzurechnungsfähigkeit« gewisse übelthäter eurer macht entziehen wollen Holtei erzähl. schr. 3, 165.
c) auch in der geistlichen prosa aus der rechtssprache entnommen und oft in dieser prägnanten bedeutung z. b. golgotha daz ist ein stat der quelung var. der übeltheter Math. 27, 33 cod. tepl., ebenso Zainer-bibel; ob dirr nicht wer ein übelteter, wir hetten dir in nit geantwurt Joh. 18, 30 erste d. bibel. daneben auch erweitert für 'sünder, übertreter des sittengesetzes': verbirg mich ... vor dem hauffen der übelthäter (protexisti me ... a multitudine operantium iniquitatem) psalm 64, 3; er solde gekreucziget werden alsz eyn übelthetter vor got und der welt Luther 34I, 244, 23 Weim.; ertzurn dich nit ubir den böszen vind, lasz dich nit verdriessen die ubiltheter 8, 214; seyn doch

[Bd. 23, Sp. 51]


der mehrertheil der menschen vbelthäter vnd kommen doch durch buss widerumb zu gnaden buch der liebe (1587) 100d; er ist feind allen übelthätern, er bringet die lügner umb Dannhawer catechismus-milch 1, 39; wie die sünden der alten welt, also haben auch die übeltähter dieser kleinen welt einer sündflutt von nöhten Butschky Pathmos 561; o herr, der du alles weist, ... richter, dem kein übelthäter in gerechter straff entgeht ... wer will deiner hand entgehen? Schmolcke trost- u. geistr. schrift. 1, 36.
als schmäh- und scheltwort: du selloser, du übeltäter, warum hast du den tempel Appollinis schmähend beroubet? Stainhöwel Äsop. 73; ihr hertzen böser art, ihr schnöden übelthäter Treuer Dädalus 1, 217; weichet alle von mir jr verfluchten (maledicti) Matth. 25, 41 wird öfter mit übelthäter variiert, z. b.: darauf wird jnen der herr antwortten: ich hab euch nye erkennt. ir übeltäter müesst von mir abweichen Berth. v. Chiemsee theologey 19;

weicht ab jr vbeltheter all
Ringwalt handb. A 10b;

ich kenn euch nicht, weicht von mir schnell,
ihr übeltheter gehört zur hell
B. Krüger aktion J VIa;

ihr vbeltheter weicht von mir,
der herr erhört mein flehen ev. kirchenl. 1, 210 Fischer-Tümpel.


 
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übelthäterin, f., mhd. handwb. 2, 1606; wie übelthäter (s. oben) im strafrechtlichen sinn: 'verbrecherin'; malfaitrice Stöer 495a; und ward die übelthäterin durch sölchen weg z den hellen gesant Stainhöwel de claris mulieribus 181; (sie) nicht thet als eyn übelthäterin, die umb ir sünd gestraffet wäre Arigo decam. 251; die übelthäterin ward ... auff die foltern gespant Nigrinus von zäuberern (1592) 418 f.; sie waren einig, sich alsbald der übelthäterin zu versichern Lohenstein Arminius 615a; wissen sie nicht, dasz ich eingesperrt bin, wie eine übelthäterinn theater der Deutschen 6, 148.
 
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übelthäterisch, adj.: so wirdt das hoch vnd adelich geschlecht auff vbeltheterische weisz gestrafft werden Paracelsus opera 2, 608.
 
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übelthätig, adj. :
1) maleficus vbeldatig Sachse gloss. in Herrigs archiv 47, 442a; maleficiens voc. ex quo; malefactor Diefenbach 344c; kwaaddoende, misdoende Kramer d.-holl. wb. 465a; als gegensatz zu wohltätig gebraucht.
a) dasz nemlich die zween planeten Mars und Saturnus, welche die gestirnkündiger maleficos, das ist schädliche oder schaden zufügende und übelthätige nennen Prätorius blockesberg 502; ein übelthätiger dämon Gerstenberg Hamb. n. zeit. 123, 15; sie sollte gleich andern übelthätigen hexen mit feuer verbrannt werden Arndt schr. 2, 345;

Mars! du bist's! ich bin Saturnus
übelthätige gestirne,
im verein die schrecklichsten
Göthe 6, 137, 19 Weim.;

wohlthätige und übelthätige götter Wieland 13, 244; die neuere dichterwelt hat ihre wohlthätigen und übelthätigen feen davon entlehnt Böttiger 2, 334; beklaget jn selbs persönlich mit bitteren worten, nit anderst als wenn er noch in leben und übelthätig were Stumpf Schwytzerchron. 242b.
b) bei abstracten 'schaden stiftend': im achtzigsten jahre des alters, dem dreiszigsten übelthätiger regierung Stolberg 10, 90; so kalte und übelthätige überbleibsel einer so stark gewesenen jugendfreundschaft Laroche gesch. d. frl. von Sternheim 2, 97; wie übelthätig das vielerlei gemisch (von schriften) dem menschen sey, zeigt die erfahrung Wieland Horazens sat. 2. 46.
2) sündhaft, bösartig: tirannus Diefenbach gloss. 365b; nephandus 378c; malitiosus 344b; sacrilegus 506c; übelthätiger knecht furcifer Dasypodius Niiij;

nun wissent all zuo diser stund,
das ich in meiner pfarre han
gar ain übeltättigen man,
dem gottes dienst ist gar unwert
Kaufringer 3, 150;

da baten sy umb Barnaban;
der was ain übeltättig man
Hätzlerin liederbuch 303.

[Bd. 23, Sp. 52]



ich bin ein übeltetiger mensch gewesen d. heiligen leben i. d. winterteil (1471) 115b; als inen von syner übeltätigen tochter Tullia befolhen was Stainhöwel de claris mulieribus 168; die ... jn aussgeben in der menschen hertzenn als ainen bösen übelthätigen menschen Tauler sermones (1508) 80b; darumb wer ich ... eyn arger vnd vbelthätiger mensch Aimon (1535) i Vb; niemals sah man so viel traurige, übelwollende, übelthätige und erzürnte bestien Göthe 45, 82, 15 Weim.; der mann ist zu übelthätig, um ein bloszer dummkopf zu seyn. wir sehen keinen ausweg, ihn von der schuld eines bösen willens frey zu sprechen Wieland 19, 188; nichts ist übelthetigers, dann der geytzig Hans Sachs 22, 60, 31.
c) bei abstracten: leidenschaft von finsterer übelthätiger art Sulzer theorie 4, 321; jede neidische und übelthätige gesinnung verzerrt unsre gesichtszüge Wieland 6, 110; seine übelthätigen leidenschaften bemänteln 15, 93.
2) verengt, 'verbrecherisch': ein stock, do ynne man gefangen lüte oder übeldetige lüte enthalten mag (15. jahrh.) quelle bei Schmidt els. wb. 365a; die übelthetigen menschen foltern und peinigen Pauli schimpf u. ernst 87; da man ein übelthätige person gerichtet hat Ayrer proc. 532.
 
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übelthätiger, m., vbelthetiger nepharius voc. theut. (1482) hh 8a; maleficus oder zauberer ebd.;

den smelichen toid saltu dar an (am kreuze) liden,
die übeltediger soln dir hangen zu beiden sijten Alsfelder passionsspiel 141, 4405 Grein.

 

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