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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelsprecher bis übelthäter (Bd. 23, Sp. 44 bis 49)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelsprecher, m., maledicus Diefenbach gloss. 344c.
 
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übelstand, m.
1) indecorum, inhonestas, indecentia Maaler (1561) 441b; das sich übel schickt Hulsius (1605) 143a; ein ding das nicht wohl stehet und sich nicht ziemet

[Bd. 23, Sp. 45]


Stoer (1650) 494b; unziemung Stieler (1691) 2646; in dieser bedeutung noch in den wbb. des 18. jahrhunderts z. b. Hederich 2395, Ludwig teutsch-engl. wb. (1765) 1779, Chomel 8, 2191.
a) pfuy euch jr vnflätter, die jr vbelstand für zucht halten, den tod leben haiszt Joh. Nas das antipap. eins und hundert 4, 342b; Weibhold vnd ich schwiegen stille, ... zumahl weil es vnsers achtens ein rechter vbelstand ist, wo bey löblicher gesellschaft die jüngere den alten im reden wollen vorgehen Moscherosch ges. (1650) 2, 281; wasz man vor disem für eine schand gehalten, ist nunmehr eine ehr: wasz ein übelstand gewäsen, steht ietz- und am bästen Rompler v. Löwenhalt reimged. Oo iiij; das römische frauenzimmer nahm sich, bisz zum übelstande seines rechts an Haller Fabius u. Cato 136; vermutlich hatte sie allen ihren ... stolz zusammengerafft, um eine leidenschaft zu unterdrücken, deren übelstand sie sich selbst unmöglich verbergen konnte Wieland Agathon 1, 304; der geringste übelstand auf der kanzel, ist ein flecken auf deinem weißen kragen Hippel lebensläufe 1, 341; was wissen wir nicht alles zur entschuldigung von fehlern und übelständen vorzubringen Ebner-Eschenbach 1, 84;

gleich wie es wer ein übelstand
wann einer wolt im teutschen land
auf türckisch gehn herein gekleidt,
welchs in der Türckey sich wol treit
Fischart ritter v. Stauffenberg 277 Hauffen;

nie bringst du mich zu solchem übelstand,
dasz auf ein weib ich meinen degen richte
Gries Bojardos verl. Roland 3, 93.


b) miszachtung, geringschätzung: der viel römische sitten an sich genommen hatte, die zu keinem übelstand gereichten A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 158;

das thu du nicht mein lieber Christ,
denn solches ein recht diebstal ist
und gibt bey leuten in dem landt
verachtung und groszen übelstandt
Ringwalt lauter wahrheit 40.


2) deformitas Kirsch (1723) 297b; häszlichkeit, körperlicher fehler; das macht einen übelstand hoc non nullam adfert deformitatem Steinbach 2, 671; die reyhen und glieder müssen aus einer von statur egalen mannschaft bestehen, denn die ungleichheit derer neben einander stehenden personen verursacht einen nicht geringen übelstand Fleming d. vollk. t. soldat 217; haar-zange ist ein subtiles instrument ..., womit das frauenzimmer die haare ausziehet, so an den augenbraunen hervor stehen und einen übelstand verursachen Chomel ökon. lex. 5, 16; ich kenne eine dame, und zwar eine der vornehmsten, welche eben der meinung ist, das käuen mache einen unangenehmen übelstand, der ihrer anmuth und ihrer schönheit viel benehme Bode Mich. Montaignes ged. u. mein. 5, 240; aller übelstand des körpers wurde behutsam vermieden Winckelmann 11, 5 (über nachahmung); in seinen beziehungen zu frauen hatte er ohne unterlasz diesen übelstand (körperliches gebrechen) zu empfinden Varnhagen v. Ense tageb. 1, 30.
3) krankheit, schmerz: da der übelstand (das podagra, das die gerechtigkeit hatte) fast täglich zugenommen Stoppe Parnasz 318; konnten also wohl die empfindungen des thierischen wohl- oder übelstands geistige empfindungen seyn Schiller 1, 146; seine gemahlin, mit der er sich in sehr frühen jahren vermählt, erweckte ihm durch körperliche übelstände und unangenehme gewohnheiten eher widerwillen Ranke 4, 186; der oberst ... litt an den übelständen einer alten wunde Storm 6, 139; dann erweitert 'unbequemlichkeit': es sind auch einige (worte) von unangenehmem klange oder lauten lächerlich, oder geben sonst einen übelstand und widrige deutung Leibniz deutsche schr. 1, 477; nur einige wenige alte machen einige ausnahmen, ... den übelstand des dreyfachen t zu vermeiden Adelung umst. lehrg. d. dtsch. spr. 2, 738; auch ist grosz-oktav darum besser, weil die zeilen sich darauf nicht brechen, welches bey dem kleinen format ein mir unerträglicher übelstand ist Lessing 18, 301.
4) fehler: der gleichen übelstand (grammatischer fehler) ist ... nicht zu befördern Butschky hochd. kanz. 67; so halte ich meines teils es für den gröszten übelstand, dasz Ottmar statt einer in allen teilen zum ganzen sich

[Bd. 23, Sp. 46]


ründenden erzählung, nur vielmehr eine reihe bilder geliefert hat E. Th. A. Hoffmann 9, 91.
5) unglück, res adversa Dentzler clavis linguae lat. (1716) 293b; theils, dasz er sich der guten gelegenheit, die ihm an die hand gegeben wird, gebrauchet in wol- und übelstand, in glück und unglück Widmann Fausts leben 247 Keller; theilnehmung an dem wohl- und übelstand unserer nebenmenschen Lavater verm. schr. 2, 366; dieses bild sol einen verdorrten ulmenbaum umgreiffen, der mit einem weinreben umwunden ist, zu bezeichnen, dasz die freundschaft auch in dem übelstand unverwelkt sol beharren Harsdörffer frauenzimmergesprechsp. 7, 45; daher dan nicht unbillig ausz gerechter verordnung des erzürnten gottes entstehet so manches unglükk, enderung, unheil und übelstand Schottel friedens sieg 11 neudr.;

befällt uns übelstand,
so beut du uns die hand
A. Buchner bei Fischer-Tümpel kirchenl. 1, 491;

der gaben leichte schalen
wiegt auf mein schwerer wundsch: dasz, weil der sonnen strahlen
erwärmen diese welt, euch treff' kein übelstand!
P. Fleming deutsche gedichte 1, 122;

von gott kommt wohl- und übelstand,
ohn ihn mag nichts geschehen
Schmolcke trost-schr. 1, 610;

besonders von der armuth, gegensatz 'wohlstand': Germania gibt seer vil arms volcks und bettler, so ein verthon volck, das es meer ausz seinem müssigang und stätem zeren und wolleben an bettelstab kummen ist, dann ausz übelstand des lands Seb. Franck weltbuch 47a; unzarte anspielungen auf einen »brodesser mehr« konnten um so weniger ausbleiben als Erhart's wohlstand sich in übelstand verlor Holtei erzähl. schr. 18, 163.
6) miszstand socialer oder politischer art: wir nun über diesem gesambter löbl. eydgenoszschafft dermahligen übelstand und die ... trennung ein sonderliches mitleiden tragen Harsdörffer teutscher secret. 2, 438.
7) 'nachtheil, mangel', ganz allgemein in der geschichts- und gelehrtenprosa, sowie in der zeitungssprache des 19. jahrhdts.: auch in bezug auf die handhabung des bürgerlichen rechts scheinen manche übelstände obgewaltet zu haben Raumer gesch. d. Hohenst. 5, 205; dieser wassermangel ist ein groszer übelstand, besonders im hohen sommer Auerbach dorfgesch. 2, 4; mittel, die übelstände, die aus dieser absonderung des herrschers hervorgehen muszten, wenigstens einigermaszen abzustellen Ratzel völkerkunde 2, 201; wie aber dann, wenn diese stimmen sich bei irgend einer frage nach ihrer gleichzahl trennten? ein übelstand, den man damals bei allen deliberationen geflissentlich zu vermeiden suchte Ranke 3, 281; ein zweiter übelstand, welchen ich auch nur durch den zunftzwang beseitigen zu können glaube, ist die maszlose concurrenz Bismarck pol. reden 1, 140.
 
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übelständig, adj., unschicklich, s. DWB übelstand 1; (die weisen) lernen, sich vor den übelständigen sitten (der narren) hüten Harsdörffer schaupl. lust- und lehrr. gesch. 2, 393; uns bestürzet der übelständige aufzug (in dem ihr erscheint) kunst über alle künste 112, 15 R. Köhler; obwohlen diesem übelständigen teutschen sauffwesen bereits hiebevor in verschiedenen reichs-abschieden ... zu steuren gesucht worden anatome joco-seria (1667) 28. praed.: vermuthlich hat Julius der kaiser gar fein zu wählen gewuszt, was in schreibung eines tapferen werckes wol- oder übelständig sey Rompler von Löwenhalt reimged. Oooo ij.
die andern (pferde) aber sind ungleich schädlicher, übelständiger und beschwerlicher, wenn ... ein kurtzer halsz gar keinen bogen machet oder machen kann Hohberg georgica curiosa aucta (1715) 3, 8, 94b.
 
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übelständigkeit, f., dass. wie übelstand 1: also ist es leyder ... nunmehr dahin kommen, dasz bey administrirung der gerechtigkeit sich hauptsächlichen dreyerley mangelhafftig- und übelständigkeiten befinden ana tome joco-seria (1667) 50.
 
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übelständlich, adj., häszlich Schottel haubtspr. 961.
 
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übelstehend, adj.
1) unglücklich, zu übelstehen, vgl. oben übel und folgenden beleg:

[Bd. 23, Sp. 47]


lasz dir unser langes übelstehn
einmahl endlich doch zu hertzen gehn
Morhof unterr. 1, 786;

ich glaub auch das, so Christus noch yetzo auff erden in fleisch lebte, so würden im nicht allein die juden und heyden, sondern wir christen alles übelstehend wesen dieser welt zmessen Kirchhof wendunmuth 1, 293.
2) unziemlich: sed peccaturo obsistat tibi filius infans, sol dir wehren und im liecht oder wege stehen, wenn du etwas übelstehendes begehen wilt Corvinus fons lat. (1646) 797; hieraus erlernen wir zugleich, warum es nicht nur etwas übelstehendes, sondern der höchste grad der thorheit und gottesvergessenheit wäre, wann ein poet gott blutrünstig und verwundet vorstellen wollte Bodmer v. d. wunderbaren 62; selbst das bessere und vorzüglichere wird übelstehend, wenn es nachgemacht, nicht natürlich ist Garve anmerk. zum 1. buch v. Cic. de off. (1783) 147.
 
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übelstifter, m., missethäter: welcher ... durch etliche übelstifter und böswichte jämmerlich ermordet worden Rompler v. Löwenhalt reimged. 75.
 
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übelstimmig, adj., vbelstimmig, absonus Dasypodius dict. Niiij.
 
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übelstinkend, adj., graveolens Maaler (1561) 441b; das marck, so jhnen aus den beinen fleust, gibt einen bösen übelstinckenden geruch Heyden Plinius (1565) 434; von gar faulem vnd vbelstinckendem räsem kesz Thurneysser magna alchymia (1583) 143.
 
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übelthat, f. , vbeltat, missetat, poszheit, maleficium, nephas voc. theut. (1482) hh 5b; maleficium Diefenbach gloss. 344b; vgl. Graff 1, 94 und mhd. wb. 3, 148b.
zur form: umgelautete pl.-formen begegnen bei Stainhöwel u. Hutten: durch schwere sünd und übelthäten Stainhöwel de claris mulieribus 60; nachfolgende stuck und übelthät Hutten 3, 349; umb unser sünd und übeltät willen Arigo decam. 3, 7; starke pl.-formen sind nicht sicher nachzuweisen, meist handelt es sich um singulare verwendung, die oben genannte form übeltät ausgenommen. schwacher dat. sg.:

bringt man dann syn gtten fründt,
im z raten von der sündt
vnd von aller übelthaten
noch dannocht laszt er im nit raten
vnd blybt allzyt ein armer tropff
Murner narrenbeschw. 256 neudr.


bedeutung und gebrauch: missethat, miszhandlung, vertretung, sünd, verwirckung, verbrechung, unthat Sattler (1617) 273.
1) im weitesten sinne jede böse that, gegensatz: wohltat, gutthat; begriffliche abgrenzung gegen das syn. missethat versucht Rumpf 470: 'wird jemandem wehe gethan, so ist es eine übelthat, wird aber eine person oder ein gesetz verletzt, so ist es eine missethat, die ein stärkerer ausdruck ist'; ähnlich Eberhard-Masz 11, 138 ff.; missethat überwiegt im gebrauch, im älteren nhd. sowohl, wie insbesondere in der neueren zeit, vgl. Teller beurtheilung 2, 47, der für Luthers sprachgebrauch ein starkes übergewicht für missethat feststellt und übelthat nur im sg. bei ihm belegt findet. übelthat setzt sich zunächst als gegensatz zu wohltat fest: vnzeitig wolthat ist gleich einer übelthat Seb. Franck sprüchw. 1, 93a;

die wolthat, übel angewand,
wird übelthat gar wol genant
Logau sinnged. 78 Eitner;

wohlthat ist gar bald vergessen,
übelthat hart zugemessen
Reinsberg-Düringsfeld 2, 678;

sie haben gesehen, das man der wolthat balde und der übelthat langsam vergisset Luther 27, 384, 34 Weim.; denn es ist besser, das jr von wolthat wegen leidet, denn von übelthat wegen bibel 1. Petr. 3, 17; frag dein hertz, ob du dessenthalben deinem erlöser bist danckbar gewest? ob du nit dise unergründliche gutthaten mit übelthaten vergolten? Abr. a. s. Clara Judas d. ertzschelm 1, 525; seine hände hat er tausend mal zum wohlthun, nie zu einer übelthat ausgestreckt Miller prediger 2, 243; daneben aber auch in freier verwendung, fast immer im sg.: aber deyn tugend und vordienst kegen mir, seynt noch grosser dann die übelthat Hutten 2, 195, 40; sie facht an warnen den papst, und eröffnet

[Bd. 23, Sp. 48]


die zeit desz auffsehens und desz achthabens der übelthat Paracelsus opera 2, 581; die dan viel boszheit, schalckheit, übelthat und obermuth trieben chron. d. W. Gerstenberg 21; was unheils nur geschicht, was unwesen durch übeltaht entstehet ... alsbald musz das arme glükk es versehen haben Schottel friedenssieg 10 neudr.; Heliogabalus verübt viel übelthat Canitz ged. 72;

gib gütikeit für übeltatt
Hätzlerin liederbuch 253;

ach lieber son es ist mein rat:
verbring nit weiter übelthat
Hans Sachs 12, 560 Keller-Götze;

ich heisz ein affen yedermann,
der syn scham nit decken kan
und seyt syn eigen übelthat,
die er allzyt begangen hat,
des er billich schampte sich
Murner narrenbeschw. 53 neudr.;

der offtmals wider seinen willn ...
mus straffen mit des rechts gebisz
all übelthat und ergernisz
Ringwalt lauter warheit 125;

vnd schreibt darzu sein übelthat,
die er an vns begangen hat,
der falsch vntreu verrähterisch böszwicht
Ayrer dramen 186 Keller;

ich hauste in der Lampartey
mit übelthat und kriegsgeschrei
G. Keller 9, 257;

der pl. wird erst vom 17. jahrh. an häufiger: und din kurczes, krankes leben ... durch schentlich schwere sünd und übeltäten mainest zeöwegen Stainhöwel de claris mulieribus 60; di maynen, das inn warer frayndschafft alle boszhayten und übelthaten unsträflich seyen Schwartzenberg teutsch Cicero (1535) 77; darz gib ich ein antwurt, das ich weder die Romaniscen noch niemans anders in seinen vbeldadten verfechten vnd beschirmen wil Murner a. d. adel 11 neudr.; aller übelthaten ein ursachern schelten Guarinonius grew. d. verw. 15; und geschehen hernach durch dergleichen licentz die grösten übelthaten, die dann nicht so leicht zu reundiren stünden mediz. maulaffe 220; alle tugenden werden daher in die weiszglänzende lichtfarbe, alle übelthaten in die schwärze der nacht gemahlet Herder 24, 527; es ist merkwürdig, wie viel unglück, wie viele übelthaten der liebe gott verhütet Gotthelf 1, 217;

(er) will
mit herrscherwort den übelthaten steuern
und so entspringet weise manch gesetz
Göthe 9, 387, 598 Weim.


2) verengt eine gegen die gebote gottes verstoszende that, sünde: welcher (der teufel) die menschen in jhrer boszheit stercket, dasz sie ... solche übelthaten auszrichten Luther 342, 236, 20 Weim.; denn jr pflüget böses, und erndtet ubelthat, und esset lügen früchte Hos. 10, 13; darumb sollen alle christglawbige ... sich bevleyszen, sich übelthat zuenthalten Luther 18, 262, 15 Weim.; es ist auch nit war, dasz der tüffel die straffen erdichtet hab, ... dan der teüffel ist ein erfinder der sünden und got ein straffer der übeltadten Murner a. d. adel 48 neudr.; sie werden von jhr missethat, übeltat, sünden wegen sitzen in der hellen Paracelsus opera 2, 219a; kein ander weg ist zu gott, als ein neu gemüthe, das ... von der ubelthat ausgehet J. Böhme (1620) 4, 104;

wol dem, der nicht mit meuchelrath
im hertzen ist umbfangen,
noch etwan hat ein übelthat
mit loser puosz begangen
Ringwalt handbüchlin A 4a;

wann man allein auf gott besteht,
so schlächt er wol jedoch nicht tödt;
vnd wer sein vbelthat erkent,
dem reichet gott bereit die händ
Fischart anweisung zum Ismenius 382 v. 165 Hauffen;

herr nicht schicke deine rache
über meine böse sache,
ob sie wol durch übelthat
grossen zorn verdienet hat
M. Opitz bei Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 1, 242;

sey mein hülff und mein berather,
sprich mich losz für deinem vater
und streich aus mein übelthat ebd. 3, 133;

du bist ja nicht ein sünder
wie wir und unsere kinder,
von vbelthaten weistu nicht ebd. 3, 308.

[Bd. 23, Sp. 49]



3) jede gesetzlich strafbare handlung, in der älteren rechtsprosa und allgemein. ein fachterminus ist übelthat in der rechtssprache nicht geworden und verschwand aus dem wortschatz des neueren strafrechtes vollständig, das den allgemeinen begriff übelthat durch verbrechen und vergehen differenciert und ersetzt.
a) etlich derselben übelteter, nit allein die jhenen, die ungefangen, sonder auch etlich derselben, die solicher irer begangnen ubeltat halben in des reichs gefänncknus und pannden gewest Nürnberger polizeiordnungen 42 Baader; ich geschweyg, das, wie wol doch in teutschen landen gericht und recht ist, die übeltat, als die ich oder ein ander betriben hete, z straffen ... bey einer fremden öberkeit hien gericht werden solt Hutten 1, 412, 25; so jemandts vor langer zeit ein übelthat begangen hette, ist er etwas leichter zu straffen, dann so die that newlich beschehn were statutenbuch (1572) 143b.
b) länger erhält sich übelthat in der geschichtsprosa: deren mter lag übelthat halber in der gefencknis Heyden Plinius (1565) 50; seine straffgesetze hatten allein dieses zum zweck, die boszhafftigen von übelthaten abzuschrecken Birken ostländ. lorbeerhäyn 204; wie alle gesetze freyer nordischer völker waren die strafgesetze gelind, die Alfred auf die übelthaten setzte Haller Alfred könig d. Angels. 49; ferner ist gar keine rechte policey da, wodurch übelthaten vorgebeugt und gute ordnung erhalten werden könnte Nicolai reise 6, 758; auch geht es demjenigen, der verfestet und während der verfestung gefangen ist, stets an den leib, wenn er überführt wird, um welcher übelthat willen er auch gefangen seyn mag Eichhorn deutsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 635.
4) bosheit:

warumb solt ich in bösen tagen
mich fürchten, wenn die ubelthat
der bösen mich umbschrencket hat
Hans Sachs 18, 203, 8 Götze;

ob sie der feind gleich hat
aus groszer übelthat
ins wasser lassen werfen,
sie doch nicht sorgen dörfen
für ihre leib, der erden
solln sie zu theil doch werden
Opel-Cohn dreissigjähr. krieg 215.


 
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übelthäter, m. , maleficus: es wollen auch einige grammatici ... wörtern, die in singulari auff ein er oder el auszgehen in plurali ein (e) zusetzen, als der vater, die vätere, oder da es sich im versz nicht schicke, das erste (e) wegwerffen und dafür setzen die übelthätre, die bürgre Morhof unterricht v. d. dtsch. spr. 1, 478. bedeutung und gebrauch.
1) im weitesten sinne: malefactor Diefenbach gloss. 344c; vgl. auch magus u. elymas 343c, 198b: zawberer, wol u. ubelteter; der übels thut, an evil doer Ludwig teutschengl. wb. (1765) 1780; kwaad doender Kramer hochniederd. wb. (1719) 217b; gutthäter und übelthäter under jn waren Seb. Franck chron. Germ. (1538) 201; bettetend für sich selbs und auch für die gut- und übeltäter Tschudi chron. 1, 374.
2) verengt: verbrecher, peinlich angeklagter, seit dem 15. jahrhdt. in der älteren rechtssprache allgemein üblich und von hier in die profane und geistliche literatur dringend: maleficus Maaler 441b; reo Megiserus (1592) Oo 5b; malfattore Hulsius 143a; delinquente Kramer (1678) 1065b; criminel, malfaiteur Frisch (1719) 565; noxius Kirsch 297b; reus Hederich 2395; verbrecher, malefizperson Chomel 8, 2191; vgl. auch asilum, freiung, do die ubeltheter yn fliehen Diefenbach gloss. 54a.
a) wir wollen auch aus fürstlicher obrigkait sölhen austretern, beschedigern und andern dergleichen übelthätern und iren helfern, enthaltern und fürschiebern, die in unsern und andern landen, niederzuwerfen und zu erobern mit allem vleiss nachstellen landpot in ober und nieder Baiern (1516) 8a; und so der übelthäter ergriffen wirt, bindt man in Seb. Münster cosm. 76; so sichs aber begibt, dasz der profosz einen übelthäter für recht stellt Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, a 3; im fall der commendant ... seumig were ..., das alsdan der magistratus loci allein die gebühr anschaffen und die übelthäter straffen möchte Chemnitz schwed. krieg 2, 421;

[Bd. 23, Sp. 50]


ist er neutral gewesen, so wird präsumirt, dasz der übelthäter ein beharrlicher ausreiser sey, kan aber dennoch in etwas begnadigt werden Fleming der vollk. teutsche soldat (1726) 130, 7; aus der neueren rechtsprosa durch missethäter (das Luther nach Teller 2, 47 noch gar nicht gebrauchte) und insbesonders durch verbrecher verdrängt.
b)

ir solt Barraban, den übelthetter
nemen aus seiner gefangkhnus schwär altdeutsche passionssp. 396 Wackernell;

herr landtpfleger, da bringen wir
ein übeltheter, den wir dir
überantworten nach deinr pflicht
das er werdt zu dem todt gericht
Hans Sachs 11, 286 Keller;

nach diesem auch all übelthätr ...
dieb, reuber, fehder und dergleichn
gesellen, thut zu bodem streichn
Ringwalt lauter wahrheit 236;

befilht sein dienern all derwegen,
den Joseph soll man gfangen legen
ins königs thurn zun vbelthäter
Nicod. Frischlin 69;

demnach er wie ein vbelthäter
durch ein scharff offenlich vrtheil
vom todt zum leben mit vnheil
verdammet wurd
Spreng Aeneis (1610) 2, 24a.


alle dye rauber vnd morder, auch was sunst übeltätter wären Hartlieb histori v. Alexander (1473) 12b; w macht du ... hertern richter über die übelteter ymer me erfinden? Stainhöwel de claris mulieribus 237; darumb der richter letzt nit den übeltheter unbillich, so er in noch ordnung des gesatzs tödten losst Geiler bilgersch. B VIb; es ist gewonlich, wan man ein vsz fürt, so gat der vbeldöter vor vnd gat der hencker hinnach Pauli schimpf und ernst 45 Österley; ja gleych wie die Juden lassen sie den übeltetther Barrabam losz und todten die gnade gottis, den unschuldigen son gottis Luther 2, 107, 5 Weim.; es sey dann, das du im römischen reich ... kein schwert, noch anders, domit man übelthäter strafft, habest Hutten 1, 373, 27; er tranck ... ein giffttrunck, den die Athener den übelthätern pflegten z geben Seb. Franck chron. Germ. 21; deszgleichen pflegen nit auch noch heut etliche eltern jre kinder, ... zur warnung mitzunehmen, wann man vbelthäter vom leben zum todt zurichten auszfüret? Fischart Garg. 4; stücklein von reddern, pfälen, stricken, damit vbelthäter gestrafft vnd hingericht Nigrinus von zäuberern 18; denn die vrtheil also, wie an öffentlichem gericht, vber die vbelthäter vnnd schldigen gesprochen wird volksb. v. dr. Faust 36 neudr.; Christus ... wurde ... vnder die mörder vnd vbelthäter zum allerscheuszlichsten todt ... verdambt Ayrer processus (1600) vorr. va; einer der eine paszquill verkaufft, über land schickt und unter die leute bringt, ist eben sowol ein übelthäter, als derjenige der sie gemacht hat Schupp schrift. 566; überall freistätte, friedensorte und heilige säulen angelegt, wohin dem übelthäter so wenig der richter als der rächer folgen durfte Möser 2, 339; aber das gemeine vorurtheil der gesetzgeber, die übelthäter nur als die verworfensten menschen anzusehen, ... trägt zu solcher übertriebenen härte ... viel bey Nicolai reise 6, 768; es ist eine eiche, auf der sonst die übelthäter aufgehängt worden sind Stifter 3, 200; gewöhnlich macht ihr herren von der justiz uns ärzten den vorwurf, dasz wir ... durch »unzurechnungsfähigkeit« gewisse übelthäter eurer macht entziehen wollen Holtei erzähl. schr. 3, 165.
c) auch in der geistlichen prosa aus der rechtssprache entnommen und oft in dieser prägnanten bedeutung z. b. golgotha daz ist ein stat der quelung var. der übeltheter Math. 27, 33 cod. tepl., ebenso Zainer-bibel; ob dirr nicht wer ein übelteter, wir hetten dir in nit geantwurt Joh. 18, 30 erste d. bibel. daneben auch erweitert für 'sünder, übertreter des sittengesetzes': verbirg mich ... vor dem hauffen der übelthäter (protexisti me ... a multitudine operantium iniquitatem) psalm 64, 3; er solde gekreucziget werden alsz eyn übelthetter vor got und der welt Luther 34I, 244, 23 Weim.; ertzurn dich nit ubir den böszen vind, lasz dich nit verdriessen die ubiltheter 8, 214; seyn doch

[Bd. 23, Sp. 51]


der mehrertheil der menschen vbelthäter vnd kommen doch durch buss widerumb zu gnaden buch der liebe (1587) 100d; er ist feind allen übelthätern, er bringet die lügner umb Dannhawer catechismus-milch 1, 39; wie die sünden der alten welt, also haben auch die übeltähter dieser kleinen welt einer sündflutt von nöhten Butschky Pathmos 561; o herr, der du alles weist, ... richter, dem kein übelthäter in gerechter straff entgeht ... wer will deiner hand entgehen? Schmolcke trost- u. geistr. schrift. 1, 36.
als schmäh- und scheltwort: du selloser, du übeltäter, warum hast du den tempel Appollinis schmähend beroubet? Stainhöwel Äsop. 73; ihr hertzen böser art, ihr schnöden übelthäter Treuer Dädalus 1, 217; weichet alle von mir jr verfluchten (maledicti) Matth. 25, 41 wird öfter mit übelthäter variiert, z. b.: darauf wird jnen der herr antwortten: ich hab euch nye erkennt. ir übeltäter müesst von mir abweichen Berth. v. Chiemsee theologey 19;

weicht ab jr vbeltheter all
Ringwalt handb. A 10b;

ich kenn euch nicht, weicht von mir schnell,
ihr übeltheter gehört zur hell
B. Krüger aktion J VIa;

ihr vbeltheter weicht von mir,
der herr erhört mein flehen ev. kirchenl. 1, 210 Fischer-Tümpel.

 

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