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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelrede bis übelsäftigkeit (Bd. 23, Sp. 42 bis 43)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelrede, f., schmährede: dieser krieg ... voller unehr und übelred stecket Xylander Polybius 435; gedruckte übelrede ist die kugel eines pulvergewehrs, wobei knall und licht den mörder verrathen und der strafe überliefern Börne 6, 121.
 
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übelreden, v., vbelreden oder mit rede entsetzen, detrectare voc. theut. (1482) hh 8a; imprecari Diefenbach gloss. 289c; afterreden, verleumden, schenden, lestern, übelreden, schelten Schwartzenbach syn. (1571) 8a; diser mensch musz schelten und übelreden, wann er kein guts und wolreden nit gelernet hat A. v. Eyb 1, 50, 28; mit dat.: eim übelreden, einen schmähen oder jm schandtlich zreden, maledicere, obloqui, obtrectare, imprecari alicui malum Maaler (1561) 441b; die euch yetzt ubelreden, würden euch wolsprechen H. Sachs 22, 34, 7 Götze; wer do flcht oder übelredt vatter oder mter, der würt sterben des tods Keisersberg postille 2, 64a; meyne feynd redend mir übel bibel verteutscht (Zür. 1531), psalm 40a; ich wils ... nit zulassen, dasz der so uns ... übelreden wolt, sage Boltz Terenz deutsch 126b (Hecyra IV 2, 590); fiengen an dem papst vbelreden Stumpf Schwytzerchron. 90b. part. präs. in adject. function: an ainem unsaubern übelreden (!) mentsch ist sich selten rain oder sauber zu machen Zimm. chron. 3, 194, 18.
'von jemanden übel reden':

sy (die Augsburger) hand gemacht ein singschl
vnd setzen oben vff den stl,
wer übel redt vonn pfaffen
Hätzlerin liederbuch 41;

do etlich aber ... nit glaubtend, vnd übelredtend von dem wäg des herren bibel verteutscht (Zür. 1531) act. 19a; da gehet sie hin und spricht zu jungfer Melinden hier in der nachbarschafft, ich hätte von derselben so übel geredet Chr. Reuter ehrl. frau z. Pliss. 2, 11, 26; ein andres gesetz des Solon verbietet, von den todten übel

[Bd. 23, Sp. 43]


zu reden Schiller 9, 175. substantiviert: das vbelreden, maledicentia Maaler (1561) 441b; von den jrrthummen der poeten Lucij Lauinij wirdt er vil reden so er neüwe comedien machen wirdt (er lasz dann ab von seim übelreden) Boltz Terenz deutsch 61b (Heautontim. prol.); damit ausz geweszner frayndtschafft nit ... gezängk, übelreden ... erfolgen Schwartzenberg teutsch Cicero 77; das man nitt mit vbelreden, sonder mit loben den nechsten beschediget Xylander Polybius 257.
 
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übelreder, m.: verwerrer guter frund, einbleser, vbelreder, susurrator Diefenbach gloss. 570a; übelreder schelter, maledicus Dasypod. dict. Niiij; obtrectator Maaler 441b;

frümkeit sprach: ker dich nichts daran!
der reich schalckhafftig hat viel neyder,
viel ubel-reder, ehr-abschneyder
Hans Sachs 3, 182, 11 Keller;

ach das er mich nur alleyn ubelhandelte, und ein ketzer, abtrunigen, ubelreder und nach aller lust seins unlusts nennet Luther 1, 385, 16 Weim.; jr wurden bald den übelredern jr maul verstopffen Eberlin v. Günzburg 2, 192 neudr.; den relativsatz der Mentel-bibel: (die itwissung der) die dir itwissten (die vielen auf mich) Röm. 15, 3, variieren ZSa mit vbelröder (Kurrelmeyer 2, 54; vgl. auch 2, 72).
 
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übelredig, adj., vbelredig, mordax, maledicus Dasypod. dict. Niiij.
 
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übelredner, m., schmalkachel (gaunerwort für) ubelredner Luther 26, 654 Weim.; seint etliche brieder under uch, unkeüsch, geitig, den abgötteren dienent, ubelredner, druncken reuber, mit denen soltent ir nit essen Murner a. d. adel 47 neudr.
 
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übelredung, f., haesitantia Stieler (1691) 1542.
 
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übelreich, adj., reich an übeln:

sie selbst, die grimme schlang' und übelreiche pest,
vergiesze geist und blut
Gryphius trauersp. 691.


 
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übelriechend, adj., zu übel riechen, stincken Diefenbach 444b, cunnire 163a, stincken Megiserus 2, 145b; die medianader nimpt iren ursprung von der lungen. so sye nit recht geschlagen würt, so macht sye vil eyter, übelryechende wunden, und verderbt den menschen Gersdorff feldtbuch der wundtartzney (1517) 15, 1b; (das spanische frauenzimmer) hat insgemein garstige und übelriechende zähne Amaranthes frauenz. l. 574; der geist wird schwach, der athem übelrüchend Simpl. 459 Kögel; die fäulnisz ist der gährungsprocesz in stickstoff- und schwefelhaltigen organischen materien, wobei gewöhnlich übelriechende producte gebildet werden Liebig chem. br. 152; der übelriechendste proletarier ... ist so gemein nicht, als jene gewalthaber Vischer auch einer 2, 137; erweitert und bildlich: ein übelriechendes lächeln spielte um den mund Heine 3, 220; unsre politik verstimmt mich; wir bleiben treibholz, auf unsern eignen gewässern umhergeblasen von fremden winden; und was für ruppige winde, übelriechende! Bismarck briefe a. s. braut u. gattin 419.
 
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übelrüchig, adj., in den wbb. häufig mit entrundetem vocal: vbelriechig foetidus, putidus et olidus Dasypodius dict. Niiij; unflätig, stinckig Apherdianus methodus (1601) 185; schweig, anbrüchige, übelrüchige, schandenrüchige Rückert 11, 469; vgl. oben th. 1, sp. 429 anrüchig.
 
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übelrüchtig, adj.: er ist etlichermaszen übelrüchtig, fama haud sincera est Stieler (1691) 1632; vgl. oben th. 1, sp. 430 anrüchtig.
 
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übelsäftigkeit, f., cacochymia Nemnich (1801) 17b.

 

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