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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelnachreder bis übelreder (Bd. 23, Sp. 41 bis 43)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelnachreder, m., verleumder: doch wird es (das buch) on tadeler vnd vbelnachreder nicht bleiben Nigrinus von zäuberern vorr. 4b..
 
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übelname, m., spottname; wohl eine umdeutung aus übername (s. d.), wie unten übelschwall und übelsichtig; um witzig zu sein, erfindet sie (die klatschbasengesellschaft)

[Bd. 23, Sp. 42]


für alle leute in der stadt übelnamen Zschokke 13, 33; der name Bambarra soll ein verzerrter übelname ... seyn und Bambugr d. i. menschenfresser heiszen Ritter erdkunde 1, 442; dös ruf- und übelnamengeben, dasz mer sich ins g'sicht h'nein freundlich und hintern rucken falsch sein kann Anzengruber 4, 340.
 
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übelnehmer, m., aus übel nehmen (s. oben übel 7): der mürrische schmollte ein weniges bei gelegenheit, der mutwillige reizte den übelnehmer, der sorglose den tadelsüchtigen zu einem kleinen gezänk G. Keller 2, 204.
 
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übelnehmerei, f., empfindlichkeit, gehäszigkeit; ich sprach einst mit einem freunde über das unbehagliche unseres lebens, das in soupçons und übelnehmereien sich abhetze Immermann 20, 210; je älter sie wurden, um so mehr schien sich eine übelnehmerei, eine heftige bitterkeit zwischen ihnen kund zu geben Auerbach dorfgesch. 1, 50; es ist auch nicht das geringste gegen ihn einzuwenden. (Emma:) doch! seine böse laune, seine übelnehmerei Ebner-Eschenbach 4, 285.
 
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übelnehmerig, adj., empfindlich, leicht verletzbar: he sölwst wea oawasch sea äwelnämerig Boldt 12, bei Frischbier 2, 417; wir sind aber nicht übelnehmerig Boy-Ed Velh.-Klas. monatsh. (1901) 1, 151.
 
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übelnehmerisch, adj., dass.: äbbelnâemerisch Kleemann nord.-thüring. idiot. 3a; man gähnte, war übelnehmerisch, ging einander aus dem wege Immermann 6, 84; er war immer aufgeregt, leidenschaftlich, dabei übelnehmerisch, misztrauisch und rechthaberisch Hoffmann v. Fallersleben leben 2, 221; sie wissen, dasz ich nicht übelnehmerisch bin H. v. Bülow br. u. schr. 5, 517; besonders die Crescenz ist so ein übelnehmerisches ding, muszt nicht auf sie hören Anzengruber 7, 220; md. und nd. auch übelnehmisch: ôwelnömisch Schambach 148b; immer lustig und fidel ist der kleine mann und niemals 'übelnehmsch' Berl. tägl. rundschau (1902) nr. 144, hauptbl. 4c; auch bei sachen für 'leicht verletzbar', 'leicht zu beschädigen': so ene kleene uhr ist sehre ü.; ene ü. farbe Albrecht Leipz. ma. 226a.
 
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übelrather, m., ubelrahter male svasor Stieler (1691) 1517; zu wolrahter gebildet.
 
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übelrathig, adj.: yedoch zwingt mich der übelratige hunger (malesuada fames) Schaidenraisser Odyssea (1537) 76b.
 
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übelrede, f., schmährede: dieser krieg ... voller unehr und übelred stecket Xylander Polybius 435; gedruckte übelrede ist die kugel eines pulvergewehrs, wobei knall und licht den mörder verrathen und der strafe überliefern Börne 6, 121.
 
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übelreden, v., vbelreden oder mit rede entsetzen, detrectare voc. theut. (1482) hh 8a; imprecari Diefenbach gloss. 289c; afterreden, verleumden, schenden, lestern, übelreden, schelten Schwartzenbach syn. (1571) 8a; diser mensch musz schelten und übelreden, wann er kein guts und wolreden nit gelernet hat A. v. Eyb 1, 50, 28; mit dat.: eim übelreden, einen schmähen oder jm schandtlich zreden, maledicere, obloqui, obtrectare, imprecari alicui malum Maaler (1561) 441b; die euch yetzt ubelreden, würden euch wolsprechen H. Sachs 22, 34, 7 Götze; wer do flcht oder übelredt vatter oder mter, der würt sterben des tods Keisersberg postille 2, 64a; meyne feynd redend mir übel bibel verteutscht (Zür. 1531), psalm 40a; ich wils ... nit zulassen, dasz der so uns ... übelreden wolt, sage Boltz Terenz deutsch 126b (Hecyra IV 2, 590); fiengen an dem papst vbelreden Stumpf Schwytzerchron. 90b. part. präs. in adject. function: an ainem unsaubern übelreden (!) mentsch ist sich selten rain oder sauber zu machen Zimm. chron. 3, 194, 18.
'von jemanden übel reden':

sy (die Augsburger) hand gemacht ein singschl
vnd setzen oben vff den stl,
wer übel redt vonn pfaffen
Hätzlerin liederbuch 41;

do etlich aber ... nit glaubtend, vnd übelredtend von dem wäg des herren bibel verteutscht (Zür. 1531) act. 19a; da gehet sie hin und spricht zu jungfer Melinden hier in der nachbarschafft, ich hätte von derselben so übel geredet Chr. Reuter ehrl. frau z. Pliss. 2, 11, 26; ein andres gesetz des Solon verbietet, von den todten übel

[Bd. 23, Sp. 43]


zu reden Schiller 9, 175. substantiviert: das vbelreden, maledicentia Maaler (1561) 441b; von den jrrthummen der poeten Lucij Lauinij wirdt er vil reden so er neüwe comedien machen wirdt (er lasz dann ab von seim übelreden) Boltz Terenz deutsch 61b (Heautontim. prol.); damit ausz geweszner frayndtschafft nit ... gezängk, übelreden ... erfolgen Schwartzenberg teutsch Cicero 77; das man nitt mit vbelreden, sonder mit loben den nechsten beschediget Xylander Polybius 257.
 
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übelreder, m.: verwerrer guter frund, einbleser, vbelreder, susurrator Diefenbach gloss. 570a; übelreder schelter, maledicus Dasypod. dict. Niiij; obtrectator Maaler 441b;

frümkeit sprach: ker dich nichts daran!
der reich schalckhafftig hat viel neyder,
viel ubel-reder, ehr-abschneyder
Hans Sachs 3, 182, 11 Keller;

ach das er mich nur alleyn ubelhandelte, und ein ketzer, abtrunigen, ubelreder und nach aller lust seins unlusts nennet Luther 1, 385, 16 Weim.; jr wurden bald den übelredern jr maul verstopffen Eberlin v. Günzburg 2, 192 neudr.; den relativsatz der Mentel-bibel: (die itwissung der) die dir itwissten (die vielen auf mich) Röm. 15, 3, variieren ZSa mit vbelröder (Kurrelmeyer 2, 54; vgl. auch 2, 72).

 

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