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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übellaunig bis übelmeinlich (Bd. 23, Sp. 40 bis 41)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übellaunig, adj. u. adv.
a) miszgestimmt, verdrossen, meist prädicativ: du bist übellaunig, verdrieszlich, siehst jetzt gerade alles braungelb, weil dir ein wenig galle ins blut getreten ist Wieland 3, 144 (Agathon 12, 10); die wirthin war zerstreut; ihre gäste müde und übellaunig W. Alexis der falsche Woldemar 1, 233; der kurfürst zeigte sich noch übellauniger als sonst seine art war Treitschke deutsche gesch. 5, 667. attributiv: es ging uns, wie übellaunigen kindern, die aus unlust weinen Fouqué reiseerinn. 1, 215; wird nie in einer übellaunigen stunde ihnen ein vorwurf entschlüpfen? Kotzebue 5, 215; (Sieyes) brach hierauf sein verbissenes übellauniges schweigen Dahlmann franz. revolution 384. adverbiell: Jacob, der nicht wuszte, was er aus dem wunderlichen vorfall machen sollte, versetzte übellaunig: 'wer wäre es sonst gewesen?' Hebbel 8, 244.
b) böse, gehässig: ich begreife daher nicht, was für ein übellauniger dämon den Dr. Franklin auf den einfall bringen konnte Wieland Lucian 3, 343; es überkam ihn plötzlich ein gefühl, als hab' er sich von jetzt an machtlos, willenlos einem übellaunigen harten meister zu fügen Raabe schüdderump 3, 30; das ewige opponiren und übellaunige kritisiren Göthe unterhalt. m. Müller 49; vgl. auch Unger-Khull steirischer wortschatz (1903) 643a; neben übellaunig auch übellaunicht: sie erblicken den modernen elegant in allen möglichen nuancen; ... ironisch, witzig, übellaunigt, schwermütig, bizarr, ausgelassen, zierlich, burschikos E. Th. A. Hoffmann 2, 84.
 
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übellaunisch, adj.: ich wurde finster, miszmuthig und übellaunisch Wieland 27, 223; (er war) überaus übellaunisch über die heutige ausfahrt Auerbach dorfgesch. 4, 83; den schreienden possenmacher wuszte er zu ertragen wie den übellaunischen festgast, der sich übernommen und die freude verdorben hatte G. Keller 5, 252.
 
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übellaut, m., dissonanza. disconza, zu übellauten, Kramer (1678) 1065b; gegensatz: wohllaut; in der musik und sprache: unmelodische oder unsingbare fälle mit fleisz aufsuchen ... ihren übellaut zu bemercken Mattheson vollk. kapellm. 153; die wesentlichen eigenschaften der dissonanzen liegen schon in der benennung. vermöge dieser benennung machen sie einen übellaut Bach clavier z. sp. 2, 25; in den zusammen gesetzten wörtern gehöret bey der syllabierung einem ieglichen sein theil, doch also, das es keynen übellaut gebe Gueintz deutsche rechtschreib. 19; nicht alle härte übrigens ist übellaut, so wie nicht immer das weiche wohllaut ist Knebel nachlasz 3, 473.
metaphorisch: gutgeartete kinder ... werden von selbst diese wonne nicht durch den übellaut einer von ihren eltern gemiszbilligten wahl unterbrechen Hippel über die ehe 32; ich habe ... im Dresdener ... wochenblatt ... gehört, wie sie krank gewesen, wovon das letzte wort freilich wieder gut macht, was das erste schlimm gemacht, ohne jedoch den übellaut des ganzen für mein ohr auszutilgen Görres briefe 3, 111.
 
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übellauten, v., dissonare Kramer (1678) 1065b; auch verengt und bildlich: es lautet übel von ihm, res est non boni rumoris Dentzler clavis linguae lat. 293b; davon das part. praes. in adjectivischer und adverbieller function: übellautend, absonus Diefenbach gloss. 5; würde sie (die glocke) einen vbellautenden klang oder thon den eseln in jhre ohren geben eselkönig 268; wie nun solche depravationes der inauspicatorum verborum oder übel lautender wörter ... bey den teutschen gemein seyn Prätorius blockesberges verr. 67; die langsame abänderung gezogener und zuweilen übellautender töne Gottsched crit. dichtk. 69; um nicht übellautende klänge zu verursachen Quantz anweisung 122. adverbiell: wie wol- oder übellautend diese unteutsche ... ahrt ... für menschlichen gesunden ohren klinget, hierüber wolle ein jedweder vernünftiger teutscher biedermann ... urtheilen Neumark neuspr. teutsch. palmb. 139. steigerungsstufen: bis auf den disharmonischen namen, denn einen

[Bd. 23, Sp. 41]


übellautenderen hatte ich noch nie geführt, gefiel mir das ding ganz leidlich Gaudy 12, 29; er hat die gabe, die übellautendsten verse durch seine recitation angenehm zu machen Sonnenfels 5, 340.
 
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übellauter, m.: man setzt heutiges tages in den meisten opern und kirchenstücken auch zwey bratschen; allein der componist bedarf groszer behuthsamkeit, wenn er nicht dadurch in übellauter, in durchkreuzung mit andern instrumenten, und in verletzungen der harmonie verfallen will Chr. Fr. Dan. Schubart ästhetik der tonkunst 299.
 
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übellautung, f., dissonantia, im gesang diaphonia Dasypod. dict. Niiij.
 
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übelleb, m., scherzbildung: der vbelleb kauffet dem wolleb sein hausz ab Seb. Franck sprüchw. 2, 157a; vgl. auch Kirchhofer sprichw. 343.
 
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übellehrer, m., Stieler (1691) 1129 zu übellehren alqm. depravare mala disciplina ebd.
 
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übelmächtig, adj.: des römpte sich seins schalkhaftigen gewalts der übelmechtig pfalzgraf herzog Ernst 236, 30 Bartsch.
 
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übelmeinend, adj. u. adv., niet wel meenend Kramer d.-holl. wb. (1787) 465a; in nachdrücklichen adressen verlangten die offiziere die entfernung ... übelmeinender persönlichkeiten Ranke 4, 71.
 
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übelmeinlich, adv., gehäszig: handelt — nichts übelmaynlich und böszwilligklich Melanchthon hauptartikel 76.

 

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