Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelklang bis übellaunisch (Bd. 23, Sp. 39 bis 40)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelklang, m., dissonantia Stieler (1691) 982; zu wohlklang im 17. jahrh. gebildet und vor Stieler nicht belegt: und die vornehmsten ursachen davon sind der wohl- oder übelklang Gottsched beitr. z. crit. hist. 2, 500; der zwang aber, die plumpheit und der übelklang, womit die meisten, wenn nicht alle deutschen sonette dahin stolperten Bürger 1, 329b; den alten, d. i. Griechen und Römern waren beide arten eines solchen wohlklanges übelklänge; ähnliche anklänge der worte suchten sie wie den reim zu vermeiden Herder 18, 31; metaphorisch: so wird, wenn ich so reden darf, der übelklang der proportion merklich werden Winckelmann 4, 184; die äuszern übelklänge des schicksals Jean Paul Hesp. 3, 125;

doch, freund, die kunst, in solchem seelendrang
sein selbstgefühl zu überschreyen,
half jetzt auch mir des spottes übelklang,
der mein gefühl durchlief, zerstreuen
Thümmel reise 1, 141.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelklingend, adj., absonus, dissonus Steinbach 1, 881; (Apollo habe) folgende vngereimete bünde vernohmen als nämlich: nun — darumb; raub — aug ... als balt Apollo diese gantz vbelklingende bundt syllaben angehöret, seye ihme gleich ein hefftiges schaudern ankomen eselkönig 7; die übrigen übelklingenden (melodien) schreibe ich mir zu Stieler geharnschte Venus vorr. 3 neudr.; die langen jamben ohne abschnitt und das sonderbare wälzen und rollen des periods, haben sich mir so eingeprägt, dasz mir nun die kurzen zeilen der Iphigenie ganz höckerig, übelklingend und unlesbar werden Göthe IV 8, 8 Weim.; er (R. Franz) will mehr als wohl- oder übelklingende musik, er will uns das gedicht in seiner leibhaftigen tiefe wiedergeben Schumann 4, 264. substantiviert: sie (die sprache) bedarf also niemals das übelklingende A. W. Schlegel Athenäum 1, 28. metaphorisch: der satz ... drückte, freilich mit übelklingender schärfe, die wahrheit aus Mommsen röm. gesch. 2, 20.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelklug, adj., geschickt in bösen künsten:

der von einem übelklugen, ...
kundigen des würfelfalles
aufgefordert ...
Fr. Rückert 12, 54.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelkönnend, adj., unwissend: ein übelkünnenden menschen auff eim stein sitzen ersah er, da sprach er (Diogenes): ein stein sitzet auff dem andern S. Franck chron. 89b; ich hab so vil erfahren, das unser vorvodern nit als grob, übelkünnend. ungeschickt leut, als etlich wänen, gewesen sein Aventin 4, 192, 31. auch übelkünd: spot und schandt ist es, das wir solche übelkünden sophisten und geistloszen münch zu lerer des christenlichen glaubens gehabd S. Franck chron. 354a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelkundig, adj., male informatus Stieler (1691) 951; so der selbige mensch vnerfarn, vbelkundig, vnd schwach were Eberlin v. Günzburg 3, 221 neudr.; des ... schiessens so übelkündig bist Schaidenraisser Odyssea (1537) 88b. attributiv: solich kriegssleut haben die Römer ... gehept wider die groben ... übelkündigen bettler die teütschen Seb. Münster cosm. 779.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übellauf, m., successus infaustus Stieler (1691) 1088, aus übellaufen cursu sinistro procedere ebd.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übellaune, f., vapeurs Kinderling reinigk. d. deutsch. spr. 152; die ärzte, die ihn in diesen jahren umgaben, fanden ihn angegriffen und verändert, ... von ausbrüchen grundloser freude und übellaune, von schlaflosigkeit, abgeschlagenheit und gliederzittern befallen Gervinus gesch. d. 19. jahrh. 4, 649.

[Bd. 23, Sp. 40]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übellaunen, v., 'stünd' auch nit dafür, heut übellaunen, wo morg'n so ein lustiger tag is' Anzengruber 2, 181.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übellaunicht, s. übellaunig.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übellaunig, adj. u. adv.
a) miszgestimmt, verdrossen, meist prädicativ: du bist übellaunig, verdrieszlich, siehst jetzt gerade alles braungelb, weil dir ein wenig galle ins blut getreten ist Wieland 3, 144 (Agathon 12, 10); die wirthin war zerstreut; ihre gäste müde und übellaunig W. Alexis der falsche Woldemar 1, 233; der kurfürst zeigte sich noch übellauniger als sonst seine art war Treitschke deutsche gesch. 5, 667. attributiv: es ging uns, wie übellaunigen kindern, die aus unlust weinen Fouqué reiseerinn. 1, 215; wird nie in einer übellaunigen stunde ihnen ein vorwurf entschlüpfen? Kotzebue 5, 215; (Sieyes) brach hierauf sein verbissenes übellauniges schweigen Dahlmann franz. revolution 384. adverbiell: Jacob, der nicht wuszte, was er aus dem wunderlichen vorfall machen sollte, versetzte übellaunig: 'wer wäre es sonst gewesen?' Hebbel 8, 244.
b) böse, gehässig: ich begreife daher nicht, was für ein übellauniger dämon den Dr. Franklin auf den einfall bringen konnte Wieland Lucian 3, 343; es überkam ihn plötzlich ein gefühl, als hab' er sich von jetzt an machtlos, willenlos einem übellaunigen harten meister zu fügen Raabe schüdderump 3, 30; das ewige opponiren und übellaunige kritisiren Göthe unterhalt. m. Müller 49; vgl. auch Unger-Khull steirischer wortschatz (1903) 643a; neben übellaunig auch übellaunicht: sie erblicken den modernen elegant in allen möglichen nuancen; ... ironisch, witzig, übellaunigt, schwermütig, bizarr, ausgelassen, zierlich, burschikos E. Th. A. Hoffmann 2, 84.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übellaunisch, adj.: ich wurde finster, miszmuthig und übellaunisch Wieland 27, 223; (er war) überaus übellaunisch über die heutige ausfahrt Auerbach dorfgesch. 4, 83; den schreienden possenmacher wuszte er zu ertragen wie den übellaunischen festgast, der sich übernommen und die freude verdorben hatte G. Keller 5, 252.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: