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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelhörig bis übellaunen (Bd. 23, Sp. 38 bis 40)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelhörig, adj., schecht hörend, taub; absurdus vbelhorig Sachse gloss. (14. jahrh.) in Herrigs arch. 47, 439a; absurdus Diefenbach nov. gloss. 6a; Martin-Lienhart 1, 369; im übrigen sind beide übelhörig und verstanden zunächst kein gesprochenes wort G. Keller 8, 305.
 
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übelkeit, f. ,
1) unwohlsein, meist verengt: neigung zum erbrechen Frischbier 2, 417; Höfler krankheitsn. 760a; auch ohnmacht. wechselt mit übligkeit (s. d.), das sich besonders im bairischen und alemannischen festsetzt, während übelkeit über das ganze gebiet verbreitet ist; seit dem 18. jahrh. allgemein: nur über sie (die Cordilleren) zu reisen, giebt symptome der übelkeit und entkräftung an menschen und thieren Herder 13, 44; der widrige dunst von fusel und tabak ... machte ihm übelkeit C. Viebig schlaf. heer 1, 239

sie öffnete den mund, ich weisz nicht was, zu sprechen;
doch schwindel, übelkeit und heftig seitenstechen
erlaubten ihr noch kaum, ein kläglich: ach herr Je-!
Rost verm. gedichte (1769) 14;

häufig einen krankheitsanfall bezeichnend und daher auch im pl.: wandelte ihn (den verwundeten) eine übelkeit an und er drohte von dem pferde zu sinken A. Stifter 3, 249; sie unterhält jedermann mit ihren übelkeiten Cramer nord. aufseher 1, 322; ich fühle übelkeiten, sobald mir der mensch unter die augen tritt Lenz 3, 304;

[Bd. 23, Sp. 39]


über Johannas befinden können wir ... nicht klagen. von übelkeiten ist sie noch oft geplagt Bismarck br. a. s. braut u. gattin 322;

gevatter, hört, mein seel', ich halt's nicht aus,
die wund am schienbein macht mir übelkeiten
H. v. Kleist 1, 353 (zerbr. krug).


2) ungelegenheit: hab' ... meinen hauptmann von grossen übelkeiten gerettet Schröder dram. werke (1831) 3, 147.
 
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übelkind, n.: dasz unsere vorfahren nicht als grobe übelkinder ... gewesen seyn Schottelius hauptsprache 55.
 
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übelklang, m., dissonantia Stieler (1691) 982; zu wohlklang im 17. jahrh. gebildet und vor Stieler nicht belegt: und die vornehmsten ursachen davon sind der wohl- oder übelklang Gottsched beitr. z. crit. hist. 2, 500; der zwang aber, die plumpheit und der übelklang, womit die meisten, wenn nicht alle deutschen sonette dahin stolperten Bürger 1, 329b; den alten, d. i. Griechen und Römern waren beide arten eines solchen wohlklanges übelklänge; ähnliche anklänge der worte suchten sie wie den reim zu vermeiden Herder 18, 31; metaphorisch: so wird, wenn ich so reden darf, der übelklang der proportion merklich werden Winckelmann 4, 184; die äuszern übelklänge des schicksals Jean Paul Hesp. 3, 125;

doch, freund, die kunst, in solchem seelendrang
sein selbstgefühl zu überschreyen,
half jetzt auch mir des spottes übelklang,
der mein gefühl durchlief, zerstreuen
Thümmel reise 1, 141.


 
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übelklingend, adj., absonus, dissonus Steinbach 1, 881; (Apollo habe) folgende vngereimete bünde vernohmen als nämlich: nun — darumb; raub — aug ... als balt Apollo diese gantz vbelklingende bundt syllaben angehöret, seye ihme gleich ein hefftiges schaudern ankomen eselkönig 7; die übrigen übelklingenden (melodien) schreibe ich mir zu Stieler geharnschte Venus vorr. 3 neudr.; die langen jamben ohne abschnitt und das sonderbare wälzen und rollen des periods, haben sich mir so eingeprägt, dasz mir nun die kurzen zeilen der Iphigenie ganz höckerig, übelklingend und unlesbar werden Göthe IV 8, 8 Weim.; er (R. Franz) will mehr als wohl- oder übelklingende musik, er will uns das gedicht in seiner leibhaftigen tiefe wiedergeben Schumann 4, 264. substantiviert: sie (die sprache) bedarf also niemals das übelklingende A. W. Schlegel Athenäum 1, 28. metaphorisch: der satz ... drückte, freilich mit übelklingender schärfe, die wahrheit aus Mommsen röm. gesch. 2, 20.
 
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übelklug, adj., geschickt in bösen künsten:

der von einem übelklugen, ...
kundigen des würfelfalles
aufgefordert ...
Fr. Rückert 12, 54.


 
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übelkönnend, adj., unwissend: ein übelkünnenden menschen auff eim stein sitzen ersah er, da sprach er (Diogenes): ein stein sitzet auff dem andern S. Franck chron. 89b; ich hab so vil erfahren, das unser vorvodern nit als grob, übelkünnend. ungeschickt leut, als etlich wänen, gewesen sein Aventin 4, 192, 31. auch übelkünd: spot und schandt ist es, das wir solche übelkünden sophisten und geistloszen münch zu lerer des christenlichen glaubens gehabd S. Franck chron. 354a.
 
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übelkundig, adj., male informatus Stieler (1691) 951; so der selbige mensch vnerfarn, vbelkundig, vnd schwach were Eberlin v. Günzburg 3, 221 neudr.; des ... schiessens so übelkündig bist Schaidenraisser Odyssea (1537) 88b. attributiv: solich kriegssleut haben die Römer ... gehept wider die groben ... übelkündigen bettler die teütschen Seb. Münster cosm. 779.
 
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übellauf, m., successus infaustus Stieler (1691) 1088, aus übellaufen cursu sinistro procedere ebd.
 
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übellaune, f., vapeurs Kinderling reinigk. d. deutsch. spr. 152; die ärzte, die ihn in diesen jahren umgaben, fanden ihn angegriffen und verändert, ... von ausbrüchen grundloser freude und übellaune, von schlaflosigkeit, abgeschlagenheit und gliederzittern befallen Gervinus gesch. d. 19. jahrh. 4, 649.

[Bd. 23, Sp. 40]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übellaunen, v., 'stünd' auch nit dafür, heut übellaunen, wo morg'n so ein lustiger tag is' Anzengruber 2, 181.

 

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