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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelhaftigkeit bis übelklingend (Bd. 23, Sp. 38 bis 39)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelhaftigkeit, f., vbelhafftigkeit, poszhafftigkeit, maliciositas voc. theut. (1482) hh VIIIa.
 
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übelhaltung, f., male tractatio Kirsch (1723) 297b; zu übel halten 'grausam behandeln' z. b.: dein same der wirt elende in eim fremden land vnd si werden sy übelhalten 400 iar cod. tepl. apostelgesch. 7, 6 var.; oder als gegensatz von DWB wohlverhalten: so wirdt das menschlich leben allgemach ... erlängert und zu seinem alten ziel durch wolhalten gebraucht werden, so wol als es durch übelhalten darvon geschoben worden Guarinonius grewel der verw. 52.
 
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übelhandlung, f., elogium Diefenbach gloss. 199a; zu übelhandeln obtrectare 391a vgl. auch:

lasz mich, mein Jesu, wandeln,
wie ich dir zugesagt,
damit kein ubelhandeln
mich künfftig mehr verklagt
Schmolcke trost- u. geistr. schr. 1, 227.


 
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übelhauser, m., übelhûser, schlechter haushälter Staub-Tobler 2, 1744; zu übel hausen s. oben übel 4 c. der vater war ein übelhauser Pestalozzi 2, 245.
 
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übelheit, f., vbelheyt, poszheyt, vbeltat, vbelkeyt, malignitas, malignitudo voc. theut. (1482) hh. 8a.
 
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übelhörend, adj. und adv., surdaster. vbel hörend Frischlin nomencl. (1591) 148; und wan er sich nicht besorget hätte gehabt, dasz man ihn etwan unter der blinden, übelhörenden gesellschaft rechnen (möchte) Agyrtas grillenvertreiber (1670) 3, 17; gehörschnecke ist ein instrument, dessen sich übelhörende leute bedienen Chomel ökon. lex. 4, 787; der sohn sagte dem übelhörenden vater laut, der wein sei ihm nicht gesund Gotthelf 1, 142.
 
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übelhörig, adj., schecht hörend, taub; absurdus vbelhorig Sachse gloss. (14. jahrh.) in Herrigs arch. 47, 439a; absurdus Diefenbach nov. gloss. 6a; Martin-Lienhart 1, 369; im übrigen sind beide übelhörig und verstanden zunächst kein gesprochenes wort G. Keller 8, 305.
 
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übelkeit, f. ,
1) unwohlsein, meist verengt: neigung zum erbrechen Frischbier 2, 417; Höfler krankheitsn. 760a; auch ohnmacht. wechselt mit übligkeit (s. d.), das sich besonders im bairischen und alemannischen festsetzt, während übelkeit über das ganze gebiet verbreitet ist; seit dem 18. jahrh. allgemein: nur über sie (die Cordilleren) zu reisen, giebt symptome der übelkeit und entkräftung an menschen und thieren Herder 13, 44; der widrige dunst von fusel und tabak ... machte ihm übelkeit C. Viebig schlaf. heer 1, 239

sie öffnete den mund, ich weisz nicht was, zu sprechen;
doch schwindel, übelkeit und heftig seitenstechen
erlaubten ihr noch kaum, ein kläglich: ach herr Je-!
Rost verm. gedichte (1769) 14;

häufig einen krankheitsanfall bezeichnend und daher auch im pl.: wandelte ihn (den verwundeten) eine übelkeit an und er drohte von dem pferde zu sinken A. Stifter 3, 249; sie unterhält jedermann mit ihren übelkeiten Cramer nord. aufseher 1, 322; ich fühle übelkeiten, sobald mir der mensch unter die augen tritt Lenz 3, 304;

[Bd. 23, Sp. 39]


über Johannas befinden können wir ... nicht klagen. von übelkeiten ist sie noch oft geplagt Bismarck br. a. s. braut u. gattin 322;

gevatter, hört, mein seel', ich halt's nicht aus,
die wund am schienbein macht mir übelkeiten
H. v. Kleist 1, 353 (zerbr. krug).


2) ungelegenheit: hab' ... meinen hauptmann von grossen übelkeiten gerettet Schröder dram. werke (1831) 3, 147.
 
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übelkind, n.: dasz unsere vorfahren nicht als grobe übelkinder ... gewesen seyn Schottelius hauptsprache 55.
 
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übelklang, m., dissonantia Stieler (1691) 982; zu wohlklang im 17. jahrh. gebildet und vor Stieler nicht belegt: und die vornehmsten ursachen davon sind der wohl- oder übelklang Gottsched beitr. z. crit. hist. 2, 500; der zwang aber, die plumpheit und der übelklang, womit die meisten, wenn nicht alle deutschen sonette dahin stolperten Bürger 1, 329b; den alten, d. i. Griechen und Römern waren beide arten eines solchen wohlklanges übelklänge; ähnliche anklänge der worte suchten sie wie den reim zu vermeiden Herder 18, 31; metaphorisch: so wird, wenn ich so reden darf, der übelklang der proportion merklich werden Winckelmann 4, 184; die äuszern übelklänge des schicksals Jean Paul Hesp. 3, 125;

doch, freund, die kunst, in solchem seelendrang
sein selbstgefühl zu überschreyen,
half jetzt auch mir des spottes übelklang,
der mein gefühl durchlief, zerstreuen
Thümmel reise 1, 141.


 
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übelklingend, adj., absonus, dissonus Steinbach 1, 881; (Apollo habe) folgende vngereimete bünde vernohmen als nämlich: nun — darumb; raub — aug ... als balt Apollo diese gantz vbelklingende bundt syllaben angehöret, seye ihme gleich ein hefftiges schaudern ankomen eselkönig 7; die übrigen übelklingenden (melodien) schreibe ich mir zu Stieler geharnschte Venus vorr. 3 neudr.; die langen jamben ohne abschnitt und das sonderbare wälzen und rollen des periods, haben sich mir so eingeprägt, dasz mir nun die kurzen zeilen der Iphigenie ganz höckerig, übelklingend und unlesbar werden Göthe IV 8, 8 Weim.; er (R. Franz) will mehr als wohl- oder übelklingende musik, er will uns das gedicht in seiner leibhaftigen tiefe wiedergeben Schumann 4, 264. substantiviert: sie (die sprache) bedarf also niemals das übelklingende A. W. Schlegel Athenäum 1, 28. metaphorisch: der satz ... drückte, freilich mit übelklingender schärfe, die wahrheit aus Mommsen röm. gesch. 2, 20.

 

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