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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelanständig bis übelbeleumundet (Bd. 23, Sp. 32 bis 33)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelanständig, adj. u. adv., zu übelanstehen, gegens.: wohlanständig: die zarten glieder (der pferde) werden ausgemattet, tun alles mit einem übelanständigen zwang, und verlieren den lust Hohberg georgica curiosa 2, 184b. meist in moralisch-ethischem sinne: indecente, v. ungebührlich Kramer (1678) 1065b; wissen euer ... excell. ..., wie übelanständig, ja unverantwortlich einem soldaten fallen würde, wan er einen solchen ort ... einhändigte Simpl. 230 f. neudr.; in Britannien muste ich ... den krieg, ein meinem geschlechte übelanständiges handwerk, treiben A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 1198; es entwischet ihnen derowegen gar selten ein unbillich oder übelanständiges wort Crasset Japon. kirch. (1738) 1, 12. substantiviert: so bald sie etwas abgeschmacktes oder übelanständiges sprechen, so führen sie allezeit zu ihrem schutze die galante welt an J. Ch. Gottsched deutsche schaubühne 2, 253.
 
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übelanständigkeit, f., disdicevolezza Kramer (1678) 1065b.
 
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übelauf, adv., ubel auf, male constitutus Stieler (1691) 64; malade, krank, unpäszlich, übelauff curiöses bauern-lexicon (1728) 101; übel auf seyn, aegrotum esse Stieler a. a. o.; sich übelauf befinden, esse infirma valetudine Hederich (1729) 2393; während wohlauf, zu dem übelauf als gegensatz gebildet wurde, lebendig blieb, ist übelauf nur mehr landschaftlich im gebrauch:

der teuffel war sehr übelauff
und stund ihm schier das leben drauff:
drumb wolt er in die kirchen gehen
und von der alten arth abstehen
Abr. a. S. Clara Judas der ertz-schelm 390;

dasz demnach j. f. g. herzog Heinrichs gemal mit schwerem leibe gewesen, ist j. f. g. in einer haiden, da auf 3 meilen kein dorf gewesen, übelauf geworden Schweinichen denkwürd. 19; er kann nicht herausfahren, dann die pferd seynd krank, und der kutscher

[Bd. 23, Sp. 33]


ist übelauf Ph. Hafner 2, 131. übelauf sein auch substantiviert: des altten S. Bayrn übelauffsein nitt gern vernohmmen Paumgartner briefw. 146; vgl. Campe 5, 2a.
 
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übelaufgeräumt, adj., miszlaunig:

dasz der gesunde muntre mann
mich übelaufgeräumt und todtkrank machen kann
Joh. E. Schlegel 4, 278;

da ... er ... sehr übelaufgeräumt war Musäus volksmärchen 1, 20 Hempel; du bist einmal unerhört übelaufgeräumt Stranitzky ollapatrida 10, 14 Wien. neudr.
 
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übelaufnehmung, f., indignatio Stieler (1691) 1362.
 
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übelaufseher, m., a bad surveyor Ludwig teutschengl. wb. (1765) 1779; was musz der könig für übelaufseher haben? Chr. Weise freym. redner 339.
 
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übelbedeutend, adj.: andre hingegen rissen sie uns wieder aus den händen und warfen sie mit einem unwilligen blick von sich, als ob etwas verdächtiges oder übelbedeutendes dahinter stecke G. Forster 2, 168.
 
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übelbefinden, n., gegens.: wohlbefinden; weil ... bei dessen übelbefinden sich unmöglich irgend ein theil wohlbefinden könnte Schleiermacher Platon 6, 16; fast stets auf das physisch-körperliche eingeschränkt: unwohlsein: wie viele verstehen wohl, dasz das wort benaut, welches hr. pastor Schwager in seiner predigt von eidschwüren gebraucht, so viel als ängstlich bedeutet, und vom übelbefinden vor schrecken oder ekel in Westphalen gebraucht wird? Kinderling reinigk. d. deutsch. spr. 43; die obristin schrieb dies übelbefinden dem sitzenden leben zu A. v. Arnim 8, 291; ein seltsames übelbefinden schien aus der seele zu kommen und alle lebenspulse gewaltsam zu ergreifen E. Th. A. Hoffmann 2, 191; das herz pochte mir bis zum übelbefinden und nur thränen konnten meine gepresste brust erleichtern Börne 9, 4; ein zeichen seines (des zaunkönigs) übelbefindens ist es, wenn die flügel unter die schwanzwurzel herabhängen Naumann naturgesch. d. vögel 2, 732. in weiterer verwendung 'soziale notlage': (der durch arbeit geschaffene wohlstand) soll nun sein ein wohlstand der nation, nicht einiger individuen, deren höchster wohlstand oft das auffallende zeichen ist ... von dem höchsten übelbefinden der nation Fichte 3, 423.
 
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übelbegnügt, adj.: gott hat geboten, das man die übeltähter ungestrafft nicht lassen solte. was für ein hochschädliches exempel der nachfolge würde allen frevelhafften u. übelbegnügten wagehälsen gereicht, wenn solche untahten keinen henker fühlen solten? Butschky Pathmos 852.
 
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übelbehagen, n., unbehagen: in ihrem (der Liefländer barone) übrigens sehr guten deutsch lernte ich ein studentenwort für das übelbehagen nach einem rausche, das nicht übel paszt: 'katzenjammer' brief vom jahre 1805 in zs. f. d. wortforsch. 1, 77; einmal zuvor war, auszer etwa leichten kopf- und zahnschmerzen, jedes andre übelbehagen mir ganz unbekannt Bräker 1, 56.
 
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übelbeleumundet, adj., von schlechtem rufe s. o. th. 1 sp. 1447.

 

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