Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
übelan bis übelbefinden (Bd. 23, Sp. 32 bis 33)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) übelan, adv., gehässig: ihr wisset ja, der Colin ist mir von jeher übelan gewesen, und hat immer gesucht, wo er mich kränken konnte! H. Zschokke 22, 28.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelangebracht, adj., unzweckmäszig, unrichtig; wie so viele der folgenden übel-composita als gegensatz zu wohl-gebildet und seit dem 18. jahrh. bei abstracten in attributiver und prädicativer function allgemein: bey aller rührung muszten wir über die übelangebrachte höflichkeit unsers hn. verf. lachen allg. d. bibl. 19, 2, 296; man fragte aus einer übelangebrachten vorsicht Nicolai reise 7, 148; den text reinigte herr v. ... von aller übelangebrachten gelehrsamkeit Göthe 38, 379, 14 Weim.; hielt sie wirklich Bothwell für unschuldig, so hat sie sich nur eines zu groszen und übelangebrachten vertrauens anzuklagen O. Ludwig 5, 394.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelangst, adj.: bey jeder kecken und kühnen stelle ward mir herzinniglich wohl, bey jeder sottise, ward ich übelangst und beklommen Zimmermann über die einsamkeit 2, 26 anm.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelanständig, adj. u. adv., zu übelanstehen, gegens.: wohlanständig: die zarten glieder (der pferde) werden ausgemattet, tun alles mit einem übelanständigen zwang, und verlieren den lust Hohberg georgica curiosa 2, 184b. meist in moralisch-ethischem sinne: indecente, v. ungebührlich Kramer (1678) 1065b; wissen euer ... excell. ..., wie übelanständig, ja unverantwortlich einem soldaten fallen würde, wan er einen solchen ort ... einhändigte Simpl. 230 f. neudr.; in Britannien muste ich ... den krieg, ein meinem geschlechte übelanständiges handwerk, treiben A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 1198; es entwischet ihnen derowegen gar selten ein unbillich oder übelanständiges wort Crasset Japon. kirch. (1738) 1, 12. substantiviert: so bald sie etwas abgeschmacktes oder übelanständiges sprechen, so führen sie allezeit zu ihrem schutze die galante welt an J. Ch. Gottsched deutsche schaubühne 2, 253.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelanständigkeit, f., disdicevolezza Kramer (1678) 1065b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelauf, adv., ubel auf, male constitutus Stieler (1691) 64; malade, krank, unpäszlich, übelauff curiöses bauern-lexicon (1728) 101; übel auf seyn, aegrotum esse Stieler a. a. o.; sich übelauf befinden, esse infirma valetudine Hederich (1729) 2393; während wohlauf, zu dem übelauf als gegensatz gebildet wurde, lebendig blieb, ist übelauf nur mehr landschaftlich im gebrauch:

der teuffel war sehr übelauff
und stund ihm schier das leben drauff:
drumb wolt er in die kirchen gehen
und von der alten arth abstehen
Abr. a. S. Clara Judas der ertz-schelm 390;

dasz demnach j. f. g. herzog Heinrichs gemal mit schwerem leibe gewesen, ist j. f. g. in einer haiden, da auf 3 meilen kein dorf gewesen, übelauf geworden Schweinichen denkwürd. 19; er kann nicht herausfahren, dann die pferd seynd krank, und der kutscher

[Bd. 23, Sp. 33]


ist übelauf Ph. Hafner 2, 131. übelauf sein auch substantiviert: des altten S. Bayrn übelauffsein nitt gern vernohmmen Paumgartner briefw. 146; vgl. Campe 5, 2a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelaufgeräumt, adj., miszlaunig:

dasz der gesunde muntre mann
mich übelaufgeräumt und todtkrank machen kann
Joh. E. Schlegel 4, 278;

da ... er ... sehr übelaufgeräumt war Musäus volksmärchen 1, 20 Hempel; du bist einmal unerhört übelaufgeräumt Stranitzky ollapatrida 10, 14 Wien. neudr.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelaufnehmung, f., indignatio Stieler (1691) 1362.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelaufseher, m., a bad surveyor Ludwig teutschengl. wb. (1765) 1779; was musz der könig für übelaufseher haben? Chr. Weise freym. redner 339.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelbedeutend, adj.: andre hingegen rissen sie uns wieder aus den händen und warfen sie mit einem unwilligen blick von sich, als ob etwas verdächtiges oder übelbedeutendes dahinter stecke G. Forster 2, 168.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
übelbefinden, n., gegens.: wohlbefinden; weil ... bei dessen übelbefinden sich unmöglich irgend ein theil wohlbefinden könnte Schleiermacher Platon 6, 16; fast stets auf das physisch-körperliche eingeschränkt: unwohlsein: wie viele verstehen wohl, dasz das wort benaut, welches hr. pastor Schwager in seiner predigt von eidschwüren gebraucht, so viel als ängstlich bedeutet, und vom übelbefinden vor schrecken oder ekel in Westphalen gebraucht wird? Kinderling reinigk. d. deutsch. spr. 43; die obristin schrieb dies übelbefinden dem sitzenden leben zu A. v. Arnim 8, 291; ein seltsames übelbefinden schien aus der seele zu kommen und alle lebenspulse gewaltsam zu ergreifen E. Th. A. Hoffmann 2, 191; das herz pochte mir bis zum übelbefinden und nur thränen konnten meine gepresste brust erleichtern Börne 9, 4; ein zeichen seines (des zaunkönigs) übelbefindens ist es, wenn die flügel unter die schwanzwurzel herabhängen Naumann naturgesch. d. vögel 2, 732. in weiterer verwendung 'soziale notlage': (der durch arbeit geschaffene wohlstand) soll nun sein ein wohlstand der nation, nicht einiger individuen, deren höchster wohlstand oft das auffallende zeichen ist ... von dem höchsten übelbefinden der nation Fichte 3, 423.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: