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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tyrann(en)schaft bis tyranniglich (Bd. 22, Sp. 1985 bis 1986)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tyrann(en)schaft, f., me. tyrantship Murray 10, 1, 564a; mndl. tiranschap Verwijs-Verdam 8, 371. suffixbildung zu tyrann (vgl. DWB tyrannentum), im frühen nhd. lexikalisch bezeugt, als wiedergabe von lat. tirannis voc. ex quo, 15. jh bei Diefenbach gl. 585a; vereinzelt auch in der kurzform tyran(n)schaft als nomen actionis: tyrannizare grymmen oder tyranschafft tryben gemma gemm. (1508) c 3a; tirannizare tyranschafft treiben gemma gemm. (Augsburg 1512) bei Diefenbach gl. 585b. —
 
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tyrannenteufel, m., 'in tyrannen wirkender teufel'; vereinzelt im frühen nhd.: sie (die Lutheraner haben zur erklärung alles unheils und aller laster in der welt) ... ein gantz theatrum voller teüffel in die wele (sic!) geschickt, nemlich den pestilentzteüfel, ... tantzteüffel, 15. flchteüffel, 16. zauberteüffel, 17. bannteuffel, 18. heyligteüffel, 19. tyrannenteüffel Joh. Nas eins vnd hundert 4 (1570) 359b. —
 
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tyrannenthron, m., 'herrschersitz' (zu tyrann B 1):

nicht deutsches herzens, erbe des julischen
tyrannenthrones, gab er (der Franke) zur armengift
den freiheitssang altdeutscher tugend
J. H. Voss s. ged. 3 (1802) 30;

sie (Eccho) horchet am tyrannenthrone
ganz seelenlos, doch immer wach,
und schreiet im posaunentone
die tollste schmeichellüge nach
Tiedge w. 5 (1827) 82;

im poetischen bild:

was hilfts, dasz wir religion
gestoszen vom tyrannenthron?
Göthe I 16, 402 W.


 
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tyrannentöter, m., wie tyrannenmörder (s. dort); in den wörterbüchern des frühen nhd. u. ndl. als wiedergabe von 'tyrannoctonus' bzw. 'tyrannicida' bezeugt: tyrannen doder schat d. neder-duytscher spr. (1573) Hh 4c; tyrannen töder Calepinus ling. VII (1579) 1592; in fester komposition: tyrannentödter Hulsius-Ravellus ditt. (1616) 563; Schönsleder prompt. (1647) Kkk 5a. seit dem 18. jh. vereinzelt auch in literarischem sprachgebrauch: unter allen tyrannentdtern ... bin ich der einzige, der mit einem streich zwey bsewichter aus der welt geschaft hat Wieland Lucian 6 (1789) 246; tyrannentödter in der deutschen literatur, zu einer zeit, wo es gar keine tyrannen gab, wo unter die fürsten das bestreben nach humanität gekommen war Göthe gespr. 2, 336.
 
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tyrannentum, n., vereinzelte suffixbildung zu tyrann (vgl.tyrannenschaft); 'despotismus':

... ein vorspiel machen sie,
als sollte die stadt tyrannenthums wahrzeichen sehn!
Droysen Aischylos (1842) 94;

[Bd. 22, Sp. 1986]


der Potsdamer geist mit seiner polternden bildungsfeindlichkeit, seinem knausernden und barbarischen tyrannentum, schien in der (von Wilhelmine v. Bayreuth dargestellten) gestalt Friedrich Wilhelms I. für immer gebrandmarkt Klaiber d. dt. selbstbiogr. (1921) 41. —
 
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tyrannenverhängnis, n., 'tyrannisch über jem. hereinbrechendes verhängnis' (zu tyrann B 4 c α gebildet): aber ich poche dem tyrannen-verhängnisz Schiller 2, 198 G.
 
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tyrannenvertreiber, m., euphemistisch für tyrannenmörder: das ... ertzt, woraus der zweyen tyrannenvertreiber des Harmodius und Aristogitons säulen gegossen (waren) Lohenstein Arminius 1 (1689) 339b;

ihr rüttelt an dem königspalast
mit unverdrossenem mute,
ihr baut ein neues haus mit hast
und schreit zum kitt nach blute.
doch ist es fertig das neue haus
nach manchem saueren tage,
der Bonaparte bleibt nicht aus,
der's stürzt mit einem schlage!
...
so kommt es, ihr männer des ewigen nein,
so kommt's, ihr tyrannenvertreiber
Strachwitz ged. (1891) 177.


 
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tyrannenwillkür, f., 'launische willkür eines despoten':

der freyheitsbaum erstickt der liebe blüten;
sie traue nimmer der tyrannenwillkühr
ihr leben an
Platen dramat. nachl. 6 Petzet;

der ausbruch der revolution lockte den unsteten mann (Friedrich v. d. Trenck), der sich auch als ein opfer der tyrannenwillkür fühlte, nach Paris Klaiber d. dt. selbstbiogr. (1921) 51. —
 
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tyrannenwut, f., 'in despotischer willkür sich austobender zorn eines tyrannen (B 1)': dasz die zärtlichkeit noch barbarischer zwingt als tyrannenwuth! Schiller 3, 479 G.;

kein tropfen ...
des blutes ...,
vergossen für tyrannenwuth,
für sklaverei, für meuchelei?
Arndt w. 4, 224 R.-M.;

dein (des bürgerkrieges) vater ist tyrannenwuth,
die mutter grimme bürgergluht
Uhland ged. (1898) 2, 220;

im poetischen bild (zu tyrann B 4 c α):

des miszgeschicks tyrannenwuth
beugt nie des edeln haupt
Matthisson schr. 1 (1835) 232;

vereinzelt auch zu tyrann B 2 c gebildet: und Unrat fühlte, wie ihm schwindelnd seine wut zu kopf schosz, seine von angst durchjagte tyrannenwut H. Mann blauer engel (1950) 107.
 
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tyrannigkeit, f., s. unter tyrannischkeit.
 
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tyranniglich, adv., s. unter tyrannischlich.

 

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