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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tyrannenmörder bis tyrannenwillkür (Bd. 22, Sp. 1984 bis 1986)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tyrannenmörder, m., ndl. tirannenmoorder, norw.-dän. tyranmorder, schwed. tyrannmördare tyrannicida (s. u. DWB tyrannenmord b u. vgl. DWB tyrannentöter, sowie -mörderisch unter tyrann D 1 a):

tilgt es (das angedenken des erschlagenen tyrannen) durch groszmuth, liebe, dankbarkeit
für den, der euer (des volkes) joch zerbrach!
... gnade dem tyrannenmörder!
Gotter ged. 2 (1788) 311;

[Bd. 22, Sp. 1985]


ist das der mut der tyrannenmörder? Schiller 3, 117 G.;

Alfieri! ...
dieser gräfliche tyrannenmörder
P. Heyse dram. dicht. 29 (1896) 51;

E. Buschor die tyrannen-mörder (1940) titel. metaphorisch für die überwinder Napoleons, die neben Brutus, Tell, Hermann u. a. gestellt werden:

tyrannenmörder, seyd gegrüszt
Schenkendorf ged. (31862) 271;

auch als schimpfwort bezeugt, s. Pansner schimpfwörterb. (1839) 71b. —
 
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tyrannenmünze, f., terminus der numismatik (zu tyrann A gebildet): tyrannenmünzen sind die römischen und griechischen münzen der fürsten, welche sich unter der regierung des kaisers Gallien unabhängig machten C. Chr. Schmieder hwb. d. ges. münzkde, nachtr. (1815) 182; die schätzbarsten stücke sind ... die ... tyrannenmünzen allg. dt. bibl. (1765) 77, 594. —
 
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tyrannenrecht, n., 'das recht des despoten bzw. des stärkeren schlechthin':

so bürdet tirannenrecht
dem unterdrückten landeserhaltung auf
Klopstock oden 2, 29 Muncker-Pawel;

Frankreich hatte kein recht als das tyrannenrecht des stärkeren, in Helvetien einzudringen, um, wie es sagte, die aristokratie zu stürzen Lavater nachgel. schr. (1801) 1, 11.
 
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tyrann(en)schaft, f., me. tyrantship Murray 10, 1, 564a; mndl. tiranschap Verwijs-Verdam 8, 371. suffixbildung zu tyrann (vgl. DWB tyrannentum), im frühen nhd. lexikalisch bezeugt, als wiedergabe von lat. tirannis voc. ex quo, 15. jh bei Diefenbach gl. 585a; vereinzelt auch in der kurzform tyran(n)schaft als nomen actionis: tyrannizare grymmen oder tyranschafft tryben gemma gemm. (1508) c 3a; tirannizare tyranschafft treiben gemma gemm. (Augsburg 1512) bei Diefenbach gl. 585b. —
 
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tyrannenteufel, m., 'in tyrannen wirkender teufel'; vereinzelt im frühen nhd.: sie (die Lutheraner haben zur erklärung alles unheils und aller laster in der welt) ... ein gantz theatrum voller teüffel in die wele (sic!) geschickt, nemlich den pestilentzteüfel, ... tantzteüffel, 15. flchteüffel, 16. zauberteüffel, 17. bannteuffel, 18. heyligteüffel, 19. tyrannenteüffel Joh. Nas eins vnd hundert 4 (1570) 359b. —
 
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tyrannenthron, m., 'herrschersitz' (zu tyrann B 1):

nicht deutsches herzens, erbe des julischen
tyrannenthrones, gab er (der Franke) zur armengift
den freiheitssang altdeutscher tugend
J. H. Voss s. ged. 3 (1802) 30;

sie (Eccho) horchet am tyrannenthrone
ganz seelenlos, doch immer wach,
und schreiet im posaunentone
die tollste schmeichellüge nach
Tiedge w. 5 (1827) 82;

im poetischen bild:

was hilfts, dasz wir religion
gestoszen vom tyrannenthron?
Göthe I 16, 402 W.


 
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tyrannentöter, m., wie tyrannenmörder (s. dort); in den wörterbüchern des frühen nhd. u. ndl. als wiedergabe von 'tyrannoctonus' bzw. 'tyrannicida' bezeugt: tyrannen doder schat d. neder-duytscher spr. (1573) Hh 4c; tyrannen töder Calepinus ling. VII (1579) 1592; in fester komposition: tyrannentödter Hulsius-Ravellus ditt. (1616) 563; Schönsleder prompt. (1647) Kkk 5a. seit dem 18. jh. vereinzelt auch in literarischem sprachgebrauch: unter allen tyrannentdtern ... bin ich der einzige, der mit einem streich zwey bsewichter aus der welt geschaft hat Wieland Lucian 6 (1789) 246; tyrannentödter in der deutschen literatur, zu einer zeit, wo es gar keine tyrannen gab, wo unter die fürsten das bestreben nach humanität gekommen war Göthe gespr. 2, 336.
 
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tyrannentum, n., vereinzelte suffixbildung zu tyrann (vgl.tyrannenschaft); 'despotismus':

... ein vorspiel machen sie,
als sollte die stadt tyrannenthums wahrzeichen sehn!
Droysen Aischylos (1842) 94;

[Bd. 22, Sp. 1986]


der Potsdamer geist mit seiner polternden bildungsfeindlichkeit, seinem knausernden und barbarischen tyrannentum, schien in der (von Wilhelmine v. Bayreuth dargestellten) gestalt Friedrich Wilhelms I. für immer gebrandmarkt Klaiber d. dt. selbstbiogr. (1921) 41. —
 
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tyrannenverhängnis, n., 'tyrannisch über jem. hereinbrechendes verhängnis' (zu tyrann B 4 c α gebildet): aber ich poche dem tyrannen-verhängnisz Schiller 2, 198 G.
 
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tyrannenvertreiber, m., euphemistisch für tyrannenmörder: das ... ertzt, woraus der zweyen tyrannenvertreiber des Harmodius und Aristogitons säulen gegossen (waren) Lohenstein Arminius 1 (1689) 339b;

ihr rüttelt an dem königspalast
mit unverdrossenem mute,
ihr baut ein neues haus mit hast
und schreit zum kitt nach blute.
doch ist es fertig das neue haus
nach manchem saueren tage,
der Bonaparte bleibt nicht aus,
der's stürzt mit einem schlage!
...
so kommt es, ihr männer des ewigen nein,
so kommt's, ihr tyrannenvertreiber
Strachwitz ged. (1891) 177.


 
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tyrannenwillkür, f., 'launische willkür eines despoten':

der freyheitsbaum erstickt der liebe blüten;
sie traue nimmer der tyrannenwillkühr
ihr leben an
Platen dramat. nachl. 6 Petzet;

der ausbruch der revolution lockte den unsteten mann (Friedrich v. d. Trenck), der sich auch als ein opfer der tyrannenwillkür fühlte, nach Paris Klaiber d. dt. selbstbiogr. (1921) 51. —

 

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