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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tyrannenmacht bis tyrannenverhängnis (Bd. 22, Sp. 1984 bis 1986)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tyrannenmacht, f., 'in der hand eines tyrannen (B 1) liegende, despotisch ausgeübte macht':

nein, eine grenze hat tyrannenmacht
Schiller 14, 328 G. (vgl. ebda 12, 559);

... der tag wird kommen, wo dies arme
Italien frei und stolz das haupt erhebt,
all' ihre söhne, die tyrannenmacht
in ketten schlug, die schnöden fesseln brechen
P. Heyse dram. dicht. 29 (1896) 129;

im besonderen auf das heer des despoten als träger und repräsentanten dieser macht bezogen:

nicht zum erobern zogen wir (jäger)
vom väterlichen herd;
die schändlichste tyrannenmacht
bekämpfen wir in freud'ger schlacht.
das ist des blutes werth!
Körner w. 1, 125 Hempel.


 
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tyrannenmord, m. a) 'von despoten begangener bzw. veranlaszter mord'; vereinzelt bei Burkard Waldis:

tyrannenmord vnd ketzergifft
gar hart vns (d. christenheit) trifft psalter (1553) 117a.

b) mit bezug auf lat. tyrannicidium wissenschaftssprachlich gebraucht (so auch ndl. tirannenmoord; norw.-dän. tyranmord; schwed. tyrannmord): alle handlungen dieser art, tyrannenmord usw., welche im alterthum gepriesen werden, kann die christliche sittenlehre nicht anerkennen Schleiermacher s. w. I 12 (1884) 124 beil.; in dingen, die uns ... am fremdesten berühren: ... scherbengericht, tyrannenmord Justi Winckelmann (1866) 1, 219; jedoch auch als schlagwort des sturm und drang lebendig (vgl. tyrannenmörder): die schönste that eines freyen menschen ist tyrannen-mord F. M. Klinger neues theater (1790) 2, 131; s. auch Schiller 3, 39 G.
 
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tyrannenmörder, m., ndl. tirannenmoorder, norw.-dän. tyranmorder, schwed. tyrannmördare tyrannicida (s. u. DWB tyrannenmord b u. vgl. DWB tyrannentöter, sowie -mörderisch unter tyrann D 1 a):

tilgt es (das angedenken des erschlagenen tyrannen) durch groszmuth, liebe, dankbarkeit
für den, der euer (des volkes) joch zerbrach!
... gnade dem tyrannenmörder!
Gotter ged. 2 (1788) 311;

[Bd. 22, Sp. 1985]


ist das der mut der tyrannenmörder? Schiller 3, 117 G.;

Alfieri! ...
dieser gräfliche tyrannenmörder
P. Heyse dram. dicht. 29 (1896) 51;

E. Buschor die tyrannen-mörder (1940) titel. metaphorisch für die überwinder Napoleons, die neben Brutus, Tell, Hermann u. a. gestellt werden:

tyrannenmörder, seyd gegrüszt
Schenkendorf ged. (31862) 271;

auch als schimpfwort bezeugt, s. Pansner schimpfwörterb. (1839) 71b. —
 
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tyrannenmünze, f., terminus der numismatik (zu tyrann A gebildet): tyrannenmünzen sind die römischen und griechischen münzen der fürsten, welche sich unter der regierung des kaisers Gallien unabhängig machten C. Chr. Schmieder hwb. d. ges. münzkde, nachtr. (1815) 182; die schätzbarsten stücke sind ... die ... tyrannenmünzen allg. dt. bibl. (1765) 77, 594. —
 
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tyrannenrecht, n., 'das recht des despoten bzw. des stärkeren schlechthin':

so bürdet tirannenrecht
dem unterdrückten landeserhaltung auf
Klopstock oden 2, 29 Muncker-Pawel;

Frankreich hatte kein recht als das tyrannenrecht des stärkeren, in Helvetien einzudringen, um, wie es sagte, die aristokratie zu stürzen Lavater nachgel. schr. (1801) 1, 11.
 
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tyrann(en)schaft, f., me. tyrantship Murray 10, 1, 564a; mndl. tiranschap Verwijs-Verdam 8, 371. suffixbildung zu tyrann (vgl. DWB tyrannentum), im frühen nhd. lexikalisch bezeugt, als wiedergabe von lat. tirannis voc. ex quo, 15. jh bei Diefenbach gl. 585a; vereinzelt auch in der kurzform tyran(n)schaft als nomen actionis: tyrannizare grymmen oder tyranschafft tryben gemma gemm. (1508) c 3a; tirannizare tyranschafft treiben gemma gemm. (Augsburg 1512) bei Diefenbach gl. 585b. —
 
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tyrannenteufel, m., 'in tyrannen wirkender teufel'; vereinzelt im frühen nhd.: sie (die Lutheraner haben zur erklärung alles unheils und aller laster in der welt) ... ein gantz theatrum voller teüffel in die wele (sic!) geschickt, nemlich den pestilentzteüfel, ... tantzteüffel, 15. flchteüffel, 16. zauberteüffel, 17. bannteuffel, 18. heyligteüffel, 19. tyrannenteüffel Joh. Nas eins vnd hundert 4 (1570) 359b. —
 
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tyrannenthron, m., 'herrschersitz' (zu tyrann B 1):

nicht deutsches herzens, erbe des julischen
tyrannenthrones, gab er (der Franke) zur armengift
den freiheitssang altdeutscher tugend
J. H. Voss s. ged. 3 (1802) 30;

sie (Eccho) horchet am tyrannenthrone
ganz seelenlos, doch immer wach,
und schreiet im posaunentone
die tollste schmeichellüge nach
Tiedge w. 5 (1827) 82;

im poetischen bild:

was hilfts, dasz wir religion
gestoszen vom tyrannenthron?
Göthe I 16, 402 W.


 
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tyrannentöter, m., wie tyrannenmörder (s. dort); in den wörterbüchern des frühen nhd. u. ndl. als wiedergabe von 'tyrannoctonus' bzw. 'tyrannicida' bezeugt: tyrannen doder schat d. neder-duytscher spr. (1573) Hh 4c; tyrannen töder Calepinus ling. VII (1579) 1592; in fester komposition: tyrannentödter Hulsius-Ravellus ditt. (1616) 563; Schönsleder prompt. (1647) Kkk 5a. seit dem 18. jh. vereinzelt auch in literarischem sprachgebrauch: unter allen tyrannentdtern ... bin ich der einzige, der mit einem streich zwey bsewichter aus der welt geschaft hat Wieland Lucian 6 (1789) 246; tyrannentödter in der deutschen literatur, zu einer zeit, wo es gar keine tyrannen gab, wo unter die fürsten das bestreben nach humanität gekommen war Göthe gespr. 2, 336.
 
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tyrannentum, n., vereinzelte suffixbildung zu tyrann (vgl.tyrannenschaft); 'despotismus':

... ein vorspiel machen sie,
als sollte die stadt tyrannenthums wahrzeichen sehn!
Droysen Aischylos (1842) 94;

[Bd. 22, Sp. 1986]


der Potsdamer geist mit seiner polternden bildungsfeindlichkeit, seinem knausernden und barbarischen tyrannentum, schien in der (von Wilhelmine v. Bayreuth dargestellten) gestalt Friedrich Wilhelms I. für immer gebrandmarkt Klaiber d. dt. selbstbiogr. (1921) 41. —
 
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tyrannenverhängnis, n., 'tyrannisch über jem. hereinbrechendes verhängnis' (zu tyrann B 4 c α gebildet): aber ich poche dem tyrannen-verhängnisz Schiller 2, 198 G.

 

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