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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tyrannenjoch bis tyrannenthron (Bd. 22, Sp. 1983 bis 1985)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tyrannenjoch, n., 'despotisch auferlegtes joch', metaphorisch für 'zwingherrschaft' (zu tyrann B 1 b):

und wenn mir (Melchthal) niemand folgt, und wenn ihr alle
für eure hütten bang und eure heerden,
euch dem tyrannenjoche beugt — die hirten
will ich zusammen rufen im gebirg
Schiller 14, 301 G. (s. auch ebda 13, 144 u. vgl. tyrannenkette ebda 1, 289);

(Hermann,) Germaniens retter und befreier
von Roms tyrannenjoch
H. v. Kleist w. 2, 430 E. Schmidt;

wie erbarmungslos würde das tyrannenjoch solcher (hochmütiger, hysterischer) sieger auf unserm sklavennacken lasten Liller kr.-ztg. (1917) 127; auch vom zwang böser gewohnheiten (zu tyrann B 4 c β): das tyrannenjoch böser gewohnheiten vom hals zu schütteln Schubart leben u. gesinnungen 2 (1793) 83.
 
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tyrannenknecht, m. a) abschätzige bezeichnung für die engsten vertrauten und willensvollstrecker eines despoten:

ha! schweig tyrannenknecht! (anrede an Exabolius, den engsten
vertrauten des kaisers)
Gryphius trauersp. 40 lit. ver. (s. auch
Lohenstein Ibrahim Sultan [Breslau o. j.] 103);

wenn verödet die tyrannenstühle,
die tyrannenknechte moder sind,
...
dann, o himmelstochter (freiheit)! sing' ich wieder
Hölderlin ges. dichtg. 1, 105 Litzmann (vgl. ebda 2, 162);

man nannte sie (die nach der revolution eine gesetzliche ordnung wiederherstellen wollten) tyrannenknechte und behauptete, sie seien vom hofe bestochen Gustav Jahn gesch. d. franz. revolution (31858) 33; im weiteren sinne auch für die anhänger und soldaten eines despoten:

die am gebirg uns bey dem strom stolz erwarten
und im gefilde der schlacht mit dem donner in dem arm stehn,
o tyrannenknechte sind sie nur!

[Bd. 22, Sp. 1984]


...
vor dem herannahn und dem ausspruch der freyen,
die sich dem tode gelassener heiligen, entfliehn sie
Klopstock w. 1 (1798) 224 (schlachtgesang);

da wohnen die kaiserlichen (gesandten), die tyrannenknechte Raupach dram. w. ernster gattg. (1835) 5, 37; meine reisigen tyrannenknechte (soldaten Geszlers im 'Tell') G. Keller ges. w. (1889) 1, 361; bei H. v. Kleist als schimpflicher anruf an den zum endkampf gestellten feldherrn des römischen kaisers:

steh, (Varus,) du tyrannenknecht, dein reich ist aus! w. 2, 446 E. Schmidt.

b) als schimpfname für einen kriecherischen, unterwürfigen menschen schlechthin: nur maler Huyasch hielt sich fern (von der intendantin, der geliebten des adligen patrons der wanderbühne) und schimpfte die schauspieler kriechende bestien, gemeine speichellecker, tyrannenknechte Holtei erz. schr. 35 (1866) 89. c) vereinzelt auch im sinne von 'willenlos ergebener untertan': wir sind keine tyrannenknechte, die sich mit blanker klinge gouverniren lassen — sind freie Schweizer Gaudy s. w. 17 (1844) 158. —
 
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tyrannenlaune, f., 'in unberechenbare akte despotischer willkür sich auswirkende augenblicksstimmung eines tyrannen (B 1)': er (Ludwig XIV.) hatte das, was man tyrannenlaune nennen könnte, und war eben so unerbittlich im zorne, als freigebig im belohnen K. Fr. Becker weltgesch. 8 (1804) 380; es ist die stelle (auf Capri), an welcher Tiber (Tiberius) die opfer seiner tyrannenlaune ins meer stürzen liesz Gaudy s. w. 5 (1844) 82; ein beispiel von Caesars tyrannenlaunen Mommsen röm. gesch. 3 (41866) 452 anm.; gelegentlich auch zu tyrann B 2 c gebildet: war es vielleicht nur die furcht vor seiner (ihres gatten) tyrannenlaune, die sie (mrs. Durham) einschüchterte Spielhagen s. w. 3 (1872) 513. —
 
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tyrannenmacht, f., 'in der hand eines tyrannen (B 1) liegende, despotisch ausgeübte macht':

nein, eine grenze hat tyrannenmacht
Schiller 14, 328 G. (vgl. ebda 12, 559);

... der tag wird kommen, wo dies arme
Italien frei und stolz das haupt erhebt,
all' ihre söhne, die tyrannenmacht
in ketten schlug, die schnöden fesseln brechen
P. Heyse dram. dicht. 29 (1896) 129;

im besonderen auf das heer des despoten als träger und repräsentanten dieser macht bezogen:

nicht zum erobern zogen wir (jäger)
vom väterlichen herd;
die schändlichste tyrannenmacht
bekämpfen wir in freud'ger schlacht.
das ist des blutes werth!
Körner w. 1, 125 Hempel.


 
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tyrannenmord, m. a) 'von despoten begangener bzw. veranlaszter mord'; vereinzelt bei Burkard Waldis:

tyrannenmord vnd ketzergifft
gar hart vns (d. christenheit) trifft psalter (1553) 117a.

b) mit bezug auf lat. tyrannicidium wissenschaftssprachlich gebraucht (so auch ndl. tirannenmoord; norw.-dän. tyranmord; schwed. tyrannmord): alle handlungen dieser art, tyrannenmord usw., welche im alterthum gepriesen werden, kann die christliche sittenlehre nicht anerkennen Schleiermacher s. w. I 12 (1884) 124 beil.; in dingen, die uns ... am fremdesten berühren: ... scherbengericht, tyrannenmord Justi Winckelmann (1866) 1, 219; jedoch auch als schlagwort des sturm und drang lebendig (vgl. tyrannenmörder): die schönste that eines freyen menschen ist tyrannen-mord F. M. Klinger neues theater (1790) 2, 131; s. auch Schiller 3, 39 G.
 
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tyrannenmörder, m., ndl. tirannenmoorder, norw.-dän. tyranmorder, schwed. tyrannmördare tyrannicida (s. u. DWB tyrannenmord b u. vgl. DWB tyrannentöter, sowie -mörderisch unter tyrann D 1 a):

tilgt es (das angedenken des erschlagenen tyrannen) durch groszmuth, liebe, dankbarkeit
für den, der euer (des volkes) joch zerbrach!
... gnade dem tyrannenmörder!
Gotter ged. 2 (1788) 311;

[Bd. 22, Sp. 1985]


ist das der mut der tyrannenmörder? Schiller 3, 117 G.;

Alfieri! ...
dieser gräfliche tyrannenmörder
P. Heyse dram. dicht. 29 (1896) 51;

E. Buschor die tyrannen-mörder (1940) titel. metaphorisch für die überwinder Napoleons, die neben Brutus, Tell, Hermann u. a. gestellt werden:

tyrannenmörder, seyd gegrüszt
Schenkendorf ged. (31862) 271;

auch als schimpfwort bezeugt, s. Pansner schimpfwörterb. (1839) 71b. —
 
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tyrannenmünze, f., terminus der numismatik (zu tyrann A gebildet): tyrannenmünzen sind die römischen und griechischen münzen der fürsten, welche sich unter der regierung des kaisers Gallien unabhängig machten C. Chr. Schmieder hwb. d. ges. münzkde, nachtr. (1815) 182; die schätzbarsten stücke sind ... die ... tyrannenmünzen allg. dt. bibl. (1765) 77, 594. —
 
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tyrannenrecht, n., 'das recht des despoten bzw. des stärkeren schlechthin':

so bürdet tirannenrecht
dem unterdrückten landeserhaltung auf
Klopstock oden 2, 29 Muncker-Pawel;

Frankreich hatte kein recht als das tyrannenrecht des stärkeren, in Helvetien einzudringen, um, wie es sagte, die aristokratie zu stürzen Lavater nachgel. schr. (1801) 1, 11.
 
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tyrann(en)schaft, f., me. tyrantship Murray 10, 1, 564a; mndl. tiranschap Verwijs-Verdam 8, 371. suffixbildung zu tyrann (vgl. DWB tyrannentum), im frühen nhd. lexikalisch bezeugt, als wiedergabe von lat. tirannis voc. ex quo, 15. jh bei Diefenbach gl. 585a; vereinzelt auch in der kurzform tyran(n)schaft als nomen actionis: tyrannizare grymmen oder tyranschafft tryben gemma gemm. (1508) c 3a; tirannizare tyranschafft treiben gemma gemm. (Augsburg 1512) bei Diefenbach gl. 585b. —
 
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tyrannenteufel, m., 'in tyrannen wirkender teufel'; vereinzelt im frühen nhd.: sie (die Lutheraner haben zur erklärung alles unheils und aller laster in der welt) ... ein gantz theatrum voller teüffel in die wele (sic!) geschickt, nemlich den pestilentzteüfel, ... tantzteüffel, 15. flchteüffel, 16. zauberteüffel, 17. bannteuffel, 18. heyligteüffel, 19. tyrannenteüffel Joh. Nas eins vnd hundert 4 (1570) 359b. —
 
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tyrannenthron, m., 'herrschersitz' (zu tyrann B 1):

nicht deutsches herzens, erbe des julischen
tyrannenthrones, gab er (der Franke) zur armengift
den freiheitssang altdeutscher tugend
J. H. Voss s. ged. 3 (1802) 30;

sie (Eccho) horchet am tyrannenthrone
ganz seelenlos, doch immer wach,
und schreiet im posaunentone
die tollste schmeichellüge nach
Tiedge w. 5 (1827) 82;

im poetischen bild:

was hilfts, dasz wir religion
gestoszen vom tyrannenthron?
Göthe I 16, 402 W.

 

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