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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tyrannenfürst bis tyrannenmünze (Bd. 22, Sp. 1982 bis 1985)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tyrannenfürst, m., 'despot': den bauer an seinen tyrannenfürsten, oder wie sie (anrede) die überschrift noch nervigter geben wollen, werden sie pagina ultima erhalten (31. 7. 1775) Bürger br. 1, 238 Strodtmann.
 
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tyrannengewalt, f., 'despotisch ausgeübte gewalt': die blos ihrer ahnen wegen sich einbilden, tyrannengewalt ausüben zu können gegen andere menschen Zimmermann üb. d. einsamkeit 3 (1785) 155; blinde ergebung in tyrannengewalt bereitet die gemüter zu einem blinden, bequemen glauben, und mit wucher erstattet dem despotismus die hierarchie seine dienste wieder Schiller s. w. 14 (1904) 54; sie (die Polen) hatten eben erst das beispiel einer erhebung gegen tyrannengewalt gegeben G. Freytag ges. w. 22 (1888) 53. sprichwörtlich:

tyrannengewalt
wird nicht alt
Binder sprichw. (1873) 198 (ebenso bei
Graf u.
Dietherr dt. rechtssprichw. [1864] 524);

[Bd. 22, Sp. 1983]


in freierer anwendung auch vom wirken des schicksals bzw. des lebens:

das eiserne schicksal übt furchtbar und kalt
am seufzenden herzen tyrannen-gewalt
S. v. Bandemer zerstreute blätter (1792) 284;

wir sehen der dinge form und gestalt,
erleiden des lebens tyrannengewalt
Fulda melodien (1910) 3.


 
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tyrannenhasz, m., 'gegen einen despoten gerichteter hasz' (s. auch Göthe unter tyrannenblut sowie bei Wiegand gesch. d. dt. dichtg. [1922] 472 u. vgl. die älter bezeugte synonyme wendung tyrannischer hasz s. v. tyrannisch 1 b): er (Herder) haszt ihn (den herzog von Württemberg) mit tirannenhass (24. 7. 1787) Schiller br. 1, 358 Jonas (ders. 3, 23 G. auch: tyrannenhasser);

da brach hervor aus jeder brust
tyrannenhasz und freiheitlust
Schenkendorf ged. (1815) 132;

tyrannenhasz mag leicht die regung gewesen sein, womit die meisten schlachtopfer der willkürlichen gewalt in den kerkern Frankreichs saszen J. G. Forster s. schr. (1843) 6, 224. —
 
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tyrannenherrschaft, f., 'gewaltherrschaft' (zu tyrann B 1): die geschichte einer tyrannenherrschaft, welche die edlen geschlechter vertilgt, eine hohe und reiche bildung heraustreibt und verdirbt, vor allem die herrschenden selbst mit wenigen ausnahmen entmenschlicht G. Freytag ges. w. 6 (1887) 15; zu tyrann B 2 c gebildet: verurtheilen sie (anrede) die angeklagte, so schwören sie moralisch zur tyrannenherrschaft des ehemannes Rosegger schr. (1895) II 9, 284; vereinzelt auch im sinne von 'zwingherrschaft, despotische fremdherrschaft': die schandwirtschaft der Österreicher in Venetien und die 'tyrannenherrschaft' der Dänen in Schleswig-Holstein Bebel aus meinem leben (1946) 2, 228; und 'absolute alleinherrschaft' (zu tyrann A): so war philosophie eine art höchsten ringens um die tyrannenherrschaft des geistes, — dass eine solche irgend einem ... gewaltigen (denker) ... aufgespart sei, — einem einzigen! — daran zweifelte keiner Nietzsche w. 4 (1895) 356. —
 
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tyrannenjoch, n., 'despotisch auferlegtes joch', metaphorisch für 'zwingherrschaft' (zu tyrann B 1 b):

und wenn mir (Melchthal) niemand folgt, und wenn ihr alle
für eure hütten bang und eure heerden,
euch dem tyrannenjoche beugt — die hirten
will ich zusammen rufen im gebirg
Schiller 14, 301 G. (s. auch ebda 13, 144 u. vgl. tyrannenkette ebda 1, 289);

(Hermann,) Germaniens retter und befreier
von Roms tyrannenjoch
H. v. Kleist w. 2, 430 E. Schmidt;

wie erbarmungslos würde das tyrannenjoch solcher (hochmütiger, hysterischer) sieger auf unserm sklavennacken lasten Liller kr.-ztg. (1917) 127; auch vom zwang böser gewohnheiten (zu tyrann B 4 c β): das tyrannenjoch böser gewohnheiten vom hals zu schütteln Schubart leben u. gesinnungen 2 (1793) 83.
 
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tyrannenknecht, m. a) abschätzige bezeichnung für die engsten vertrauten und willensvollstrecker eines despoten:

ha! schweig tyrannenknecht! (anrede an Exabolius, den engsten
vertrauten des kaisers)
Gryphius trauersp. 40 lit. ver. (s. auch
Lohenstein Ibrahim Sultan [Breslau o. j.] 103);

wenn verödet die tyrannenstühle,
die tyrannenknechte moder sind,
...
dann, o himmelstochter (freiheit)! sing' ich wieder
Hölderlin ges. dichtg. 1, 105 Litzmann (vgl. ebda 2, 162);

man nannte sie (die nach der revolution eine gesetzliche ordnung wiederherstellen wollten) tyrannenknechte und behauptete, sie seien vom hofe bestochen Gustav Jahn gesch. d. franz. revolution (31858) 33; im weiteren sinne auch für die anhänger und soldaten eines despoten:

die am gebirg uns bey dem strom stolz erwarten
und im gefilde der schlacht mit dem donner in dem arm stehn,
o tyrannenknechte sind sie nur!

[Bd. 22, Sp. 1984]


...
vor dem herannahn und dem ausspruch der freyen,
die sich dem tode gelassener heiligen, entfliehn sie
Klopstock w. 1 (1798) 224 (schlachtgesang);

da wohnen die kaiserlichen (gesandten), die tyrannenknechte Raupach dram. w. ernster gattg. (1835) 5, 37; meine reisigen tyrannenknechte (soldaten Geszlers im 'Tell') G. Keller ges. w. (1889) 1, 361; bei H. v. Kleist als schimpflicher anruf an den zum endkampf gestellten feldherrn des römischen kaisers:

steh, (Varus,) du tyrannenknecht, dein reich ist aus! w. 2, 446 E. Schmidt.

b) als schimpfname für einen kriecherischen, unterwürfigen menschen schlechthin: nur maler Huyasch hielt sich fern (von der intendantin, der geliebten des adligen patrons der wanderbühne) und schimpfte die schauspieler kriechende bestien, gemeine speichellecker, tyrannenknechte Holtei erz. schr. 35 (1866) 89. c) vereinzelt auch im sinne von 'willenlos ergebener untertan': wir sind keine tyrannenknechte, die sich mit blanker klinge gouverniren lassen — sind freie Schweizer Gaudy s. w. 17 (1844) 158. —
 
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tyrannenlaune, f., 'in unberechenbare akte despotischer willkür sich auswirkende augenblicksstimmung eines tyrannen (B 1)': er (Ludwig XIV.) hatte das, was man tyrannenlaune nennen könnte, und war eben so unerbittlich im zorne, als freigebig im belohnen K. Fr. Becker weltgesch. 8 (1804) 380; es ist die stelle (auf Capri), an welcher Tiber (Tiberius) die opfer seiner tyrannenlaune ins meer stürzen liesz Gaudy s. w. 5 (1844) 82; ein beispiel von Caesars tyrannenlaunen Mommsen röm. gesch. 3 (41866) 452 anm.; gelegentlich auch zu tyrann B 2 c gebildet: war es vielleicht nur die furcht vor seiner (ihres gatten) tyrannenlaune, die sie (mrs. Durham) einschüchterte Spielhagen s. w. 3 (1872) 513. —
 
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tyrannenmacht, f., 'in der hand eines tyrannen (B 1) liegende, despotisch ausgeübte macht':

nein, eine grenze hat tyrannenmacht
Schiller 14, 328 G. (vgl. ebda 12, 559);

... der tag wird kommen, wo dies arme
Italien frei und stolz das haupt erhebt,
all' ihre söhne, die tyrannenmacht
in ketten schlug, die schnöden fesseln brechen
P. Heyse dram. dicht. 29 (1896) 129;

im besonderen auf das heer des despoten als träger und repräsentanten dieser macht bezogen:

nicht zum erobern zogen wir (jäger)
vom väterlichen herd;
die schändlichste tyrannenmacht
bekämpfen wir in freud'ger schlacht.
das ist des blutes werth!
Körner w. 1, 125 Hempel.


 
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tyrannenmord, m. a) 'von despoten begangener bzw. veranlaszter mord'; vereinzelt bei Burkard Waldis:

tyrannenmord vnd ketzergifft
gar hart vns (d. christenheit) trifft psalter (1553) 117a.

b) mit bezug auf lat. tyrannicidium wissenschaftssprachlich gebraucht (so auch ndl. tirannenmoord; norw.-dän. tyranmord; schwed. tyrannmord): alle handlungen dieser art, tyrannenmord usw., welche im alterthum gepriesen werden, kann die christliche sittenlehre nicht anerkennen Schleiermacher s. w. I 12 (1884) 124 beil.; in dingen, die uns ... am fremdesten berühren: ... scherbengericht, tyrannenmord Justi Winckelmann (1866) 1, 219; jedoch auch als schlagwort des sturm und drang lebendig (vgl. tyrannenmörder): die schönste that eines freyen menschen ist tyrannen-mord F. M. Klinger neues theater (1790) 2, 131; s. auch Schiller 3, 39 G.
 
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tyrannenmörder, m., ndl. tirannenmoorder, norw.-dän. tyranmorder, schwed. tyrannmördare tyrannicida (s. u. DWB tyrannenmord b u. vgl. DWB tyrannentöter, sowie -mörderisch unter tyrann D 1 a):

tilgt es (das angedenken des erschlagenen tyrannen) durch groszmuth, liebe, dankbarkeit
für den, der euer (des volkes) joch zerbrach!
... gnade dem tyrannenmörder!
Gotter ged. 2 (1788) 311;

[Bd. 22, Sp. 1985]


ist das der mut der tyrannenmörder? Schiller 3, 117 G.;

Alfieri! ...
dieser gräfliche tyrannenmörder
P. Heyse dram. dicht. 29 (1896) 51;

E. Buschor die tyrannen-mörder (1940) titel. metaphorisch für die überwinder Napoleons, die neben Brutus, Tell, Hermann u. a. gestellt werden:

tyrannenmörder, seyd gegrüszt
Schenkendorf ged. (31862) 271;

auch als schimpfwort bezeugt, s. Pansner schimpfwörterb. (1839) 71b. —
 
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tyrannenmünze, f., terminus der numismatik (zu tyrann A gebildet): tyrannenmünzen sind die römischen und griechischen münzen der fürsten, welche sich unter der regierung des kaisers Gallien unabhängig machten C. Chr. Schmieder hwb. d. ges. münzkde, nachtr. (1815) 182; die schätzbarsten stücke sind ... die ... tyrannenmünzen allg. dt. bibl. (1765) 77, 594. —

 

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