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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
typ bis typ(us) (Bd. 22, Sp. 1957 bis 1961)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) typ, m., 'grundform, muster' s. u. DWB typus.
 
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typ, n., 'lichtbild' wohl zu älterem Daguerreotyp (s. Schulz-Basler dt. fremdwb. 1, 122 u. 2, 508) gebildete kurzform; vereinzelt als modewort bezeugt (s. typbild u. typen): das typ ist ähnlich, wenn man es länger ansieht, aber hübscher ist sie (frau Stolberg) doch wie das bild (6. 3. 1851) Bismarck br. a. s. braut 250 Bism.; ebda 248 auch typchen n.dazu: typbild, n., lichtbild, s. auch DWB typen: als ich eben an dich geschrieben und zu bett gegangen war, gab dein typbild, das über meinem bett hängt, ein geräusch (12. 1. 1846) Th. Storm br. a. s. braut 182 Storm.
 
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type, f. , unter einflusz des frz. type aufgekommene nebenform von typus (s. dort u. vgl. stereotyp[e] teil 10, 2, 2, sp. 2455), die wegen ihrer endung als femininum erscheint, s. Seiler entwicklg. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 4 (1912) 510. type wird vor allem als terminus des buchdrucks üblich und scheidet sich damit auch bedeutungsmäszig von typus (Speranders glossierung typus vorbild, entwurf, merckmal, it. die buchdruckerschrift [1728] 764 steht vereinzelt), während schwed. typ, engl., ndl., norw.,

[Bd. 22, Sp. 1958]


dän. type ebenso wie frz. type den wortsinn von typ(us), m., und type, f., umfassen.
1) 'gegossener druckbuchstabe': mit deutschen typen gedruckt magazin d. neuest. engl. u. dt. moden (1793/94) 1, 458; wie nun die typen von Meisters lehrjahren erst auseinander genommen werden müssen, um die wanderjahre damit zu drucken A. v. Arnim s. w. (1846) 15, 268; Hüffer (verleger) hat ganz neue typen dazu (für den druck von Annettes werken) kommen lassen (1. 8. 1838) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 306 Schulte-K.; die typen ... sind vierseitige ... stäbchen aus schriftmetall Karmarsch-Heeren techn. wb. (1877) 2, 125; das buch ist mit vorzüglichen typen gedruckt d. grosze Duden, stilwb. d. dt. spr. (1934) 552 Basler; in poetischer wendung: der menschheit edelstes recht, das recht der freien rede und der freien type Kosegarten rede a. Napoleonstage (1809) 37.
2) '(gedruckter) buchstabe, letter': als ihn die augen schmerzten von den kleinen griechischen typen, begab er sich aus dem heidenthume in christliche gegenwart, schlosz das buch Holtei erz. schr. 6 (1861) 196; ich schlug blindlings auf, und auf der linken seite stand: 'die karyophyllazeen'; die typen stehen noch deutlich vor mir Fontane ges. w. (1920) II 2, 379.
3) umgangssprachlich gelegentlich statt typ(us) gebraucht: wer die Sachsen kennt, weisz, dasz man sich zwischen diesen beiden gegensätzlichen typen (sentimentaler und energischer typus) beständig hin und her bewegt; doch ist die Günther-type (die durch dr. Günther verkörperte energische art) viel häufiger, was ein glück ist Fontane ges. w. (1920) II 2, 101; so nehm'ich ihn (Toldy) denn als type (als vertreter einer besonderen bzw. absonderlichen art), folg' ihm liebevoll auch in seinen schwächen ders., ges. w. (1905) I 4, 147; (Wasserminna war) eine unverwüstliche Berliner type, herz und mund auf dem rechten fleck, wie aus meister Zilles skizzenbuch herausgeschnitten umschlagtext zu Paula Busch Wasserminna (1950). Eilenberger pennälerspr. 20 bucht type als bezeichnung für einen sonderbaren, eigenartigen menschen (vgl. auch ndl. een raar type een eegenaardig persoon Dale 2, 1807); im westl. Erzgebirge auch als anrede bezeugt: du type Müller-Fraureuth 2, 766.
 
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typen, vb., 'abbilden, photographieren', burschikose bildung des 19. jhs., s. Seiler entwicklg. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 4 (1912) 270; Eilenberger pennälerspr. 20; Basler studentenspr. (1910) 18; Meyer d. richtige Berliner (1904) 121, sowie unter 2typ, n.; nur vereinzelt nachweisbar: sie (Elisabeth) habe sich einmal typen lassen und ... sei so häszlich wie ein 'pavian' geworden (3. 3. 1881) Bismarck br. a. s. braut 246 Bism.; vergisz nicht, dich ganz von der seite typen zu lassen (4. 8. 1846) Th. Storm br. a. s. braut 302 Storm.
 
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typenhaft, adj., 'einem typus (1) zugehörig, typisch' (1): das unveränderliche und typenhafte J. G. Kohl alpenreisen bei Sanders 2, 2 (1865) 1405; mit dem beisinn von 'formelhaft, unpersönlich': sie (Bernadette) sagt einmal zu (der nonne) Nathalie: 'man hat mir halt diese krankheit geschickt, weil man gar nichts andres mit mir anzufangen weisz ...' in diesen lächelnden worten steckt keine spur von typenhafter demut ... diese antwort kam nicht aus der demut, sondern aus einer noch selteneren tugend, aus der herbsten, der nüchternsten selbsteinschätzung Werfel Bernadette (1948) 451.
 
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typenmuster, n., als wiedergabe von engl. typesample in der kaufmannssprache aufgekommen, s. A. Schirmer wb. d. dt. kaufmannsspr. (1911) xli und 194 sowie Agnes Bain Stiven Englands einfl. a. d. dt. wortschatz, diss. Marburg 1936, 54 (daneben findet sich typ im sinne von 'sorte', s. ebda).
 
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typhon, m., 'wirbelsturm', über frz. typhon (s. König überseeische wörter im frz. [1939] 208 anm. 2, sowie Bloch-v. Wartburg dict. étym. de la langue française

[Bd. 22, Sp. 1959]


[1950] 626) bzw. lat. tȳphōn auf griech. τυφών 'wirbelsturm' zurückgehend, das zu einer idg. wurzel dheu- 'stieben, wirbeln' mit bh-erweiterung gehört, (s. Boisacq dict. étym. d. l. langue grecque 995 u. Walde-Pokorny 1, 840; über die in der antike mit typhon verbundenen mythologischen vorstellungen und deren orientalische quellen s. Zacher in: zfdph. 30 [1898] 289-301; Seippel d. typhonmythos, diss. Greifswald 1939, insbesondere kap. IX, und Otten vorderasiat. mythen als vorläufer griech. mythenbildg. in: forsch. u. fortschr. 25 [1949] 145-147): könfftige wind mag er (der meyer) an folgenden vorwarnungen erkennen ... wann der wind typhon (le vent typhon) genant, welcher die sturmwind zuerregen pfleget, heftig prauset vnd die lufft voll dicker, tunckeler wolcken ist Sebiz feldbau (1580) 43. typhon, das auch in die übrigen germ. dialekte gedrungen ist (ndl.-engl. typhon; norw.-schwed. tyfon), wird jedoch im dt. nicht geläufig; das in neuerer überlieferung gelegentlich auftretende typhon 'wirbelsturm in ostindischen bzw. chinesischen gewässern' (Heine s. w. 3, 481 Elster; Grabbe s. w. 4, 592 Bl.) ist wohl lediglich als orthographische variante des an die engl. form typhoon (s. Murray 10, 1, 559) anschlieszenden taifun (s. Kluge seemannsspr. [1911] 771; Lokotsch etym. wb. [1927] 157; sowie bei Dornseiff d. griech. wörter i. dt. [1950] 36) aufzufassen.
 
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typhös, adj. , ndl. typheus, engl. typhous, norw. tyfos, schwed. tyfös.
1) '(nach wesen und herkunft) dem typhus zugehörig': manche arten der letzteren (der bösartigen geschwülste), die typhöse, die scrophulöse ... bilden ein streitiges grenzgebiet Sömmerring bau d. menschl. körpers 8, 1 (1845) 229; da erkrankte ich an einem typhösen fieber Holtei erz. schr. 37 (1866) 229; ich wuszte, dasz sie an einem typhösen fieber erkrankt war (11. 8. 1908) Rilke br. 1907 -14 (1938) 37.
2) 'typhuskrank': Schönlein hat auf die mikroskopischen krystalle in den excrementen typhöser aufmerksam gemacht und glaubte, sie zur diagnose des typhus benutzen zu können Sömmerring bau d. menschl. körpers 6 (1841) 7.
 
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typhus, m., latinisierte form des griech. τῦφος (zur idg. wurzel dheu-bh 'stieben, rauchen' gehörig, s. u. typhon; urspr. 'qualm, rauch', dann 'umnebelung der sinne, albernheit', bereits bei Hippokrates als bezeichnung einer krankheit, der blödsinnskrankheit, s. Seiler entwicklg. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 3 [1910] 402 u. Dornseiff d. griech. wörter i. dt. [1950] 58), die im 19. jh. als medizinischer terminus üblich geworden u. auch in die anderen germ. sprachen (ndl.-engl. typhus, norw.-schwed.-dän. tyfus) sowie ins romanische (frz. typhus, port. typho, it.-span. tifo) und slavische (poln. tyfus, russ. tif, bulg. tifus) entlehnt worden ist. — 'bezeichnung verschiedener fieberhafter infektionskrankheiten, die gewöhnlich mit schweren störungen des bewusztseins verlaufen, typhus schlechtweg gewöhnlich t. abdominalis unterleibstyphus ...' (H. Volkmann med. terminologie [1948] 978): da die seuche ... nichts anderes als ein gewöhnlicher typhus gewesen zu seyn scheint Niebuhr röm. gesch. (1811) 3, 477; im typhus und anderen krankheiten des unterleibes ..., sieht man lauter weit offene bälge (von drüsen) Sömmerring bau d. menschl. körpers 5 (1844) 84; mein literarischer freund professor Emil Kuh, der immer halsleiden hatte, ist jüngst unverhofft am typhus gestorben (6. 1. 1877) G. Keller br. u. tageb. 3, 192 Erm.; typhus, gelbes fieber, selbst cholera, jeder krankheitsverlauf braucht seine zeit Werfel geschw. v. Neapel (1931) 339; wir haben (im lazarett) flecktyphus und einfachen typhus A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 122. vereinzelt auch metaphorisch, in der allgemeineren bedeutung 'seuche' gebraucht: unser (Annettes u. d. fürstbischofs von Diepenbrock) gemeinschaftliches vaterland ist bisher gottlob frei vom allgemeinen typhus der demoralisation (1845) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 400 Schulte-K.dazu: typhuskrank, adj., substantiviert: Scherer fand kohlensaures

[Bd. 22, Sp. 1960]


ammoniak in dem aus der ader gelassenen blute eines typhuskranken Sömmerring bau d. menschl. körpers 8, 1 (1845) 56; im november (1813) hatten wir (in Weimar) fünfhundert typhuskranke — bei einer population von sechstausend seelen Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 216.
 
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typisch, adj. , charakteristisch, vorbildlich; ableitung des 18. jhs. von typus, die nach lat. typicus, griech. τυπικός mit dem dt. suffix -isch gebildet wurde, s. Henzen dt. wortbildg. (1947) 204 u. vgl. ndl. typisch, norw.-dän.-schwed. typisk, sowie das an frz. typique bzw. lat. typicus anschlieszende engl. typic, typical.
1) 'einem typus (1) gemäsz, für die vertreter einer art charakteristisch, bezeichnend': die idee des schönen, womit das typische der gesichter und zum theil der tracht sich in widerstreit befindet Welcker alte denkm. (1849) 1, 60; in gleicher weise ist die baumlosigkeit ... als ein typisches merkmal der tundra überhaupt anzunehmen A. v. Middendorff sibir. reise, bei Nehring tundren u. steppen (1890) 8; Denain ist eine langgestreckte arbeiterstadt und zeigt das typische gepräge der nordfranzösischen industriesiedlungen qu. v. j. 1917; ihre (der pathologischen fälle) typischen formen hatten ... sein beklommenes nachdenken erregt Wassermann Etzel Andergast (1931) 305; jede jugendzeit kennt ihre tragischen possen, ihre maszlosigkeit, ihren überschwang und ihre sehnsucht, die sich an dingen oder personen berauscht, die unerreichbar sind ... diese typischen phasen kehren schlieszlich in jedem leben wieder E. Langgässer unauslöschl. siegel (1946) 411; die aufgabe der poetik ist es, im einzelnen werk ... die allgemeinen, typischen und objektiven elemente aufzuspüren, die über seine geschichtliche einmaligkeit hinausweisen und es in gröszere ordnungszusammenhänge einfügen Martini in: dt. philol. i. aufrisz 1 (1952) sp. 216 Stammler; prädikativ: 'typisch', sagte Ollenhauer. 'ganz typisch. davon aufhören, was wir alles angestellt haben. und dann darüber schimpfen, dasz uns die Russen immer blosz kasch zu fressen geben ...' Erich Loest jungen, d. übrig blieben (1950) 222; häufig findet sich eine präpos. ergänzung mit für: ihre (der eltern des verfassers) lebensform scheint mir dermaszen typisch für das sogenannte 'gute jüdische bürgertum', ... dasz ich mit dem bericht ihres gemächlichen und lautlosen daseins eigentlich etwas unpersönliches erzähle Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 21; es war der geruch, der für soldatenstuben so typisch ist Erich Loest jungen, d. übrig blieben (1950) 13.
adverbiell, im sinne von 'dem typus (der für die vertreter einer art charakteristischen form) entsprechend': (das riechbein) zeigt auch nie irgend eine auffallende ähnlichkeit mit einem typisch gebauten wirbelbeine Sömmerring bau d. menschl. körpers 7 (1842) 393; bei andern minder typisch durchgebildeten gegenständen Brunn kl. schr. (1898) 3, 67; eine typisch deutsche eigenschaft ... die gründlichkeit Klemperer l. t. i. (1949) 88; bei aller sympathie, die man ihm (dem Hanauer pfarrer in Grimmelshausens 'Simplicissimus') entgegenbringt, musz man ihn einen typisch menschlichen vertreter seiner religion nennen J. H. Scholte in: zfda. 82 (1950) 3, 276.
2) einen typus (2) darstellend, vorbildlich, s. Fischer Göthe-wortschatz (1929) 900.
a) 'symbolisch, sinnbildlich' (s. DWB typus 2 a und vgl. vortypisch 'vordeutend' teil 12, 2, sp. 1802): die sämmtlichen wunder Jesu stehen bei Johannes als symbolische facta, als typische denksäulen da Herder 19, 266 S.; typisch tipico, figurativo Jagemann diz. 2 (1803) 1188; typische (mit der methode der allegorischentypologischenschriftauslegung arbeitende) theologie théologie typique Mozin wb. 4 (1856) 879; adverbiell: was man ein paar jahrtausende lang mit der bibel vorgenommen hat ... man hat sie, dogmatisch, exegetisch, typisch, mystisch, prophetisch erklärt Nicolai Seb. Nothanker (1773) 3, 65.
b) 'als charakteristischer vertreter bzw. muster alle wesenszüge eines typus (1) zeigend'.

[Bd. 22, Sp. 1961]



α) 'art-echt' (s. DWB typus 2 b): der typische neger ... ist selbst unter negern eine seltene spielart Peschel völkerkde (1874) 497 anm. 2; in seiner erscheinung war er klein und fein, typischer Sachse Fontane ges. w. (1920) II 1, 133; die jungen mädchen in diesen ... hochthälern, wie in Alpbach, in Dux und manchen ähnlichen ... sind ..., was die züge betrifft, sehr typisch Steub drei sommer i. Tirol (1895) 111; daneben behaupten sich auf Seeland sowohl wie in Schweden und Norwegen auch noch manche angehörige der alten arktischen flora, sogar typische vertreter derselben Hoops waldbäume u. kulturpfl. i. germ. altert. (1905) 26; unter den tänzern war ein älterer herr mit groszer, schmaler nase, der typische aristokrat Renn adel i. untergang (1947) 356.
β) 'stilisiert' (s. DWB typus 2 c): auch von den übrigen personen ist keine ein Eisfelder porträt, sie sind sämtlich typische gestalten, von denen jede kleine stadt, fast jedes dorf individuelle verwirklichungen aufweisen kann O. Ludwig ges. schr. 2 (1891) 6; typische gestalten hervorzuheben und in sich gerundete lebensbilder zu zeichnen, schien mir ... als am zweckmäszigsten Rosegger schr. (1895) I 4, 4.
γ) 'mustergültig, beispielhaft, repräsentativ' (s. DWB typus 2 d): ich wuszte zwar schon aus ihrem (Ludmilla Assings) freundlichen munde manches bedeutsame über dies reiche ... frauenleben (der gräfin Elisa v. Ahlefeldt); aber dasz es in solchem grade typisch und poetisch und an die höchsten ereignisse anknüpfend sei, davon hatte ich freilich keine ahnung (5. 7. 1857) G. Keller br. u. tageb. 2, 451 Erm.; es kommt wohl daher, dasz ... seine (Göthes) dichtungen ... nur selbsterlebtes schildern, das aber zugleich so in die höhe des allgemein menschlichen, des idealen und typischen zu entrücken weisz, dasz demselben alle erdschwere abgethan ist D. Fr. Strausz ges. schr. 6 (1877) 207; das typische beispiel (für den christologischen mimus, der glauben, zeremonien und martyrium der Christen zur allg. belustigung darstellt) ist der mimus des Genesius P. v. Winterfeld dt. dichter d. lat. mittelalters (1922) 512; im Dulcitius (Hrotsvits) haben wir die typische märtyrerkomödie ebda; in den typischen krankheitsfällen beginnt der typhus nach einer inkubationszeit von 1-4, meist 3 wochen d. gr. Brockhaus 19 (1934) 217; (Bach schreibt zwei passionen,) welche textlich und formell von den typischen schöpfungen jener zeit ganz abhängig sind, die aber der geist, der darin lebt, verklärt und aus der vergänglichkeit zur unvergänglichkeit erhoben hat A. Schweitzer Bach (1948) 3. auch im sinne von 'als norm geltend, im allg. angestrebt': übrigens bezeichnet die hufe nur den idealen, typischen anteil des einzelnen am ganzen gemeindegrunde Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 41.
 
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typ(us), m. , grundform, muster, über lat. typus auf griech. τύπος schlag, gepräge (zu τύπτειν schlagen, idg. [s]teu-p 'stoszen', s. Walde-Pokorny 2, 618) zurückgehend, das auch in die anderen germ. dialekte entlehnt worden ist (engl., ndl., norw., dän. type; schwed. typ), sowie in die slavischen sprachen (poln. typ, russ. tip, slov. tip, bulg. tip). im dt. erscheint typus, nach vereinzeltem auftreten in älterer religiöser sprache (s. u. 2 a), seit dem 18. jh. als geläufiger terminus der sich entwickelnden modernen natur- u. geisteswissenschaft, von da in den allg. sprachgebrauch übergehend (zur bedeutungsgesch. d. wortes typus s. auch Heyde in: forsch. u. fortschr. 17 [1941] 220-223; über typus als strukturbegriff der einzelwissenschaften, seine bedeutung für die philosophie und seine begriffsgeschichte s. Bergfeld d. begriff d. typus [1933] u. d. gr. Brockhaus 19 [1934] 219f.). während im singular die lat. form typus weitgehend bewahrt bleibtdie kurzform typ wird erst in neuerer umgangssprache, sowie als wort der technik geläufighat der plural schon früh die endung der schwachen deklination angenommen (typen, s. Paul dt. gr. 2, 141), die vereinzelt auch beim singular erscheint: dasz der mensch keine schönere gestalt kennt als seine eigene und sich selbst ... zum typen aller schönen formen macht Wieland w. 26, 159 Hempel.

[Bd. 22, Sp. 1962]



1) 'in charakteristischen zügen (bei allen vertretern der gleichen art mehr oder weniger typisch [s. d. 1]) ausgeprägte grundform'.
a) von erscheinungen der organischen und anorganischen welt: grosze schwierigkeit, den typus einer ganzen klasse im allgemeinen festzusetzen, so dasz er auf jedes geschlecht und jede spezies passe; da die natur eben nur dadurch ihre genera und species hervorbringen kann, weil der typus, welcher ihr von der ewigen nothwendigkeit vorgeschrieben ist, ein solcher Proteus ist, dasz er einem schärfsten vergleichenden sinne entwischt Göthe II 6, 312 W. (über den begriff des typus im Göthischen denken s. Bergfeld a. a. o. 51 -85, Boucke wort u. bedeutg. in Göthes spr. [1901] 39, 107 u. 262, Korff geist d. Göthe-zeit 2 [1930] 54ff. sowie Göthe-handb. 3 [1918] 446 Zeitler und Fischer Göthe-wortschatz [1929] 900); was also bei ... der pflanze die ursprüngliche form leistet, muszte hier (bei dem moralischen wesen) von einem innern principium erhalten werden, gegen welches sich die beweggründe ... ohngefehr eben so verhielten, als die bewegenden kräfte der pflanze gegen den beständigen typus ihres baues Schiller 4, 290 G.; ein ... landstrich, welcher ... den reinsten afrikanischen typus in hinsicht seiner ganzen beschaffenheit aufbewahrt hat Ritter erdkde (1822) 1, 340; sie (die quarzkristalle) haben gewöhnlich den prismatischen typus Oken allg. naturgesch. (1839) 1, 137; mehrere wolfsschädel, welche ich aus den Wolga-steppen erhalten habe, zeigen einen fast windhund-ähnlichen typus Nehring tundren u. steppen (1890) 97. häufig auch im pl. typen 'grundformen strukturell verschiedener arten, auf die sich die mannigfaltigkeit der individuellen erscheinungen systematisierend zurückführen läszt': formen, welche zwischen den aufgestellten typen (der drüsen) in der mitte stehen Sömmerring bau d. menschl. körpers 6 (1841) 907; gebirgsarten, typen der formationen Humboldt kosmos (1845) 1, 11; pflanzenphysiognomische typen der australischen flora Ratzel völkerkde (1885) 2, 9; typentheorie (heiszt) die von Cuvier und Baer aufgestellte anschauung, dasz man das tierreich nicht entwickelungsgeschichtlich in eine einzige grosze reihenfolge anordnen dürfe, sondern mindestens vier typen (wirbeltiere, gliedertiere, weichtiere und strahltiere) unterscheiden müsse, deren angehörige einer sonderentwickelung unterliegen Meyers konv.-lex. 19 (1908) 847; drei typen der physikalischen beschaffenheit der fixsterne Boltzmann pop. schr. (1905) 63.
b) der körperlichen bzw. seelischen konstitution des menschen.
α) allg., mit bezug auf die besondere prägung eines bestimmten menschen-'schlages': diese leidenschaftliche frau trägt den typus ihrer nationalität in jeder fiber ihres antlitzes Gutzkow ritter v. geiste (1850) 3, 187; kaum zwei und zwanzig jahre alt, war sie von hohem und festem wuchse, ihr gesicht hatte den ausgeprägten typus unseres geschlechtes, aber durch eine ungewöhnliche schönheit verklärt G. Keller ges. w. (1889) 1, 186; ein hübsches blutjunges ding von entschieden wendischem typus Fontane ges. w. (1905) I 1, 218; er (der präfekt v. Neapel) hat den trainierten körper und das scharfgeschnittene gesicht, kurz den schönen, willensstarken typus, der sich seit einigen jahren hier durchgesetzt hat Werfel geschw. v. Neapel (1931) 424; was ist ähnlichkeit! (sagte August v. Göthe zu Charl. Kestner) ich behaupte keine gleichheit der einzelzüge (zwischen Charlotte u. Ottilie v. Pogwisch), sondern die schwesterlichkeit der gesamterscheinung, die identität des typus Th. Mann Lotte i. Weimar (1946) 313. als bezeichnung für die charakteristische erscheinungsform der vertreter eines standes, einer berufsschicht: ein paar geschickte federstriche (des malers) genügen dagegen oft, um den typus eines offiziers, eines lehrers oder eines angehörigen irgendeiner anderen berufsgenossenschaft zu kennzeichnen Finck die haupttypen d. sprachbaus (1910) 2; das dritte reich spricht mit einer schrecklichen einheitlichkeit aus all seinen lebensäuszerungen und hinterlassenschaften, aus der maszlosen prahlerei seiner prunkbauten und aus ihren trümmern, aus dem typ der soldaten,

[Bd. 22, Sp. 1963]


der sa- und ss-männer Klemperer l. t. i. (1949) 16; oder einer bestimmten menschlichen art: ein gewisser typus von 'altem weib' stand ja zu gewissen zeiten ohne weiteres im verdachte des hexentums Th. Mann Faustus (1948) 61. gelegentlich in der wendung zu einem typus gehören bzw. vertreter eines typus sein 'wesensmäszig einerdurch besondere (typische) eigenschaften gekennzeichnetenart angehören': Kraus gehörte zu dem in Deutschland nicht seltenen typus von professoren, denen ... Meinecke v. Boyen (1896) 1, 26; sozial betrachtet gehörte sie einem verbreiteten typus an, artistin mit bürgerlichen ambitionen Wassermann Etzel Andergast (1931) 294; in diesem so merkwürdigen freunde hat Knecht den vertreter eines typus erspürt ... eines typus, der noch nicht vorhanden war auszer in dieser einzigen vorläufergestalt, den typus des Kastaliers nämlich Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 385; vereinzelt auch zu einem typus werden 'die (typischen) wesenszüge einer bestimmten menschlichen art annehmen': dieser (erziehungs-)plan (der oberin des klosters und der novizenmeisterin) will, dasz die persönlichkeit zu einem bestimmten typus wird, zum typus aller damen von Nevers, der eine benediktinische frömmigkeit mit groszer aktivität in den werken der nächstenliebe verbindet Werfel Bernadette (1948) 438.
β) als terminus der anthropologie, psychologie, soziologie u. ä. disziplinen, die damit typische (s. d. 1) — durch strukturvergleich bzw. durch das idealtypische verfahren der isolierung und idealisierung (s. Spranger lebensformen [1925] XIII, sowie den untenstehenden beleg) ermitteltegrundformen menschlichen wesens bezeichnen: (die forschung) erkennt ferner in den körperbautypen nicht nur anatomische merkmalskombinationen, sondern auch träger bestimmter psychischer besonderheiten; sie unterscheidet drei typen; ... der früher unterschiedene zerebrale typ fällt vielfach mit dem leptosomen zusammen; ... merkmale des leptosomen typus sind ... Brockhaus 10 (1931) 417; die hinsichtlich des seelenlebens gleichgearteten individuen werden (durch die psychologie) ... zu 'typen' zusammengeordnet, wobei sich die gleichartigkeit sowohl auf bestimmte einzelne angeborene oder erworbene fähigkeiten beziehen kann (z. b. gedächtnis, intelligenz usw.) wie auch auf das zusammenspiel der einzelnen fähigkeiten (z. b. charakter) und schlieszlich auf das seelisch-körperliche gesamtgepräge einer individualität d. i. auf die 'persönlichkeit' ebda 19 (1934) 220; ich sehe voraus, dasz man auch den hier entwickelten typen (des theoret., ökonom., ästhet., sozialen, religiösen u. d. macht-menschen) gegenüber, die durch ein verfahren der isolierung und idealisierung entworfen werden muszten, mit dem einwand kommen wird: das leben enthalte solche einseitigkeiten nicht Spranger a. a. o. XI; indem wir zu den differenzierten formen übergehen, die der typus des theoretikers annehmen kann, berühren wir zugleich die grade, in denen sich die theoretische geistesart verwirklicht ebda 138; Muschg ist weit entfernt, seine teils psychologischen, teils soziologischen typen hermetisch voneinander abzuschlieszen (denn) ... gerade die gröszten dichtergestalten zeichnen sich dadurch aus, dasz sie an mehr als einem typus teilhaben Günther Müller in: zfda. 82 (1948/50) 4.
c) von erscheinungen des geistigen (α), technischen (β) und gesellschaftlichen (γ) bereiches.
α) der teleologische typus (der religion erscheint) am meisten im christentum ausgeprägt Schleiermacher s. w. (1834) I 3, 56; es zeigt sich ... sogleich, dass der typus der sprache bei diesen schöpfungen thätig eingriff; sprachen also, die ein grammatisches geschlecht unterscheiden ..., enthalten grosse verlockungen zur mythenbildung Peschel völkerkunde (1874) 266; Müllenhoff hat ... richtig erkannt, dasz der typus des neuhochdeutschen zuerst in den deutschen urkunden der böhmischen kanzlei ... erscheint ... aus Böhmen zieht dieser neue kompromisztypus mit seinem halb bayerisch-österreichischen, halb mitteldeutschen vokalismus in die sprache der schlesischen, der meisznischen kanzlei Burdach vorspiel

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1, 2 (1925) 136; typen der religion sind charakteristische grundformen der frömmigkeit, die in der religionsgeschichte mit einer gewissen regelmäszigkeit wiederkehren; indem man typen aufstellt, faszt man also das gleichmäszige in der mannigfaltigkeit religionsgeschichtlicher vorgänge zusammen zu einer verhältnismäszig kleinen gruppe religiöser grundrichtungen d. religion i. gesch. u. gegenw. 5 (1913) 1401 Schiele-Zscharnack; die typen der weltanschauung Dilthey ges. schr. 8 (1931) titel; der letzte (schrift-)typ war in Corbie neben einer anderen form hergegangen und hatte sie schlieszlich abgelöst, die als Maurdramnus-typ bezeichnet wird Löffler einf. i. d. handschriftenkde (1929) 97. auch in bezug auf diedurch charakteristische (typische) züge gekennzeichnetestruktur künstlerischer gebilde: das bildnisz Christi nach Hemling ... ist ganz nach dem von alten zeiten her als bildnisz Christi überlieferten typus Göthe I 49, 1, 429 W.; Herakles als drachentödter ...: häufiger typus römischer medaglioni Ed. Gerhard ges. akad.-abhandl. 1 (1866) 53; zu beiden seiten je ein greif ... sitzend im typus der olympischen bronzegreife Furtwängler beschr. d. vasenslg. d. Berl. mus. (1885) 36; typologie, typik (heiszt) system der typen, d. h. in ähnlicher form wiederkehrender künstlerischer prägungen auf den verschiedenen gebieten (z. b. madonna-typus, heroentypus, turm-typus, palast-typus usw.) Vollmer kunstgesch. wb. (1928) 250; übereinstimmung (der von der poetik bestimmten unterscheidungskennzeichen läszt) eine bestimmte dichtart als grundform erkennen ...; der typus der dichtart, etwa der ode, elegie, des romans, der novelle oder der arten des dramas blickt durch gehalt und gestimmtheit, bauform und gliederung ... des künstlerischen gebildes hindurch Martini in: dt. philol. i. aufrisz 1 (1952) sp. 248 Stammler. in freierer abstrakterer anwendung auch auf die grundform einer bewegung bzw. eines vorgangs im geistigen bereich bezogen: typen sprachlicher bewegungen H. Becker in: zs. f. ma.-forschg. 18 (1942) 59; sowie einer tätigkeit: die typen des sprechens und ihr wert für die sprecherziehung Marie-Hedwig Kaulhausen (1940) titel.
β) mir fehlt noch ein Hottentotten kraal um die typen — das ist ja ein modewort — von menschenwohnungen durchgegangen zu sein Th. Huber bemerk. üb. Holland (1811) 254; die gegenständlichen schöpfungen des volkes, die sachgüter, sind in allen ihren wesentlichen typen aufgesucht Erich-Beitl wb. d. dt. volkskde (1936) V. besonders geläufig wurde die kurzform typ als wort der modernen technik, die besondere bauart (modellform) serienmäszig hergestellter fabrikate aller art bezeichnend: auf der fahrt ... nach Langendreer sieht der ... reisende unter den vielen fördergerüsten mehrere besonders eigentümliche bauarten, die von den neuzeitlichen typen unserer fördergerüste erheblich abweichen A. Driszen d. dt. bergmannsspr. (1930) 50; ein neuer typ (eine neue bauart, form) eines flugzeugs, autos d. gr. Duden, stilwb. d. dt. spr. (1934) 552 Basler; zum ersten male wurde ein düsenjäger neuer bauart eingesetzt; auch am montag haben flugzeuge des gleichen typs in die kämpfe eingegriffen Berliner zeitungen v. j. 1951; der typ '300', dessen dreiliter-motor bei 115 ps eine spitzengeschwindigkeit von 155 km/st ermöglicht, ist der erste deutsche nachkriegswagen in dieser leistungsklasse und kann sich ohne weiteres mit den ausländischen typen dieser stärke vergleichen ebda; auf der Leipziger messe wurden zwei typen von fernsehempfangsapparaten gezeigt ebda; vgl. auch DWB typenmuster.
γ) die gemeinde als gesellschaftliche grundgestalt ... durchwaltet ... den wandel der geschichte; sie selbst, als soziologischer typus, ist unwandelbar Werner Ziegenfuss Augustinus (1948) 57 (ebda 56 auch: der reine typus der gemeinde); die partei neuen typus Duden, rechtschreibg. (1951) 415.
2) den charakter einer art am vollkommensten darstellender vertreter, vgl. prototyp Schulz-Basler dt. fremdwb. 2, 710 f. sowie DWB typisch 2.

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a) als theologischer terminus im sinne von 'symbol, vorbild' (s. teil 12, 2, sp. 909 sowie unter typisch 2a; vgl. auch L. Goppelt typos, die typologische deutung d. alten testaments i. neuen [1939]): weil nun so viel am typo und frbildt gelegen, so kmpt S. Paulus hie, und wil ... sich selbst zum exempel darneben frstellen J. Mathesius erkl. d. ep. a. d. Corinther (1591) 1, 39b; o wie ein feiner typus unnd vorbild ist das (speisopfer) der nudipedum studiosorum Joh. Olorinus Martins gansz (1609) 37; typus vorbild, z. e. wie im alten testamente gewesen, so auff Christum gezielet Wächtler manual (1703) 315; und so ist unser ganzes verhältnisz zu ihm fortwährend dasselbe, welches uns in Christus zum typus aufgestellt ist Solger nachgel. schr. u. briefw. (1826) 1, 603 Tieck-Raumer; typus 'eine das neutestamentliche voraus darstellende person oder ein das neutestamentliche vorbedeutendes geschehen im alten testament' d. religion i. gesch. u. gegenw. 5 (1913) 1419 Schiele-Zscharnack; mit der allegorischen auslegung (der bibel) artverwandt, aber wohl von ihr zu unterscheiden ist die typologische auslegung, die in den alttestamentlichen personen, institutionen und vorgängen ... vorbilder oder typen künftiger erscheinungen sieht, die gewissermaszen ihre schatten vorausgeworfen haben ebda 1 (1909) 364.
b) charakteristischer, idealer, klassischer vertreter eines bestimmten menschen-'schlages', vgl. typisch 2 b α: während die jüngere schwester als typus einer germanischen ... blondine gelten konnte Fontane ges. w. (1905) I 5, 11; er ist der ausgesprochene typ eines Sachsen d. grosze Duden, stilwb. d. dt. spr. (1934) 552 Basler; Jonathan Leverkühn war ein mann besten deutschen schlages, ein typ, wie er in unseren städten kaum noch begegnet Th. Mann Faustus (1948) 22; insbesondere eines standes bzw. einer berufsklasse: er (Jenny Laszbergs stiefsohn) ist ... der wahre typus eines österreichischen offiziers (18. 11. 1843) A. v. Droste - Hülshoff br. 2, 236 Schulte - K.; (Semper) ist ... persönlich ein wahrer typus der einfachen und gediegenen künstlernatur (21. 2. 1856) G. Keller br. u. tageb. 2, 399 Erm.; der stubengeneräle ... ausgeprägtester typ A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 40; einer zeitrichtung: diese letzteren (polemiker gegen den materialismus) haben den vorzug ... als typen ganze ... zeitrichtungen zu vertreten Lange gesch. d. materialismus (1866) IX; Steinhöwel (tritt) uns in diesem gewande (seiner satir. dichtung) als typus seiner zeit entgegen ...; die ganze art seiner moralsatire ... ist ja durchaus charakteristikum für die bürgerliche literatur jener tage Borvitz d. übers.-technik H. Steinhöwels (1914) 129; (Heinrich Manns 'untertan',) ein zeitbild aus dem kaiserreich, abgehandelt an einer einzigen person, die zum typus wird, zum repräsentanten einer ganzen epoche deutscher geschichte schutzumschlag zu H. Mann d. blaue engel (1950); oder einer bestimmten menschlichen art: endlich kamen doch ein paar annehmbare typen des weges Steub drei sommer i. Tirol (1895) 2, 84; e flotte typ Basler studentenspr. (1910) 18; vereinzelt auch menschlicher art schlechthin: aber nicht jeder mensch ist ... eine vollendete ausprägung der idee 'mensch'; ich würde nicht zögern, Göthe in diesem sinne als typus zu verstehen zu suchen Bergfeld a. a. o. 20. in besonderer anwendung der modernen umgangsspr. findet sich typ mit zusatz eines possessivums: er (August von Göthe) liebte in ihr (Ottilie) den typ seines vaters (die ideale verkörperung der art, die seinem vater zusagte) Th. Mann Lotte i. Weimar (1946) 238; vielleicht paszt ihm (leutn. Pardow) deine nase nicht; wirst nicht sein typ sein Erich Loest jungen, d. übrig blieben (1950) 69.
c) stilisierte figur mit generellen, nicht individuellen zügen, vgl. DWB typisch 2 b β.
α) in literaturwissenschaftlicher fachsprache; 'durch wenige charakteristische eigenschaften als vertreter einer bestimmten art gekennzeichnete literarische gestalt' (s. auch Ludwig unter d): ihre (der fabel) charaktere sind lebendigfortwährende ewige typen, die vor uns stehen und uns

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lehren (ä. redaktion: sie sind dargestellte grosze naturexemplare) Herder 23, 253 S.; die zahl seiner (Lessings) dramatischen grundformen ist nicht grosz; um das zärtliche, edle, entschlossene mädchen ... stellen sich die dienenden vertrauten, der würdige vater ... und doch gerade in diesen typen ist die mannigfaltigkeit der abwandelungen bewunderungswürdig G. Freytag ges. w. 14 (1887) 226; sie (die poesie des 16. jhs.) ist nicht ohne productives vermögen in bezug auf die erfindung, sie verbraucht massenhaften stoff und schafft einzelne moralische typen, meist resultate des hasses oder scherzes, oft von groszartigem wurfe Scherer lit. gesch. 719; (wir erkennen,) dasz der dichter bewuszt den charakter seines teufelsspiels auf die standessatire einstellt, dasz er dazu allgemeine typen und keinerlei bestimmt gezeichnete individuen vorführen will Holl gesch. d. dt. lustspiels (1923) 32; in dieser volkstümlichen literatur hält man sich vor allem an feste typen und stehende figuren ... wir sehen die festen typen des 'treuen freundes', des 'schlimmen ratgebers' ... Walser in: kultur- u. universalgesch., festschr. f. W. Goetz (1927) 125; der regimentskaplan dagegen spielt in der handlung des romans (Grimmelshausens 'Simplicissimus') kaum eine rolle, wird aber als typus in einigen worten charakterisiert J. H. Scholte in: zfda. 82 (1948/50) 276. in freierer anwendung: infolge von alledem (seiner berufstätigkeit) wird der schneider in der regel eine schmächtige, bläszliche, reizbare, nette und putzige figur mit einer überwiegenden tendenz zur vornehmheit ... so ist der schneider als solcher für den humor im leben und in der kunst ein typus geworden Melchior Meyr erz. a. d. Ries (1868) 2, 262.
β) als terminus der bildenden kunst (entsprechend wie α): die ältere florentinische und sanesische schule entfernten sich von den trockenen typen der byzantinischen kunst dadurch, dasz sie überall in ihren bildern porträte anbrachten Göthe I 49, 1, 245 W.; bei der ersten (preis-) aufgabe ... verlangte man von den concurrierenden künstlern keineswegs die darstellung dieser figuren (Aphrodite, Paris und Helena) in ihrer ganzen herrlichkeit, wie etwa die idealischen typen der antike sie uns zeigen ebda I 48, 66; alles ist einfach ... (in Holbeins bildern des todes); immer gibt Holbein den höhepunkt einer situation, ... und seine menschen, obwohl typen ihrer gattung, sind so natürlich ..., dasz sie lebendig wirken Waldmann in: Hans Holbein, bilder d. todes (1950) geleitwort, insel.
d) sachbezogen, im sinne von 'beispielhafter vertreter, muster', vgl. typisch 2 b γ: wie folgende drei beispiele belegen, die man als typen oder repräsentanten dreier arten von irrthümern ansehen mag Schopenhauer w. 1, 127 Grisebach; diese repräsentanten der classencharaktere (der organ. verbindungen) wurden typen genannt und einerseits in mechanische ... typen, andererseits in chemische typen unterschieden, wobei man den mechanischen typus einfach durch die anzahl der atome in einem molekül, den chemischen typus durch den chemischen charakter bestimmte; ... (die neuere typenlehre) ging von 3 haupttypen aus ... und fasste die einzelnen verbindungen aus diesen grundformen, durch theilweise oder vollständige vertretung der typischen atome durch andere gleichwerthige ... gebildet auf (s. folgenden beleg) Karmarsch-Heeren techn. wb. 9 (1888) 743f.; typen ... (heiszen) in der chemie gewisse einfache verbindungen, die als vorbilder zahlreicher andrer verbindungen betrachtet werden können; ... ein körper ist nach dem typus wasser ... konstituiert, wenn seine atome in analoger weise miteinander verbunden sind Meyers konv.-lex. 19 (1908) 847; die acht sprachen, die in diesem buche (die haupttypen des sprachbaus) geschildert werden, kommen nicht um ihrer selbst willen zur darstellung, sondern als typische vertreterinnen von acht gruppen, auf die sich nach meiner überzeugung sämtliche idiome der erde ... verteilen lassen .. (zu beachten ist), dasz die anordnung nach sprachstämmen ... nur zum teil mit der gruppierung um die geschilderten acht typen zusammenfällt

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Finck d. haupttypen d. sprachbaus (1910) V; neugebildete wörter müssen in der regel derselben wortklasse angehören wie ihre muster ...: der typus schneider< schneiden liefert nur substantiva Henzen dt. wortbildg. (1947) 115. als philosophischer terminus bei Kant (s. Schmid wb. z. Kant [1798] 532 u. Bergfeld a. a. o. 7): Kant (bezeichnet) ... das naturgesetz als den typus (etwa gleichbedeutend mit 'versinnlichendes schema, repräsentant in der sinnenwelt') des sittengesetzes in demselben sinne ..., wie in der kritik der reinen vernunft die zeit als schema für die subsumtion der erscheinungen unter kategorien figurierte Windelband gesch. d. neuer. philos. (41907) 2, 119 anm.; gelegentlich auch im sinne von 'stilisierte idealform' (vgl. 2 c α): soll nun die (dramatische) handlung ein typus sein, soll sie ... zu ihrem eigenen ideale simplifiziert werden ..., so müssen auch die charaktere typen sein O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 68.

 

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