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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
twist bis typenhaft (Bd. 22, Sp. 1956 bis 1958)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) twist, m., junge entlehnung aus engl. twist 'zwiefach gedrehter faden, doppelfaden' (s. Murray 10, 1, 538 und Agnes Bain Stiven Englands einfl. a. d. dt. wortschatz, diss. Marburg 1936, 61), das auch ins dän. u. norw. übernommen worden ist (s. Falk-Torp 1306 s. v. tvist II u. Brynildsen 951) u. wohl seinerseits auf das in dieser bedeutung früher bezeugte ndl. twist Verwijs-Verdam 8, 833, zurückgehtetwa durch die ansiedlung flandrischer weber im 14. jh. zur förderung der englischen tuchmacherei, s. Trevelyan gesch. Englands 1 (1935) 266. mundartlich auf das nordwestdt. sprachgebiet beschränkt (s. Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 457; Mensing schlesw.-holst. 5, 222; Böning Oldenburg 120 u. Damköhler Nordharz 197), als textilbezeichnung jedoch der gemeinsprache geläufig, gelegentlich auch als zwist (s. dort, sowie Kluge-Götze [151951] 916 s. v. zwirn): twist, englisches baumwollenes maschinengarn, webegarn, oder kettgarn ... die englischen twiste werden in water, mule und medio unterschieden ... die in Deutschland gangbarsten sorten sind die secunda mule-twist in den no. 38 à 42 und 46 à 54 Nemnich neues waarenlex. (1820) 1190 f.; das baumwollengarn, auch in Deutschland häufig twist genannt, zerfällt ... in 2 hauptsorten, nämlich in watertwist ... und muletwist Herfort allg. warenlex. (1856) 57; twist baumwollgarn Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 748;

[Bd. 22, Sp. 1957]


twist maschinengarn, twist, coton filé Hoyer-Kreuter technolog. wb. 1 (1902) 784; ähnlich bei Krebs: twist fil de coton techn. wb. (1931) 144; schlesw.-holst. in der wendung twist inslaan baumwollfäden als einschlag bei der leineweberei verwenden Mensing a. a. o.; ebda auch als bezeichnung für eine kleine rolle gesponnenen tabaks gebucht. die seemannssprache gebraucht twist für 'abfall von spinnereien und webereien, als wisch- und reinigungsmaterial, namentlich im maschinenraum eines dampfers' Tiedemann salzwasser u. brise (1909) 111 (ähnlich bei Eichler v. bug z. heck [1938] 440); Jumbo blies in die zündkerze (des bootsmotors), wischte mit twist daran herum ... M. Hausmann Abel (1932) 19;

grosze klappe, handvoll twist
fertig ist der maschinist ebda 30;

vgl. dazu die scherzhafte gelegenheitsbildung twistlappenakrobat: der maschinistenmaat, der häufig einen reinigungslappen aus twist gebraucht, (heiszt) twistlappenakrobat Imme soldatenspr. 41. —
 
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twistgarn, n., baumwollgarn (s. twist): diesen (bazar für die ausländischen waren) fand Cruttenden sehr reichlich mit zucker, ... sammet und seidenen zeugen und twistgarnen zum weben versehen Ritter erdkde 8, 1 (1846) 835 (teil 12). —
 
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twistwürtel, m., vereinzelt als technische bezeichnung in der baumwollspinnerei (s. wirtel teil 14, 2, sp. 649): diese bewegung (der spindeln) erfolgt von dem auf der hauptwelle A sitzenden twistwürtel (roue de retorstwist-wheel) B durch die schnur d, welche über die leitrollen e1 und e2 zur schnurrolle f und von dieser über e3 und e4 zum twistwürtel zurückkehrt Karmarsch-Heeren techn. wb. 1 (1876) 358.
 
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two, m., vereinzelt in älterer bergmannssprache bezeugt (vgl. brem.-nieders. dwa 'fetter thon, töpfererde' brem.-nieders. wb. 1 [1767] 280 und ostfries. dwê, dwô Doornkaat-Koolman 1, 373): two eine fette schwarze erde, welche brennet, daher eine art von torf daraus gestochen wird bergm. wb. (1778) 567, ähnlich bei Voigt beitr. z. e. min. idiot. (1789) 321 u. Richter berg- u. hüttenlex. 2 (1805) 545; noch von Grube bezeugt: eine sehr häufig vorkommende unfruchtbare und eisenhaltige thonschicht, two genannt geogr. charakterbilder (1858) bei Sanders 1 (1860) 338.
 
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tymmenitze, f., 'gefängnis', vereinzelt statt timnitz, s. teil 11, 1, 1, sp. 501 sowie s. v. tümmerze: ab jemandt ... ane orlop des schippers usz dem schiffe worde louffen, der sal davor XIV tage in der tymmenitczen legen seerecht v. Danzig (1455) art. 11 in: coll. d. lois marit. 3, 466 Pardessus.
 
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tympf, m., polnische münze, s. timpf teil 11, 1, 1, sp. 501.
 
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typ, m., 'grundform, muster' s. u. DWB typus.
 
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typ, n., 'lichtbild' wohl zu älterem Daguerreotyp (s. Schulz-Basler dt. fremdwb. 1, 122 u. 2, 508) gebildete kurzform; vereinzelt als modewort bezeugt (s. typbild u. typen): das typ ist ähnlich, wenn man es länger ansieht, aber hübscher ist sie (frau Stolberg) doch wie das bild (6. 3. 1851) Bismarck br. a. s. braut 250 Bism.; ebda 248 auch typchen n.dazu: typbild, n., lichtbild, s. auch DWB typen: als ich eben an dich geschrieben und zu bett gegangen war, gab dein typbild, das über meinem bett hängt, ein geräusch (12. 1. 1846) Th. Storm br. a. s. braut 182 Storm.
 
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type, f. , unter einflusz des frz. type aufgekommene nebenform von typus (s. dort u. vgl. stereotyp[e] teil 10, 2, 2, sp. 2455), die wegen ihrer endung als femininum erscheint, s. Seiler entwicklg. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 4 (1912) 510. type wird vor allem als terminus des buchdrucks üblich und scheidet sich damit auch bedeutungsmäszig von typus (Speranders glossierung typus vorbild, entwurf, merckmal, it. die buchdruckerschrift [1728] 764 steht vereinzelt), während schwed. typ, engl., ndl., norw.,

[Bd. 22, Sp. 1958]


dän. type ebenso wie frz. type den wortsinn von typ(us), m., und type, f., umfassen.
1) 'gegossener druckbuchstabe': mit deutschen typen gedruckt magazin d. neuest. engl. u. dt. moden (1793/94) 1, 458; wie nun die typen von Meisters lehrjahren erst auseinander genommen werden müssen, um die wanderjahre damit zu drucken A. v. Arnim s. w. (1846) 15, 268; Hüffer (verleger) hat ganz neue typen dazu (für den druck von Annettes werken) kommen lassen (1. 8. 1838) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 306 Schulte-K.; die typen ... sind vierseitige ... stäbchen aus schriftmetall Karmarsch-Heeren techn. wb. (1877) 2, 125; das buch ist mit vorzüglichen typen gedruckt d. grosze Duden, stilwb. d. dt. spr. (1934) 552 Basler; in poetischer wendung: der menschheit edelstes recht, das recht der freien rede und der freien type Kosegarten rede a. Napoleonstage (1809) 37.
2) '(gedruckter) buchstabe, letter': als ihn die augen schmerzten von den kleinen griechischen typen, begab er sich aus dem heidenthume in christliche gegenwart, schlosz das buch Holtei erz. schr. 6 (1861) 196; ich schlug blindlings auf, und auf der linken seite stand: 'die karyophyllazeen'; die typen stehen noch deutlich vor mir Fontane ges. w. (1920) II 2, 379.
3) umgangssprachlich gelegentlich statt typ(us) gebraucht: wer die Sachsen kennt, weisz, dasz man sich zwischen diesen beiden gegensätzlichen typen (sentimentaler und energischer typus) beständig hin und her bewegt; doch ist die Günther-type (die durch dr. Günther verkörperte energische art) viel häufiger, was ein glück ist Fontane ges. w. (1920) II 2, 101; so nehm'ich ihn (Toldy) denn als type (als vertreter einer besonderen bzw. absonderlichen art), folg' ihm liebevoll auch in seinen schwächen ders., ges. w. (1905) I 4, 147; (Wasserminna war) eine unverwüstliche Berliner type, herz und mund auf dem rechten fleck, wie aus meister Zilles skizzenbuch herausgeschnitten umschlagtext zu Paula Busch Wasserminna (1950). Eilenberger pennälerspr. 20 bucht type als bezeichnung für einen sonderbaren, eigenartigen menschen (vgl. auch ndl. een raar type een eegenaardig persoon Dale 2, 1807); im westl. Erzgebirge auch als anrede bezeugt: du type Müller-Fraureuth 2, 766.
 
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typen, vb., 'abbilden, photographieren', burschikose bildung des 19. jhs., s. Seiler entwicklg. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 4 (1912) 270; Eilenberger pennälerspr. 20; Basler studentenspr. (1910) 18; Meyer d. richtige Berliner (1904) 121, sowie unter 2typ, n.; nur vereinzelt nachweisbar: sie (Elisabeth) habe sich einmal typen lassen und ... sei so häszlich wie ein 'pavian' geworden (3. 3. 1881) Bismarck br. a. s. braut 246 Bism.; vergisz nicht, dich ganz von der seite typen zu lassen (4. 8. 1846) Th. Storm br. a. s. braut 302 Storm.
 
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typenhaft, adj., 'einem typus (1) zugehörig, typisch' (1): das unveränderliche und typenhafte J. G. Kohl alpenreisen bei Sanders 2, 2 (1865) 1405; mit dem beisinn von 'formelhaft, unpersönlich': sie (Bernadette) sagt einmal zu (der nonne) Nathalie: 'man hat mir halt diese krankheit geschickt, weil man gar nichts andres mit mir anzufangen weisz ...' in diesen lächelnden worten steckt keine spur von typenhafter demut ... diese antwort kam nicht aus der demut, sondern aus einer noch selteneren tugend, aus der herbsten, der nüchternsten selbsteinschätzung Werfel Bernadette (1948) 451.

 

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