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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
twer bis two (Bd. 22, Sp. 1955 bis 1957)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) twer, adj., 'schräg, kreuzend', s. u. DWB quer teil 7, sp. 2357 u. zwerch teil 16, sp. 1084 sowie bei V. Moser frühnhd. gr. 1, 3 (1951) 198—203; nur vereinzelt hat sich mundartlich der unverschobene dental erhalten, s. Frischbier 1, 162 s. v. dwêr, Jutz alem. maa. (1931) 188 u. vgl. schweiz. twerbalken schweiz. id. 4, 1191; twer(ch)bank ebda 1388.
 
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twicke, f., nd. für 'hacke', s. teil 16, sp. 1112 s. v. zwicke (2): twicke, twiecke (in Niedersachsen) 'plaggenhacke' Weber oec. lex. (1838) 603; es ist schon ein wunder, wenn ich irgendwo in der haide die twicke eines haidhauers aufblitzen und seine weiszen hemdmaugen ('hemdsärmel', s. Mensing schlesw.-holst. 3, 602) leuchten sehe Löns auf d. wildbahn (12o. j.) 126; statt der heidenarbe die bodennarbe mit der twicke abzuhauen Burckhardt aus d. walde bei Sanders erg.-wb. (1885) 583.
 
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twiesel, f., nebenform von zwiesel (s. dort unter 3 c u. vgl. twieselbeere u. -kirsche): traubenkirsche (prunus padus L.) ... hexenholz, druthenblüthe und twiesel in verschiedenen gegenden Deutschlands Metzger pflanzenkunde (1841) 795; Mensing 5, 221 bezeugt für das schlesw.-holst. twissel, twiesel 'doppeltes, sich verzweigendes, bes. doppelnusz'. — dazu: twieselbeere, f., 'im nd. für zwieselbeere' (Adelung 4 [1780] 1108; s. ferner unter zwieselbeere sowie unter quisselbeere teil 7, sp. 2378 u. quitzbeere ebda 2384): twisselbeeren können zu brandtewein gebraucht werden Hannov. magazin (1772) 1520; twieselbeere ... prunus padus L. et avium L. Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 385; Mensing schlesw.-holst. 5, 221 bezeugt twisselber wilde kirsche für Storm.
 
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twieselkirsche, f., vereinzelt für zwieselkirsche (s. dort): Metzger nennt als provinzialnamen (der traubenkirsche) ahlkirsche ... twieselkirsche Rossmässler wald (1863) 507.
 
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twiete, f., schmaler durchgang, enge strasze, gasse; wohl über adän. tvede auf anord. þveit (a piece of land, paddock Cleasby-Vigfusson 752, ebda auch öng-þveiti a narrow lane, strait) zurückgehend, ein zu anord. þveita 'hauen', ae. þwītan 'schneiden' gehöriges verbalabstraktum etwa mit der grundbedeutung 'eingeschnittenes, gerodetes' (vgl. anord. þveitr querhieb, einschnitt; norw. tveit querhieb, einschnitt, furche; graslichtung im walde oder zwischen felsen, rodung; dän. tvede landzunge, im ä.dän. auch 'streifen wiesenlandes' Falk-Torp 1302; schwed. tveta 'avsöndrade jordstycken', i vissa namn p tvet- 'röjning' Hellquist 31251), das auch ins englische (thwaite a piece of ground cleared from forest Murray 9, 2, 399; s. auch Falk-Torp a. a. o.) u. niederländische (duit < þveiti a kind of small coin, subdivision of an ounce, a fraction, cut-off piece Cleasby-Vigfusson a. a. o., s. auch Franckvan Wijk 141) gedrungen ist. twiete ist seit dem 14. jh.

[Bd. 22, Sp. 1956]


im nordwestdt. sprachgebiet nachweisbar u. bleibt im wesentlichen darauf beschränkt; dem entspricht die heutige mundartliche verbreitung, (s. auch Kretschmer wortgeogr. 493): twyte Richey id. Hamburg. 319; twite Krüger Emden 70; twiete Schütze holst. 3, 293; twiet Mensing schlesw.-holst. 5, 220; twit Mi mecklenb.-vorpomm. 96; twīte Woeste westf. 278; twēte Bauer-Collitz waldeck. 106; Martin ma. v. Rhoden 278; Damköhler Nordharz 197; Block Eilsdorf 99; twētje Fromme Hohenbostel (nieders.) 86 Alpers; twêtje, twechtje, twechte, twîtje (mit diminutivsuffix) Schambach Göttingen 238; im ostfries. als twenter (an ableitungen von twêne 'zwei' angelehnt) Doornkaat-Koolman 3, 454. — 'schmaler durchgang, enge strasze, gasse': Gevehardes tweyte (1375) urk.-b. d. st. Halberstadt 1, nr. 575 Schmidt (1400: Gheverdes twete ebda 4, 439); Brunstratentwiete (1484) W. Brehmer Lübecker straszennamen, hans. gesch. bll. (1879) nachr. s. XX; in den straten vnde den twyten der stad qu. d. 15. jhs. bei Schiller-Lübben 4, 648; die enge gäszlein (twiten) haben mehrentheils keine durchgänge Comenius janua (Hamburg 1638) § 617; ähnlich bei Ludwig: twite, ein enges gäszlein an alley or lane teutsch-engl. (1716) 2042; wer diese ... laute vernahm, dem ward zu mute, als röche er ... die twieten des Mönkedamms Heine s. w. 6, 368 Elster;

... die quiekendste weihnachtstrompete,
in der schmutzigsten twiete vom garstigsten rangen geblasen
Hebbel w. 8, 290 Werner;

langsam durchschritten sie den düstern, mit fliesen ausgelegten pesel, dessen hohe fenster nach einer engen sonnenlosen twiete hinauslagen Storm s. w. 4, 12 Köster; einer war aus dem leichenhause herausgekommen, in todesangst, so schnell er laufen konnte, eine 'tweete' hinab und war noch über die hecke gesprungen L. F. Werner aus einer vergessenen ecke (1913) 27; in einer engen twiete bei der Johannisstrasze Th. Mann Buddenbrooks (1904) 1, 86; er (Unrat) folgte den beiden proletariern und ihrem zu erschlieszenden sprachschatz durch mehrere kotige 'twieten' (Lübecks) H. Mann d. blaue engel (1950) 50. mundartlich ist twiete auch als 'schmaler weg zwischen zwei hecken' Bauer-Collitz u. Damköhler a. a. o., sowie als 'gang zwischen gärten' Woeste a. a. o. bezeugt.
 
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twing, m., twingen,vb., s. u. zwing, zwingen sowie bei V. Moser frühnhd. gr. 1, 3 (1951) 198ff.
 
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twirl, m., manubrium, s. quirl teil 7, sp. 2376, sowie bei V. Moser frühnhd. gr. 1, 3 (1951) 198ff. vereinzelt mit noch unverschobenem anlaut: twirl voc. rer. (15. jh., obd.), twirle Breslauer hs. voc. bei Diefenbach nov. gl. 246 s. v. manubrium.
 
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twist, m., junge entlehnung aus engl. twist 'zwiefach gedrehter faden, doppelfaden' (s. Murray 10, 1, 538 und Agnes Bain Stiven Englands einfl. a. d. dt. wortschatz, diss. Marburg 1936, 61), das auch ins dän. u. norw. übernommen worden ist (s. Falk-Torp 1306 s. v. tvist II u. Brynildsen 951) u. wohl seinerseits auf das in dieser bedeutung früher bezeugte ndl. twist Verwijs-Verdam 8, 833, zurückgehtetwa durch die ansiedlung flandrischer weber im 14. jh. zur förderung der englischen tuchmacherei, s. Trevelyan gesch. Englands 1 (1935) 266. mundartlich auf das nordwestdt. sprachgebiet beschränkt (s. Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 457; Mensing schlesw.-holst. 5, 222; Böning Oldenburg 120 u. Damköhler Nordharz 197), als textilbezeichnung jedoch der gemeinsprache geläufig, gelegentlich auch als zwist (s. dort, sowie Kluge-Götze [151951] 916 s. v. zwirn): twist, englisches baumwollenes maschinengarn, webegarn, oder kettgarn ... die englischen twiste werden in water, mule und medio unterschieden ... die in Deutschland gangbarsten sorten sind die secunda mule-twist in den no. 38 à 42 und 46 à 54 Nemnich neues waarenlex. (1820) 1190 f.; das baumwollengarn, auch in Deutschland häufig twist genannt, zerfällt ... in 2 hauptsorten, nämlich in watertwist ... und muletwist Herfort allg. warenlex. (1856) 57; twist baumwollgarn Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 748;

[Bd. 22, Sp. 1957]


twist maschinengarn, twist, coton filé Hoyer-Kreuter technolog. wb. 1 (1902) 784; ähnlich bei Krebs: twist fil de coton techn. wb. (1931) 144; schlesw.-holst. in der wendung twist inslaan baumwollfäden als einschlag bei der leineweberei verwenden Mensing a. a. o.; ebda auch als bezeichnung für eine kleine rolle gesponnenen tabaks gebucht. die seemannssprache gebraucht twist für 'abfall von spinnereien und webereien, als wisch- und reinigungsmaterial, namentlich im maschinenraum eines dampfers' Tiedemann salzwasser u. brise (1909) 111 (ähnlich bei Eichler v. bug z. heck [1938] 440); Jumbo blies in die zündkerze (des bootsmotors), wischte mit twist daran herum ... M. Hausmann Abel (1932) 19;

grosze klappe, handvoll twist
fertig ist der maschinist ebda 30;

vgl. dazu die scherzhafte gelegenheitsbildung twistlappenakrobat: der maschinistenmaat, der häufig einen reinigungslappen aus twist gebraucht, (heiszt) twistlappenakrobat Imme soldatenspr. 41. —
 
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twistgarn, n., baumwollgarn (s. twist): diesen (bazar für die ausländischen waren) fand Cruttenden sehr reichlich mit zucker, ... sammet und seidenen zeugen und twistgarnen zum weben versehen Ritter erdkde 8, 1 (1846) 835 (teil 12). —
 
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twistwürtel, m., vereinzelt als technische bezeichnung in der baumwollspinnerei (s. wirtel teil 14, 2, sp. 649): diese bewegung (der spindeln) erfolgt von dem auf der hauptwelle A sitzenden twistwürtel (roue de retorstwist-wheel) B durch die schnur d, welche über die leitrollen e1 und e2 zur schnurrolle f und von dieser über e3 und e4 zum twistwürtel zurückkehrt Karmarsch-Heeren techn. wb. 1 (1876) 358.
 
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two, m., vereinzelt in älterer bergmannssprache bezeugt (vgl. brem.-nieders. dwa 'fetter thon, töpfererde' brem.-nieders. wb. 1 [1767] 280 und ostfries. dwê, dwô Doornkaat-Koolman 1, 373): two eine fette schwarze erde, welche brennet, daher eine art von torf daraus gestochen wird bergm. wb. (1778) 567, ähnlich bei Voigt beitr. z. e. min. idiot. (1789) 321 u. Richter berg- u. hüttenlex. 2 (1805) 545; noch von Grube bezeugt: eine sehr häufig vorkommende unfruchtbare und eisenhaltige thonschicht, two genannt geogr. charakterbilder (1858) bei Sanders 1 (1860) 338.

 

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