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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tutti bis twache (Bd. 22, Sp. 1952 bis 1953)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tutti, n. , 'alle zusammen' aus it. tutti (< lat. tōti) entlehnt, das auch ins ndl. (s. Dale 2, 1804), engl. (s. Murray 10, 1, 515) u. frz. (s. Gamillscheg 874) übernommen worden ist.
1) terminus der musik, nach Riemann kl. handb. d. musikgesch. (1951) 143 seit dem 17. jh. allgemein üblich.
a) in verschiedener anwendung; als anweisung für den chor oder das orchester (im gegens. zu solo): tutti ... gemeiniglich unter den generalbass gesetzet ..., dasz alle stimmen zugleich singen sollen Sperander handlex. (1728) 764a; tutti 'alle', im gegensatz zu solo den einsatz des orchesters oder chores fordernd Riemann musiklex. (1919) 1228; für das gesamtorchester bzw. den ganzen chor geschriebenes musikstück (vgl. tuttisatz): vorstehendes tutti wird mit absätzen gesungen Göthe I 12, 83 W.; gemeinsamer gesang bzw. zusammenspiel aller instrumente: wenn unsre sieben snger bey dem mittagessen, wie es gemeiniglich geschieht, ein tutti anstimmen Jacobi s. w. (1807) 7, 92; sodann haben die vorigen instrumente einen satz von G dur nach d moll in 4 takten, worauf alle instrumente vereint in ebenfalls 4 takten ... ein tutti bilden; als orgeln und flöten auch das G dur—d moll-solo in der oberen octave wiederholen, kehrt das C dur-tutti noch einmal wieder ..., 4 takte soli gegen 4 tutti Chrysander Händel 3, 1 (1867) 44; ganz von selbst verfallen dabei die komponisten auch auf streckenweise zusammenziehung beider tonkörper (vokaler und instrumentaler) zum tutti Riemann kl. handb. d. musikgesch. (1951) 173. vereinzelt auch adverbiell gebraucht:

der landmann meynt aus unverstand
den jüngsten tag hier zu erleben,
der, wenn er in der kirche steht
und chor und orgel tutti geht (zusammenklingt),
auf die gedanken fällt, der himmel würde brechen
Stoppe Parnass (1735) 285.


b) bildlich:

(wir wollen) bald hören durch den birkenhain
das tutti froher vögelein
und an des bächleins murmelfall
das solo einer nachtigall
Bürger s. w. 47b Bohtz;

so mssen frsch' und grillen her,
und ihr (der sonne) ein tutti singen,
um sie in schlaf zu bringen
Blumauer ged. (1782) 63;

und schnarchten ein tutti, dasz man den schall davon auf der strasze vernahm J. F. Schlink theater zu Abdera (1789) 2, 244; der eine lacht über seinen eigenen witz, und wenn er reich oder vornehm ist, so zwingt sich die ganze gesellschaft zum tutti Kotzebue falsche schaam (1798) 93; daher giebt es viele öffentliche stimmen, die um geld und gute worte ein kritisches solo vortragen, in welches dann das tutti oder der chorus einfällt Hauff s. w. (1890) 2, 1, 185.
2) als bezeichnung beim kartenspiel: im l'hombrespiel (s. Brockhaus 11 [1932] 371) heist tutti oder todos machen, wann der spieler alle neun lesen oder stiche bekommt Sperander handlex. (1728) 764a; ähnlich bei Schrader: tutti (im lomberspiele) 'vole' dt.-frz. wb. 2, 1394 u. Stalder: tuti, n., wird gesagt, wenn man bey einem kartenspiele, z. b. dem tarock, alle stiche macht, wofür in Bern das tuttum schweiz. id. 1, 332.
3) in mundartlicher anwendung vereinzelt auch prädikativ gleichbedeutend mit 'alle, zu ende' (vgl.alle teil 1, sp. 211): er is gnz tutti er hat nichts mehr Jakob Wien 198; ähnlich: öd gäld ös tuddi fuddi Christa Trier 78.
 
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tuttisatz, m., für das gesamtorchester geschriebener satz (s. tutti 1): das orchester (kommt) in der ... wirksamen vermischung sämmtlicher saiten- und blasinstrumente ... in den gröszeren partien, in welchen es dem klavier selbständig gegenübertritt, also in den sogenannten tuttisätzen der ritornelle, vollständig zur geltung Jahn Mozart 4 (1859) 55 (ebda 767 auch tuttistellen);

[Bd. 22, Sp. 1953]


die orchesterripienisten (die stimmen der begleitenden instrumente in werken mit soli) wirkten nur in den chören und in den tuttisätzen der arien mit A. Schweitzer Bach (1948) 114.
 
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tüttlein, n., mamilla, papilla, s. u. 1tüttel.
 
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tüttlein, n., 'pünktchen', s. u. tüttelein.
 
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tüttlichkeit, f., kleinigkeitskrämerei, zimperliches, umständliches getue (vgl. tüttelig): das cholerische element in meiner natur drängt sich bei dem kinderschrein, hundewinseln und der tüttlichkeit (wie der vater zu sagen pflegte) der wärterin wieder sehr in den vordergrund (26. 8. 1848) Bismarck br. a. schwester u. schwager 57 Kohl.
 
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tutursel, f., metaphorische bezeichnung der 'eule' (über den mythologischen hintergrund s. u. tuten A 2, sowie teil 2, sp. 1768 s. v. dutosel): die tutursel fliegt (der wilden jagd) voran W. Raabe schüdderump (1870) 1, 186.
 
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t(ü)tvogel, m., 'charadrius pluvialis' Brehm tierl. 6, 65 P.-L.; s. auch teil 2, sp. 1773 s. v. dütvogel u. vgl. 2tüte u. tüter:

im herbst fliegt der tütvogel, wie hört' ich ihn gerne,
über mein dunkel im dämmer der sterne
D. v. Liliencron s. w. (1896) 7, 103;

(wir fuhren) über das Brunsoher moor durch ein meer von wollgräsern, wo der schwermütige tutvogel vom sumpfe her lockt Timm Kröger wohnung d. glücks (1897) 130; dort (in der bruchwiese) voltigirte eine himmelsziege (s. teil 4, 2, sp. 1368) in der luft, ein tütvogel ders., flitterwochen in: Nord-Ostseezeitg. (1899) 323. —
 
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tütvogelmoor, n., gelegenheitsbildung zu tütvogel (s. dort):

auf dem tütvogelmoor, im wollgrasmeer
arbeitet Peter Hans Christian Schmeer
D. v. Liliencron s. w. (1896) 9, 143, ebda 4, 35 auch tütmoor.


 
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tütze, f., 'mamilla', nebenform zu tutte (s. dort u. vgl. thür. tütz, m. Hertel 249; pfälz. dötz Autenrieth 35, rhein. detz, ditz rhein. wb. 1, 1327 u. 1376 sowie henneb. tützen an der brust trinken Reinwald 176): sie (die weiber) haben lange ttzen, welche etlichen wie ein lederner sack auf den bauch herabhangen Abelin hist. antipodum (1631) 510.
 
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tutzig, adj., 'tölpisch, dumm', nebenform zu dutzig (s. teil 2, sp. 1774): wolte mich auch ... ein anderer lstern, dessen schwacher und tutziger verstand diese geheimnsse nicht begreiffen kan Phil. v. Zesen rosenmand (1651) A 10b;

meinstu, dasz ich bin so tuzig
und von keiner mode weisz?
traun' ich werde nicht bald stuzig,
und zu faul zu tapferm preysz
Knittel sinnenfrüchte (1677) 154.


 
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twache, f., 'badezuber', s. u. DWB zwache teil 16, sp. 926 u. zwagen ebda 929.

 

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