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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tüttelgeld bis tüttlein (Bd. 22, Sp. 1951 bis 1953)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tüttelgeld, n., steir. duttelgeld 'geld, das die stallmagd erhält, wenn der bauer ein kalb verkauft' (Unger-Khull 181): es (das kalb) war noch so ziemlich gediehen, und die Kundl bekam zwei zwanziger tütelgeld Rosegger schr. (1895) I 6, 23; vgl. 1tüttel und tüteln.
 
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t(ü)tt(e)lig, adj., mundartlich für 'empfindlich, verzärtelt, verzogen, zimperlich' Hönig Köln 184a (vgl. tüttlichkeit, sp. 1953); vereinzelt auch literarisch bezeugt, etwa gleichbedeutend mit 'delikat, schwierig': 'lassen sie (anrede) mich dabei sein' (bei der vernehmung eines gefangenen, sagte ein SS-offizier zu einem polizeikommissar); 'nein, mein lieber.' 'warum nein?' 'das ist dienst — eine tuttlige sache, mein freund' A. Seghers d. siebte kreuz (1950) 234; im schlesw.-holst. ist tüttelig als 'wirr im kopf, nicht ganz richtig' nachweisbar, s. Mensing 5, 209 s. v. tüteln.
 
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tütteln, vb., 'schmeicheln', s. u. DWB dutteln teil 2, sp. 1771 und zutütteln teil 16, sp. 876.
 
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tüttelskram, m., 'kleinigkeitskram' (s. 2tüttel), vereinzelt mundartlich nachweisbar (Hönig Köln 184a).
 
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tutten, vb., 'tut ('dies' als pron. demonstr., mnd. dut Schiller-Lübben 1, 604) sagen' wie die niederdeutschen (vgl. DWB datten 'dat bzw. das sagen' teil 2, sp. 827 und watten 'wat sagen' teil 13, sp. 2601); scherzhaft bei Luther: und sonderlich eben lauttet es unter meynen Sachsen, die da tutten und tatten gleich wie die Kriechen, das sie schier mit dem kriechischen uber eynstymmen: tuto esti to soma mu (das ist mein leib) ... tut es myn lif (1525) Luther 18, 154 W., vgl. ebda 167. mit bezug auf Carlstads gekünstelte interpretation des demonstrativums tuto (τοῦτο, s. ebda 152f.): so reysts hynweg alles, was d. Carlstad tuttet odder tattet, kuckelt odder kakellt Luther 18, 157 W.
 
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tütten, vb., 'an der brust saugen', mundartliche nebenform zu dutten (s. teil 2, sp. 1771 u. vgl. tützen s. v. tütze sowie tüteln): ttten (in Niedersachsen) an der brust saugen; ... sucer à la mamelle Schrader dt.-frz. 2, 1394, so auch bei Mozin wb. 4 (1856) 878c.
 
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tutter, m., vitellus, s. o. dotter teil 2, sp. 1313f.seit dem frühen nhd. auch als vogelname, für den dotterfarbigen grünling (chloris) bezeugt: diser vogel (chloris), so grnling, grnfinck, kuttuogel, tutter ... genennt wirt, hat bey dem Aristotele den griechischen namen von der ocherglen farb Heusslin Gesners vogelbuch (1557) 67b; etliche thiere werden durch eine sonderbare ... art des sommers verborgen, ... etliche des winters, als wie die murmelthiere und ratzen, der grnfinck, grnling oder kutvogel, sonsten mb Franckfurth am Mayn tutter, anderswo rapfinck genant Prätorius winterflucht der sommervögel (1678) 7; fringilla chloris ... tutter Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 5, 62; unser grünling, grün-, hirsen-, hanf- und kutvogel, grün- und rappfink, grünhanferl,

[Bd. 22, Sp. 1952]


grünesen, grinzling, grönnig, wonitz, schwunsch, schaunsch, schaunz, tutter (chloris hortensis) kennzeichnet sich durch kräftigen bau Brehm tierl. 4, 290 P.-L.
 
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tutti, n. , 'alle zusammen' aus it. tutti (< lat. tōti) entlehnt, das auch ins ndl. (s. Dale 2, 1804), engl. (s. Murray 10, 1, 515) u. frz. (s. Gamillscheg 874) übernommen worden ist.
1) terminus der musik, nach Riemann kl. handb. d. musikgesch. (1951) 143 seit dem 17. jh. allgemein üblich.
a) in verschiedener anwendung; als anweisung für den chor oder das orchester (im gegens. zu solo): tutti ... gemeiniglich unter den generalbass gesetzet ..., dasz alle stimmen zugleich singen sollen Sperander handlex. (1728) 764a; tutti 'alle', im gegensatz zu solo den einsatz des orchesters oder chores fordernd Riemann musiklex. (1919) 1228; für das gesamtorchester bzw. den ganzen chor geschriebenes musikstück (vgl. tuttisatz): vorstehendes tutti wird mit absätzen gesungen Göthe I 12, 83 W.; gemeinsamer gesang bzw. zusammenspiel aller instrumente: wenn unsre sieben snger bey dem mittagessen, wie es gemeiniglich geschieht, ein tutti anstimmen Jacobi s. w. (1807) 7, 92; sodann haben die vorigen instrumente einen satz von G dur nach d moll in 4 takten, worauf alle instrumente vereint in ebenfalls 4 takten ... ein tutti bilden; als orgeln und flöten auch das G dur—d moll-solo in der oberen octave wiederholen, kehrt das C dur-tutti noch einmal wieder ..., 4 takte soli gegen 4 tutti Chrysander Händel 3, 1 (1867) 44; ganz von selbst verfallen dabei die komponisten auch auf streckenweise zusammenziehung beider tonkörper (vokaler und instrumentaler) zum tutti Riemann kl. handb. d. musikgesch. (1951) 173. vereinzelt auch adverbiell gebraucht:

der landmann meynt aus unverstand
den jüngsten tag hier zu erleben,
der, wenn er in der kirche steht
und chor und orgel tutti geht (zusammenklingt),
auf die gedanken fällt, der himmel würde brechen
Stoppe Parnass (1735) 285.


b) bildlich:

(wir wollen) bald hören durch den birkenhain
das tutti froher vögelein
und an des bächleins murmelfall
das solo einer nachtigall
Bürger s. w. 47b Bohtz;

so mssen frsch' und grillen her,
und ihr (der sonne) ein tutti singen,
um sie in schlaf zu bringen
Blumauer ged. (1782) 63;

und schnarchten ein tutti, dasz man den schall davon auf der strasze vernahm J. F. Schlink theater zu Abdera (1789) 2, 244; der eine lacht über seinen eigenen witz, und wenn er reich oder vornehm ist, so zwingt sich die ganze gesellschaft zum tutti Kotzebue falsche schaam (1798) 93; daher giebt es viele öffentliche stimmen, die um geld und gute worte ein kritisches solo vortragen, in welches dann das tutti oder der chorus einfällt Hauff s. w. (1890) 2, 1, 185.
2) als bezeichnung beim kartenspiel: im l'hombrespiel (s. Brockhaus 11 [1932] 371) heist tutti oder todos machen, wann der spieler alle neun lesen oder stiche bekommt Sperander handlex. (1728) 764a; ähnlich bei Schrader: tutti (im lomberspiele) 'vole' dt.-frz. wb. 2, 1394 u. Stalder: tuti, n., wird gesagt, wenn man bey einem kartenspiele, z. b. dem tarock, alle stiche macht, wofür in Bern das tuttum schweiz. id. 1, 332.
3) in mundartlicher anwendung vereinzelt auch prädikativ gleichbedeutend mit 'alle, zu ende' (vgl.alle teil 1, sp. 211): er is gnz tutti er hat nichts mehr Jakob Wien 198; ähnlich: öd gäld ös tuddi fuddi Christa Trier 78.
 
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tuttisatz, m., für das gesamtorchester geschriebener satz (s. tutti 1): das orchester (kommt) in der ... wirksamen vermischung sämmtlicher saiten- und blasinstrumente ... in den gröszeren partien, in welchen es dem klavier selbständig gegenübertritt, also in den sogenannten tuttisätzen der ritornelle, vollständig zur geltung Jahn Mozart 4 (1859) 55 (ebda 767 auch tuttistellen);

[Bd. 22, Sp. 1953]


die orchesterripienisten (die stimmen der begleitenden instrumente in werken mit soli) wirkten nur in den chören und in den tuttisätzen der arien mit A. Schweitzer Bach (1948) 114.
 
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tüttlein, n., mamilla, papilla, s. u. 1tüttel.
 
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tüttlein, n., 'pünktchen', s. u. tüttelein.

 

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