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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tütschen bis tüttel (Bd. 22, Sp. 1945 bis 1949)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tütschen, vb., wohl zu tucken 'eintauchen' (s. teil 2, sp. 1492 [1 b]) gebildete intensivform (< * tuck-ezen; zur bildungsweise vgl. Winteler in: beitr. 14, 462 und Henzen dt. wortbildg. [1947] 230 ff., ferner das besonders ostmd. geläufige hütsche, hitsche, von Weigand-Hirt 1, 910 zu hocken gestellt; über intensivierendes, expressives tsch s. auch Wissmann in: zfda. 76 [1939] 8 und Lewy in:

[Bd. 22, Sp. 1946]


idg. forsch. 56 [1938] 36ff.); im wesentlichen auf das ostmd. beschränkt und vorwiegend in der entrundeten form titschen (s. teil 11, 1, 1, sp. 527, sowie unter austitschen teil 1, sp. 999 und eintütschen teil 3, sp. 332) bezeugt, auf die bereits Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042 s. v. tütschen als geläufigere form verweist. daneben findet sich vereinzelt dudšn Gerbet Vogtland 138 anm. 3 (s. ebda auch über die geogr. verteilung der umgelauteten und umlautlosen form im heutigen Vogtland), ferner die iterativbildung tutscheln, tütscheln Hertel Thür. 249; Keller Thür. 46 (neben tütschen), die auch im mecklenb.-vorpomm. nachweisbar ist: tuttscheln Mi 95. — '(ein)tauchen, (ein)tunken': nimm brodt; recht so! ttsche es in wein Prätorius anthropod. plutonic. (1666) 1, 159;

hättestu nicht zu tieff in das bier getütscht,
so hätte dich die mutter nicht mit der ruthe geklitscht
Chr. Weise erznarren 173 ndr.;

substantiviert: (tütsche heiszet) dasjenige, was man an statt des sallats in einem absonderlichen commentlein zum kalten oder warmen gebratens zum tütschen und eintuncken auffzusetzen pfleget ... als z. e. kirsch-tütsche, kirsch-eszig u. dg. m. Amaranthes frauenzimmer-lex. (1715) 2053; s. auch bei Kindleben stud.-lex. (1781) 195 s. v. tütschen sowie die belege bei Müller-Fraureuth obers. 1, 223 s. v. titschen.
 
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tütscheschüsselein, n., vereinzelt lexikalisch bezeugt (s.tütsche): ttsche-schsselein scudellina da intingolo Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 686a.
 
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tutschfrau, f., scherzhafte bezeichnung für eine frau, die bei kindtaufen, hochzeiten u. dgl. die küche besorgt (s. DWB tütsche, -n, -mutter, sowie bei Ludin Adam Siber, diss. Freiburg 1898, 14); vereinzelt im frühen nhd.: pronuba, προμνήστρια tutschfraw A. Siber gemma (1588) 246.
 
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tütschnepfe, f., totanus calidris Bechst. Naumann naturgesch. d. vögel 8 (1836) 95; Brehm tierl. 6, 29 P.-L.; vgl. 2tüte, tüter u. tütvogel.
 
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tutstein, m., aus mndl. toutsteen, toetsteen (s. Verwijs-Verdam 8, 489), das seinerseits (wie engl. touchstone, s. Murray 10, 1, 187) auf afrz. touchepierre zurückgeht (s. E. Öhmann d. mhd. lehnprägung nach afrz. vorbild, annales academiae scientiarum Fennicae B 68, 3 [Helsinki 1951] 26); vereinzelt im frühen nhd. als bezeichnung dunklen (den als 'prüfstein' für edelmetalle verwendeten quarz- u. jaspisartens. Murray a. a. o.ähnlichen) gesteins: alhier hnget das erst gemelte gedicht ... in schwartzen tutstein beraus knstlich mit gldenen buchstaben geschrieben Phil. v. Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 261; ja beide, so wohl das schlos, als das gtzenhaus, hatte man nicht allein mit feinem golde, vol knstlichen bildwerckes gedeckt, sondern mit groszen tutsteinen und jaspis aufgefhret Dapper, America (1673) 370a; tafel von tutstein mit perlenmutter beraus knstlich ausgeleget mensa epularis ex Lydio lapide cochleis margaritiferis distincto ac coronata arte Besold thes. (1697) 2, 421a.
 
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tutsteinern, adj., aus tutstein (s. dort): unter andern seinen kunst-stkken, siehet man itzund in seinem hause eine schwartze tutsteinerne tafel Phil. v. Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 362.
 
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tüttchen, n., 'kleine silbermünze'; nebenform zu dütchen (s. teil 2, sp. 1767 sowie Edw. Schröder in: nd. jb. 33 [1907] 109): tetróbolum ein tttgen oder 2 gr(oschen) Zehner nomencl. (1645) 314.
 
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tutte, f. , (vereinzelt auch m. und n., s. u.); papilla, mamma; über formen mit anl. lenis bes. im frühnhd. s. teil 2, sp. 1768 s. v. dutte. ahd. tutto (m.) mamilla (10. jh.) ahd. gl. 3, 19, 4 St.-S.; tutta, tuta mamma (12. jh.) ebda 4, 216, 23; tuddi mamma, maxilla (12. jh.) ebda 3, 280; mhd., frühnhd. tutte, tute, tütte mhd. wb. 3, 154; Lexer 2, 1591; daneben noch vereinzelt tutti voc. opt. 12a Wackernagel. mit eindringen des n der sw. flexion in den nom.: tutten Maaler teutsch spraach (1561) 412a; gelegentlich auch in

[Bd. 22, Sp. 1947]


der kurzform tutt Pincianus voc. rer. (1521); als masc. im cgm. 729, 137a bei Lexer a. a. o.in heutiger mundart besonders obd. nachweisbar, meist mit anlautender lenis: dütte Mensing schlesw.-holst. 1, 951; Ziesemer pr. 2, 155 (daneben dutt m.); tutte Müller-Fraureuth obers. 1, 271; dutt, dott Kehrein Nassau 1, 121; dutte (neben dutten m.) Crecelius oberhess. 318; dutte, dud bad. wb. 1, 619; dutte (neben dütten m.) Martin-Lienhart elsäss. 2, 728; Fischer schwäb. 2, 519; tutte, dutte Birlinger Augsb. 129; dutten (auch m.) Schmeller bair. 1, 554; dutt'n, f. und m. Schöpf tirol. 97; dutte (auch m.) Unger-Khull steir. 181; tutte m. Lexer kärnt. 79; tutte Reiser sagen, gebräuche und sprichw. d. Allgäus 2, 742; dutte, tutti n. Stalder schweiz. id. 1, 333; tutta, totta Tobler appenzell. 142; duttln, tuttln Schranka Wien 42; Castelli Oesterr. u. d. Enns 118; daneben finden sich formen mit i als stammvokal (s. teil 2, sp. 1769 sowie teil 11, sp. 527 unter titte) und mit verschiebung des konsonantenstandes (s. unter zitze und tütze). — i- und u- (ü-, o-) formen gehören als ablautvarianten zu einem sog. elementarwort (lallwort) tata-, tta- (s. Walde-Pokorny 1, 704 u. Falk-Torp 1239 s. v. taate), das besonders im germ. mit gemination auftritt (über expressive konsonantenverdoppelung in lallworten s. auch Wissmann nomina postverbalia 1 [1932] 163 f. sowie in: zfda. 76 [1939] 4ff.). sie finden jedoch (von zitze abgesehen) keinen eingang in die nhd. schriftsprache und bleiben in neuerer zeit auf den mundartlichen und umgangssprachlichen bereich beschränkt.
1) brustwarze des menschen, papilla; bildlich bereits bei Notker: Bootes (eig. 'ochsentreiber', name eines sternbildes) habet stande dri sternen ..., dri habet er tueres in zilun stande. gagen dien tutton. und einen nideror sameso in sinemo scozen 1, 769 Piper. diese bedeutung wurde früh durch das diminutivum 1tüttel (s. dort) übernommen, sie findet sich noch vereinzelt für das nassauische, bad., schwäb., elsäss. u. schweiz. bezeugt.
2) für die weibliche brust, mutterbrust in ihrer gesamtheit, 'mamma': hanc Iunonis ubera memorabant. taz hiezen sie Iunonis tutten Notker 1, 712, 15 Piper;

(der vater spricht zu seiner tochter, die sich verheiraten soll:)
fud, ars vnd tutten hastu ie ganog fastnachtsp. 67, 20 Keller;

(Begine:)
sit dass mine tutten anfiengend hangen
wie ein lerer sack an einer stangen,
...
do gieng ich in das beginen hus,
min alter gwerb trg nüt me us
Niklaus Manuel 54 Bächtold;

thuttn vnd mundt ...
fud vnd ars ...
das soll als dein aign sein Sterzinger spiele 1, 138 Zingerle;

dutte, weiberbrust tetta, poccia, zinna, poppa, poppedine Hulsius dict. (1618) 1, 98a; so noch im pr., oberhess., bad., elsäss., schwäb., augsb., bair., steir. kärnt., tirol., schweiz. u. wien. (s. die entsprechenden wbb.); bildlich: der hauptmann hört an dieses worten, dasz er der scharpffen krieger, die über zwen tag nit mögen von der tutten bleyben, einer wer Kirchhof wendunmuth 1, 135 lit. ver.
3) zitze, euter: es hette (das meerwunder) ... zwen grosz tutten, ein braites mul ... und fürbas uncz unden an den buch giengent floszfedern zuo dem schwimmen geschikt Steinhöwel Äsop 348 Österley; ainem windtspill, das folle tutten gehabt, dieselben erschwartzt vnnd abgefallen (z. j. 1527) Sigm. v. Herberstein selbstbiogr. 277 Karajan in: fontes rer. Austriac. I 1; da ergriffe das arme kindtlein der lwin tutten vnnd empfande dass sie voller milch waren buch der liebe (1587) 5c; da die löwin des kindes saugen an ihren tutten empfand Simrock dt. volksb. 2 (1845) 271. so noch im schlesw.-holst., pr., obers., bad., elsäss., schwäb., augsburg., bair., steir., tirol., allgäu.-bildl.:

... ein tyger hat geseuget
mit seinen tutten dich (Tilly)
Dietr. v. d. Werder buszpsalmen (1632) c 3b.


4) in scherzhafter übertragung: pupus, varro ein tütte oder jungs kind ('säugling', vgl. schwed. tutta liten flicka,

[Bd. 22, Sp. 1948]


tutte liten gosse Hellquist 31250) Frisius dict. (1556) 1094a; hat er (landgraf Albrecht) seinem bruder, marggraff Ditterichen und desselben sohn Friderichen, zugenamet der tutte, ursach geben, das sie jhn enterbet P. Albinus meiszn. land- u. bergchron. (1589) 256. im schwäb., bair. u. wien. auch für das saugröhrglas, s. Fischer, Birlinger, Schmeil u. Castelli a. a. o. und vgl. elsäss. düttel kinderflasche. redensartlich: das hat kai dud un kai fud da ist gar nichts dahinter, das ist nichts wert bad. wb. 1, 619; ähnlich bei Fischer schwäb. 2, 519.
 
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tüttebeere, f., preiszelbeere, s. u. tütebeere.
 
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tüttel, tüttlein, n. (vereinzelt m. und f., s. u.), papilla; ahd. tuttilin, tuttuli papillę (11. jh.) ahd. gl. 2, 503, 21 St.-S.; tuttili, tutili papillas (11. jh.) ebda 507, 54; mhd.-frühnhd. tüttelîn Wolfram v. Eschenbach Parz. 111, 5 Lachmann; tüttlin liederb. d. Hätzlerin 256 Haltaus; tittlin Pinicianus voc. rer. (1521); tütlein M. Beheim s. u. 1 und Reuaus s. u. 2; tüttli Heinr. Wittenweiler ring 126, 15 (v. 3456) Wieszner, daneben tüttel (über rückbildungen auf -el < elīn s. Henzen dt. wortbildg. [1947] 148) ebda 226, 40 (v. 6406), Parz. 113, 7; tütel Konrad v. Megenberg buch d. natur 240 Pfeiffer; tittel bruder Hans marienl. 2104 Minzloff; tüttl fastnachtsp. 399, 14 Keller; vereinzelt noch umlautlos: tutlin gemma gemmarum (Augsburg 1512, s. u. 1); tutli voc. opt. bei Diefenbach gl. 345c; tutle Keisersberg s. u. 4. über formen mit anlautender lenis s. teil 2, 1771f. unter düttel und düttlein sowie ahd. gl. 3, 72, 30. 32 St.-S. (dutilín, dittelin, 13. jh.). in heutiger mundart besonders obd. bezeugt: düttel (m.) Crecelius oberhess. 1, 318; düttli, didl(i) bad. wb. 1, 619; titl (pl.) Lenz Handschuhsh. 73; düttle, düttel Martin-Lienhart elsäss. 2, 728; düttlein Fischer schwäb. 2, 519; düttlein, düttel Schmeller bair. 1, 554; duttel (m. u. f.); dutterl (n.) Unger-Khull steir. 181; tüttl Lexer kärnt. 79; düttli, tüttle Stalder schweiz. 1, 333 (daneben tütti, n.); töttli, tüttli Tobler appenzell. 142; duttel Jakob Wien 52; duttln, tuttln (pl.) Schranka Wien 42. — diminutivum zu tutte (s. dort u. vgl. mhd. brüstel, brüstelîn mhd. wb. 1, 272; Lexer 1, 372).
1) zu tutte (1): papillę tuttilin (11. jh.) ahd. gl. 2, 503, 21 St.-S.;

und er wart in der selben weil
da geschassen mit ainem pfeil
ober seinem rehten tütlein
Mich. Beheim buch v. d. Wienern 76, 12 Karajan;

ein mans tutlin gemma gemmarum (Augsburg 1512) bei Diefenbach gl. 345c;

wie raun send uyra ditla, ja ditlo
Weckherlin ged. 1, 72 lit. ver.;

die bedeutung 'brustwarze' ist moderner mundart durchaus geläufig, s. bad. wb., Martin-Lienhart, Fischer, Schmeller, Lexer u. Stalder a. a. o.
2) zu tutte (2):

diu rôten välwelohten mâl,
ich meine ir tüttels gränsel (spitze)
Wolfram v. Eschenbach Parzival 113, 7 Lachmann;

dû scholt auch wizzen, daz der unvernünftigen tier milchwäppel aigenleichen äuter haizent, aber an der frawen haizent si prüstel oder tütel Konrad v. Megenberg buch d. natur 25, 19 Pfeiffer;

daz sie an schau ein ieder knab,
wie sie hübsche tütlein hab
meister Reuaus 55 Schönbach;

so noch im bad., elsäss., schwäb., bair., steir., schweiz. u. wien.
3) zu tutte 3; nur vereinzelt mundartlich nachweisbar, so im oberhess. (erbachischen): der düttel 'euter' Crecelius 1, 318 (vgl. auch ahd. gl. 3, 72, 30 St.-S.: vbera ... dutilín [13. jh.]); elsäss. düttle, düttel 'zitze' Martin-Lienhart 2, 728; s. auch bad. wb. 1, 619.
4) metaphorisch: darumb so schmeckt dir nit die milch der tugent, du hangst noch an dem tutle zeitlicher lüst der vnküscheit (1520) Keisersberg narrensch. (1520) 219. in moderner mundart findet sich (s. auch s. v. tutte 4):

[Bd. 22, Sp. 1949]


düttle, düttel 'kinderflasche, muttermilch' Martin-Lienhart elsäss. 2, 728; ähnlich im bad. (s. bad. wb. 1, 619). verbreitet ist auch die bedeutung 'kleinigkeit, pünktchen' (s. bad. wb. a. a. o. sowie s. v. 2tüttel).
 
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tüttel, m. (vereinzelt n., s. u.), pünktchen, tüpfel; in älterer sprache finden sich auch i-formen, die teils unmittelbar an lat. titulus anschlieszen (s. u.), teils jüngere entrundung zeigen: tittel, titel titellus Diefenbach gl. 585c; titel (neben tütel) Luther 32, 359 W.; Wieland (s. u.); tittel Tilo v. Kulm, Bode und Hebbel (s. u.); mit anlehnung an die engl. form (s. Murray 10, 1, 81): tittle (1781) Leisewitz br. in: Herrigs arch. 31, 407. ferner: tuttel, tutel (15. jh.) Diefenbach a. a. o.; Luther 6, 302 u. 305 W. (neben tüttel 18, 114; tütel u. titel s. o.). mnd. als tuttel, tytel bezeugt (s. Schiller-Lübben 4, 634), worauf dän. tøddel zurückgeht (s. Falk-Torp 1314). — tüttel ist wohl ebenso wie gleichbedeutendes ndl. tittel, mndl. titel, tittel, tuttel (s. Franck-van Wijk-van Haeringen etym. wb. suppl. 169; Verwijs-Verdam 8, 375), engl. tittle, title (s. Murray a. a. o.) und anord. titull, adän. titul, titel, aschwed. titil (s. Cleasby-Vigfusson 633; Kalkar 4, 398 u. Söderwall 2, 1, 660; über die neudän. form tøddel s. o.) aus lat. titulus entlehnt, jedoch schon früh in volksetymologischer umdeutung (?) mit 1tüttel, n., 'kleine brustwarze' (s. o.) vermischt worden (kaum von vornherein damit identisch, wie noch Kluge-Götze annimmt, den genus- und bedeutungswandel unerklärt lassend) und daher im frühnhd. vereinzelt auch als neutrum belegt: das kleinste titel Luther 32, 355 W. — 'kleines schriftzeichen, pünktchen, tüpfel' (gegenüber pünktchen und tüpfel[chen] jedoch nicht allgemein im sprachgebrauch durchdringend; bereits Adelung 4 [1780] 989 bezeichnet es als 'veraltet, ausser dasz im gemeinen leben und bey gemeinen schreibmeistern das punct ... noch zuweilen ein titel und nach einer unrichtigen schreibart tüttel genannt wird'): iuweri (verzierten) buecher habent niut dester minder tütlen (14. jh.) altdt. pred. 207 (70, 238) Wackernagel; titellus ... tutel in der geschrifft voc. v. j. 1515 bei Diefenbach gl. 585c (ähnlich in md. u. nd. glossaren d. 15. jhs., s. ebda); das(z) xps, das ist, ix pe es tütel, Christus haisse (hier 'abkürzungszeichen' wie lat. titulus, s. Habel mlat. gl. [1931] 402) Ickelsamer gr. 324 Kohler; apex ein tttel nomencl. (1634) 295; Zehner nomencl. (1645) 8; der punkt ist ein tttel, welcher unten an der letter also (.) gezeichnet wrd Bellin hd. rechtschreibg. (1657) 94. insbesondere für den i-punkt bzw. die umlautzeichen über a, o, u: apices literarum die tttel oder tpffel ber den buchstaben, als ber dem i und u etc. Corvinus fons. latin. (1646) 62; ob der buchstabe i allemahl den tüttel habe Claudius w. (1819) 1, 2, 23;

nun aber wäre ohne titel
dies hochgeborne excellenzen-vieh
so ziemlich das, was ohne tittel
der buchstab i
Hebbel s. w. 8 (1891) 123;

de tüddel wer 't i i-punkt Mensing schlesw.-holst. 5, 212 (ähnlich bei Dähnert plattdt. 498 u. Schmidt-Petersen nordfries. 143b); 0 ist eine unterscheidung von o in der art der tüttel unseres ö oder der punkte, die im alten schriftwesen unter einzelbuchstaben deren tilgung anordnen Baesecke frühgesch. d. dt. schrifttums (1950) 25; für das oberhess. bezeugt Crecelius der düttel 'punkt, tintenklecks' 318. — mit tüttel (wie mit sinnverwandtem jota, stüpflein und tüpfel, s. dort sowie unter buchstabe teil 2, sp. 481) verband sich früh der beisinn 'geringste kleinigkeit', der in neuerer sprache von tüttelchen (s. dort) übernommen worden ist: so geen wir auch eins tutels nicht weyter, dann wie die schrift innen wird halten (3. 1. 1474) markgr. Albrecht Achilles br. in: fontes rer. Austr. II 46, 252; bis das himel vnd erde zurgehe, wird nicht zurgehen der kleinest buchstab, noch ein ttel vom gesetze Matth. 5, 18 (im gegens. zur fassung der ersten dt. bibel: ein punckt oder ein bchstap vber geht nit von der ee 1, 18 Kurr.); nehmen auch keinen brieff ... an, wo der geringste tttel im titel versehen oder ihnen unbekandt

[Bd. 22, Sp. 1950]


ist Olearius verm. reisebeschr. (1696) 96; kennten im Homer jeden tüttel Voss antisymb. 1 (1824) 363; er ... brachte den gantzen schatzprozess, vom anfang bis zu ende, treulich zu papiere, damit ihm kein tüttel davon aus dem gedächtnis entschwinden möchte Musäus volksmärchen 5 (1826) 123; der könig hatte versprochen, keinen tüttel nachzulassen von seinen forderungen, die er an die kammern gestellt Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 7, 40; die vorstellung eines schriftzeichens ist völlig geschwunden:

Moysi, dem manne reyn,
got in vlammes vur erschein
in eines pusches mittel,
dem ni gebrach ein tittel.
er sach, als er bekante,
daz der pusch lichte brante
und der pusch doch ni verbran
Tilo v. Kulm 7 ingesigel 1550 Kochendörffer;

auff ... das vnseelige critisiren, grüblen in worten, geben sie (die weiber) nicht ein tüttel, nicht ein dudenierel Moscherosch gesichte (1650) 1, 154; ich (hatte) alles, was sie gesagt, bis auf den letzten tittel vergessen Bode Yoricks empf. reise 1 (1768) 137;

und als sie ihm hierauf, dasz nicht ein titel fehlt,
was ihr begegnet war, erzählt
Wieland s. w. 21 (1796) 330;

so besonders in nd. ma. noch lebendig: d'r is gên tüttel fan to sên Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 454 (vgl. den gebrauch von nordfries. tyttel Jensen 649); ni'n tüddel! keen tüddel! nicht ein biszchen, nicht Mensing schlesw.-holst. 5, 212 (ähnlich bei Leithäuser Barmen 158; s. auch im brem.-nieders. wb. 2 nachtr. 380); im sinne von 'überflüssiges, nicht mitzählendes ding': he is man'n tüddel wer't i ebda.; im bad. findet sich düttli, didl(i), n., 'kleinigkeit, pünktchen' bad. wb. 1, 619, im henneb. tüttel, tüttelein (döttele) 'eine kleinigkeit' Spiess 261.

 

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