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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tütsche bis tüttebeere (Bd. 22, Sp. 1944 bis 1948)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tütsche, f. , nominalbildung zu tütschen (s. dort), die gegenüber synonymem tunke im sprachgebrauch nicht durchdringt und im wesentlichen auf md. maa. beschränkt bleibt (s. Anton Oberlausitz, stück 5, 8; Gerbet Vogtland 428; Müller-Fraureuth obers. 1, 223; Keller Thür. 46, sowie teil 11, 1, 1, sp. 526 s. v. titsche u. bei Schmeller bair. 1, 634, der die tütschen 'sauce' für Nürnberg bucht); in wörterbüchern des frühen nhd. finden sich vielfach noch nebeneinander: titsche oder tuncke, brühe oder suppe, das brodt darin zu tuncken une sauce, intinctus, embamma Duez dict. (1664) 517; tuncke, tütsche condimentum, intinctus, embamma Stieler stammb. (1691) 2263; tütsche, brühe oder tuncke a sauce, ragoo or kickshaw Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042; Adelung jedoch erklärt bereits:

[Bd. 22, Sp. 1945]


in den niedrigen sprecharten wird eine tunke titsche oder tütsche genannt 4 (1780) 1104.
1) 'alles dasjenige, was man an statt des sallats in einem absonderlichen commentlein (schüsselchen) zum kalten oder warmen gebratens zum tütschen und eintuncken auffzusetzen pfleget, ... als z. e. kirsch-tütsche' (Amaranthes frauenzimmer-lex. [1715] 2053; so noch im frauenzimmerlex. 2 [1773] 3673; s. DWB tunke 1): bey den braten werden in schüsselchen auffgesetzet die tütschen oder duncken, der salat vndt andere sachen appetit zu machen ... assaturis superadduntur in scutellis embammata (intinctus) acetaria et alia appetitus irritamenta Comenius janua (1644) 170; er mache sich eine brhe oder ttsche zu seinen [!] abend-essen Chr. Thomasius leben Socratis (1693) 69; der anfang im essen solle von ttschen und krutern, oder salat ... gemacht werden, worauf man alsdann das fleisch geniessen kann Hohberg georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 113a.
2) 'diejenigen abgewürtzten, und mit allerhand sachen schmackbar angemachten brühen, so über das gekochte fleisch, oder gesottene fischwerck angerichtet werden' (Amaranthes a. a. o.): die köche gieszen über das verderbte eszen eine saure zwiebeltütsche her Chr. Weise überfl. ged. (1692) 2, 120. bildlich:

F.: er fällt warhafftig von der hütsche
('schemel', s. teil 4, 2, sp. 1580),
wo er das mädgen mehr begehrt.
B.: mein freund, er koste nur die tütsche
er ist des fleisches doch nicht werth (vgl. DWB brühe teil 2, sp. 424 [3] u. tunken I A 1 a γ letzter beleg) ebda 149 ndr.;

wer seine liebes-historien allzeit an die grosze glocke schriebe (laut damit prahlt), der fabulirte meistenteils einen groszen handel daher, und htte kaum die ttsche genossen ders., die drey klügsten leute (1675) 280; im sinne von 'mitgift': eine wittfrau lsset sich alle tage bey mir anbieten, und mich dnckt, die alte henne mag eine gute ttsche haben ebda 66.
3) vereinzelt auch als verächtliche bezeichnung für ein schlechtes getränk: für solche ttsche dank' ich Anton Oberlausitz 5, 8.
 
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t(ü)tsch(e)mutter, f., wie tutschfrau, s. dort u. vgl. DWB käsemutter teil 5. sp. 255; im älteren ostmd. mehrfach nachweisbar: nach langem nachsinnen erfuhr ich, die jungfer wrde auf eine hochzeit gehen, und ihre mutter wrde tutsche-mutter seyn Chr. Weise erznarren 171 ndr.;

so stellt sich bey dem (hochzeits-)feste
doch noch was neues stets von bittern sorgen ein:
...
itzt schmlet jung und magd, itzt sehn die ttsche-mtter,
und bald der musicant mehr als catonisch aus
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 6 (1709) 126 Neukirch;

tütsch-mütter heissen diejenigen weiber und guten bekandten von einer braut oder sechswöchnerin, so in die kuchen-kammer gestellet werden, um die geschenck-kuchen oder bey kindtauffen die pfannenkuchen darinnen auszutheilen, süsse kannen anzumachen und die gevattern mit bedienen zu helffen Amaranthes frauenzimmer-lex. (1715) 2053; so noch im allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 557 u. im frauenzimmer-lex. 2 (1773) 3673; gelegentlich auch im sinne von 'ballmutter':

wann ein mädgen in der einsammkeit
stille sitzt und welcke rüben schneidt,
kommen bald die tütschemütter
und erwischen mit verdrusz
irgend einen armen ritter,
der die lücke büssen musz
Chr. Weise überfl. ged. 19 ndr.


 
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tütschen, vb., wohl zu tucken 'eintauchen' (s. teil 2, sp. 1492 [1 b]) gebildete intensivform (< * tuck-ezen; zur bildungsweise vgl. Winteler in: beitr. 14, 462 und Henzen dt. wortbildg. [1947] 230 ff., ferner das besonders ostmd. geläufige hütsche, hitsche, von Weigand-Hirt 1, 910 zu hocken gestellt; über intensivierendes, expressives tsch s. auch Wissmann in: zfda. 76 [1939] 8 und Lewy in:

[Bd. 22, Sp. 1946]


idg. forsch. 56 [1938] 36ff.); im wesentlichen auf das ostmd. beschränkt und vorwiegend in der entrundeten form titschen (s. teil 11, 1, 1, sp. 527, sowie unter austitschen teil 1, sp. 999 und eintütschen teil 3, sp. 332) bezeugt, auf die bereits Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042 s. v. tütschen als geläufigere form verweist. daneben findet sich vereinzelt dudšn Gerbet Vogtland 138 anm. 3 (s. ebda auch über die geogr. verteilung der umgelauteten und umlautlosen form im heutigen Vogtland), ferner die iterativbildung tutscheln, tütscheln Hertel Thür. 249; Keller Thür. 46 (neben tütschen), die auch im mecklenb.-vorpomm. nachweisbar ist: tuttscheln Mi 95. — '(ein)tauchen, (ein)tunken': nimm brodt; recht so! ttsche es in wein Prätorius anthropod. plutonic. (1666) 1, 159;

hättestu nicht zu tieff in das bier getütscht,
so hätte dich die mutter nicht mit der ruthe geklitscht
Chr. Weise erznarren 173 ndr.;

substantiviert: (tütsche heiszet) dasjenige, was man an statt des sallats in einem absonderlichen commentlein zum kalten oder warmen gebratens zum tütschen und eintuncken auffzusetzen pfleget ... als z. e. kirsch-tütsche, kirsch-eszig u. dg. m. Amaranthes frauenzimmer-lex. (1715) 2053; s. auch bei Kindleben stud.-lex. (1781) 195 s. v. tütschen sowie die belege bei Müller-Fraureuth obers. 1, 223 s. v. titschen.
 
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tütscheschüsselein, n., vereinzelt lexikalisch bezeugt (s.tütsche): ttsche-schsselein scudellina da intingolo Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 686a.
 
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tutschfrau, f., scherzhafte bezeichnung für eine frau, die bei kindtaufen, hochzeiten u. dgl. die küche besorgt (s. DWB tütsche, -n, -mutter, sowie bei Ludin Adam Siber, diss. Freiburg 1898, 14); vereinzelt im frühen nhd.: pronuba, προμνήστρια tutschfraw A. Siber gemma (1588) 246.
 
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tütschnepfe, f., totanus calidris Bechst. Naumann naturgesch. d. vögel 8 (1836) 95; Brehm tierl. 6, 29 P.-L.; vgl. 2tüte, tüter u. tütvogel.
 
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tutstein, m., aus mndl. toutsteen, toetsteen (s. Verwijs-Verdam 8, 489), das seinerseits (wie engl. touchstone, s. Murray 10, 1, 187) auf afrz. touchepierre zurückgeht (s. E. Öhmann d. mhd. lehnprägung nach afrz. vorbild, annales academiae scientiarum Fennicae B 68, 3 [Helsinki 1951] 26); vereinzelt im frühen nhd. als bezeichnung dunklen (den als 'prüfstein' für edelmetalle verwendeten quarz- u. jaspisartens. Murray a. a. o.ähnlichen) gesteins: alhier hnget das erst gemelte gedicht ... in schwartzen tutstein beraus knstlich mit gldenen buchstaben geschrieben Phil. v. Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 261; ja beide, so wohl das schlos, als das gtzenhaus, hatte man nicht allein mit feinem golde, vol knstlichen bildwerckes gedeckt, sondern mit groszen tutsteinen und jaspis aufgefhret Dapper, America (1673) 370a; tafel von tutstein mit perlenmutter beraus knstlich ausgeleget mensa epularis ex Lydio lapide cochleis margaritiferis distincto ac coronata arte Besold thes. (1697) 2, 421a.
 
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tutsteinern, adj., aus tutstein (s. dort): unter andern seinen kunst-stkken, siehet man itzund in seinem hause eine schwartze tutsteinerne tafel Phil. v. Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 362.
 
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tüttchen, n., 'kleine silbermünze'; nebenform zu dütchen (s. teil 2, sp. 1767 sowie Edw. Schröder in: nd. jb. 33 [1907] 109): tetróbolum ein tttgen oder 2 gr(oschen) Zehner nomencl. (1645) 314.
 
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tutte, f. , (vereinzelt auch m. und n., s. u.); papilla, mamma; über formen mit anl. lenis bes. im frühnhd. s. teil 2, sp. 1768 s. v. dutte. ahd. tutto (m.) mamilla (10. jh.) ahd. gl. 3, 19, 4 St.-S.; tutta, tuta mamma (12. jh.) ebda 4, 216, 23; tuddi mamma, maxilla (12. jh.) ebda 3, 280; mhd., frühnhd. tutte, tute, tütte mhd. wb. 3, 154; Lexer 2, 1591; daneben noch vereinzelt tutti voc. opt. 12a Wackernagel. mit eindringen des n der sw. flexion in den nom.: tutten Maaler teutsch spraach (1561) 412a; gelegentlich auch in

[Bd. 22, Sp. 1947]


der kurzform tutt Pincianus voc. rer. (1521); als masc. im cgm. 729, 137a bei Lexer a. a. o.in heutiger mundart besonders obd. nachweisbar, meist mit anlautender lenis: dütte Mensing schlesw.-holst. 1, 951; Ziesemer pr. 2, 155 (daneben dutt m.); tutte Müller-Fraureuth obers. 1, 271; dutt, dott Kehrein Nassau 1, 121; dutte (neben dutten m.) Crecelius oberhess. 318; dutte, dud bad. wb. 1, 619; dutte (neben dütten m.) Martin-Lienhart elsäss. 2, 728; Fischer schwäb. 2, 519; tutte, dutte Birlinger Augsb. 129; dutten (auch m.) Schmeller bair. 1, 554; dutt'n, f. und m. Schöpf tirol. 97; dutte (auch m.) Unger-Khull steir. 181; tutte m. Lexer kärnt. 79; tutte Reiser sagen, gebräuche und sprichw. d. Allgäus 2, 742; dutte, tutti n. Stalder schweiz. id. 1, 333; tutta, totta Tobler appenzell. 142; duttln, tuttln Schranka Wien 42; Castelli Oesterr. u. d. Enns 118; daneben finden sich formen mit i als stammvokal (s. teil 2, sp. 1769 sowie teil 11, sp. 527 unter titte) und mit verschiebung des konsonantenstandes (s. unter zitze und tütze). — i- und u- (ü-, o-) formen gehören als ablautvarianten zu einem sog. elementarwort (lallwort) tata-, tta- (s. Walde-Pokorny 1, 704 u. Falk-Torp 1239 s. v. taate), das besonders im germ. mit gemination auftritt (über expressive konsonantenverdoppelung in lallworten s. auch Wissmann nomina postverbalia 1 [1932] 163 f. sowie in: zfda. 76 [1939] 4ff.). sie finden jedoch (von zitze abgesehen) keinen eingang in die nhd. schriftsprache und bleiben in neuerer zeit auf den mundartlichen und umgangssprachlichen bereich beschränkt.
1) brustwarze des menschen, papilla; bildlich bereits bei Notker: Bootes (eig. 'ochsentreiber', name eines sternbildes) habet stande dri sternen ..., dri habet er tueres in zilun stande. gagen dien tutton. und einen nideror sameso in sinemo scozen 1, 769 Piper. diese bedeutung wurde früh durch das diminutivum 1tüttel (s. dort) übernommen, sie findet sich noch vereinzelt für das nassauische, bad., schwäb., elsäss. u. schweiz. bezeugt.
2) für die weibliche brust, mutterbrust in ihrer gesamtheit, 'mamma': hanc Iunonis ubera memorabant. taz hiezen sie Iunonis tutten Notker 1, 712, 15 Piper;

(der vater spricht zu seiner tochter, die sich verheiraten soll:)
fud, ars vnd tutten hastu ie ganog fastnachtsp. 67, 20 Keller;

(Begine:)
sit dass mine tutten anfiengend hangen
wie ein lerer sack an einer stangen,
...
do gieng ich in das beginen hus,
min alter gwerb trg nüt me us
Niklaus Manuel 54 Bächtold;

thuttn vnd mundt ...
fud vnd ars ...
das soll als dein aign sein Sterzinger spiele 1, 138 Zingerle;

dutte, weiberbrust tetta, poccia, zinna, poppa, poppedine Hulsius dict. (1618) 1, 98a; so noch im pr., oberhess., bad., elsäss., schwäb., augsb., bair., steir. kärnt., tirol., schweiz. u. wien. (s. die entsprechenden wbb.); bildlich: der hauptmann hört an dieses worten, dasz er der scharpffen krieger, die über zwen tag nit mögen von der tutten bleyben, einer wer Kirchhof wendunmuth 1, 135 lit. ver.
3) zitze, euter: es hette (das meerwunder) ... zwen grosz tutten, ein braites mul ... und fürbas uncz unden an den buch giengent floszfedern zuo dem schwimmen geschikt Steinhöwel Äsop 348 Österley; ainem windtspill, das folle tutten gehabt, dieselben erschwartzt vnnd abgefallen (z. j. 1527) Sigm. v. Herberstein selbstbiogr. 277 Karajan in: fontes rer. Austriac. I 1; da ergriffe das arme kindtlein der lwin tutten vnnd empfande dass sie voller milch waren buch der liebe (1587) 5c; da die löwin des kindes saugen an ihren tutten empfand Simrock dt. volksb. 2 (1845) 271. so noch im schlesw.-holst., pr., obers., bad., elsäss., schwäb., augsburg., bair., steir., tirol., allgäu.-bildl.:

... ein tyger hat geseuget
mit seinen tutten dich (Tilly)
Dietr. v. d. Werder buszpsalmen (1632) c 3b.


4) in scherzhafter übertragung: pupus, varro ein tütte oder jungs kind ('säugling', vgl. schwed. tutta liten flicka,

[Bd. 22, Sp. 1948]


tutte liten gosse Hellquist 31250) Frisius dict. (1556) 1094a; hat er (landgraf Albrecht) seinem bruder, marggraff Ditterichen und desselben sohn Friderichen, zugenamet der tutte, ursach geben, das sie jhn enterbet P. Albinus meiszn. land- u. bergchron. (1589) 256. im schwäb., bair. u. wien. auch für das saugröhrglas, s. Fischer, Birlinger, Schmeil u. Castelli a. a. o. und vgl. elsäss. düttel kinderflasche. redensartlich: das hat kai dud un kai fud da ist gar nichts dahinter, das ist nichts wert bad. wb. 1, 619; ähnlich bei Fischer schwäb. 2, 519.
 
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tüttebeere, f., preiszelbeere, s. u. tütebeere.

 

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