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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tüter bis tütscheschüsselein (Bd. 22, Sp. 1943 bis 1946)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tüter, m., regenpfeifer, s. u. 2tüte.
 
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tuthorn, n. , zu tuten gebildet (s. dort u. vgl. blashorn); mnd. tut(e)horn Schiller-Lübben 4, 634; ndl. toet-, tuithoorn Dale 2, 1780. 1802; dän. tudehorn dansk ordboget 2, 459; zweideutig ist got. þuthaúrn 'trompete', da es als erstes glied ein substantivum wie an. þytr, mhd. duz enthalten kann; auf hd. sprachgebiet zuerst im md. des 15. jhs.: tythorn voc. rer. bei Diefenbach gl. 83b s. v. buccina; die umlautform findet sich bis ins 18. jh.: tütthorn corno da sonare Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164c; mit anl. lenis: düthorn Göthe I 37, 59 W. (s. auch unter duthorn u. düthörnchen teil 2, sp. 1768); vereinzelt tritt die diphthongierte form auf: deuthorn Stieler stammb. (1691) 775; teuthorn Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042; in der schriftsprache setzt sich jedoch die umlautlose form durch, die bereits im 17. jh. nachweisbar ist: cornu, buccina pastoris ... tuthorn Zehner nomencl. (1645) 15. mundartlich besonders im nd. u. md. verbreitet: tûthôrn Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 453; tuuthorn Schütze holst. 1, 274; Mensing schlesw -holst. 5, 194; brem. wb. 5, 135; tuuthoorn Böning Oldenburg 120; tuthurn Mi mecklenb.-vorpomm. 95; Müller Reuter-lex. 141; tuthörn Block Eilsdorf 99; tuthȫrn Frederking Hahlen b. Minden 147; tûthorn Liesenberg Stieger ma. 138; tûtehren Schambach Göttingen 237; tuthoren Flemes Kalenberg (nachtr.) 109; tüthoën Rovenhagen Aachen 149; tȳthər Münch ripuar.-fränk. 134; tuuthonn Leithäuser Barmen 162; tûthrn Woeste westfäl. 277; tüthorn, düthorn Spiess henneberg. 261; tut-, tüthorn Müller-Fraureuth obers. 1, 271; dûthorn, dîthorn Göpfert sächs. Erzgeb. 59; tûthuer luxemb. ma. 446; tüthorn Schmeller bair. 1, 634; im ostmd. vereinzelt auch mit dem bindevokal -e- (s. Henzen dt. wortbildg. [1947] 72): tutehorn Hauptmann s. u. 1.

[Bd. 22, Sp. 1944]



1) 'blashorn'; insbesondere für das horn des hirten u. des wächters:

(der nachtwächterkönig Knarrasper) setzt das tuthorn an den mund:
'ut, ut' bläst er, da heult sein hund,
...
und also geht's von stund' zu stund'
Brentano w. 314 Dohmke;

denn (wenn es in der stadt brennte) würde man ja ... schon die glocke und das tuthorn gehört haben W. Raabe Horacker (1876) 110; ist er nicht der alte (nachtwächter) Helmbrecht, der nachts zu meines seligen herrn vaters zeiten mit dem greulichen tutehorn winter und sommers bei regen, wind und mondschein die wache hatte? Gerhart Hauptmann Griselda (1909) 19; als blasinstrument für kinder: tuthorn, trompete, pommer und flöte, trommel und maultrommel und was der weihnachtsmann alles zu bescheren pflegt, bildete anfänglich sein (des knaben Händel) orchester Chrysander Händel (1858) 1, 15; von Bobrik see-wb. (1850) 699b auch als 'nebelhorn' bezeugt.
2) in verschiedener übertragener anwendung.
a) als pflanzenname für 'rübenkerbel' 'chaerophyllum bulbosum' im schlesw.-holst., s. Mensing 5, 194 ; offenbar wegen der hohlen stengel, die als pfeifen verwendet werden, dafür aufgekommen (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 912 u. 334).
b) als spöttische bezeichnung für einen einfältigen, beschränkten menschen: rech so'n ull tuuthorn Mensing a. a. o.; ähnlich von Müller-Fraureuth obers. 1, 271 bezeugt.
c) für eine art eierbrot (von der form eines tuthorns) bucht Schmeller a. a. o. die bezeichnung tüthörnlein.
 
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tutia, f., zinkoxyd, s. u. tutie.
 
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tutie, f., sublimiertes zinkoxyd, über frz. tutie auf arab. tūtijā' zurückgehend (s. Lokotsch etym. wb. d. europ. wörter orient. ursprungs [1927] 2120), das auch ins mnd. (tucian, tottige Lübben-Walther mnd. hwb. 413 u. 419) und engl. (tutty Murray 10, 1, 515) gedrungen ist: vil behelffen sich inn solchem anligen mit wol praeparierter oder zugerichter tutien vnd cobald Sebiz feldbau (1579) 74; tutie ist eine durch sublimiren der erze, welche blei und kupfer enthalten, entstandene masse Richter berg- u. hütten-lex. 2 (1805) 545; tutie (tutie grise — tutia), tutia veraltete benennung für graues (unreines) zinkoxyd Karmarsch-Heeren techn. wb. 9 (1888) 743. daneben schon früh in anschlusz an die mlat. form tutia, tucia: tucia tuttian voc. theut. (Nürnberg 1482) bei Diefenbach gl. 600c; tuthia Inda indische tutzia Fr. Epimetheus Pandora (1588) 267; tucia oder tutia weiszer nicht, tuty or tutty Ludwig dt.-engl. (1716) 2037; so noch bei Adelung 4 (1801) 726: die tūtia ...; die gemeinen hüttenleute sprechen ihn (den namen) tutzi aus.
 
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t(ü)tinshorn, m., 'blas-ins-horn', scherzhafte bezeichnung für den schäfer; vereinzelt im nd.: schlesw.-holst. tuut-int-horn Mensing 5, 192; vielgeliebter tütinshorn als nd. schäfergrusz bei Uhland schr. z. dichtg. u. sage 3 (1866) 202.
 
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tütlein, n., diminutivum zu 1tüte, s. u. 1tütchen.
 
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tütmoor, n., s. unter tütvogelmoor.
 
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tütsche, f. , nominalbildung zu tütschen (s. dort), die gegenüber synonymem tunke im sprachgebrauch nicht durchdringt und im wesentlichen auf md. maa. beschränkt bleibt (s. Anton Oberlausitz, stück 5, 8; Gerbet Vogtland 428; Müller-Fraureuth obers. 1, 223; Keller Thür. 46, sowie teil 11, 1, 1, sp. 526 s. v. titsche u. bei Schmeller bair. 1, 634, der die tütschen 'sauce' für Nürnberg bucht); in wörterbüchern des frühen nhd. finden sich vielfach noch nebeneinander: titsche oder tuncke, brühe oder suppe, das brodt darin zu tuncken une sauce, intinctus, embamma Duez dict. (1664) 517; tuncke, tütsche condimentum, intinctus, embamma Stieler stammb. (1691) 2263; tütsche, brühe oder tuncke a sauce, ragoo or kickshaw Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042; Adelung jedoch erklärt bereits:

[Bd. 22, Sp. 1945]


in den niedrigen sprecharten wird eine tunke titsche oder tütsche genannt 4 (1780) 1104.
1) 'alles dasjenige, was man an statt des sallats in einem absonderlichen commentlein (schüsselchen) zum kalten oder warmen gebratens zum tütschen und eintuncken auffzusetzen pfleget, ... als z. e. kirsch-tütsche' (Amaranthes frauenzimmer-lex. [1715] 2053; so noch im frauenzimmerlex. 2 [1773] 3673; s. DWB tunke 1): bey den braten werden in schüsselchen auffgesetzet die tütschen oder duncken, der salat vndt andere sachen appetit zu machen ... assaturis superadduntur in scutellis embammata (intinctus) acetaria et alia appetitus irritamenta Comenius janua (1644) 170; er mache sich eine brhe oder ttsche zu seinen [!] abend-essen Chr. Thomasius leben Socratis (1693) 69; der anfang im essen solle von ttschen und krutern, oder salat ... gemacht werden, worauf man alsdann das fleisch geniessen kann Hohberg georg. cur. aucta 3, 1 (1715) 113a.
2) 'diejenigen abgewürtzten, und mit allerhand sachen schmackbar angemachten brühen, so über das gekochte fleisch, oder gesottene fischwerck angerichtet werden' (Amaranthes a. a. o.): die köche gieszen über das verderbte eszen eine saure zwiebeltütsche her Chr. Weise überfl. ged. (1692) 2, 120. bildlich:

F.: er fällt warhafftig von der hütsche
('schemel', s. teil 4, 2, sp. 1580),
wo er das mädgen mehr begehrt.
B.: mein freund, er koste nur die tütsche
er ist des fleisches doch nicht werth (vgl. DWB brühe teil 2, sp. 424 [3] u. tunken I A 1 a γ letzter beleg) ebda 149 ndr.;

wer seine liebes-historien allzeit an die grosze glocke schriebe (laut damit prahlt), der fabulirte meistenteils einen groszen handel daher, und htte kaum die ttsche genossen ders., die drey klügsten leute (1675) 280; im sinne von 'mitgift': eine wittfrau lsset sich alle tage bey mir anbieten, und mich dnckt, die alte henne mag eine gute ttsche haben ebda 66.
3) vereinzelt auch als verächtliche bezeichnung für ein schlechtes getränk: für solche ttsche dank' ich Anton Oberlausitz 5, 8.
 
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t(ü)tsch(e)mutter, f., wie tutschfrau, s. dort u. vgl. DWB käsemutter teil 5. sp. 255; im älteren ostmd. mehrfach nachweisbar: nach langem nachsinnen erfuhr ich, die jungfer wrde auf eine hochzeit gehen, und ihre mutter wrde tutsche-mutter seyn Chr. Weise erznarren 171 ndr.;

so stellt sich bey dem (hochzeits-)feste
doch noch was neues stets von bittern sorgen ein:
...
itzt schmlet jung und magd, itzt sehn die ttsche-mtter,
und bald der musicant mehr als catonisch aus
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 6 (1709) 126 Neukirch;

tütsch-mütter heissen diejenigen weiber und guten bekandten von einer braut oder sechswöchnerin, so in die kuchen-kammer gestellet werden, um die geschenck-kuchen oder bey kindtauffen die pfannenkuchen darinnen auszutheilen, süsse kannen anzumachen und die gevattern mit bedienen zu helffen Amaranthes frauenzimmer-lex. (1715) 2053; so noch im allg. haushalt.-lex. (1749) 3, 557 u. im frauenzimmer-lex. 2 (1773) 3673; gelegentlich auch im sinne von 'ballmutter':

wann ein mädgen in der einsammkeit
stille sitzt und welcke rüben schneidt,
kommen bald die tütschemütter
und erwischen mit verdrusz
irgend einen armen ritter,
der die lücke büssen musz
Chr. Weise überfl. ged. 19 ndr.


 
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tütschen, vb., wohl zu tucken 'eintauchen' (s. teil 2, sp. 1492 [1 b]) gebildete intensivform (< * tuck-ezen; zur bildungsweise vgl. Winteler in: beitr. 14, 462 und Henzen dt. wortbildg. [1947] 230 ff., ferner das besonders ostmd. geläufige hütsche, hitsche, von Weigand-Hirt 1, 910 zu hocken gestellt; über intensivierendes, expressives tsch s. auch Wissmann in: zfda. 76 [1939] 8 und Lewy in:

[Bd. 22, Sp. 1946]


idg. forsch. 56 [1938] 36ff.); im wesentlichen auf das ostmd. beschränkt und vorwiegend in der entrundeten form titschen (s. teil 11, 1, 1, sp. 527, sowie unter austitschen teil 1, sp. 999 und eintütschen teil 3, sp. 332) bezeugt, auf die bereits Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042 s. v. tütschen als geläufigere form verweist. daneben findet sich vereinzelt dudšn Gerbet Vogtland 138 anm. 3 (s. ebda auch über die geogr. verteilung der umgelauteten und umlautlosen form im heutigen Vogtland), ferner die iterativbildung tutscheln, tütscheln Hertel Thür. 249; Keller Thür. 46 (neben tütschen), die auch im mecklenb.-vorpomm. nachweisbar ist: tuttscheln Mi 95. — '(ein)tauchen, (ein)tunken': nimm brodt; recht so! ttsche es in wein Prätorius anthropod. plutonic. (1666) 1, 159;

hättestu nicht zu tieff in das bier getütscht,
so hätte dich die mutter nicht mit der ruthe geklitscht
Chr. Weise erznarren 173 ndr.;

substantiviert: (tütsche heiszet) dasjenige, was man an statt des sallats in einem absonderlichen commentlein zum kalten oder warmen gebratens zum tütschen und eintuncken auffzusetzen pfleget ... als z. e. kirsch-tütsche, kirsch-eszig u. dg. m. Amaranthes frauenzimmer-lex. (1715) 2053; s. auch bei Kindleben stud.-lex. (1781) 195 s. v. tütschen sowie die belege bei Müller-Fraureuth obers. 1, 223 s. v. titschen.
 
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tütscheschüsselein, n., vereinzelt lexikalisch bezeugt (s.tütsche): ttsche-schsselein scudellina da intingolo Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 686a.

 

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