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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tütendrehen bis tuter (Bd. 22, Sp. 1942 bis 1943)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tütendrehen, n., substantivierte zusammenrückung (s. u. 1tüte 1 b): wie hätte ich (als apotheker) leben und alle miserabilität des tütendrehens und tütenklebens ... ertragen können, wenn ich nicht die passion gehabt hätte, terzinen zu machen Fontane ges. w. (1920) II 5, 308; meine amtliche tätigkeit hingegen bestand fürs erste nur in tütendrehen Sudermann bilderb. m. jugend (1922) 125.
 
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tütendreher, m., kaufmann; schlesw.-holst. tutendreiher Mensing 5, 186; ostfries. t(ü)tendreiher Doornkaat-Koolman 3, 453; tutendraěr Frederking Hahlen b. Minden 147 (s. auch unter tütchendreher sowie teil 2, 1768 s. v. düttchendreher u. vgl. obers. dutenpapper Müller-Fraureuth 1, 270); verächtliche bezeichnung für 'kaufmann': braut sollst du werden, ehe der verfluchte tütendreher mir die hypothek aufkündigt Holtei erz. schr. 10 (1862) 134; und doch ist er (Ralph Goshawk) nichts als ein windiger tütendreher, der nichts anderes zu schaffen hat, als syrup einschenken und für einen pfennig neunerlei gewürz [sic!] W. Alexis Robert Folkestone Williams, Shakespeare u. s. freunde (1839) 2, 65; in der handelsschule einer provinzstadt ... sollte der übermensch von nun an für junge tütendreher wörter deklinieren und verszeilen der alten schmöker an den fingern skandieren Rosegger schr. (1895) III 9, 353; halten sie (anrede an den buchhändler) mich denn für eine alte tante, für einen dütendreher (der makulatur braucht) ...? D. v. Liliencron s. w. 4 (1900) 35.
 
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tütenform, f., trichterform (vgl. tütenförmig): um einen trichter herzustellen, wurde ein palmenblatt in tütenform gerollt Ratzel völkerkde. (1885) 2, 581.
 
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t(ü)tenförmig, adj., adv., 'horn- bzw. trichterförmig' (s. 1tüte 1 b u. vgl. tütenform); vereinzelt bereits bei Hulsius-Ravellus: duttenförmig ... qui a la façon d'un corner de papier (1616) 90a; dann besonders in botan. fachsprache: zusammengerollt, tutenförmig, conuolutum, wenn der rand des einen seitentheils um den andern seitentheil schneckenförmig sich rollt Illiger thier- u. pflanzenreich (1800) 22, ähnlich bei Bischoff wb. d. beschr. bot. (1839) 46; die regen- oder tautropfen (sammeln sich) auf den jungen, tutenförmig zusammengelegten blättern Fechner erkl. volksth. pflanzenn. (1871) 22; ein theil der ... rhizomäste verlängert sich ... zu ... fertilen trieben, deren weissliche ... scheiden stark tutenförmig aufgeblasen sind Schlechtendal flora v. Deutschland (1880) 1, 137; vereinzelt auch sonst: zu den horngebilden der oberhaut zählen auszerdem die nägel der finger und zehen sowie andere horn-, stachel- oder tütenförmige anhänge Brehm tierl. 7, 4 P.-L.
 
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tütenkleber, m., bezeichnung für einen im allg. mit tütenkleben beschäftigten gefangenen (s. unter 1tüte 1 b α): es gibt hier (im jugendgefängnis) keine tütenkleber Berliner zeitungen a. d. j. 1951.
 
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tutenkolbe, f., thyrsus, typha; s. DWB duttenkolbe, DWB deutelkolbe teil 2, sp. 1038 u. 1772 u. vgl. schweiz. tuten-, duten-cholben schweiz. id. 3, 228.

[Bd. 22, Sp. 1943]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tütenkrämer, m., schlesw.-holst. tutenkramer Mensing 5, 186; verächtlich für 'kaufmann' (s. u. tütchenkrämer):

wagt's und versucht's! sei's pfarrer, sei's barbier,
schulmeister, küster oder dütenkrämer:
der erste, der 'nen schritt nach oben wagt,
musz, wie ein sack mit sand, zur tiefe kollern
Gerhart Hauptmann versunkene glocke (1897) 158.


 
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tutenmergel, m., 'spitze, quergerunzelte kegel mergeligen kalksteins, die aus vielen tutenförmig ineinandergesteckten schalen bestehen und in groszer anzahl ... mächtige platten bilden' (Brockhaus 13 [1932]) 147 s. v. nagelkalk): tutenstein ... auch ... tutenmergel genannt Mothes ill. baulex. 4 (1884) 385; ebda findet sich auch die bezeichnung tutenkalk u. (ebda 2 [1882] 191) -schiefer.
 
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t(ü)tenpapier, n., schlesw.-holst. tutenpapier Mensing 5, 186; luxemb. tûtepobeier luxemb. ma. 446; frankf. duttebabbier Askenasy 207; Diefenbach-Wülcker bucht für Frankfurt bereits einen hs. beleg von 1550: dottenbapier hoch- u. nd. wb. 383. — 'grobes, zum tütendrehen bestimmtes papier': wenn auch das aufspüren (des echten lateinischen ausdrucks) mühsam war, weil mein altes aus tutenpapier gerettetes wörterbuch einen unbrauchbaren deutschlateinischen anzeiger hatte Voss antisymb. 2 (1826) 187; zur tüte verarbeitetes papier: Hänschen drückte an der tüte, und pink — pink — fielen ein paar korinthen aus dem gelben rahm auf das tütenpapier E. v. Wildenbruch kindertränen (1905) 109.
 
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tutenschnecke, f., conus, s. DWB duttenschnecke teil 2, sp. 1772.
 
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tuter, m., nomen agentis zu tuten, s. dort, sowie teil 2, sp. 1768 s. v. duter u. vgl. ndl. toeter, tuiter, engl. tooter; vereinzelt mundartlich nachweisbar: de tuter (nachtwächter) kumd, 't word tîd to bedde Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 453; ebenso bei Mensing schlesw.-holst. 5, 186; im mecklenburg. findet sich tüter für 'trompeter, signalbläser' Imme soldatenspr. 43; vgl. auch blechtuter surnom du clairon René Delcourt expressions d'argot allemand et autrichien (1917) 91b und s. u. 1tüte 3.

 

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