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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tütel bis tütendreher (Bd. 22, Sp. 1937 bis 1942)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tütel, m., 'ausguszröhre' (zu 1tüte 1 a β); vereinzelt aus dem nordwestdt. sprachgebiet bezeugt (vgl. waldeck. toütele, f., 'dille einer kanne' Bauer-Collitz 105): das ist wohl wahr, sagt er, indem er ... die tasse unter den tütel (der kaffeekanne) hält Sohnrey im grünen klee (1905) 91; ebda 88 auch: während groszmutter die kaffeemühle dreht, ... kommt auch schon ... der dampf aus dem kleinen kesseltütel.
 
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tutelei, m., als tanzname im 16. jh. belegt (s. Trübner dt. wb. 2, 98 s. v. dudeln, sowie Böhme gesch. d. tanzes [1886] 35):

[Bd. 22, Sp. 1938]


sich, sich? wie ist der narr so voll!
sprich hr! was kanst? du trunckner troll!
....
den dutteley ... (1533) schweiz. spiele d. 16. jhs. 1, 150 Bächtold;

züch vsz dim sack, wie du wol weiszst,
das gygly, so ich drinn hab gsen!
dir wirt ein batzen oder zwen!
...
ich wil üch machen mancherley,
was wend jr han, den tuteley? (1548)
H. R. Manuel weinspiel 864 ndr.;

ähnlich bei Fischart Gargantua (fassung v. 1582) 149 ndr.
 
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tütelgeld, n., s. u. DWB tüttelgeld.
 
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tuteln, tüteln, vb., saugen, nebenform von dutteln (s. teil 2, sp. 1771 u. vgl. kärnt. tutt.ln an der brust saugen Lexer kärnt. 80 sowie die lautverschobene form zuzeln teil 16, sp. 920): das kälbchen tütelte Rosegger schr. I 6 (1902) 19.
 
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tutelüren, tütteli(e)ren, vb., lautmalend für das zwitschernde musizieren der vögel (zur bildung s. Wackernagel voces variae anim. [1869] 73 u. 80 und vgl. tirelieren teil 11, 1, 1, sp. 505):

wer messet ihn (den vögeln) den athem zu,
dasz mgenn vollenfhren
den gantzen tag fast ohne ruh
so frewdigs tute-lren?
Spee trutznachtigall (1649) 119;

ähnlich:

wer bläs't euch doch den athem zu,
dasz kunstlos ihr vollführen
den ganzen tag mögt ohne ruh
so frohes tütteliren?
J. H. v. Wessenberg s. dicht. 2 (1834) 307.


 
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tütemann, m., mundartlich für 'nachtwächter' bezeugt; s. Rovenhagen Aachen 149 u. Hertel Thür. 249 (vgl. DWB tüt spitzname des ehemaligen mit horn oder pfeife versehenen nachtwächters Albrecht Leipzig 225); tutemann neben tutemeier u. tutemich wird von Müller-Fraureuth obers. 1, 271 auch als bezeichnung für 'branntwein, schnaps' bezeugt (vgl. DWB tuten trinken A 1 c).
 
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tuten, vb. , einen tut-ähnlichen klang hervorbringen; onomatopoetische bildung des ndl.-nd. raumes, wohl ohne unmittelbaren zusammenhang mit weiteren idg. parallelen (s. Walde-Pokorny 1, 745; journal of engl. and germ. phil. 31, 422; Hirt etym. d. nhd. spr. 55 und über die art der wortbildung bei Wackernagel voces variae animantium 79 u. Wilmanns dt. gr. 2, 23), vgl. jedoch aisl. tauta, tutla murren.mndl. toeten, tuten, tuyten Verwijs-Verdam 8, 486 u. 781; mnd. tuten Schiller-Lübben 4, 634; von da ins engl. (to toot, erstbeleg 1510 Murray 10, 1, 138) und in die nord. sprachen (dän. tude, schwed. tuta) gedrungen, wo es mit einer bildung älteren typus zusammentraf (ags. þūtan neben þēotan heulen, widerhallen, lärmen; aisl. þjōta heulen, einen starken ton geben; ahd. diozan laut tönen, vgl. auch got. þuthaúrn trompete, s. Falk-Torp 1296, Hellquist 31249 u. Walde-Pokorny a. a. o.). auf hd. sprachgebiet zuerst im md. des 14. jhs. nachweisbar: tuten Diefenbach gl. 152b s. v. cornutare; tûtin md. schachbuch (s. u. DWB A 1 b α); daneben findet sich früh die umgelautete form (bereits bei Frauenlob in der komposition ertiuten, s. u. DWB B 1; s. auch V. Moser frühnhd. gr. 1, 3 [1951] 205): tüten fastnachtsp. (15. jh., s. u. A 1 b β); mit anlautender lenis; dytten (15. jh., md.) Diefenbach a. a. o. (s. auch unter duten teil 2, sp. 1767); vereinzelt mit nhd. diphthongierung: teuten Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042 (s. teil 11, 1, 1, sp. 294). — mundartlich weit verbreitet: tûte Jensen nordfries. 649; Schmidt-Petersen nordfries. 143; tûten Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 453; tūtə Siebs Helgoland 297; tuten, tüten Mensing schlesw.-holst. 5, 192 u. 210; Schütze holst. 1, 274; tuutn Teuchert neumärk. 243; tuten Mi mecklenb.-vorpomm. 95; Müller Reuter-lex. 141; Meyer d. richtige Berliner (1904) 121; Krüger plattdt. (Emden) 70; Köppen plattdt. (Dortmund) 61; Block Eilsdorf 99; Frederking Hahlen b. Minden 33; Schambach Göttingen 237; Bauer-Collitz waldeck. 105; Böger Schwalenberg

[Bd. 22, Sp. 1939]


166; tûten Liesenberg Stieger ma. 138; tuten, tiuten Deiter Hastenbeck (nachtr.) 65; tuten, tüten Waldbrühl rhingscher klaaf 214; Leithäuser Barmer ma. 162; Elberfelder ma. 167; Schmidt Westerwald 273; töte, tüte Rovenhagen Aachen 146 u. 149; tüüte Hönig Köln 184; tȳtə Münch ripuar.-fränk. 81; düt Regel Ruhla 181; tüten Strodtmann Osnabrück 254; tûten, tüten Woeste westfäl. 277; Reinwald henneb. 23; Spiess henneb. 261; tūde Schön Saarbrücken 214; tûten luxemb. ma. 446; bad. wb. 1, 619; Follmann lothr. 115; Jecht Mansfeld 115; Hertel Thür. 249; Albrecht Leipzig 226; tuten, tüten Müller-Fraureuth obers. 1, 271; dûtn, dîtn (mit entrundung des ü) Göpfert sächs. Erzgeb. 59; Gerbet Vogtland 428; titn, tita Jungandreas schl. zeitwb. 95; tittn Knothe Markendorf 116; titten, tëtta Knothe Nordböhmen 178; tutten Schröer beitr. z. dt. ma. d. ungr. bergl. 48; tūkn (mit dissimilation des 2. dentals) Tschinkel Gottschee 318; tuten, tüten Fischer schwäb. 2, 518; Kuen oberschwäb. 13; tüten Schmeller bair. 1, 634. gelegentlich mit l-suffix (von dudeln beeinfluszt): tüteln Mensing a. a. o. 209; tutle Meisinger Rappenau 218; tuteln Hertel a. a. o.; und mit iterativem r (vgl. ndl. toeteren): tütern Doornkaat-Koolman a. a. o.; tütern Mensing a. a. o. 212; tutn Lumtzer Leibitz (Zips), beitr. 19, 309; tütern Schröer darst. d. dt. maa. d. ungr. bergl. 240; völlig vereinzelt steht die schles. bildung mit dem lehnsuffix -ieren tüterieren Jungandreas a. a. o.
A. einen tut-ähnlichen klang hervorbringen.
1) auf einem horn oder anderen blasinstrument.
a) absolut: buccinus wan de herde ttet lat.-nd. wb. (1417) bei Diefenbach nov. gl. 61 s. v. buccina;

itzt thütt ick (der hirte) tu dem ersten mahll,
det klingen muten berch unde thall comedien v. d. geburt Christi (1589) 29 Bolte;

liest jhr nicht nsa Hansz Wurst ttta?
Stapelius newe tragico-comoedia (1630) C 8 a;

längst auch zirpte die schwalb', und der sauhirt tutet im dorf um
Voss ged. (1802) 1, 107;

ich lasz dir mein jagdhorn zurück, du kannst
mit tuten, wenn ich entfernt,
die zeit vertreiben
Heine s. w. 2, 205 Elster;

es ruhn die ochsen und die stuten,
und nur der wächter musz noch tuten,
weil ihn sein amt dazu verpflichtet
Wilh. Busch Balduin Bählamm in: humorist. hausschatz (1910) 239;

um drei uhr im morgenschlummer führten trommler und hornisten das wecken (der einwohner des ortes zum schützenfest) aus und wirbelten und tuteten eine stunde qu. a. d. j. 1927; badewärter, die immer tuten muszten, wenn sich jemand zu weit in die offene see hinauswagte M. Hausmann Abel (1932) 132.
b) mit verdeutlichenden ergänzungen verschiedener art.
α) in ein, auf einem horn tuten (vgl. tutinshorn):

Joab der wart den lutin
mit dem horne tutin (14. jh.) mitteldt. schachbuch 236 Sievers in: zfda. 17;

da musz man in ein hornlein tutten fastnachtsp. 1, 357 Keller;

und wenn der (prophezeite kaiser) werd in's horn düte, do wären alle jüdlich ... gegange komme an's grose grause rothe meer Göthe I 37, 59 W.; hat der Remmer erst einmal seine schaar zum angriff geordnet, so hebt er euch ein gräszliches tuten auf seinem horn an Fouqué altsächs. bildersaal 2 (1818) 430; da geht unter dem fenster der nachtwächter vorüber, tutet dreimal auf dem horne und singt ein altes lied Sperl fahrt n. d. alten urk. (1909) 199; vereinzelt auch sonst mit präpositionaler ergänzung:

und der onkel tutet durch den pappcylinder
D. v. Liliencron s. w. (1896) 9, 68.


β) ein blasinstrument mit tut-ähnlichem klang ertönen lassen; nur vereinzelt bezeugt (vgl. engl. to toot a horn):

ee einer tüten mocht ein horn,
hett ich sie baide sant verlorn fastnachtsp. 544 Keller;

[Bd. 22, Sp. 1940]


da liesz man es ausz rufen da
einen herold zu allen zelten und hutten:
wenn man morgens die pusaunen wurd tutten,
so solt sich iderman bereiten volkslieder 61, 98 Liliencron.


γ) etwas durch blasen verkünden:

schon hœrt ich hinter mir
den wächter zwölf in unserm dörfchen tuten qu. v. j. 1802 bei
Wackernagel voces variae animant. (1869) 79;

der Diktes (nachtwächter) hat schon zehne getüt Ludwig ges. schr. (1891) 2, 39;

un wann de wächter eine tütt,
wie wiettet, wat uns dat bedütt bei
Bauer-Collitz waldeck. 191;

de nachtwæchter tûte (st. tûtede) eine Schambach Göttingen a. a. o.
δ) jem. durch blasen ein zeichen geben bzw. ihn dadurch herbeirufen (vgl. auch unter α): wenn wir nicht glocken hetten, so solte man ja mit posaunen und pfeiffen ... oder aber mit khehrnern, damit der hirte dem viehe dtet unnd deutet, zum auszgang an die weide, ... auffmunterung zum gebet geben W. Bütner epitome historiarum (1596) 62a; leiht mir euer horn; ich musz (wie Roland im tal von Ronceval) meine freunde zu hülfe tuten A. Widmann dram. w. 2 (1858) 106; in aller frühe lief der hirt mit stab und horn durch die gassen der vorstadt, tutete das vieh aus den ställen auf die weide und trieb es abends wieder heim Kuszmaul jugenderinn. (1899) 63; sie (die zurückgeschlagenen gegner) tuten sich wieder zusammen qu. a. d. j. 1923.
c) metaphorisch in verschiedener an a und b anknüpfender anwendung: über beykommende Heidloffische rechnung schreit hofkammerrath Kirms zeter mordio ... freylich ist denen, welche für die casse zu sorgen haben, nicht übelzunehmen, wenn sie in diesem falle, als die wächter zions, gewaltig tuten (27. 9. 1807) Göthe IV 19, 416 W.;

du (Dingelstedt) hast die nacht hindurch so brav
geblasen, jetzt hängst du das horn an den nagel:
mag tuten wer will für den deutschen janhagel!
...
der beste nachtwächter wird endlich stumm,
es ahndet nicht so ein junger maulheld,
warum der mensch am end' das maul hält
Heine s. w. 1, 315 Elster.

als redensart findet sich weder tuten noch blasen können 'sich auf gar nichts verstehen, völlig unfähig sein': er kan weder thtten noch blasen Eyering proverb. (1601) 2, 385; he kann ni tuten un blasen Storm bei Mensing schlesw.-holst. 5, 192; ähnlich: he weet vam tten so velle, asze vom blasen er weisz von einem so viel, als vom andern Strodtmann Osnabrück 254; he weet van geen tuten of blasen Kern-Willms Ostfriesl. 120; däi wäit nich van tuten un blaosen Frederking Hahlen b. Minden 147; vun tûten a blôsen neischt kennen luxemb. ma. 446. auch sonst in einer reihe fester wendungen nachweisbar: da helpt keen tten oder blasen es hilft kein gegenreden, kein gegenblasen Schütze holst. 4, 291; wrte bis Mechel (der nachtwächter) titt unendlich lange, vergebens warten Rother schl. sprichw. u. redensarten 10; ähnlich: aufbleiben, bis Michel (der nachtwächter) tut't sehr lange aufbleiben; schlafen bis Michel (der gemeindehirt) tut't früh aufstehen Müller-Fraureuth a. a. o.; in dasselbe horn tuten die gleiche meinung vertreten, dieselbe partei ergreifen: aus Lassalles brief siehst du, dasz er ... in dasselbe horn mit Vogt tutete (1859) K. Marx an Fr. Engels, briefw. 2, 363 Bebel-Bernstein; so auch mundartlich nachweisbar: en se ho'n tüte übereinstimmen Rovenhagen Aachen 149; in ein huorn toūten dasselbe wollen, zusammenhalten Bauer-Collitz waldeck. 49b s. v. huorn; in dasselbe horn tuten mit jem. übereinstimmen Müller-Fraureuth a. a. o.; 'in gleicher, auf denselben ton abgestimmter weise dichten':

die simpeldichter hör ich ewig flennen,
sie tuten alle in dasselbe horn
und nie packt sie der dreimal heil'ge zorn,
weil sie das elend nur aus büchern kennen
Arno Holz in: moderne dichtercharaktere (1885) 150 Arent- C.-H.

[Bd. 22, Sp. 1941]



in nord- u. md. maa. findet sich tuten auch im sinne von 'trinken': enen tuten 'einen trinken' u. sik en antuten 'sich einen antrinken' Mensing schlesw.-holst. 5, 192 u. 1, 147 (vgl. DWB he hett sik en blaast 'sich einen angepfiffen, betrunken' ebda 1, 374); de versteiht tau tuten Mi mecklenb.-vorpomm. 95; ähnlich aus Berlin, Köln, Saarbrücken, Luxemb. u. Lothr. bezeugt (s. Meyer, Hönig, Schön, Follmann u. luxemb. ma. a. a. o.), wobei wohl dutten 'an der brust trinken' (s. teil 2, sp. 1771) mit hineinspielt; aber auch das schwed. tuta und engl. to toot haben eine ähnliche bedeutung angenommen (s. Murray 10, 1, 139).
2) mit menschlichem bzw. tierischem stimmorgan: frösche, welche ... quakten und tuhteten Hermes manch hermäon (1788) 2, 139;

und schon in der summenden menge
hell mit feinem getön stoszweise die (bienen-) königin tutet
Mörike ges. schr. 1 (1905) 254 Göschen;

der bienenweisel tütet im stock Hertel Thür. a. a. o. (ebenso im schlesw.-holst. und mecklenburg., s. Mensing a. a. o. u. Wossidlo mecklenb. volksüberlief. 2, 1 [1899] 44; s. auch teil 2, sp. 1767 s. v. duten [2]); de sg tüt na'n ewer Mensing a. a. o.; Wossidlo a. a. o. 2, 1, 43 bucht tuten auch als bezeichnung für das brüllen des rindes. im sinne von 'heulen': d' wöllef tûten luxemb. ma. 446; Follmann lothr. 115; (wegen ihres heulenden gesanges) nannte man sie (eine nonne) Tut-Ursel. noch ärger wurde es nach ihrem tode, denn von elf uhr abends steckte sie den kopf durch ein loch des kirchthurms und tutete kläglich Grimm dt. sagen (1891) 1, 206; auch für 'laut weinen' gebraucht: jung, laat dien tuten na Mensing a. a. o.; ebenso für Elberfeld, das gött., henneb., luxemb., obers. u. ungar.-dt. bezeugt, s. wb. d. Elberfelder ma., Schambach, Spiess, luxemb. ma., Müller-Fraureuth u. Schröer a. a. o.; in fester wendung: thütt a och nich a su schimpft nicht Gryphius bei Rother schl. sprichw. u. redensarten (1928) 349; einem etwas in die ohren tütten cornare, buccinare qualche cosa nell' orecchie ad uno Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164c (so bereits mndl.: tuyten in de oore dicere in aurem, insusurrare in aurem Verwijs-Verdam a. a. o.); he tuut mi de ohren vull kommt immer wieder mit seinem anliegen Mensing a. a. o. (ebda auch: he mutt ümmer allens ut-tuten ausposaunen); engem (einem) de kapp (kopf) voll tûten luxemb. ma. 446; das tüten überhören sitzen (unverheiratet) bleiben: sie hat das tüten überhört G. Arnold d. Nürnberger u. s. dial. in: alb. d. lit. ver. i. Nürnb. (1851) 181.
B. mit tut-ähnlichem klang ertönen, erschallen.
1) von blasinstrumenten und signalgeräten ähnlicher art; diese bedeutung findet sich vereinzelt bereits in der mhd. komposition ertiuten:

der marcgrâf dâ von Brandenburc
liez wol sîn horn ertiuten
Frauenlob 137, 12 Ettmüller;

ich meint, ich hört meines vaters hörnchen tüten br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 213;

ich hörte das tuten
der hörner im thal,
sie zogen zur wahl
Brentano ges. schr. (1852) 6, 319;

gegen abend tutete die fabriksirene qu. v. j. 1936; überflüssiger dampf (zischte) aus tutenden schiffsschornsteinen E. Langgässer unauslöschl. siegel (1946) 69. dann auch von den schiffen bzw. dem auto selbst: drauszen wälzt sich der strom vorüber, er trägt viele schiffe, diese schiffe rufen und tuten und brüllen qu. v. j. 1936; das tutende, stinkende automobil hatte hier glücklicherweise noch nicht seinen einzug gehalten Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas 2216; Lenore lag noch zu bett, als sie Klemms auto tuten hörte A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 90. gelegentlich vom telephon: hin und wieder tutete der apparat qu. v. j. 1938.
2) vereinzelt auch von den ohren (bereits mndl., s. Verwijs-Verdam a. a. o.): die ohren ttten mir le orecchie mi cornano, trombano, zuffolano Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164c.

[Bd. 22, Sp. 1942]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tutenartig, adverbialbildung zu 1tute 1, vereinzelt in neuerer fachsprache: dieser rand ist überdies tutenartig etwas zusammengedreht, hängt nicht mehr mit dem spiralblatt zusammen Sömmerring bau d. menschl. körpers (1839) 5, 865; ein loth des ... guanos wird in ein tütenartig zusammengelegtes ... löschpapier ... geschüttet Stoeckhardt chem. feldpr. f. dt. landw. (1851) 1, 167; am grunde hat er (multebeerenstengel) ... fast tutenartig verwachsene schuppen Schlechtendal flora v. Deutschland (1880) 25, 183.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tutenblaser, m., mundartlich für 'hornist' (vgl. tûtebleiser luxemb. ma. 446): unter den musikanten waren zwei tuttenblaser und zwei trommler Rosegger schr. (1895) III 6, 133.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tütendrehen, n., substantivierte zusammenrückung (s. u. 1tüte 1 b): wie hätte ich (als apotheker) leben und alle miserabilität des tütendrehens und tütenklebens ... ertragen können, wenn ich nicht die passion gehabt hätte, terzinen zu machen Fontane ges. w. (1920) II 5, 308; meine amtliche tätigkeit hingegen bestand fürs erste nur in tütendrehen Sudermann bilderb. m. jugend (1922) 125.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tütendreher, m., kaufmann; schlesw.-holst. tutendreiher Mensing 5, 186; ostfries. t(ü)tendreiher Doornkaat-Koolman 3, 453; tutendraěr Frederking Hahlen b. Minden 147 (s. auch unter tütchendreher sowie teil 2, 1768 s. v. düttchendreher u. vgl. obers. dutenpapper Müller-Fraureuth 1, 270); verächtliche bezeichnung für 'kaufmann': braut sollst du werden, ehe der verfluchte tütendreher mir die hypothek aufkündigt Holtei erz. schr. 10 (1862) 134; und doch ist er (Ralph Goshawk) nichts als ein windiger tütendreher, der nichts anderes zu schaffen hat, als syrup einschenken und für einen pfennig neunerlei gewürz [sic!] W. Alexis Robert Folkestone Williams, Shakespeare u. s. freunde (1839) 2, 65; in der handelsschule einer provinzstadt ... sollte der übermensch von nun an für junge tütendreher wörter deklinieren und verszeilen der alten schmöker an den fingern skandieren Rosegger schr. (1895) III 9, 353; halten sie (anrede an den buchhändler) mich denn für eine alte tante, für einen dütendreher (der makulatur braucht) ...? D. v. Liliencron s. w. 4 (1900) 35.

 

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