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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tüstern bis tütel (Bd. 22, Sp. 1932 bis 1937)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tüstern, vb., flüstern, s. unter DWB tuscheln.
 
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tüszlicht, adj., 'schwindlig', vereinzelt statt des üblicheren duselig, dus(e)licht (s. teil 2, sp. 1758 u. vgl. tüselig, tusselig duselig, verwirrt Rovenhagen Aachen 149): dasz sie (die kühe) gar tüszlicht im kopfe werden viehbüchlein 44.
 
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tütchen, n. , diminutivum zu 1tüte (s. dort), seit dem frühen nhd. in mannigfacher gestalt nachweisbar: teutichen Wittich (1555, s. u. 1 u. zur suffixgestalt Henzen dt. wortbildg. [1947] 148); tütichen Francisci (1668, s. u. 2); dütchen Arist schilderungen (1764) 117 (s. auch teil 2, sp. 1768 s. v. dütchen); tütchen Gottsched (s. u. 1). mundartlich besonders im nd. u. md. verbreitet: tûtje Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 454; tütjen Richey id. Hamburg. 318; Mensing schles. w.-holst. 5, 211; tûdche, tûdke Frischbier pr. 2, 415; toṻte ken Bauer-Collitz waldeck. 105; düt-, ditt-, deitchen (entrundung von deutchen) Müller-Fraureuth obers. 1, 270 (vgl. die ins obersorb. entlehnte form titka Bielfeldt d. dt. lehnw. i. obersorb. [1933] 272); töttche Schmidt Westerwald 259; im südwestdt. vereinzelt tütlein: düdle (neben düttche) bad. wb. 1, 619; titl, tetl Martin-Lienhart elsäss. 2, 727.
1) zu 1tüte 1 b: wenn gleich die h. schrifft sonst nirgendts zu dienet, so ist sie doch darzu gutt, das man aus den blettern, darauff sie geschrieben ist, teutichen mache, und pfeffer oder ander wrtze darein thue H. Wittich kurtze u. gründtliche widderlegung (1555) J 5a; er trat zum Amilek und gab ihm ein kleines tütchen in: d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 4 (1754) 289 Gottsched; in einem tütchen (skarnitzel, s. teil 10, 1, sp. 1307) Muspratt chemie 4 (1893) 1407; Marie kaufte ein tütchen samen A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 68. Gerhard bezeugt für die Siegerländer bergmannssprache tütchen 'lohntüte' 169, s. auch unter 1tüte 1 b α.
2) zu 1tüte 1 a: weiln aber eine art des unziefers ... diesem gewchse sehr gefehr ist, ... so nehmet einige von holtz gedrhete ttichen, wie man sie allhier nennet, und stecket selbige bei den stock E. Francisci alleredelste rache (1668) 44. auch verschiedene mundartliche anwendungen schlieszen an tüte 1 a an: so ostfries. tûtje mäulchen, kusz (zu tüte trichterförmige gestalt des mundes): hê gift hum'n tûtje Doornkaat-Koolman a. a. o.; hamb. haar-tütjen 'das ... in einen zopf zusammengewickelte haar unter den weiberhauben' Richey 318 (zu tüt kegelförmige haartracht) sowie tarren(weizen)-tütjen 'ein weisz brodt mit drey runden ecken' ebda.
3) zu 1tüte 2; im ostfries., hamb., schlesw.-holst. u. bad. nachweisbar (s. die wörterb. a. a. o. u. vgl. obers. tütchenswächter nachtwächter, der durch ein gellendes hörnchen die halben stunden anzeigt Müller-Fraureuth obers. 2, 766).
 
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tütchen, n., diminutivum zu 2tüte (s. dort, sowie teil 2, sp. 1197 u. 1767 s. v. ditchen, dütchen): die dritte art (brachvögel) aber ... nennet man ditgen allg. ökonom. lex. (1731) 357; der vorstehend erwähnte goldregenpfeifer, ... tüt- und pardervogel, ... dittchen oder tütchen, die goldtüte (charadrius pluvialis, auratus, aureus ...) ist merklich kleiner als der kiebitzregenpfeifer Brehm tierl. 6, 65 P.-L.; gah man upt moor un fang ehr tütjes, de könnt se braden bei Henniger nd. volkssagen (1927) 29. als kosename: du bist mien leeve tütje Kern-Willms Ostfriesl. (1869) 78.
 
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tütchendreher, m., 'spottname für einen kolonialwarenhändler' (zu 1tütchen, s. auch s. v. tütendreher) Betcke Königsb. ma. 62; tütjendreier ... spottname des materialwarenhändlers Sprenger Quedlinburg in: jb. d. ver. f. nd. sprachforschg. 30 (1904) 28; berlinisch tietkendreher kaufmann Brendicke 184, auch 'kaufmannslehrling, kommis' Meyer d. richtige Berliner (1904) 119. —

[Bd. 22, Sp. 1933]


tütchenkrämer, m., kleiner kaufmann, höker (zu 1tütchen 1, s. auch s. v. tütenkrämer): den groszen kaufmann schimpfte er (der volkshumor) schon in den tagen der raubritter pfeffersack, den kleinen nennt er, wenn er materialwaaren verkauft, dütchenkrämer M. Busch dt. volkshumor 215; vgl. obers. dütchen-, dietelskrämer Müller-Fraureuth 1, 270 und thür.-hess. dütchens-, dittchenskrämer Hertel 87; Saul 7.
 
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tüte, tute, f. , horn-, trichter-, röhrenförmiges, insbes. 'trichterartiges behältnis, horn- bzw. röhrenförmiges blasinstrument'; wort des nd.-ndl. raumes, s. Kretschmer wortgeogr. 542 f.; mndl. mnd. tute neben tote Verwijs-Verdam 8, 611 u. 780; Schiller-Lübben 4, 594 u. 634; von da in die nord. sprachen (s. Falk-Torp 1301 s. v. tut), ins frz. u. provenzal. (afrz. tuel, nfrz. tuyau u. provenzal. tudel, nach E. Mackel d. germ. elemente i. d. frz. u. provenzal. spr. in: frz. studien 6 [1888] 19 auf andd. *tūda zurückgehend; Gamillscheg führt tuyau auf fränk. *þûta zurück etym. wb. [1928] 874, ebenso Bloch-v. Wartburg dict. étym. de la langue française [1950] 626; dagegen Meyer-Lübke 9017 auf ein schallwort tūt), in einige italien. maa. (tudel, tuel canna, pipa Zaccaria l'elemento germanico nella lingua italiana [1901] 525), sowie ins hd. gedrungen; hier erscheint tute in mannigfaltiger gestalt, in älterer sprache meist mit anlautender lenis (s. auch teil 2, sp. 1767 s. v. dute u. ebda 1770 s. v. dutte [2] und V. Moser frühnhd. gr. 1, 3 [1951] 205): dutte Mathesius erklerung d. epist. a. d. Corinth. 1 (1591) 26; vereinzelt mit offener qualität des stammvokals u. apokope des e: dott cucullus Alberus (1540) yy 1a; mit eindringen des n der sw. flexion dotten Burckhard (1576, s. u. 1 b α); daneben findet sich früh die umgelautete form (s. van der Meer hist. gr. d. ndl. spr. 1 [1927] 61): thüte Faber thes. (1587) 220a; tüte, düte cucullus Schottel haubtspr. (1663) 1436; gelegentlich entrundet: diete Bapst v. Rochlitz (1599, s. u. 1 b α); vereinzelt auch in die nhd. diphthongierung einbezogen: teute Weise erzn. 170 ndr. (s. teil 2, 1037 s. v. deute; teil 11, 1, 1 s. v. teute; sowie bei Gerbet Vogtland 149 [anm. 2]; u. vgl. ndl. tuit); gelegentliche kürze des stammvokals wird bis ins 19. jh. hinein durch doppelschreibung des t bezeichnet, so noch bei Görres: eine tutte mit zuckerwerk (2. 4. 1827) ges. schr. 9 (1874) 303; vereinzelt auch mundartlich (s. u.). — mundartlich ist tute weit verbreitet (s. Kretschmer a. a. o.; vgl. auch Adelungs angabe 1 [1774] 1487 s. v. düte: 'im nieders. lautet dieses wort tute oder tüte, im oberdeutschen deute, teute und in der gezierten obersächsischen mundart diete'): t(û)t(e), tüt(e) Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 452 f.; tūt Siebs Helgoland 297; tute brem.-nieders. 5, 134; tüte Richey id. Hamburg. 318; tuut, tüt Mensing schlesw.-holst. 5, 191 f. u. 208f.; Schütze holst. 4, 290; tüt Mi mecklenb.-vorpomm. 95; Müller Reuter-lex. 141; tȳtə Hasenclever Wermelskirchen 97; tute, tüte Köppen Dortmund 61; Woeste westfäl. 277; tutt, tüüt Hönig Köln 183; tüte Leithäuser Barmen 162; tute, tüte Elberfelder ma. 167; tüt Rovenhagen Aachen 149; tt, tt Müller-Weitz Aachen 246 u. 251; tēt Münch ripuar.-fränk. 79 u. 82; tȫt rhein. bei Frings Germania Romana (1932) 130 anm. 2; tte Schambach Göttingen 2, 37; tute, tiete Brendicke Berlin 184 f.; tûde, tute, verhochdeutscht taude Frischbier pr. 2, 414; tude Bock id. Pruss. 70; tut Betcke 62; düte Gutzeit livl. 1, 214; Hupel Lief- u. Esthl. 243; tūten (mit dem n der sw. flex.) Frederking Hahlen (Minden) 33; tiuten Böger Schwalenberg 166; tūte, tṻte Bauer-Collitz waldeck. 105; tute Sprenger Quedlinburg in: jb. d. ver. f. nd. sprachforschg. 30 (1904) 28; Block Eilsdorf 99; Jecht Mansfeld 115; tûte Liesenberg Stieger ma. 138; dute, tute Keller Thür. 18; düte Hertel Thür. 87; düte, diete, deute, dute, tute Müller-Fraureuth obers. 1, 270 f. u. 2, 766; dūd, dīd Barthel vogtländ.-westerzgebirg. 70 (ebda eine wortkarte [nr. 7] mit dem grenzverlauf zwischen md. dūd, dīd und obd. gug< cuculus); tutte Weinhold schl. 101; tute Albrecht Leipzig 226; Meisinger Rappenau 218; tut siebenbürg.-

[Bd. 22, Sp. 1934]


sächs. 2, 101; luxemb. ma. 446; — tut Schön Saarbr. 214; tott, tutt Schmidt Westerwald 259; düte, tüte Reinwald henneberg. 23; Lenz Handschuhsh. dial. 73; tute, tüte bad. wb. 1, 618f.; tute Fischer schwäb. 2, 518; dutt(e), dott, tut(e) Martin-Lienhart elsäss. 2, 727; tut Follmann lothr. 115; dutten Schmeller bair. 1, 554. — nur vereinzelt wird die variierende lautgestalt, insbesondere das nebeneinander der umgelauteten und umlautlosen form zur semasiologischen scheidung verwendet (während sich in der schriftsprache tute für 'tuthorn', s. u. 2, und tüte für 'papiertüte', s. u. 1 b α, durchgesetzt hat, vgl. d. grosze Duden [1934] 586 Basler): tût tüte, tyt rohr Jensen nordfries. 648; tute trompete, düte tüte Müller-Fraureuth a. a. o.; tūte tüte, tṻte ausfluszrohr Bauer-Collitz u. Woeste a. a. o. indessen hat sich in südwestdt., vereinzelt auch in md. maa., die verschobene form zutte, zotte bzw. diphthongiert zaute (auch zauze), zeute, zeite als träger der besonderen bedeutung 'ausguszröhre (bes. einer kanne, s. u. 1 a β)' abgespaltet (s. teil 15, sp. 421 u. 874 u. 16, 1, sp. 131 u. 876 sowie bei Kretschmer wortgeogr. 541 und Frings Germania Romana [1932] 211); bereits bei Alberus dict. (1540) finden sich nebeneinander: dott cucullus yy 1a u. zot fistula ebda aa 3a.
ebenso wie im mndl. u. mnd. ist im frühnhd. zunächst nur die bedeutung 'horn- (trichter-, röhren-) förmiges' nachweisbar, neben die erst im 17. jh. die bedeutung 'blashorn (-rohr)' — mit deutlicher beziehung auf tuten 'blasen' — tritt. deshalb hat Falk-Torps ansicht (norw.-dän. etym. wb. 1296 s. v. tud u. tude) viel für sich, die für tüte die grundbedeutung 'etwas hervorstehendes' ansetzt und es erst sekundär mit ursprünglich onomatopoetischem tuten in verbindung treten läszt (etwa über die komposition tut-horn). demgegenüber betrachtet Kluge-Götze (im anschlusz an Kretschmer u. Weigand-Hirt) tüte bzw. mndl.-mnd. tute 'hornförmiges' als ursprünglich lautmalendes wort der kindersprache, das eine papierrolle zum blasen bezeichnete; die belege dafür fehlen freilich.
1) bezeichnung von etwas hornförmigem, trichter- bzw. röhrenartigem schlechthin.
a) allg.; in mannigfacher, besonders mundartlich reich bezeugter anwendung (s. auch teil 2, sp. 1771 s. v. dutte 3 u. 6).
α) horn- bzw. kegelförmiges verschiedener art: Geel (Michael) kam in die statt, wolte sich was zu gute thuen, kauffte ... einen saltzen häring ind einen (!) tuten oder semmel J. P. de Memel lustige gesellsch. (1656) 31; inzwischen gibt es nicht allein unter den tuten (kegelschnecken, conoidea), sondern auch unter den anderen geschlechtern rare schnecken qu. v. 1766 in Brehm tierl. 10, 391 P.-L.; der keilbeinstachel (rostrum sphenoidale), welcher zuweilen durch das zusammenstoszen der tuten (cornua sphenoidalia) entsteht und mit dem oberen rande an das senkrechte blatt des riechbeins paszt Sömmerring bau d. menschl. körpers (1839) 2, 46; der wirbel hat an seinem untern ende eine tute mit schraubenmutter Veith bergwb. (1870) 580. besonders in nordwestdt. ma. mannigfaltig bezeugt; für eine spitze, kegelförmige haartracht: de deerens dregt en blaue tüt Schütze holst. 4, 290; sê hed so'n tt up de kop Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 453 (vgl. oldenburg. tüüt haarbund Böning 120); im sinne von 'zipfel': en swarte mütz ahn schirm, baben mit en rode tut un en quast Groth ges. w. 4 (1898) 76. vereinzelt auch als spöttische bezeichnung der nase, wobei wohl auch die bedeutung 2 hineinspielt: putz dir die teute! Müller-Fraureuth a. a. o. (ebenso von Betcke bezeugt).
β) trichter- bzw. röhrenförmiges; 'ausguszrohr einer kanne'; so schon mndl., als träger dieser bedeutung im südwest- u. mitteldeutschen hat sich insbesondere die verschobene form zutte, zotte entwickelt, die bereits seit frühnhd. zeit nachweisbar ist (s. o.), im nordwestdt. die allerdings selten bezeugte form tütel (s. dort): sê hed de tt fan de trekpot (theetopf) ... ofstötd Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 453; so auch bei Siebs, Mensing, Köppen, Leithäuser, Hasenclever, Woeste a. a. o. u. im wb. d. Elberfelder ma. a. a. o.; bei Müller-

[Bd. 22, Sp. 1935]


Fraureuth für die kanne selbst: laatschtute kaffeekanne; bei Richey id. Hamburg. 307: teute gross es trinck-geschirr, bauren-kanne. Frings Germania Romana (1932) 130 anm. 2 bezeugt rhein. tt 'röhrkanne', Müller-Weitz Aachen tt grosze kupferne oder blecherne kanne 246, Münch ripuar.-fränk. tēt 'groszes gefäsz von blech für bier' 79, Woeste westfäl. toite 'hölzernes bierfäszchen mit griff' 277; im siebenbürg.-sächs. wird der hohle, röhren-artige stengel der zwiebel als tut bzw. zwibeltut bezeichnet, sowie die holzröhre der mostfässer; hieran knüpft die wendung e saift wâi en tut u. die bezeichnung sauftut für 'trinker' (vgl. luxemb. brantweinstût). auch sonst in mannigfaltiger anwendung; 'ofenrohr': für in'e tuut schornsteinbrand Mensing schlesw.-holst. 5, 193, ebda auch in der bedeutung 'korntrichter' u. 'schneckenhaus' bezeugt; 'röhrenförmige büchse, welche auf ... die nabe des wagenrades gesteckt wird': wen du de raden smërd hest, den must du de tuten d'r wër gôd up fast steken Doornkaat-Koolman a. a. o.; für die form des mundes: hê mâkt so'n langen tût (mundöffnung) ebda; eine tute machen den mund wild verziehen Fischer schwäb. 2, 518; oder auch für den mund selbst: halt dein tute ebda, vgl. ndl. toet, tuit van der Meer hist. gr. d. ndl. spr. 1 (1927) 54; spöttisch für die hosenbeine gebraucht: he süht ut as dat leiden Christi in twee tüten Mensing a. a. o.; und für den helm: die hurrah-tüte le casque René Delcourt expressions d'argot allemand et autrichien (1917) 117a; Müller-Fraureuth obers. 1, 271 verzeichnet hurratute hoher hut, ebenso leichentute ..., weil besonders bei beerdigungen getragen; vereinzelt auch als name hohlstengliger pflanzen (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 333 f.; luxemb. ma. 446 und Mensing schlesw.-holst. 5, 186 s. v. tutenbloom) und als zoologischer terminus: hinter dem bauch hängt bei hengsten der 'schaft' oder 'schlauch', die 'tute' sammt der 'rute' und dem 'geschröte' Jähns rosz und reiter 1 (1872) 61.
b) insbesondere für ein trichterartiges behältnis.
α) spitz gedrehter bzw. geklebter papierbeutel (vgl. papiertüte und tütenpapier): welche (kinder) ein hausz fr ein dotten mit zucker leichtlich geben drfften J. Burckhard patrocinium pupillorum (1576) 4; mache die (!) von blawen oder grawen pappir oder maculatur ein diete oder scharnitze wie die kramer gebrauchen M. Bapst v. Rochlitz artznei-buch (1599) 89; (Cicero:) ist dann gar niemand, der sich meiner noth annehmen will vnd den wurtzkrmern verbieten, jhre tutten ausz meinen bchern zu machen? Moscherosch gesichte (1650) 2, 194;

for die dutt
rosinle vierzeh su (sous)
Arnold pfingstmontag (1816) 40;

bei diesen worten öffnete der markese die flieszpapierne tüte, die er mitgebracht, und mit langsamer sorgfalt zog er daraus hervor eine wunderschöne tulpe Heine w. 3, 297 Elster; wann werden sie (anrede) endlich die tüte mit den heftzwecken aus der tasche kramen E. Langgässer unauslöschl. siegel (1946) 501; bei dieser gelegenheit (bei einem groszen ball) hatte Soubirous damals die ansehnliche summe von hundert sous verdient und überdies seinen kindern eine tüte voll bäckereien mit nach hause gebracht Werfel Bernadette (1948) 15. als umgangssprachliche wendungen finden sich: he mutt tuuten dreihn (klęben) sitzt im gefängnis Mensing a. a. o.; er duet dutte bäbbe er sitzt im gefängnis Martin-Lienhart a. a. o. (vgl. DWB tütenkleber u. luxemb. tûtefabrik 'gefängnis'); vereinzelt auch literarisch: wenn er (Erasmus) in einem zuchthaus sitzen und tüten kleben müszte, würde er ebenso (unberührt) aussehen Wiechert missa sine nomine (1950) 437; tüte driene joe (tüten drehen gehen) faullenzen Rovenhagen Aachen 149; er kriegt die tüte er wird entlassen Gerhard Siegerländer bergmannsspr. 169, vgl. 1tütchen (1) 'lohntüte'; nich de düte, nich in de düte verneinung, ablehnung einer bitte Müller-Fraureuth a. a. o.; nich in de tiete! ... ich denke nicht daran! Meyer d. richtige Berliner (1904) 119; in der letzt' dutt findt sich alles am ende wird alles klar Askenasy Frankfurt 19; aus er annern dutt aus einem andern kapitel, ebda.

[Bd. 22, Sp. 1936]



β) konisch geformter schmelztiegel: tuten sind gebrannte scherben, so unten eng und oben weit sind, darinnen das kupffer ertz ansiedet Junghans gräublein ertz (1680) Fd; tüten sind gebrannte tiegel, so unten eng und oben weit, wie ein ingusz, darinnen man das kupffer- und blei-ertz einsiedet Schönberg berg-information (1693) 2, 133 (ähnlich bei Minerophilus bergw.-lex. [1730] 673 u. Herttwig neues u. vollk. bergbuch [1734] 394a); aus dem gemenge (schamotte u. ton) werden die tuten auf der töpferscheibe geformt Muspratt chemie (1888) 1, 1496.
γ) in botan. fachsprache für ein scheidenartiges blattgebilde (besonders bei den knöterichsgewächsen) gebraucht: ochrea die tute, ein röhriger, scheidenförmiger theil, welcher in dem winkel eines blattes sitzt, oft auch dem blattstiel angewachsen ist und den stengel oder hauptast sammt der knospe des blattwinkels umschlieszt Bischoff wb. d. beschr. botanik (1857) 106, so auch bei Schlechtendal flora v. Deutschland (1880) 9, 47, sowie Brockhaus 19 (1934) 211. in älterer sprache vereinzelt auch 'fruchtkapsel' (s. teil 2, sp. 1771 s. v. dutte [4]): gleich wie man nun diese frucht werth hat, also hat sie auch die natur in häuszlein oder dutten verwahret J. de Acosta, America (1605) 130.
2) 'horn- bzw. röhrenförmiges blasinstrument' (vgl. DWB tutenblaser und synonymes tuthorn):

(es) hat so manche nacht
die dudden und schalmey unsz ausz dem schlaff gebracht
Simon Dach ged. 1, 93 Ziesemer;

gib's ihm nur durch den schall der tte zu verstehn
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 4, 323 Neukirch;

wo am zehntbach hin die herrlichsten tuten und pfeifen wachsen in der ganzen gegend Ludwig ges. schr. (1891) 2, 37; so besonders in nord- u. mitteldt. ma. geläufig (s. bei Schütze, Mensing, Köppen, Rovenhagen, Jecht, Keller, Albrecht, Müller-Fraureuth, Weinhold, Frommann, Follmann, Fischer sowie im bad. wb. a. a. o. u. vgl. luxemb. tutebleiser 'hornist' luxemb. wb. a. a. o.; tirol. tûter waldhorn Schöpf 778), wobei die umlautlose form überwiegt, aber bei einem nebeneinander der bedeutungen 1 u. 2 im gegensatz zur schriftsprache (s. o.) nur selten für 2 allein üblich ist: in de tute stöten Doornkaat-Koolman a. a. o.; in der ma. d. Saarbrücker landes findet sich faweriktut 'sirene einer fabrik' Schön 214. vereinzelt wird tut(e) auch metaphorisch für 'gesäsz' gebraucht, so im luxemb. u. lothr. (vgl. bad. furztute bad. wb. 1, 618).
3) metaphorisch für einen dummen menschen; vereinzelt mundartlich nachweisbar, in Dessau als tûte neben tûter zs. f. dt. phil. 27 (1895) 505; obers. in der komposition trantute 'verschlafener mensch, träumer' Müller-Fraureuth 1, 239 u. 271 (vgl. tüt 'nachtwächter' ebda 270).
 
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tüte, f., sand- bzw. regenpfeifer, zu tuten gebildet (s. dort, sowie teil 2, sp. 1767 s. v. dute [2] u. vgl. DWB tütmoor, DWB tütschnepfe, tütvogel); besonders aus dem nordwestdt. sprachgebiet bezeugt: tüte Richey id. Hamburg. (1755) 318; brem. wb. 5 (1771) 134; Kern-Willms Ostfriesl. 78; tuut, tüt Mensing schlesw.-holst. 5, 193 u. 208; Schütze holst. (1800) 4, 290; vereinzelt als tŷter Jensen nordfries. 649 (s. teil 2, sp. 1768 s. v. duter). auch im literarischen gebrauch kaum darüber hinaus nachweisbar: hat der herr advokat sich in den dünen gesonnt, wo es nur tüten und kibitze giebt? Th. Mügge voigt von Silt (1851) 1, 150;

nur von der verlassenen hallig klagt
der avosetten ('säbelschnäbler', s. Brockhaus 16 [1933] 276) und tüten geschrei
D. v. Liliencron s. w. 8 (1897) 52;

wenn de vosz (nebel) anfung to bru'n langs de ganze marsch hin, denn trocken de tüten hoch æwer her, man hör er fleiten bet fast na Büsum Klaus Groth ges. w. 3 (1898) 28; und sie flitzten dahin, dasz die plaggen (erdschollen, s. teil 7, sp. 1881) nur so flogen und die tüten hinter ihnen herschimpften qu. a. d. j. 1923; an die hurtigkeit dieser vogelarten anknüpfend findet sich die wendung he löpt as een tt.

[Bd. 22, Sp. 1937]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tüt(e), f., wohl in anlehnung an 1tüte gebildete kurzform zu tüter, tüder 'strick zum festmachen des grasenden viehs', s. Mensing schlesw.-holst. 5, 209 f.; nur vereinzelt in der nd. wendung aus der tüt(e) sein, schlesw.-holst. ut de tüt bzw. ut tüt un tgel 'auszer rand und band, ausgelassen sein' (vgl. DWB he is gans ut'n tüter zügellos, ausgelassen Mensing a. a. o.): Thetje Fein war ganz aus der tüt vor vergnügen Georg Asmussen stürme in: tägl. rundschau (1906) unterhaltungsbl. 181a; Störtebeker aber kam gänzlich aus der tüte (vor verwunderter entzückung) Gorch Fock seefahrt (1914) 159; ebenso im mecklenb.-vorpomm. ut de tüt kamen auszer sich vor vergnügen sein Mi 95; oldenburg. auch: se is ganz ut'e tüüt verwirrt, auszer sich Böning 120.
 
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tütebeere, f., vereinzelt in nd. mundart für 'preiszelbeere (vaccinium vitis idaea)'; wohl nach dem goldregenpfeifer (s. 2tüte) genannt, dem sie nach dem volksglauben zur nahrung dient, s. Mensing schlesw.-holst. 5, 209. bereits Metzger bezeugt tüttebeere neben kronsbeere (kranichs-) für Mecklenburg (pflanzenkunde [1841] 584, s. auch Kretschmer wortgeogr. 378 f.); im schlesw.-holst. als tüte-, tütte- u. tüterber nachweisbar (s. Mensing a. a. o.), im älteren holst. findet sich vereinzelt tüte-, tütjebeeren neben tintebeeren für 'ligustrum vulgare' Schütze 3 (1802) 262. norw.-dän. tyttebaer 'preiszelbeere' ist wohl (entgegen der annahme von Falk-Torp 1310) aus dem nd. entlehnt.
 
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tutel, f. , vormundschaft, obhut, aus lat. tūtēla (zu tuērī, urspr. 'das ins-auge-fassen', dann 'aufsicht, fürsorge, vormundschaft', s. E. Sachers in: Pauly-Wissowa realencycl. d. class. altert.-wiss. 7 A, 2 [1948] 1497-1599), als terminus des römischen rechts ins frühnhd. entlehnt, vgl. sinnverwandtes kuratel Schulz dt. fremdwb. 1, 412.
1) in älterer juristischer fachsprache; gleichbedeutend mit 'vormundschaft': so ein tutor testamentarius odder ein anderer vormund die vormundtschafft vnd tutel annemen, vatterlose kinder verwesen vnd beschirmen willens (ist), soll er ... statutenbuch (1558) 61b (vgl. ebda 100b: tutel oder vormundtschaft); sich nunmehr auch das haus Nassau oder einige davon der tutel (über den jungen prinzen von Oranien) anmaassen (7. 3. 1651) urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedr. Wilh. v. Brandenburg 5, 471 Erdmannsdörffer; mit der tutel ist eine administration der gter verbunden allg. dt. bibl. (1765) 65, 89; allein das römische recht hat zu dieser scharfen unterscheidung der tutel und curatel einen besonderen grund Savigny beruf uns. zeit f. gesetzgeb. u. rechtswiss. (1814) 102; die tutel bezog sich (im röm. recht) auf unmündige bis zum 14. ... jahr, während minderjährige von dieser altersgrenze ab bis zum volljährigkeitstermin unter kuratel standen Meyers konv.-lex. 20 (1908) 261 s. v. vormundschaft.
2) vereinzelt in freier anwendung; 'obhut, fürsorge': bei seinem bedürfnisz nach weiblicher pflege und anregung fiel er (Jacobi nach dem tode seiner frau) dann bald unter die tutel seiner schwestern, die sich die herrschaft über ihn anmaszten und ihn verweichlichten (26. 1. 1825) Göthe unterhaltungen mit dem kanzler v. Müller 98 Burkhardt; im sinne von 'schirmherrschaft': an meinem (des altprimaners) arbeitstisch und unter meiner speziellen tutel saszen ein mittel- und ein untergesell Gaudy s. w. (1844) 18, 41.
 
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tütel, m., 'ausguszröhre' (zu 1tüte 1 a β); vereinzelt aus dem nordwestdt. sprachgebiet bezeugt (vgl. waldeck. toütele, f., 'dille einer kanne' Bauer-Collitz 105): das ist wohl wahr, sagt er, indem er ... die tasse unter den tütel (der kaffeekanne) hält Sohnrey im grünen klee (1905) 91; ebda 88 auch: während groszmutter die kaffeemühle dreht, ... kommt auch schon ... der dampf aus dem kleinen kesseltütel.

 

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