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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tuseln bis tütchendreher (Bd. 22, Sp. 1931 bis 1932)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tuseln, tusen, vb., 'zausen', im nd. für hd. zuseln (s. teil 16, 6, sp. 824), zauseln (s. teil 15, 3, sp. 419) und zausen (ebda): tuseln Richey id. Hamburg. (1755) 317; brem.-nieders. 5 (1771) 133; tûseln, tûsn Danneil altmärk.-plattdt. 229; tusen Flemes Kalenberg (Hannov. gesch.-bll. 20) 371; Mi mecklenb.-vorpomm. 95; t(û)seln, t(û)sen Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 449; tuseln, tusen Mensing schlesw.-holst. 185; tüseln, tusen, tuustern Böning Oldenburg 120. daneben findet sich (wohl als kurzform zu tuseln) gleichbedeutendes tuln, tulen: tulen brem.-nieders. a. a. o. 127 (vgl. Richey a. a. o. 427); tûln Danneil a. a. o.; tulen, tiulen Flemes a. a. o.; tûlen Schambach Göttingen 236; tulen Mi a. a. o.; tulen neben tudeln Mensing a. a. o. 177.
 
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tusin, n., vereinzelte (ostmd.) nebenform von dutzend (s. dort sowie bei A. Rosenqvist über wanderungen roman. fremdwörter i. dt. in: annales acad. scient. Fennic. B 50 [1942] 443, u. vgl. mnd. dosin): bi deme tusin 'dutzendweise' ratsverordng. d. stadt Brieg v. 1318 in: schl. urk. z. gesch. d. gewerberechts 13 Korn; für ein tusin knöpffe drey groschen Nic. Volckmar 40 dialogi (1693) 157.
 
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tusmig, adj., 'nebelig', 'feucht', vereinzelt für üblicheres dusmig (s. teil 2, sp. 1761): ist es wintig, der räch (rauch) naigt sich; ist es tusmig, der flamm wegt sich uff die seitten (1456) Hartlieb buch aller verbotenen kunst 50 Dora Ulm.
 
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tüssel, m., mündung der blasebalgröhre; nebenform von düsel, tüsel (s. teil 2, sp. 1757): uber den tüssel oder die liese (eiserne schnauze des blasebalgs) schlacken setzen, wenn man zu schmeltzen anfängt Schönberg berginf. (1693) 2, 116; vereinzelt auch als umlautloses neutrum: denn der Syrach dienet jungen vnd newgebackenen studenten auch sehr wol und schneppischen jungfrawlein, welchen das schnepperlein nicht stille stehet wie am treibblaszbalck das tusel Mathesius Syrach (1586) 2, 52b.
 
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tüssel, m., beule, drüse, s. u. dusel teil 2, sp. 1757.

[Bd. 22, Sp. 1932]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tüsseler, m., 'leisetreter', nebenform von (alem.) düsseler, duseler (s. teil 2, sp. 1758):

einfltig, schlcht godt er dahr,
er ist ein stiller tüsseller schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 71 Bächtold.


 
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tüstern, vb., flüstern, s. unter DWB tuscheln.
 
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tüszlicht, adj., 'schwindlig', vereinzelt statt des üblicheren duselig, dus(e)licht (s. teil 2, sp. 1758 u. vgl. tüselig, tusselig duselig, verwirrt Rovenhagen Aachen 149): dasz sie (die kühe) gar tüszlicht im kopfe werden viehbüchlein 44.
 
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tütchen, n. , diminutivum zu 1tüte (s. dort), seit dem frühen nhd. in mannigfacher gestalt nachweisbar: teutichen Wittich (1555, s. u. 1 u. zur suffixgestalt Henzen dt. wortbildg. [1947] 148); tütichen Francisci (1668, s. u. 2); dütchen Arist schilderungen (1764) 117 (s. auch teil 2, sp. 1768 s. v. dütchen); tütchen Gottsched (s. u. 1). mundartlich besonders im nd. u. md. verbreitet: tûtje Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 454; tütjen Richey id. Hamburg. 318; Mensing schles. w.-holst. 5, 211; tûdche, tûdke Frischbier pr. 2, 415; toṻte ken Bauer-Collitz waldeck. 105; düt-, ditt-, deitchen (entrundung von deutchen) Müller-Fraureuth obers. 1, 270 (vgl. die ins obersorb. entlehnte form titka Bielfeldt d. dt. lehnw. i. obersorb. [1933] 272); töttche Schmidt Westerwald 259; im südwestdt. vereinzelt tütlein: düdle (neben düttche) bad. wb. 1, 619; titl, tetl Martin-Lienhart elsäss. 2, 727.
1) zu 1tüte 1 b: wenn gleich die h. schrifft sonst nirgendts zu dienet, so ist sie doch darzu gutt, das man aus den blettern, darauff sie geschrieben ist, teutichen mache, und pfeffer oder ander wrtze darein thue H. Wittich kurtze u. gründtliche widderlegung (1555) J 5a; er trat zum Amilek und gab ihm ein kleines tütchen in: d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 4 (1754) 289 Gottsched; in einem tütchen (skarnitzel, s. teil 10, 1, sp. 1307) Muspratt chemie 4 (1893) 1407; Marie kaufte ein tütchen samen A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 68. Gerhard bezeugt für die Siegerländer bergmannssprache tütchen 'lohntüte' 169, s. auch unter 1tüte 1 b α.
2) zu 1tüte 1 a: weiln aber eine art des unziefers ... diesem gewchse sehr gefehr ist, ... so nehmet einige von holtz gedrhete ttichen, wie man sie allhier nennet, und stecket selbige bei den stock E. Francisci alleredelste rache (1668) 44. auch verschiedene mundartliche anwendungen schlieszen an tüte 1 a an: so ostfries. tûtje mäulchen, kusz (zu tüte trichterförmige gestalt des mundes): hê gift hum'n tûtje Doornkaat-Koolman a. a. o.; hamb. haar-tütjen 'das ... in einen zopf zusammengewickelte haar unter den weiberhauben' Richey 318 (zu tüt kegelförmige haartracht) sowie tarren(weizen)-tütjen 'ein weisz brodt mit drey runden ecken' ebda.
3) zu 1tüte 2; im ostfries., hamb., schlesw.-holst. u. bad. nachweisbar (s. die wörterb. a. a. o. u. vgl. obers. tütchenswächter nachtwächter, der durch ein gellendes hörnchen die halben stunden anzeigt Müller-Fraureuth obers. 2, 766).
 
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tütchen, n., diminutivum zu 2tüte (s. dort, sowie teil 2, sp. 1197 u. 1767 s. v. ditchen, dütchen): die dritte art (brachvögel) aber ... nennet man ditgen allg. ökonom. lex. (1731) 357; der vorstehend erwähnte goldregenpfeifer, ... tüt- und pardervogel, ... dittchen oder tütchen, die goldtüte (charadrius pluvialis, auratus, aureus ...) ist merklich kleiner als der kiebitzregenpfeifer Brehm tierl. 6, 65 P.-L.; gah man upt moor un fang ehr tütjes, de könnt se braden bei Henniger nd. volkssagen (1927) 29. als kosename: du bist mien leeve tütje Kern-Willms Ostfriesl. (1869) 78.
 
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tütchendreher, m., 'spottname für einen kolonialwarenhändler' (zu 1tütchen, s. auch s. v. tütendreher) Betcke Königsb. ma. 62; tütjendreier ... spottname des materialwarenhändlers Sprenger Quedlinburg in: jb. d. ver. f. nd. sprachforschg. 30 (1904) 28; berlinisch tietkendreher kaufmann Brendicke 184, auch 'kaufmannslehrling, kommis' Meyer d. richtige Berliner (1904) 119. —

[Bd. 22, Sp. 1933]


tütchenkrämer, m., kleiner kaufmann, höker (zu 1tütchen 1, s. auch s. v. tütenkrämer): den groszen kaufmann schimpfte er (der volkshumor) schon in den tagen der raubritter pfeffersack, den kleinen nennt er, wenn er materialwaaren verkauft, dütchenkrämer M. Busch dt. volkshumor 215; vgl. obers. dütchen-, dietelskrämer Müller-Fraureuth 1, 270 und thür.-hess. dütchens-, dittchenskrämer Hertel 87; Saul 7.

 

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