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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tusculanisch bis tüstern (Bd. 22, Sp. 1930 bis 1932)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tusculanisch, adj., gelegenheitsbildung zur übersetzung des lat. tusculānus: mir ist endlich auch eine anmerkung über des hrn. professors ... übrige schriften, aus des Cicero erstem buche seiner tusculanischen fragen (disputationes Tusculanae) beygefallen Liscow satyr. u. ernsth. schr. (1739) 741; ich gebe ihm Ciceros tuskulanische unterredungen W. Raabe s. w. I 6, 405 Klemm.
 
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tusculum, n., Ciceros landgut bei (dem südöstlich vor Rom gelegenen) Tusculum; vereinzelt für einen ruhigen, der groszstadt abgelegenen landsitz schlechthin gebraucht (so auch im schwed., s. Hellquist 31247 f.); das aus humanistischer tradition stammende wort (s. dt. wortgesch. 2 [1943] 12 Maurer-Stroh) bleibt im wesentlichen auf eine gehobene stilschicht beschränkt:

mir gefällt des freundes entschlusz, der dem kerker der
entronnen, sich sein tusculum erwählt mauern
Herder bei
Hufeland kunst d. menschl. leben z. verlängern (1797) 567;

[Bd. 22, Sp. 1931]


dennoch war ich überglücklich (über den kauf des landgutes), und die aussicht auf mein künftiges kleines tuskulum machte mir alles leicht (14. 12. 1843) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 240 Schulte-K.; in diesem tusculum nun wird gelebt und eine schönheitswelt gebaut Stifter s. w. 1 (1904) 67. dann auch sonst für einen asylartigen aufenthaltsort verschiedener art: und wenn nun der besitzer (des gartens), in der mitte des kreuzweges stehend, den seelenzufriedenen blick über sein tuskulum gleiten läszt Gaudy s. w. (1844) 10, 53; sein (des leutnants) ... offizielles 'zu hause' befand sich in belebter gegend der stadt, mitten unter den wohnungen der kameraden ...; von seinem stillen zufluchtsort (möbliertes zimmer in ruhigem vorort) wuszte ... niemand ...; je näher die sonst ersehnte stunde rückte, welche ihn gewöhnlich dem städtischen tuskulum zuführte, desto bänger schlug sein herz Holtei erz. schr. 7 (1861) 169 u. 178; wie hübsch war es doch, dasz er sein kabinett mit den nebenräumen, mit seinen büchern, den naturwissenschaftlichen geräten ... hier im anbau des uralten hauses haben konnte, als ein wahres museum, ein würdiges tuskulum! qu. v. j. 1938; bildlich: da hiesz es denn, sich in sicherheit bringen; da hiesz es, nach einem plätzchen auslugen, wo man ungefähr in der mitte war zwischen den zwei rasenden brandherden (der welt) links und rechts; ein tuskulum konnte es nicht sein, höchstens ein versteckter beobachterposten Wassermann fall Maurizius (1928) 373.
 
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tuse, adj., still, schüchtern, vereinzelt für dus(e) (s. teil 2, sp. 1756): was mein Hanepich, gott hab ihn selig, zu forsch war, das ist dein vater zu tuse Holtei erz. schr. 25 (1862) 220.
 
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tuseln, vb., schlagen, ohrfeigen (s. DWB duseln teil 2, sp. 1759 u. vgl. 3tuschen): du sakramentischer hallunke, hast dich bisher unnütze gemacht, butz, butz, tuselt und schmeisst ihn um den kopf, dass ihm die nase blutet Zach. Allert tageb. a. d. j. 1627, 50.
 
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tuseln, tusen, vb., 'zausen', im nd. für hd. zuseln (s. teil 16, 6, sp. 824), zauseln (s. teil 15, 3, sp. 419) und zausen (ebda): tuseln Richey id. Hamburg. (1755) 317; brem.-nieders. 5 (1771) 133; tûseln, tûsn Danneil altmärk.-plattdt. 229; tusen Flemes Kalenberg (Hannov. gesch.-bll. 20) 371; Mi mecklenb.-vorpomm. 95; t(û)seln, t(û)sen Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 449; tuseln, tusen Mensing schlesw.-holst. 185; tüseln, tusen, tuustern Böning Oldenburg 120. daneben findet sich (wohl als kurzform zu tuseln) gleichbedeutendes tuln, tulen: tulen brem.-nieders. a. a. o. 127 (vgl. Richey a. a. o. 427); tûln Danneil a. a. o.; tulen, tiulen Flemes a. a. o.; tûlen Schambach Göttingen 236; tulen Mi a. a. o.; tulen neben tudeln Mensing a. a. o. 177.
 
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tusin, n., vereinzelte (ostmd.) nebenform von dutzend (s. dort sowie bei A. Rosenqvist über wanderungen roman. fremdwörter i. dt. in: annales acad. scient. Fennic. B 50 [1942] 443, u. vgl. mnd. dosin): bi deme tusin 'dutzendweise' ratsverordng. d. stadt Brieg v. 1318 in: schl. urk. z. gesch. d. gewerberechts 13 Korn; für ein tusin knöpffe drey groschen Nic. Volckmar 40 dialogi (1693) 157.
 
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tusmig, adj., 'nebelig', 'feucht', vereinzelt für üblicheres dusmig (s. teil 2, sp. 1761): ist es wintig, der räch (rauch) naigt sich; ist es tusmig, der flamm wegt sich uff die seitten (1456) Hartlieb buch aller verbotenen kunst 50 Dora Ulm.
 
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tüssel, m., mündung der blasebalgröhre; nebenform von düsel, tüsel (s. teil 2, sp. 1757): uber den tüssel oder die liese (eiserne schnauze des blasebalgs) schlacken setzen, wenn man zu schmeltzen anfängt Schönberg berginf. (1693) 2, 116; vereinzelt auch als umlautloses neutrum: denn der Syrach dienet jungen vnd newgebackenen studenten auch sehr wol und schneppischen jungfrawlein, welchen das schnepperlein nicht stille stehet wie am treibblaszbalck das tusel Mathesius Syrach (1586) 2, 52b.
 
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tüssel, m., beule, drüse, s. u. dusel teil 2, sp. 1757.

[Bd. 22, Sp. 1932]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tüsseler, m., 'leisetreter', nebenform von (alem.) düsseler, duseler (s. teil 2, sp. 1758):

einfltig, schlcht godt er dahr,
er ist ein stiller tüsseller schweiz. schausp. d. 16. jhs. 1, 71 Bächtold.


 
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tüstern, vb., flüstern, s. unter DWB tuscheln.

 

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