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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tuschen bis tuschieren (Bd. 22, Sp. 1925 bis 1927)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tuschen, vb. , 'schlagen, stoszen'; mundartlich verbreitetes wort wohl onomatopoetischen ursprungs (vgl. auch Kluge-Götzes annahme eines lautmalenden mhd. tuz 'stosz' etym. wb. [151951] 830 s. v. verdutzt); entlehnung aus frz. toucher (s. Seiler d. entw. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 3, 1 [1910] 179) oder poln. tuzowac 'schlagen, prügeln' (< tuz 'as', pl. tuzy 'schläge, hiebe', vor der diphthongierung aus dt. daus entlehnt, s. Brückner slown. et. jez. polsk. [1927] 585) ist wenig wahrscheinlich. — tuschen bleibt im wesentlichen auf obd. sprachgebiet beschränkt (vgl. aber die

[Bd. 22, Sp. 1926]


thür. iterativbildung tuscheln 'ausprügeln' Keller 46 u. obers. tusche 'prügel' Albrecht Leipzig 225 u. Klix Oberlaus. sprichw. 108, s. auch s. v. 2tusche), bezeugt v. bad. wb. 1, 616 f.; Fischer schwäb. 2, 514 (ebda auch tüschen); Schmeller bair. 1, 628; Knothe Nordböhmen 197; Loritza Wien 135; Schöpf tirol. 778; Unger-Khull steir. 185; Lexer kärnt. 79. daneben finden sich sinnverwandte bildungen wie d(ü)tschen, tütschen, d(ü)tzen (s. bad. wb. 1, 619 f.; Fischer schwäb. 519 u. 521; Stalder schweiz. 332 f.; Jutz d. alem. maa. [1931] 185; Enderlin ma. v. Kesswil 107; Meinherz ma. d. Bündner herrsch. 127, sowie teil 2, sp. 1773 u. ebda 1760 unten s. v. dusen), die wohl zum teil durch berührung mit form- und bedeutungsähnlichen wörtern wie das im obd. geläufige d(ä)tschen teil 2, sp. 825, das auch als tatschen ebda 11, 1, 2, sp. 160, titschen ebda sp. 270 (1) u. totschen ebda sp. 914 auftritt, entstanden sind, s. auch unter vertuschen teil 12, 1, 2, sp. 2016.
1) im eig. sinne; spätmhd. vereinzelt in der komposition ze(r)-tuschen:

des wâren im zetuschet
vreislîchen alliu siniu lit gesamtabent. 3, 67 v. d. Hagen;

dann nur mundartlich nachweisbar, s. insbesondere bei Schmeller u. Fischer sowie im bad. wb., s. auch teil 12, 1, 2, sp. 2020 s. v. vertuschen (13).
2) auf die akustische wirkung des schlagens bezogen 'stoszartig dröhnen, knallen, krachen'; in verschiedener anwendung (s. auch die belege bei Schmeller sowie s. v. 3tuscher und tuschglocke):

schlgen als woltens (d. bauern) dreschen;
...
da zwen, da drei,
si gaben ainander bleschen (schläge),
das tuschet als das blei
Heselloher (15. jh.) in: volksl. 2, 658 Uhland;

das tuschen ich leicht hören khundt,
als wan man stockh (baumstümpfe) thett schlagen (1720) volksschausp. i. Bayern u. Österr. 136 Hartmann-Abele;

da hat der geist erschröcklich getuscht beschr. d. Marian. gnadenbildes auf Waldrast (1738) 164;

î tanz und gib nöt nch
bîs i die knoschpen (holzschuh) zu tuschen brâv (brauchbar) mach volksl. a. Bayern, Tirol u. Salzburg 1, 9 Hartmann-Abele;

rinnent mir meine augen,
wann i ausgeh' in wald,
aft schiesz i all's zusammen,
dasz alles tuscht und knallt volksschausp. a. Obersteiermark 231 Bünker;

welche (hütbuben) bereits wochenlang an den abenden übungen im 'tuschn mit dr goiszl' (schnalzen mit der langen peitsche; vgl. patschen-tusch schnall mit der geisel Schmeller bair. 1, 628) anstellen Schramek d. Böhmerwaldbauer (1915) 153. insbesondere auch für das stoszartige dröhnen der schlaginstrumente, vgl. DWB schlagen teil 9, sp. 410f. (V 9):

iaz tuat ǎ truppen frisch gloria singǎ~,
trummeln und pauken tuscht, bàld jecht's mehr still volksl. a. Bayern, Tirol u. Salzburg 1, 148 Hartmann-Abele;

hieraus dann unter rückwirkung des postverbalen substantivs 1 tusch (s. dort): tuschen 'einen tusch spielen' Stauf v. d. March nordmähr. maa. 94.
 
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tüschen, vb., 'nässen', wohl zu schweiz. tüsch, m., 'leichter, dünner regen' Stalder 1 (1812) 329 zu stellen (vgl. auch bad. tusch, m., 'regengusz' bad. wb. 1, 616 u. wiener. tuschen 'schlagen, plätschern' Loritza [1847] 135); vereinzelt bei Fr. H. Jacobi: zu dieser süszen tagesdämmerung nun allmählich dämmerung der nacht — und tüschender schauer w. 5 (1820) 257.
 
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tuscher, m., nomen agentis zu 1tuschen, vereinzelt lexikalisch gebucht: tuscher, tuschirer toccatore, ritoccatore, ... dipintore à chiar' oscuro, à guazzo Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164b; er ist kein mahler, er ist nur ein tuscher he is no painter, he is but a dawber Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042.

[Bd. 22, Sp. 1927]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tuscher, m., nomen agentis zu 2tuschen, vereinzelt bei Ludwig: tuscher oder vertuscher ... 'an arch concealer' teutsch-engl. (1716) 2042.
 
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tuscher, m., schlag, (büchsen-)knall, im obd. geläufige bildung zu 3tuschen, (s. Schmeller bair. 1, 629; Lexer kärnt. 79 u. Unger-Khull steir. 185):

wiar i zon krippi kâm,
mach i an burzelbâm,
dâr i de krippithür
ei~g'rennt häd schier.
...
koa~ wunna wâ's g'wên, wann s'mi g'jgt häden scho~,
weil's so ǎn grouszmachtingǎ tuscha hat to~ volksschausp. i. Bayern u. Österr. 168 Hartmann-Abele.


 
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tuschfarbe, f. , kompositum mit 1tuschen, gelegentlich statt des üblicheren 1tusche (s. dort) gebraucht.
a) wie tusche A 1 (zu 1tuschen A 1 b und 2): tuschfarbe, tusche colore, sguazzo à toccare Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164b; er verstand seine zeichnungen mit tuschfarben so schön und lieblich auszumalen Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 3, 147; tuschfarben werden die durch anreiben von den verschiedensten farbkörpern mit ... gummischleim ... hergestellten wasserfarben genannt Karmarsch-Heeren techn. wb. 9 (1888) 742.
b) wie tusche A 2 (zu 1tuschen A 1 a): tuschfarbe ... schieferschwarz Mothes ill. baulex. 4 (1884) 385, s. auch unter tuschmanier.
 
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tuschfigürchen, n., mit tusche gemalte zierfigur: auszer diesen schon etwas gröszeren gestalten ... sind (in dem stammbuch) noch eine menge von eingeschriebenen sentenzen, verse usw., bunte kleinere embleme, tuschfigürchen usw. beigemalt Hoffmann findlinge 1 (1859) 353. —
 
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tuschfläche, f., 'malfläche': die tuschfläche ist sehr sensibel (4. 6. 1852) A. v. Menzel br. 157 Wolff.
 
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tuschfritze, m., gelegentlich gebrauchter spottname für ' maler': sie sind ja auch amateur, photographierfex, der den tuschfritzen das teure geld nicht gönnt Kahlenberg familie Barchwitz (1899) 182.
 
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tuschglocke, f., zu 3tuschen (2) gebildet (im obd. vereinzelt auch tuschschelle, s. Schöpf tirol. 778). — (stoszartig) dröhnende glocke: nicht wenige der heimkehrenden rinder tragen schellen oder 'tuschglocken' Fr. Franzisci kulturstudien (1879) 59.
 
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tuschieren, vb., aus gleichbedeutendem frz. toucher 'anrühren, beleidigen' abgeleitet (s. Seiler d. entwickl. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 3, 1 [1910] 179 u. vgl. die studentensprachliche rückbildung 2tusch 'herausfordernde beleidigung'), das auch ins poln. gedrungen ist (tuszowác 'berühren, beleidigen'). — anfangs noch frz. schreibung folgend, s. auch teil 11, 1, 1, sp. 916 s. v. touchieren (2): (das gefängnis) touchiret auch nicht nur des gefangenen ehre allein, sondern auch dessen gantzer familien respect Jak. Döpler theatr. poen. (1693) 664; einer 'der dem don Hudibras den ermel hat touchirt', muss sich mit ihm schlagen (mit deutlichem hervortreten der sinnlichen grundbedeutung) Mencke scherzh. ged. (1706) bei E. Schmidt rez. v. Kluges dt. studentenspr. in: zs. d. ver. f. volkskde. 5 (1895) 350; am ende wollte er dich wirklich (durch sein anrempeln) tuschieren E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 237 Grisebach. vereinzelt auch mundartlich bezeugt: er hat ihn tuschirt d. i. 'er hat ihm etwas beleidigendes gesagt' Westenrieder gloss. germ.-lat. (1816) 592; freier: des tuschirt (berührt unangenehm, ärgert) mi', dasz i' verlur'n hab Hügel Wien 169; s. auch bei Hofmann niederhess. 243; Martin-Lienhart elsäss. 2, 723; Fischer schwäb. 2, 514 sowie im bad. wb. 1, 617; im allg. jedoch auf die studentensprache beschränkt (s. Burgh. Klosz id. d. burschenspr. 43).

 

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