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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tuschblau bis tuschen (Bd. 22, Sp. 1917 bis 1925)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tuschblau, adj., vereinzelt gebuchte adjektivkomposition: tuschblau le bleu de lavis Schaffer dt.-frz. 2, 3 (1838) 392; tuschblau ... blue colour in tablets, bleu ... à lavis Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 783.
 
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tusche, f. , tuschfarbe; postverbale bildung des 18. jhs. zu 1tuschen, s. dort, sowie bei Dora Nichtenhauser rückbild. i. nhd., diss. Freiburg 1920, 20. vermutlich aus der verbalen komposition tusch-farbe als nominale kurzform rückgebildet, wobei wohl das sinnverwandte frz. touche mitgewirkt hat, vgl. tusch-farbe, DWB tusche f. colore Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164b, ähnlich bei Ludwig teutschengl. (1716) s. u. DWB A 1; die modernen slav. formen (tschech. tuš, poln. tusz, russ. tuš, bulg. tuš) u. ungar. tus mögen unmittelbar aus dem frz. entlehnt sein, falls sie nichtwie Lumtzer-Melich (1900) 258 für das ungarische angibtan die maskuline kurzform 3tusch (s. dort) anschlieszen.mundartlich erscheint vereinzelt die apokopierte form tusch (fem.): Mensing schlesw.-holst. 5, 185; Müller Reuterlex. 141; luxemb. ma. 446; Follmann lothr. 114; und das diminutivum tüschche (n.) Hönig Köln 183.
A. farbtechnische bezeichnung. zur sachgesch. s. J. Meder d. handzeichnung, ihre technik u. entwicklung (1923) 64 ff.
1) allg. für jede als zeichen- bzw. schreibstoff verwendete farbe: tusch-farbe oder tusche (die) a painter's dawbing colours Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042; tusche ist mit gummi versetzte farbe, die zum illuminiren der zeichnungen gebraucht wird J. J. Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 376b; die tusche ist im allgemeinen jede wasserfarbe Schönermark-Stüber hochbau-lex. (1902) 850.
2) insbesondere für einen tintenähnlichen, in speziellem technischem verfahren hergestellten (s. Brockhaus 18 [1934] 703 s. v. tinte) schwarzen farbstoff; diese bedeutung wirddem verbum entsprechend (s. u. DWB tuschen A) — früh vorherrschend; bereits Adelung erklärt: tusche ... ein nahme, welchen ehedem alle trockne farben ... geführet zu haben scheinen. jetzt ist es nur noch von einer schwarzen festen farbe üblich, welche ... auch chinesische dinte genannt wird 4 (1780) 1107; dem entspricht der literarische gebrauch: man darf nur täglich beobachten, wie zeichenlustige von

[Bd. 22, Sp. 1918]


tusche oder schwarzer kreide auf weisz papier zu farbigem papier sich steigern Göthe II 1, 340 W.; ich hatte schon ... einige ausdrucksweise gewonnen, so dasz meine blätter wenigstens ordentlich weisz und schwarz wurden von stift und tusche G. Keller ges. w. 1 (1889) 230; (des graphikers empfangsraum war) mit reizenden chinesischen malereien in tusche und farbe geschmückt Th. Mann Faustus (1948) 574. vielfach charakterisiert ein attribut tusche als produkt Indiens oder Chinas: indianische tusche ... lat. atramentum indicum, siniticum, oder chinense, frz. encre de la Chine, wird uns in kleinen viereckigten oder langen stcken zugefhret, die hart und glatt, schwartz und glntzend ... sind Bürgel oec. u. phys. lex. 8 (1757) 2133; er (mein wahrsager) ist so ächt chinesisch als die beste chinesische tusche Brentano Valeria 12 Steig; der Berliner doktor ... wird hoffentlich nicht die schwärzeste chinesische tusche für unser kolorit verwenden W. Raabe s. w. I 6, 349 Klemm; und ihr (der welken blätter) bitterer geruch verbindet sich mit dem duft der sommerblumen zu dem dichten aroma echter chinesischer tusche (2. 8. 1907) Rilke br. 1906 -07 (1930) 301. als verbale wendung findet sich die tusche reiben 'die tafel- bzw. stangenförmig im umlauf befindliche, feste tusche zum malen anreiben': im übrigen lernte der schüler den garten pflegen, die pinsel waschen, die tusche reiben Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 183; als substantivierte zusammenrückung: das verdammte tuschereiben kostet mich auch noch einen weg Gottsched dt. schaubühne 4 (1748) 292.
B. in besonderer einzelanwendung.
1) im vergleich: wie die schauspieler nur die lettern, nur die trocknen tuschen sind, womit der theaterdichter seine ideale auf das theater malet J. Paul s. w. 45 (1827) 93 Reimer.
2) in anschlusz an frz. touche vereinzelt auch 'farbgebung, art farbiger (bzw. schattierender) gestaltung': nicht weniger glückten ihm (Georg Melchior Kraus) landschaftliche zeichnungen, die sich durch reinliche umrisse, massenhafte (plastisch wirkende) tusche, angenehmes colorit dem auge freundlich empfahlen Göthe IV 21, 168 W.
3) gelegentlich auch für die (schattierend aufgetragene) farbe als bildwert: es fehlt (bei der skizze) so sehr an jedem überlegten hinsetzen der formen und tuschen (14. 9. 1878) G. Keller br. u. tageb. 3, 259 Erm.; ähnlich: die starken federstriche und breiten tuschen erschienen auf den kleineren bruchstücken (der zerschnittenen kartons) doppelt grosz ders., ges. w. 3 (1889) 75. metaphorisch: die gladiolen neigen zu farben, die destillierten charakter tragen, und hinter der leuchtkraft ihrer rein ausgezogenen tuschen tritt der lebensstoff der blüte fast zurück qu. v. j. 1949.
4) 'farbton, färbung' in freierer anwendung (zu 1tuschen B 1):

sie (das badende mädchen) stuzt und Blondel sieht des krpers leichte tusche
sogleich zur rosenglut geschrekter schaam erhht
F. Müller Richard Löwenherz (1790) 177.


C. komposita. tusche als 1. kompositionsglied tritt erst in neuerem sprachgebrauch auf, gelegentlich für ältere zusammensetzungen mit dem verbalstamm tusch- (s. a. a. o.) eintretend: tuscheschale, f. , wie tuschschale (s. dort): denn der ältere bruder verliesz eines tages das institut, ... ausgerüstet mit pinsel, tuscheschale und zwei, drei büchern Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 177. — -zeichnung, f. , wie tuschzeichnung (s. dort): autotypie ... verfahren zur zerlegung der vollen töne photographischer aufnahmen, sie mögen nach der natur, nach tusche- oder gemischten zeichnungen, oelgemälden etc. gemacht sein, in feine punkte Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 632.
 
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tusche, f., mundartlich für 'prügel', s. u. 3tuschen u. vgl. steir. tutsch stosz Unger-Khull 181, sowie 3tuscher.
 
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tuschelei, f., nominalbildung zu tuscheln; gelegentlich statt des üblicheren getuschel: wenn es jemanden ... gab, der Hoppenmarieken in ihren schlichen und

[Bd. 22, Sp. 1919]


wegen nachgehen oder doch ihr treiben auf der landstrasze, ihre begegnungen und tuscheleien beobachten konnte, so war es eben Hanne Fontane ges. w. I 1 (1905) 289; der mann begnügte sich ... damit, das gerücht als durchaus unbegründet zu bezeichnen, und die tuscheleien über die 'vergangenheit' seiner frau verstummten denn auch tägl. rundschau (1899) nr. 165; vereinzelt auch mundartlich bezeugt: tuschelei Leithäuser Barmen 161.
 
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tuschelig, adj., gelegenheitsbildung zu tuscheln, 'gedämpft redend, flüsternd': beim anblick ... des kutschers im zylinder wurde die ganze sensationsvolle menge scheu und tuschelig R. H. Bartsch frau Utta (1915) 66.
 
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tuscheln, vb. , diminutiv- bzw. iterativbildung zu 2tuschen (s. dort u. vgl. sinnverwandtes zischeln), die seit dem 18. jh. als träger der besonderen bedeutung 'mit gedämpfter stimme sprechen, flüstern' nachweisbar ist, während die komposition vertuscheln nicht bedeutungsmäszig vom grundwort differenziert erscheint, s. teil 12, 1, 2, sp. 2016 s. v. vertuschen. mundartlich weit verbreitet: t(ü)scheln Mensing schlesw.-holst. 5, 185; tüscheln Mi mecklenb.-vorpomm. 95; dyšəln Hofmann niederhess. 243; tuscheln Sprenger Quedlinburg in: jb. d. ver. f. nd. sprachforschg. 30 (1904) 28; Frischbier pr. 2, 416; Teuchert neumärk. 243; Jecht Mansf. 115; Block Eilsdorf 99; Flemes Kalenberg 371; Jungandreas schl. zeitwortb. 75 f.; Liesenberg Stieger ma. 92; Schmidt Westerwald 273; duscheln Hertel Thür. 87; tuschele Hönig Köln 183; Rovenhagen Aachen 149; tuschelen Leithäuser Barmen 161; tuscheln Elberfelder ma. 166; tušle bad. wb. 1, 616; Meisinger Rappenau 218; tutschele (mit palatalisierung des š zu tš) Coblenzer ma. 55; tûtscheln Kramer Bistritz 136; tuscheln, tusteln Unger-Khull steir. 185; tuscheln Schranka Wien 175; unter einflusz sinnverwandter bildungen auf -er(e)n (vgl. etwa wispern) gelegentlich auch: tusteren Bauer-Collitz waldeck. 106; tustern Woeste westfäl. 276; Frederking Hahlen b. Minden 147; Flemes Kalenberg, nachtr. 108; Fromme Hohenbostel 86 Alpers; Schambach Göttingen 237; Liesenberg Stieger ma. 106; tuistern Deiter Hastenbeck, nachtr. 65; tüstern (2) bad. wb. 1, 618; tuschdere Schön Saarbrücken 214; duschtren Follmann lothr. 115. über die varianten mit st bzw. tsch neben sch s. auch unter vertuschen teil 12, 1, 2, sp. 2016.
1) mit gedämpfter stimme zu jem. sprechen, leise auf ihn einreden, dafür auch zutuscheln, s. dort; in verschiedener anwendung, wobei die vorstellung der verschwiegenen oder geheimnistuerischen mitteilung, aber auch des beschwichtigenden einredens vorherrschen kann.
a) (etwas) flüsternd sagen: diese fragen wurden etliche stunden später in ganz Glaublingen herum erst 'getuschelt' und 'geflismet', dann etwas lauter getan und beantwortet Joh. Scherr novellenbuch 6 (1874) 74 (Gottlieb Rapser); 'ich glaube' tuschelte sie geheimnistuerisch 'es handelte sich um die frage, ob herr Gitzler ihn kommenden sonntag zum kasino mitnehmen möchte' E. Langgässer unauslöschl. siegel (1946) 84; und mit gesenkter stimme tuschelt sie: ... dort findet ihr holz Werfel lied v. Bernadette (1948) 45; (der amtmann) sagte leise zu seinem vater etwas ... als er gehört hatte, was sein sohn tuschelte, sagte er: '... red er doch laut!' C. Viebig d. vor d. toren (1949) 43; auch: ein gerede tuschelte, Kortüm lebe Kluge Kortüm (1938) 729. gelegentlich auch ohne ausdrückliches objekt; dann imperfektiv 'mit gedämpfter stimme reden': die braune ... hrte ich hinter mir lachen und offenbar boshaft tuscheln Stehr drei nächte (21909) 241; die Jehnisch tuschelte und gestikulierte Kahlenberg familie Barchwitz (1902) 38.
b) plastischer 'jem. etw. ins ohr flüstern, zuraunen': thu' ich recht, wenn ich ihm in's ohr tuschle: gnädiger herr, ihnen (anrede) gilt's ja nicht Holtei erz. schr. 23 (1861) 242; tuschelt dir die frömmigkeit der commerzienräthin eines tages ins ohr: ... kommen sie (anrede), wir ... beten in den sack hinein! Gutzkow zauberer v. Rom

[Bd. 22, Sp. 1920]


3 (1858) 249; (Johanns frau) wollte ihrer schwägerin Lene etwas ins ohr tuscheln; doch diese verstand sie nicht C. Viebig d. vor d. toren (1949) 163; in poetischer einzelanwendung auch ohne ausdrückliches objekt: allerliebste geister, die im flüsternden riedgras wohnen ... wenn sie mir ins ohr tuscheln, habe ich die empfindung eines überaus angenehmen kitzels Timm Kröger eine stille welt (1936) 75. gelegentlich in der (bereits zu 2 überleitenden) wendung sich etwas ins (in die) ohr(en) tuscheln 'einander etwas zuraunen': oft sahen ihm die leute nach und tuschelten sich in die ohren: das ist er! qu. v. j. 1926; bildlich:

un baben steken s' (die tannen) de köpp tosam
un tuscheln sik wat in't ur
Fr. u.
K. Eggers tremsen (1875) 36.


c) vereinzelt auch 'mit leiser stimme jem. beschwichtigend zureden' (vgl. 2tuschen 1 a): sie (eine junge frau) nahm es (ihr kindchen) fester in ihr tuch, fing an zu tuscheln und zu wiegen Schäfer erz. schr. (1918) 1, 389; (die mutter) bringt die wiege leise tuschelnd in gang, weil das knäbchen schon wieder weinen will ebda 4, 157.
2) mit jem. heimlich reden, leise miteinander sprechen.
a) 'sich flüsternd unterhalten, zischeln, wispern' schlechthin: tuscheln ... heimlich reden, flistern, chuchoter Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1394; häufig in der präpositionalen wendung mit jem. tuscheln: aber Hart, was haben sie (anrede) denn ewig mit Gustav zu zischeln und zu tuscheln? Holtei erz. schr. 5 (1861) 45; da kam der lange blasse kerl, der schon immer auf sie gemustert und dabei mit einem andern getuschelt hatte, und wollte extra mit ihr tanzen Storm s. w. (1919) 2, 205 Köster; er (Verdi) ... sieht zwei bäuerinnen, die miteinander tuscheln; all ihre flüsterworte klingen ähnlich wie: Fischböck Werfel Verdi (1930) 538. aber auch sonst in verschiedener fügung: die jungen damen zischelten, tuschelten unter einander Holtei erz. schr. 28 (1862) 43; die beiden tuschelten zusammen v. d. Steinen naturvölker Zentral-Brasiliens (1894) 77; mit effiziertem bzw. präpositionalem objekt: die frauen tuschelten und lispelten dann gewöhnlich so ihre eigenen gespräche W. Harnisch Kaskorbi (1817) 1, 2;

und englein huschen am gartenzaun
krausköpfig flügelgesindel,
und tuscheln leise im abendgraun
von christkinds krippe und windel
L. v. Strausz u. Torney erde d. väter (1936) 57;

oft auch absolut gebraucht: des pfarrers feinde ... tuschelten und verschworen sich qu. v. j. 1923; hin und wieder zeigte jemand vorsichtig mit dem finger hinauf zu ihm (Kortüms gemälde). das tuscheln (der besucher) wurde noch leiser Kluge Kortüm (1938) 294; wenn sie (die jungen mädchen um die jahrhundertwende) miteinander allein waren, kicherten und tuschelten und lachten sie unablässig wie leicht betrunkene Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 100; prädikativ: dann wurde das gespräch leise, so tuschelnd, dasz er nichts mehr verstand Viebig d. schlafende heer (1904) 2, 450.
b) häufig mit dem pejorativen beisinn 'über jem. (bzw. etwas) heimlich reden', der sich gelegentlich zu der bedeutung 'verstohlen (hinter dem rücken eines andern) klatschen' verstärkt:

wenn ich auch jetzt erröthe, indem ich der fragen gedenke,
die mich in Hamburg erwarten, des zischelns und tüschelns und lächelns
Hebbel w. 8, 340 Werner;

dann würd' dat en flustern un en tuscheln un en anstöten Fritz Reuter olle camellen (1860) 29; die tuschelnden und schwatzenden hatten ein schlechtes gewissen, wie sie diese gerüchte weiter trugen Beyerlein Jena oder Sedan? (1904) 114; den (Brinkmeier) kümmerte es nicht, ob sie hinter ihm tuschelten und gesichter machten L. v. Strausz u. Torney d. hof am Brink (1935) 46; wie wird die gesellschaft sich erst ... moquieren, die hälse recken, tuscheln und äugen? Th. Mann Lotte i. Weimar (1946) 416; die verwandtschaft sah zu (als Kortüm Konstanze Schröter zu tisch führte). man tuschelte Kluge Kortüm (1938) 293. mit dichterischer personifikation auch: mit der

[Bd. 22, Sp. 1921]


pfarrmagd, die aus der hintertür zur krämersfrau in den krug rannte, lief ein neues tuschelndes gerücht das ganze dorf hinunter L. v. Strausz u. Torney auge um auge (1933) 61. nur vereinzelt transitiviert: gegen die sensationspresse, die mit unsauberem behagen allerlei gerüchte über den ehezwist ... zusammentrug und sorgfältig buchte, was bedienstete tuschelten und klatschbasen einander zuraunten, wendet sich offensichtlich folgende auslassung ... tägl. rundschau (1901) 541; jetzt gibt's nun allerlei neues zu sehen ... und zu tuscheln und zu wispern qu. v. j. 1917; dafür tritt z. t. die komposition betuscheln ein: sie (Lauro und Annunziata Pascarella), die sonst immer vielerlei zu betuscheln hatten, schwiegen heute (am grabe der mutter) hartnäckig Werfel geschw. v. Neapel (1931) 199.
 
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tuschen, vb. , mit tusche überarbeiten, ausgestalten, darstellen, aus frz. toucher '(streichend) berühren, farbe auftragen' entlehnt, das nach Meyer-Lübke 8767 von einem schallwort tok abgeleitet ist und auchvielleicht durch dt. vermittlungins slav. (tschech. tušovati, poln. tuszowac, russ. tuševat) sowie ins ungar. (tusol) gedrungen ist. im dt. seit dem 16. jh. belegt, anfangs vereinzelt in frz. schreibung (getouscht [16. jh.] s. unter A; touschen Chr. Lehmann hist. schauplatz [1699] 754), gelegentlich auch mit anlautender lenis (geduscht Neumark palmbaum [1668] 202; duschen Sulzer allg. theorie d. schönen künste 1 [1771] 286) oder mit umlaut (getschet Dusch verm. w. [1754] 162). mundartlich nur vereinzelt gebucht: tuschen Mensing schlesw.-holst. 5, 185; vgl.: einem wat antuschen einem etw. auswischen Block Eilsdorf 99. — s. auch unter tuschung (1) sowie 2tuschieren.
A. terminus der zeichentechnik. im gegensatz zu sinnverwandtem malen (kolorieren) bezeichnet tuschen im allg. die einfarbige ausgestaltung (1) bzw. darstellung (2), so schon in den frühesten belegen: tuschen ... monochromatis pingere Schönsleder prompt. (1647) kkk 5a; tuschen oder einfärbig mahlen to dawb; to paint with one only colour Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042; insbesondere wird tuschen für das (schattierende) auftragen einer dunklen farbe bzw. tinte (tusche) gebraucht: getuscht, mit schwarz getuscht, getouscht oder tuscht (16. jh.) bei J. Meder d. handzeichnung, ihre technik u. entwicklung (1923) 52 anm. 3; tuschen (wie die mahler, grau in grau) Weismann lex. (1698) 2, 383; tuschen ... mit schwarzer farbe ... schatten geben Frisch teutsch-lat. (1741) s. u. 1 a; gemeiniglich aber tuschet man mit bister (ruszschwarz) oder chinesischer tinte Jablonski allg. lex. d. künste u. wiss. 2 (1767) 1608; tuschen, mit tusche (schwarzer farbe) zeichnen Hübner zeitungslex. 4 (1828) 652; vgl. aus neuerer zeit: tuschen ... mit tusche malen ... to paint in Indian ink Hoyer-Kreuter technol. wb. 1 (1902) 784 u. in Meyers konv.-lex. 19 (1908) 841 s. v. tuschen: gewöhnlich werden tuscharbeiten einfarbig ausgeführt, meist schwarz mit chines. tusche, oft auch braun mit sepia, hin und wieder aber auch bunt (über das letzte vgl. DWB A 1 b; sowie die entsprechenden belege unter B 1).
1) (eine zeichnung) mit farbe überarbeiten.
a) 'einfarbig (schattierend) ausgestalten', (vgl. DWB austuschen teil 1, sp. 1006, 2tuschieren, tuschmanier [a] u. zur sachgesch. J. Meder a. a. o. 51, 57 f.): getuschte zeichnung disegno toccato ... di chiar' oscuro Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164b; tuschen ... mit schwarzer farbe und einem pensel schatten geben dem papier Frisch teutsch-lat. wb. (1741) 2, 395; zu dergleichen zeichnungen (kopien antiker statuen) möchte es wohl besser sein den contour bedächtlich, mit der feder zu ziehen und leicht zu tuschen Göthe I 47, 250 W. (vgl. ebda 48, 251: die braun getuschten federzeichnungen); eine zeichnung, einen risz tuschen laver un dessin (l'ombrer, le colorier avec de l'encre de la Chine ou qe autre couleur) Mozin wb. (1856) 4, 878 u. 2, 185; ähnlich auch in neuerer fachsprache, vgl. die moderne definition bei Brockhaus 19 (1934) 211. zuweilen absolut gebraucht: (wie sollte man sich den fleisz deuten,) mit welchem er (als geometer) jetzt halbe tage lang über sein reiszbrett gebeugt

[Bd. 22, Sp. 1922]


stand und zeichnete und tuschte? Spielhagen s. w. 1 (1872) 398.
b) vereinzelt auch 'bunt ausgestalten, farbig überarbeiten' (vgl.tuschkasten): so setzet man in zeichnungen mit der feder oder dem bleystifte die farben, welche den vorgestellten sachen am natrlichsten sind, mit dem pinsel hinein, und tuschet in rissen die ziegel und dachsteine mit einer dnnen rothen farbe, das wasser und den schiefer mit indigo, die bume und den rasen mit saftgrne Jablonski allg. lex. d. künste u. wiss. (1767) 1608; die bunten bilderbücher, so grell ausgemalt, stumpfen den farbensinn des kindes eher ab, als sie ihn heben. welche phantasie weckt ein unausgetuschter bilderbogen! der getuschte übersättigt Gutzkow ges. w. 1 (1879) 62; tuschen ... (kolorieren) to illuminate a drawing, etc. with water-colours Muret-Sanders 2, 2025; im vergleich: der morgen war so klar, dasz man auf der calabrischen küste die häuser zählen konnte und Sicilien vor uns auftauchte, wie eine sauber getuschte deutliche landkarte Franz Ziegler ges. nov. u. br. 3 (1872) 192.
2) etwas mit (tusch-) farbe darstellen, malen, vgl. vortuschen teil 12, 2, sp. 1802: darum bekümmere ich mich nicht, ob er (der gezeichnete gegenstand) weiszlich ist, oder grau, oder gelb. was getuscht ist, ist alles weiszlich und schwärzlich J. E. Schlegel w. 2 (1773) 56, ebda 53 auch: getuscht ist ... mit tusche gezeichnet;

wie morgenduft die flur entfalbe,
das tusch' ich hin mit sauberm fleisz
Aug. Wilh. Schlegel in: Athenäum (1798) 3, 161;

die getuschten zwillinge und thiere Jean Paul I, 7, 275 Berend;

eben noch in sonne glimmend (die wände der schwäbischen Alb)
...
sieht man schwarz empor sie steigen
wie die blaue nacht am tag!
blau, wie nur ein traum es zeigen,
doch kein maler tuschen mag
Mörike w. 1, 206 Maync;

gelegentlich auch 'durch farbige schrift ausdrücken, schreiben': handschuhe, worauf ein sehr einfältiges gedicht getuscht war Jean Paul w. 7/10, 298 Hempel; über nacht war (an der mauer des gotteshauses) mit rotem mennig ein spruch in mannsgroszen buchstaben getuscht worden qu. v. j. 1937. vereinzelt mit effiziertem objekt, '(ein bild) mit tusche malen, in schwarz-weisz-technik herstellen': ein getuschtes gemählde Adelung 4 (1780) 1107; sie (die farbenblinden) sehn demnach nur die gradationen des hellen und dunkeln, folglich stellt ihnen die welt sich dar wie ein getuschtes bild Schopenhauer w. 6, 80 Grisebach.
B. metaphorisch in verschiedeneran A 1 bzw. 2 anschlieszendereinzelanwendung:
1) 'farbe verleihen, färben' schlechthin (zu A 1):

die lichte ... haut war mit rthlichem glanze getschet
Dusch verm. w. (1754) 162;

dann trat ein herr hervor, welcher ... sich durch einen rothen fez mit blauem quast glänzend und vorteilhaft von der in grau und schwarz getuschten umgebung (der fabrik) abhob W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 14; vom farbverleihenden wirken der schönheit:

schnheit taucht' in das morgenroth
ihren lilienfinger, deine wangen
tuschte sie mit jener rthe,
die des himmels rosen berstrahlt
Schubart s. ged. (1825) 2, 194 (vgl. ebda 311: wenn herzblut seine wange tuschte);

ähnlich:

wer tuschte so mit kunst und fleisz
der holden wange roth und weisz?
Bürger s. w. 37b Bohtz


2) (sich) als schatten abzeichnen, dunkel gestaltet darstellen (zu A 2): (es war) so frühe, dasz er im abspiegelnden betthimmel ... alles nur dunkel und getuscht sehen konnte Jean Paul w. 3, 128 Hempel;

die sonne sank: die gruppe tuscht
ihr bild auf Tellus rücken
Pfeffel poet. vers. (1802) 6, 204;

[Bd. 22, Sp. 1923]


an deren (der zelle) hinterwand die grosze linde des schloszhofes ein schattengeflecht ihrer entlaubten aeste und zweige tuschte Ida Hahn-Hahn zwei schwestern (1863) 1, 116.
3) 'in worten schildern' (zu A 2):

lasz sie (die frühere hofmeisterin) vom pfad des glücks dir eine skizze tuschen
Gotter schausp. (1795) 103.


 
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tuschen, vb. , zur ruhe bringen, stillen, unterdrücken, löschen; mhd. tuschen mhd. wb. 3, 156; Lexer 2, 1589; daneben findet sich eine form tutzen (s. u. 1 c) bzw. tützen (s. u. 1 b α), die an Otfrids tuzta I 11, 41 anzuschlieszen scheint (s. mhd. wb. 3, 155 u. Lexer 2, 1592), vielleicht aber auch als mischform anzusehen ist, s. Falk-Torp 760 s. v. neddysse; frühnhd. tuschen Kepler op. omn. 8, 1, 323 Frisch; mit anlautender lenis: duschen Henisch (1616) 779, s. auch teil 2, sp. 1760 s. v. dusen 5; der reibelaut (š) erscheint gelegentlich als s(s) bzw. st (s. Weinhold mhd. gr. 204 f., teil 12, 1, 2, sp. 2016, beitr. 17, 250 anm. 7 u. Wilmanns dt. gr. 2, 113 anm. zu § 87): getust Dreytwein Essling. chron. (16. jh.) 65 lit. ver.; getustet Frankf. amtsurk. (15. jh.) 206. daneben häufig in der umgelauteten form tüschen Frisius dict. (1556) 274a; mit offenerer qualität des stammvokals auch töschen Estor d. Teutschen rechtsgelahrtheit 3 (1767) 1421 und mit entrundung des umlautvokals: gedist polit. korresp. d. st. Straszburg 1 (1525) 131; mnd. tusken Schiller-Lübben 4, 634; im nord. mit umlaut: dän. tysse, bes. in neddysse (eig. *nedtysse); schwed. (ned-)tysta Falk-Torp 760. — tuschen geht wohl ebenso wie tuscheln und 4tusch (interj.) auf einen onomatopoetischen stamm zurück, der mannigfaltigen bildungen besonders der älteren sprache zugrunde liegt, möglicherweise in berührung mit anderen stämmen, s. Falk-Torp a. a. o., mhd. wb. 3, 155 f. und s. v. vertuschen teil 12, 1, 2, sp. 2015.
tuschen erscheintnach vereinzeltem auftreten in der bedeutung 'sich still halten, verbergen' (resthaft i. schweiz. u. der sprachinsel Lusern bezeugt, s. Stalder 1, 329 u. Bacher 411, vielleicht auch als erstarrter imperativ in der interjektion tusch erhalten) — im späten mhd. und frühen nhd. transitiviert ('jem. bzw. etw. zur ruhe bringen, unterdrücken') in verschiedener anwendung und lebt in neuerer sprache besonders mundartlich fort, vgl. auch DWB tuschung 2. die mundarten zeigen mannigfaltige formen, mit anlautender lenis, mit umlaut und evtl. entrundung des stammvokals oder auch verschärfung des sch zu ss oder st (vgl. die frühnhd. formen u. s. auch s. v. vertuschen), wobei gelegentliche doppelformen als träger verschiedener bedeutungen entstehen (z. b. tuschen 'stillschweigen', tüschen 'zum schweigen bringen' bei Groth im schlesw.-holst.; duschen 'heimlich löschen', düsten 'besänftigen' im schwäb.): tuschen, tüschen, töschen, tüssen, tüsten Mensing schlesw.-holst. 5, 207; Schütze holst. 3, 290; tüssen Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 451; tussen, tüssen Böning Oldenburg 120; tüssen Woeste westfäl. 276; tussen Fulda prov. wb. (nds.) 560; tüschen Mi mecklenb.-vorpomm. 95; tuschen, tüschen Müller Reuter-lex. 141; tuschen Dähnert plattdt. (pomm.) 499; Frischbier pr. 2, 416; Danneil altmärk. 229; Müller-Fraureuth obers. 1, 269; Waldbrühl rhingscher klaaf 214; tüsche Hönig Köln 183; tüschen Leithäuser Barmen 161; tuschen, tüschen Elberfelder ma. 166; dyšən Leihener Cronenberg 26; dische Autenrieth pfälz. 33; dischen, düschen, döschen Kehrein Nassau 112; Schmidt Westerwald 273; duschen Birlinger Augsburg 129; duschen, düsten Fischer schwäb. 2, 514; tüschen Martin-Lienhart elsäss. 2, 724; touschen (an frz. schreibung angelehnt) Schmitz Eifel 232; tuschen bad. wb. 1, 617; Meisinger Rappenau 218; Schmeller bair. 1, 629; Bayerns ma. 1, 239; Loritza Wien 135; Schöpf tirol. 778; Bacher Lusern 411; düschen Stalder schweiz. 1, 329; vgl. auch pfälz. tstern Klein prov. wb. 2, 201.
1) zur ruhe bringen, stillen, unterdrücken, s. auch teil 4, 1, 3, sp. 4611 s. v. getuscht 1.

[Bd. 22, Sp. 1924]



a) '(jem.) zum schweigen bringen'; mit verschiedenem beisinn, 'beruhigen, beschwichtigen' (vgl. DWB tuscheln 1 c):

wil jtzt nicht sagen, wie die giern,
so die mgd auff den armen fhrn,
sie tuschen, gengeln, das sie schweigen,
sagen und singen nach der reign,
was sie wissen, hilfft aber wenig
A. Pape Jonas rhythmicus (1605) N 8b;

hatte dannenhero genug mit den weibern zu tüschen, dasz sie nicht durch ihr unverständig lamentieren dem grimmigen feind unsern schlupfwinkel verraten möchten W. Meinhold bernsteinhexe (1909) 21; so noch in moderner mundart: dat kind was so upgerêgd un schrêfde so, dat' hêl nêt wër to tüssen was ... Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 451; (ähnlich von Mensing, Böning, Woeste, Mi, Müller, Fulda, Frischbier, Danneil, Müller-Fraureuth, Hönig, Leithäuser, Leihener, Autenrieth, Martin-Lienhart, Schmitz, Fischer, Klein sowie im bad. wb. u. im wb. der Elberfelder ma. bezeugt); gelegentlich auch 'unterdrücken, am weiterreden hindern': eigentlich ist das ihre (anrede) schuld, weil sie mich verruchterweise in der letzten versammlung tuschten, da Pertz etwas herknotterte, was ich nicht verstand (14. 11. 1846) Gervinus in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 291 Ippel; ein saal nahm uns auf, in dem die feierliche stille nur durch gedämpftes flüstern unterbrochen und jedes unschuldige helle kinderstimmchen, das sich erhob, gleich wieder zur ruhe getuscht wurde H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 313; he lett sik ni tüschen bei Mensing a. a. o.; mit dem beisinn des besänftigens und versöhnens:

ich bringe dich zur tante hin nach Breslau,
...
die tuscht den vater
Immermann w. 14, 235 Hempel;

auch: hot n kətušt 'er hat ihm die meinung gesagt' Meisinger Rappenau 218.
gelegentlich reflexiv gebraucht: tüsch dich schweig still, comprime te Maaler teutsch spraach (1561) 411c; ähnlich: tüsse dî man Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 451; ebda auch: de storm tüst (beruhigt) sük; absolut, ohne ausdrückliches personalobjekt 'beschwichtigend zum schweigen auffordern':

schnell tuschte mit winkendem haupte
die mutter: still! das väterchen hält
noch mittagsschlummer im lehnstuhl
Voss s. ged. (1802) 288;

'stille, stille!' tuschte der hofmeister, 'das ist ja — polizei' W. H. Riehl Eisele u. Beisele (1848) 81; die kinder tuschten und flüsterten: 'Hans! Hans!' Gutzkow ges. w. 3 (1879) 192.
b) in abstrakter anwendung auch 'aufruhr, erregung u. dergl. stillen'.
α) (physische bzw. psychische zustände) beruhigen, dämpfen:

er und die mir durh den anger wuoten
den ist sô gar getützet al ir üppikeit
Neidhart lieder 61, 9 Haupt-Wieszner;

desgleichen sollen auch thun (sich zur ader lassen) doch messiglich, die hitziger complection, damit jr wallents geblt, getschet vnd erfrischt werde Joach. Struppius notwendiger vnderricht (1564) D 7b; und ich fing an die temperantiam zu tuschen Zinzendorf tageb. in: zs. f. brüdergesch. 4, 65; jetzt ... da mein blut getischt ist und meine fibern wieder in gleichmäszigen schwingungen vibriren Kosegarten rhapsodien 2 (1794) 58;

wollte mich die muhme trösten,
tuschte meinen zorn geschwind,
rief ...
Immermann w. 15, 139 Hempel.


β) (aufrührerisches, aufgeregtes lärmen u. ä.) stillen, zur ruhe bringen, (ihm) einhalt gebieten: und wer' es, das fure uszginge oder sich andere rumore in der stad mechte, so sollen sie ... die thorne und porten getrulich behuden und verwaren helffen und davon nit kommen, die sache

[Bd. 22, Sp. 1925]


si dan getustet und hingelacht (beigelegt) (15. jh.) Frankfurter amtsurk. 206 Bücher; diese uffwegung und rumor hetten die Francken und Sachsen ... kein wissens bisz soliches gestilt und gedust ward J. Schenck ein schone cronica (1522) 49; ehe dann der sommer halb herumb sei, werde alle der lermen unnd aufflauff gar gestillet und getuscht sein Joh. Fuglinus de praestigiis daemonum (1586) 24 r; tschen, stillen eine aufruhr sedare, comprimere seditionem Dentzler clavis (1697) 2, 292b; es gab eine scene (zwischen sohn und vater), welche, zwar wieder getuscht und ausgeglichen, doch meine reise nach dem schönen Elsasz beschleunigte Göthe I 27, 229 W.; auch im sinne von 'unterdrücken, niederhalten': es ist aber für war not, das man ein vnbetrügliche regel im vszlegen der schrifft ... habe ..., damit getüschet werde die vnbedachtsamkeit der speltigen vnd ketzer M. Bucer bericht (1524) M 4b; die gegenwart des amtmannes und seine anstalten tuschten einen auflauf Göthe I 19, 191 W. so noch in heutiger mundart: met gure wort do hott se's (streit) dische kenne Kehrein Nassau 112; ein geschrey, unsittliches wesen, raufhändel tüschen Schmidt Westerwald 273.
c) mit sachobjekt, 'etwas nicht offenbar werden lassen, verschweigen, verheimlichen, verbergen'; in neuerer sprache ist dafür vertuschen eingetreten (vgl. 2tuscher u. tuschung [2]):

eyermser, kachelmutzen,
der endarf man da niht tutzen (14. jh.)
König vom Odenwalde 2, 110 Schröder;

duschen, verduschen abscondere, surripere Henisch teutsche spr. (1616) 779; ein ding tüschen ... vertüschen Dentzler clavis (1716) 292b; von der andern seite sind die mathematiker, welche ungeheure vortheile haben der natur zu leibe zu gehen, auch oft in dem falle das interessanteste zu tuschen Göthe IV 13, 77 W.;

denn die jäger, jung und alt,
sei's im hause, sei's im wald,
wollt' ichs tuschend euch verschweigen,
erd' und himmel würden zeugen,
sind verliebter passion
W. Bornemann humorist. jagdged. (1855) 272;

in moderner mundart: de sake is nêt mër to tüssen (verschweigen) Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 451; ebenso von Mensing, Dähnert, Waldbrühl, Schöpf, Loritza, sowie in: Bayerns maa. bezeugt; s. auch bei Birlinger, Fischer und Schmeller, die für tuschen die bedeutung (2) 'heimlich löschen' verzeichnen. gelegentlich absolut gebraucht: ich hoffe die historie wird doch nicht schon in ganz Salzburg bekannt seyn? ich bitte den papa recht inständigst zu tuschen so lange es möglich ist (1777) Mozart br. 1, 97 Schiedermair; ist die sache doch jetzt zu stark, selbst für den kanzler, der sonst so gut zu tuschen und zu vertuschen versteht (2. 6. 1820) Görres ges. schr. 7 (1858) 161.
2) in konkreter (an die bedeutung 1 anschlieszender) anwendung auch feuer tuschen 'eindämmen, löschen': dardurch diszmal das fewer ein wenig geduscht (1625) P. Haarer beschr. d. bauernkriegs 32 ndr.; das feuer tuschen het vuur dooven Kramer-Moerbeek dt.-holl. (1768) 349c; gelegentlich auch mundartlich bezeugt: das feuer ist getüscht Schmidt Westerwald 273, s. ferner bei Kehrein, Birlinger, Fischer u. Schmeller. bildlich: die frauen suchten vergebens, das feuer (des zwistes) zu tüschen Göthe I 26, 70 W.;

es nährt drum insgeheim den fast getuschten brand ebda I 16, 24.


 
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tuschen, vb. , 'schlagen, stoszen'; mundartlich verbreitetes wort wohl onomatopoetischen ursprungs (vgl. auch Kluge-Götzes annahme eines lautmalenden mhd. tuz 'stosz' etym. wb. [151951] 830 s. v. verdutzt); entlehnung aus frz. toucher (s. Seiler d. entw. d. dt. kultur i. spiegel d. dt. lehnworts 3, 1 [1910] 179) oder poln. tuzowac 'schlagen, prügeln' (< tuz 'as', pl. tuzy 'schläge, hiebe', vor der diphthongierung aus dt. daus entlehnt, s. Brückner slown. et. jez. polsk. [1927] 585) ist wenig wahrscheinlich. — tuschen bleibt im wesentlichen auf obd. sprachgebiet beschränkt (vgl. aber die

[Bd. 22, Sp. 1926]


thür. iterativbildung tuscheln 'ausprügeln' Keller 46 u. obers. tusche 'prügel' Albrecht Leipzig 225 u. Klix Oberlaus. sprichw. 108, s. auch s. v. 2tusche), bezeugt v. bad. wb. 1, 616 f.; Fischer schwäb. 2, 514 (ebda auch tüschen); Schmeller bair. 1, 628; Knothe Nordböhmen 197; Loritza Wien 135; Schöpf tirol. 778; Unger-Khull steir. 185; Lexer kärnt. 79. daneben finden sich sinnverwandte bildungen wie d(ü)tschen, tütschen, d(ü)tzen (s. bad. wb. 1, 619 f.; Fischer schwäb. 519 u. 521; Stalder schweiz. 332 f.; Jutz d. alem. maa. [1931] 185; Enderlin ma. v. Kesswil 107; Meinherz ma. d. Bündner herrsch. 127, sowie teil 2, sp. 1773 u. ebda 1760 unten s. v. dusen), die wohl zum teil durch berührung mit form- und bedeutungsähnlichen wörtern wie das im obd. geläufige d(ä)tschen teil 2, sp. 825, das auch als tatschen ebda 11, 1, 2, sp. 160, titschen ebda sp. 270 (1) u. totschen ebda sp. 914 auftritt, entstanden sind, s. auch unter vertuschen teil 12, 1, 2, sp. 2016.
1) im eig. sinne; spätmhd. vereinzelt in der komposition ze(r)-tuschen:

des wâren im zetuschet
vreislîchen alliu siniu lit gesamtabent. 3, 67 v. d. Hagen;

dann nur mundartlich nachweisbar, s. insbesondere bei Schmeller u. Fischer sowie im bad. wb., s. auch teil 12, 1, 2, sp. 2020 s. v. vertuschen (13).
2) auf die akustische wirkung des schlagens bezogen 'stoszartig dröhnen, knallen, krachen'; in verschiedener anwendung (s. auch die belege bei Schmeller sowie s. v. 3tuscher und tuschglocke):

schlgen als woltens (d. bauern) dreschen;
...
da zwen, da drei,
si gaben ainander bleschen (schläge),
das tuschet als das blei
Heselloher (15. jh.) in: volksl. 2, 658 Uhland;

das tuschen ich leicht hören khundt,
als wan man stockh (baumstümpfe) thett schlagen (1720) volksschausp. i. Bayern u. Österr. 136 Hartmann-Abele;

da hat der geist erschröcklich getuscht beschr. d. Marian. gnadenbildes auf Waldrast (1738) 164;

î tanz und gib nöt nch
bîs i die knoschpen (holzschuh) zu tuschen brâv (brauchbar) mach volksl. a. Bayern, Tirol u. Salzburg 1, 9 Hartmann-Abele;

rinnent mir meine augen,
wann i ausgeh' in wald,
aft schiesz i all's zusammen,
dasz alles tuscht und knallt volksschausp. a. Obersteiermark 231 Bünker;

welche (hütbuben) bereits wochenlang an den abenden übungen im 'tuschn mit dr goiszl' (schnalzen mit der langen peitsche; vgl. patschen-tusch schnall mit der geisel Schmeller bair. 1, 628) anstellen Schramek d. Böhmerwaldbauer (1915) 153. insbesondere auch für das stoszartige dröhnen der schlaginstrumente, vgl. DWB schlagen teil 9, sp. 410f. (V 9):

iaz tuat ǎ truppen frisch gloria singǎ~,
trummeln und pauken tuscht, bàld jecht's mehr still volksl. a. Bayern, Tirol u. Salzburg 1, 148 Hartmann-Abele;

hieraus dann unter rückwirkung des postverbalen substantivs 1 tusch (s. dort): tuschen 'einen tusch spielen' Stauf v. d. March nordmähr. maa. 94.

 

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