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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tusch bis tuschelei (Bd. 22, Sp. 1916 bis 1918)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tusch, vereinzelt bezeugte kurzform von Dorothea:

Ann, Trihn, Greth, Tusch und Busch (Barbara, s. Frischbier
pr. 1, 54), ich will mich schon bequehmen,
euch alle fnff', und auf ein mahl zu nehmen
M. Kongehl Andromeda (1695) 45;

Schulte Tusch, du trûtste popp! bei Frischbier pr. 2, 416.

[Bd. 22, Sp. 1917]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tuscharbeit, f. , kompositum zu 1tuschen.
a) die tätigkeit des (tusch-)malens; (tusch-)malerei: hierauf kan man zur tusch und pinsel-arbeit schreiten H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 16a; gewöhnlich werden tuscharbeiten einfarbig ausgeführt, meist schwarz mit chinesischer tusche Meyers konv.-lex. 19 (1908) 841.
b) '(tusch-)zeichnung': ... nahm jener anlasz, sich scherzhaft gegen Konstanze wegen der vorenthaltenen (nicht gezeigten) tuscharbeit zu beschweren Mörike w. 22, 76 Maync.
 
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tuschbad, n., vereinzelt in älterer sprache statt des jetzt üblichen dusche (s. auch die belege bei Schulz dt. fremdwb. 1, 160 u. über die roman. grundlage des ersten kompositionsgliedes bei Gamillscheg etym. wb. 323 s. v. douche): das auf Starckens anrathen gebrauchte tuschbad (10. 8. 1805) Göthe IV 19, 34 W.; und mag nun die unzeitige anwendung des kalten tuschbades bei einem zarten, eben sehr erhitzten körper ... die ursache der lähmung geworden sein G. H. v. Schubert erz. (1843) 1, 4.
 
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tuschbild, n., wie tuscharbeit (b): schwarze kupferstiche und tuschbilder entsprechen einem edleren ... geschmack als kolorirte kupfer Schopenhauer w. 5, 448 Grisebach; er (Mokuan) ist der erste Japaner, der tuschbilder im geiste der groszen Zen-maler der Süd-Sung-zeit malt ausstellg. altjapan. kunst (1939), katal. 98.
 
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tuschblasen, n., substantivierte zusammenrückung der verbalen wendung tusch blasen (s. unter 1tusch): die musik fiel mit schmetterndem tuschblasen ein Gutzkow zauberer v. Rom 8 (1860) 53, s. auch ebda 6, 158; die husaren hatten ihre trompeter auch da, und da die meisten betrunken waren, so gab das ein tuschblasen und eine musik, dasz sich die engel im himmel darüber hätten erbarmen mögen L. E. Grimm erinn. a. m. leben (1911) 190 Stoll.
 
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tuschblau, adj., vereinzelt gebuchte adjektivkomposition: tuschblau le bleu de lavis Schaffer dt.-frz. 2, 3 (1838) 392; tuschblau ... blue colour in tablets, bleu ... à lavis Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 783.
 
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tusche, f. , tuschfarbe; postverbale bildung des 18. jhs. zu 1tuschen, s. dort, sowie bei Dora Nichtenhauser rückbild. i. nhd., diss. Freiburg 1920, 20. vermutlich aus der verbalen komposition tusch-farbe als nominale kurzform rückgebildet, wobei wohl das sinnverwandte frz. touche mitgewirkt hat, vgl. tusch-farbe, DWB tusche f. colore Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164b, ähnlich bei Ludwig teutschengl. (1716) s. u. DWB A 1; die modernen slav. formen (tschech. tuš, poln. tusz, russ. tuš, bulg. tuš) u. ungar. tus mögen unmittelbar aus dem frz. entlehnt sein, falls sie nichtwie Lumtzer-Melich (1900) 258 für das ungarische angibtan die maskuline kurzform 3tusch (s. dort) anschlieszen.mundartlich erscheint vereinzelt die apokopierte form tusch (fem.): Mensing schlesw.-holst. 5, 185; Müller Reuterlex. 141; luxemb. ma. 446; Follmann lothr. 114; und das diminutivum tüschche (n.) Hönig Köln 183.
A. farbtechnische bezeichnung. zur sachgesch. s. J. Meder d. handzeichnung, ihre technik u. entwicklung (1923) 64 ff.
1) allg. für jede als zeichen- bzw. schreibstoff verwendete farbe: tusch-farbe oder tusche (die) a painter's dawbing colours Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042; tusche ist mit gummi versetzte farbe, die zum illuminiren der zeichnungen gebraucht wird J. J. Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 376b; die tusche ist im allgemeinen jede wasserfarbe Schönermark-Stüber hochbau-lex. (1902) 850.
2) insbesondere für einen tintenähnlichen, in speziellem technischem verfahren hergestellten (s. Brockhaus 18 [1934] 703 s. v. tinte) schwarzen farbstoff; diese bedeutung wirddem verbum entsprechend (s. u. DWB tuschen A) — früh vorherrschend; bereits Adelung erklärt: tusche ... ein nahme, welchen ehedem alle trockne farben ... geführet zu haben scheinen. jetzt ist es nur noch von einer schwarzen festen farbe üblich, welche ... auch chinesische dinte genannt wird 4 (1780) 1107; dem entspricht der literarische gebrauch: man darf nur täglich beobachten, wie zeichenlustige von

[Bd. 22, Sp. 1918]


tusche oder schwarzer kreide auf weisz papier zu farbigem papier sich steigern Göthe II 1, 340 W.; ich hatte schon ... einige ausdrucksweise gewonnen, so dasz meine blätter wenigstens ordentlich weisz und schwarz wurden von stift und tusche G. Keller ges. w. 1 (1889) 230; (des graphikers empfangsraum war) mit reizenden chinesischen malereien in tusche und farbe geschmückt Th. Mann Faustus (1948) 574. vielfach charakterisiert ein attribut tusche als produkt Indiens oder Chinas: indianische tusche ... lat. atramentum indicum, siniticum, oder chinense, frz. encre de la Chine, wird uns in kleinen viereckigten oder langen stcken zugefhret, die hart und glatt, schwartz und glntzend ... sind Bürgel oec. u. phys. lex. 8 (1757) 2133; er (mein wahrsager) ist so ächt chinesisch als die beste chinesische tusche Brentano Valeria 12 Steig; der Berliner doktor ... wird hoffentlich nicht die schwärzeste chinesische tusche für unser kolorit verwenden W. Raabe s. w. I 6, 349 Klemm; und ihr (der welken blätter) bitterer geruch verbindet sich mit dem duft der sommerblumen zu dem dichten aroma echter chinesischer tusche (2. 8. 1907) Rilke br. 1906 -07 (1930) 301. als verbale wendung findet sich die tusche reiben 'die tafel- bzw. stangenförmig im umlauf befindliche, feste tusche zum malen anreiben': im übrigen lernte der schüler den garten pflegen, die pinsel waschen, die tusche reiben Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 183; als substantivierte zusammenrückung: das verdammte tuschereiben kostet mich auch noch einen weg Gottsched dt. schaubühne 4 (1748) 292.
B. in besonderer einzelanwendung.
1) im vergleich: wie die schauspieler nur die lettern, nur die trocknen tuschen sind, womit der theaterdichter seine ideale auf das theater malet J. Paul s. w. 45 (1827) 93 Reimer.
2) in anschlusz an frz. touche vereinzelt auch 'farbgebung, art farbiger (bzw. schattierender) gestaltung': nicht weniger glückten ihm (Georg Melchior Kraus) landschaftliche zeichnungen, die sich durch reinliche umrisse, massenhafte (plastisch wirkende) tusche, angenehmes colorit dem auge freundlich empfahlen Göthe IV 21, 168 W.
3) gelegentlich auch für die (schattierend aufgetragene) farbe als bildwert: es fehlt (bei der skizze) so sehr an jedem überlegten hinsetzen der formen und tuschen (14. 9. 1878) G. Keller br. u. tageb. 3, 259 Erm.; ähnlich: die starken federstriche und breiten tuschen erschienen auf den kleineren bruchstücken (der zerschnittenen kartons) doppelt grosz ders., ges. w. 3 (1889) 75. metaphorisch: die gladiolen neigen zu farben, die destillierten charakter tragen, und hinter der leuchtkraft ihrer rein ausgezogenen tuschen tritt der lebensstoff der blüte fast zurück qu. v. j. 1949.
4) 'farbton, färbung' in freierer anwendung (zu 1tuschen B 1):

sie (das badende mädchen) stuzt und Blondel sieht des krpers leichte tusche
sogleich zur rosenglut geschrekter schaam erhht
F. Müller Richard Löwenherz (1790) 177.


C. komposita. tusche als 1. kompositionsglied tritt erst in neuerem sprachgebrauch auf, gelegentlich für ältere zusammensetzungen mit dem verbalstamm tusch- (s. a. a. o.) eintretend: tuscheschale, f. , wie tuschschale (s. dort): denn der ältere bruder verliesz eines tages das institut, ... ausgerüstet mit pinsel, tuscheschale und zwei, drei büchern Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 177. — -zeichnung, f. , wie tuschzeichnung (s. dort): autotypie ... verfahren zur zerlegung der vollen töne photographischer aufnahmen, sie mögen nach der natur, nach tusche- oder gemischten zeichnungen, oelgemälden etc. gemacht sein, in feine punkte Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 632.
 
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tusche, f., mundartlich für 'prügel', s. u. 3tuschen u. vgl. steir. tutsch stosz Unger-Khull 181, sowie 3tuscher.
 
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tuschelei, f., nominalbildung zu tuscheln; gelegentlich statt des üblicheren getuschel: wenn es jemanden ... gab, der Hoppenmarieken in ihren schlichen und

[Bd. 22, Sp. 1919]


wegen nachgehen oder doch ihr treiben auf der landstrasze, ihre begegnungen und tuscheleien beobachten konnte, so war es eben Hanne Fontane ges. w. I 1 (1905) 289; der mann begnügte sich ... damit, das gerücht als durchaus unbegründet zu bezeichnen, und die tuscheleien über die 'vergangenheit' seiner frau verstummten denn auch tägl. rundschau (1899) nr. 165; vereinzelt auch mundartlich bezeugt: tuschelei Leithäuser Barmen 161.

 

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