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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tusch bis tuschezeichnung (Bd. 22, Sp. 1913 bis 1918)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tusch, m. , fanfarenartiger, musikalischer festgrusz; rückbildung des 18. jhs. aus 3tuschen (2) 'dröhnend stoszen', wohl unter einwirkung des frz. touche 'anschlag auf einem instrument' aufgekommen; tusch ist zunächst ausschlieszlich auf südostdt. sprachgebiet nachweisbar (1759 bei Kagerer, s. u. 1 a, 1770 bei Mozart br. 1, 25 Sch. und wenig später bei Miller, s. u.; 1815 von Höfer als in Österreich übliches wort verzeichnet, österr. ma. 3, 247; Wedekind s lied 'der krambambulist', dessen schluszstrophe [s. u. 1 a] tusch in weite kreise trug, erschien 1745 in Halledie verlagsbezeichnung 'Danzig' ist fingiertnach einem mehrjährigen aufenthalt des verfassers in Altdorf bei Nürnberg und in Regensburg, wo er als Niedersachse das wort wohl kennengelernt hat, s. Deneke Koromandel- Wedekind [1922] 17-20, 28, 43 u. 80; s. auch Loritza Wien [1847] 37 s. v. duschen; Schranka Wien 175; Lexer kärnt. 79; Schöpf tirol. 777 f.; Schröer beitr. z. dt. ma. d. ungr. bergl. 48 u. Schmeller bair. 1, 628) und von dort in die dt. schriftsprache, vereinzelt auch in andere maa. gedrungen (s. Brendicke Berlin 185; Müller-Fraureuth obers. 2, 766; Rovenhagen Aachen 149; Meisinger Rappenau 218; bad. wb. 1, 616 u. Fischer schwäb. 2, 514). aus dem südostdt. wurde tusch ins ungarische (tus, s. Bározi magyar szófejtö szótár [1941] u. Lumtzer-Melich dt. ortsnamen u. lehnwörter d. ungar. sprachschatzes [1900] 258) und slavische entlehnt (obersorb. tuš, tschech. tuš, poln. tusz, russ.

[Bd. 22, Sp. 1914]


tuš, s. Bielfeldt d. dt. lehnw. i. obersorb. [1933] 279; die unursprünglichkeit und den lehnwortcharakter der slav. formen bestätigen auch Wick die slav. lehnwörter 60, diss. Marburg 1939, u. Vasmer in: zs. f. slav. phil. 19, 1 [1944] 451), sowie über die schriftsprache ins dän. u. schwed. (tusch, s. Falk-Torp 1300 u. Hellquist 31247).
1) fanfarenartiger, musikalischer festgrusz bzw. feierliches signal dieser art schlechthin. im allg. das 'hinausschmettern' einer tonika, als akkord oder sich steigernde tonfolge.
a) von schmetternden trompetenstöszen bzw. dem ähnlichen schall anderer blasinstrumente (vgl. DWB trompetentusch teil 11, 1, 2, sp. 844) und anschwellendem trommelod. paukenwirbel, insbesondere als feiernde musik zu einem hoch (vgl. 3tuschieren): hinter den hecken stunden vier bauren mit zwo posaunen und zwo zinken ... wenn eine hohe gesundheit ausgebracht wurde, so musten sie auf den wink der amtmännin dusch machen Miller Siegwart (21777) 340; ich ... vernahm im bette trommel, tusch und vivat (beim polterabend) (1834) Wilh. Grimm an Lachmann in: briefw. 2, 876 Leitzmann; in der ferne hört man einen tusch von kriegerischen instrumenten und das geschrei: 'hoch die Welfen' Immermann w. 17, 253 Hempel; bzw. zur begrüszung:

sobald nun der fürst ist in d'kirchen eintreten,
da habens glei an tusch g'macht mit pauken und trometen (1759)
J. M. Kagerer (Salzburg!) in: hist. volksl. u. zeitged. 3, 17 Hartmann;

mit schmetterndem tusch wurde das paar empfangen Laube ges. schr. (1875) 15, 172; unter einem ... weitschallenden tusch der trompeten und hörner (begrüszten) die ... studenten ... ihre universität W. Raabe s. w. I 4, 371 Klemm; umgeben von trommlern, pfeifern und anderen musikanten, giebt er mit einem ungeheuren tusch dem feinde auf den höhen gegenüber den ersten grusz Herman Grimm Michelangelo (1890) 2, 81; sowie als feierlicher schluszakkord: bei dem schluszworte 'gloria!' fallen pauken und trompeten mit einem tusche ein Brentano ges. schr. (1852) 7, 320; und endlich (tanzen) die läufer ihren besondern ehrentanz, der immer mit einem tusch schlieszt Böhme gesch. d. tanzes (1886) 192.
oder auch als achtunggebietendes zeichen schlechthin:

das horn erklingt, die zinke schallt;
Mark' spricht, nachdem der tusch verhallt
Immermann w. 13, 273 Hempel;

der graf setzte ihm, nachdem er die waffen über die seite geschleudert, unter einem dreifachen tusch der trompeten, den fusz auf die brust H. v. Kleist w. 3, 411 E. Schmidt;

hörst du schmettern schon den tusch?
tritt ihn an — den reigen
Pichler neue marksteine (1890) 107;

mitunter tritt tusch als elliptischeran die kapelle gerichteterimperativ auf:

tusch! vivat dem krambambuli!
Wedekind der krambambulist (1745) bei
Deneke Koromandel-Wedekind 80 (s. o.);

da wird gedeckt!
ein tusch für den, der das geordnet hat
...
... laszt blasen, dasz die hörner springen!
Hebbel w. 4, 147 Werner;

pauken und posaunen, allgemeiner tusch! W. Raabe Abu Telfan (1870) 2, 6; als feste wendung findet sich (einen, den) tusch blasen (s. auch unter 2 b u. vgl. die zusammenrückung tuschblasen): alle augenblicke wurde tusch geblasen Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 138;

wir blasen tusch
und rufen: 'es lebe der könig!'
Heine s. w. 2, 437 Elster;

die regimentsmusik blies einen schmetternden tusch Kahlenberg familie Barchwitz (1902) 212.
b) gelegentlich auch von anderen instrumentalklängen ähnlicher art: wozu Michaly einen tusch geigte Brentano ges. schr. (1852) 4, 261 (ebda 5, 209 auch von der orgel); vivat das hohe brautpaar, schrien sie jubelnd ... und der

[Bd. 22, Sp. 1915]


dudelsack schnurrte wieder einen tusch dazu Eichendorff s. w. (1864) 3, 421; das klingen der gläser und der zuruf der verschiedenen stimmen wurden noch übertönt durch einen stürmischen tusch, den ein junger virtuos auf dem flügel improvisirte P. Heyse ges. w., neue serie 3 (1892) 273 (im paradiese 1).
2) metaphorisch in verschiedener (an 1 a anschlieszender) einzelanwendung.
a) bildlich: Schlegels triumphbogen hat in vielen gegenden den allervollständigsten erfolg gehabt, der sich denken läszt ... denn es ist doch wahrlich eine ehrenpforte, tusch und trompetenstosz des witzes (23. 1. 1801) Caroline Schlegel in: Caroline 2, 32 Waitz-Schmidt; in halbkonkreter anwendung: die hasen in der kiste trommelten einen tusch Holtei erz. schr. 11 (1862) 347 (s. auch 26 [1862] 224); mein vöglein ... schmettert mit tusch ein lebehoch (11. 7. 1853) Pückler briefw. u. tageb. 6 (1874) 186.
b) übertragen; von feierlicher, schallender rede: tusch jeblasen kriegen vorwürfe bekommen Brendicke Berlin 185, vgl. etwa die redensart: eine standpauke gehalten kriegen. vereinzelt auch im sinne von 'leerer schall, nichts': da is mərə~ schönə' tusch übə' blibm bei Schmeller bair. 1, 628; des is weiter ka' tusch ... das ist ja nur eine kleinigkeit Hügel Wien 168; in Wien auch in der bedeutung 'überraschung' nachweisbar: des wr a tusch Jakob 198.
 
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tusch, m., rückbildung des 18. jhs. aus 1tuschieren (s. dort, sowie D. Nichtenhauser rückbild. i. nhd., diss. Freiburg 1920, 20), die bis zum beginn des 20. jhs. in der studentensprache geläufig ist; gelegentlich auch in frz. schreibung nachweisbar, unmittelbar auf das nicht bedeutungsgleiche frz. touche bezogen, s. Kluge dt. studentenspr. 130. 'herausfordernde beleidigung': ist das ein tusch? herr, ich habe meinen studentendegen noch Joh. Wetzel sat. erz. (1777) 1, 96;

Breitensprach (student): ha, ungeheurer tusch!
van Swieten (student): nichts da von tusch!
ein weib sprach jene worte ...
Immermann w. 16, 382 Hempel;

meiner ehre widerfuhr da in meinem gewissen so wenig ein tusch, dasz sie vielmehr aus jeder handgreiflichen affaire noch reiner und glänzender hervorging B. Goltz buch der kindheit (1854) 55; mit der vollzogenen mensur aber war die beleidigung ausgelöscht, die satisfaktion gegeben, wie es das lied besagt:

'hat ein schmisz gesessen,
ist der tusch vergessen'
Kuszmaul jugenderinn. (1899) 140,

ebenso in: tägl. rundschau 1902, nr. 347, hauptbl. 1a; als feste wendung findet sich für tusch nehmen 'als beleidigung auffassen': habe er meinen schweif berührt, so müsse ich das für tusch nehmen E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 238 Grisebach; auch das (etwas) ist tusch 'es ist eine herausfordernde beleidigung': ich verbitte mir auch alle übrigen anzüglichkeiten ... als sei ich eine sonderbare idee, und 'sonderbar' ist tusch (18. 6. 1823) Heine br. 1, 107 Daffis; das war tusch, rief Muzius zornig aus E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 238 Grisebach; doch kommt es ihnen (anrede) ... gut, dasz ich kein student bin, bei welchen das sonderbarfinden tusch ist und mit einer forderung beantwortet wird (9. 11. 1860) G. Keller br. u. tageb. 2, 516 Erm.; so auch berlinisch: det war tusch, wat de jrinefiest sagte das war eine stichelei Brendicke 185.
 
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tusch, m. , maskuline nebenform zu 1tusche (s. dort u. vgl. die aus dem dt. entlehnte dän.-schwed. form tusch), die sich im sprachgebrauch nicht allgemein durchgesetzt hat; auch mundartlich nur vereinzelt nachweisbar: tuš Meinherz ma. d. Bündnerherrsch. 53; 126; 133; tušš Enderlin ma. v. Kesswil 114; tusch Schmeller bair. 1, 628; Rovenhagen Aachen 149. von älteren wörterbüchern gelegentlich nebeneinander gebucht: tusch, oder indianische tusche Bürgel oec. u. phys. lex. 8 (1757) 21; ebenso bei

[Bd. 22, Sp. 1916]


Helfft (s. u. 1); vereinzelt mit anlautender lenis (vgl. DWB duschen neben 1tuschen): der schwarze chinesische dusch Sulzer allg. theorie d. schönen künste 1 (1771) 286; so noch im straszburgischen Schmidt 30.
1) wie tusche A 1: tusch oder tusche ist mit gummi versetzte farbe, die zum illuminiren der zeichnungen gebraucht wird J. J. Helfft encycl. wb. d. landbaukunst (1836) 376b; tusch, gewöhnlich in allen farben, jedoch hat eig. nur der schwarze chinesische diesen namen Wiedemann encycl. handlex. (1864) 632.
2) wie tusche A 2: tusch, atramentum siniticum, oder chinense, wird einiger meynung nach aus einer schwartzen hartzigen erde, oder aus dem rusz oder rauch von baumoehl verfertiget Hübner natur- kunst- gewerck- u. handlungs-lex. (1712) 1296; tusch ist eine schwartze farbe, der man sich bedienet, die zeichnungen auf einem weissen papier damit in schatten und licht zu setzen allg. oec. lex. (1731) 2481; (eine abhandlung,) wie man solche (risse) ... mit ... tusch ... aufreissen ... soll allg. dt. bibl. 5, 2 (1767) 166; in tusch und sepia, mit pinsel und rabenfeder pflegten wir figuren und bäume sauber nachzubilden J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 166; in neuerem sprachgebrauch vereinzelt noch obd. (s. auch Martin-Lienhart elsäss. 2, 723; bad wb. 1, 616; Fischer schwäb. 2, 514; Schmeller bair. 1, 628 s. v. tusch, sowie Schmidt Straszburg a. a. o.): ich schreibe diesen brief bei Leemann und das tintenfasz ist eine grosze waschschüssel, in welcher ich ein wenig tusch angerieben habe (21. 12. 1840) G. Keller br. u. tageb. 2, 35 Erm.; ferner brauche ich ... 3 oder 4 pinseln zum malen und ein stangel schwarzen tusch (10. 9. 1807) Grillparzer in: jahrb. d. Grillparzerges. 1, 5.
3) wie tusche B 4:

bald ruht es (das auge) liebevoll auf ihren schwarzen augen,
die sanftgeschweift der tusch der augenbraun umzieht
F. A. Müller Richard Löwenherz (1790) 136.

bildlich, im sinne von 'klangfarbe': es (die melodika) ist also ein instrument, womit man nur färben, aber nie neue melodien schaffen kann; herrlicher tusch, ohne rücksicht auf gute zeichnung C. D. Schubart ges. schr. (1839) 5, 297.
 
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tusch, interj., mnd. tus, tusch Schiller-Lübben 4, 633; dän. tys(s) und schwed. tyst Falk-Torp 760 s. v. neddysse, zum schweigen auffordernder, bzw. beschwichtigender zuruf, vielleicht als erstarrter imperativ von tuschen bzw. dusen 'sich still verhalten' aufzufassen, vgl. dusch (la. tusch), mündlin kusch Oswald v. Wolkenstein 37, 85 Schatz; schweig, thuss, bis still Keisersberg postill 1 (1522) 28b; s. auch unter 2tuschen und vgl. die von Hellquist 3 1259 und Falk - Torp 1310 sowie von Walde-Pokorny 1, 714 s. v. 2teus- angeführten formen der weiteren idg. verwandtschaft. das unterbleiben der lautverschiebung erklärt sich aus dem lautmalenden charakter des wortes. — 'still! pst! nur ruhig!': tsz st!, tacete Decimator thes. (1608) 1266;

tüss, tüss! leve jungfer brut qu. v. 1661 in: nd. jb. 53, 96;

tusch! tusch! silentium! modestia! Aler dict. (1727) 2, 1929; tuss oder tusse! ... st! still! brem.-nieders. wb. 5 (1771) 134;

tusch! sie bemerkt uns!
J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 101;

tss, jungmann, tss! wat sall dat hsebsen (unruhige getriebe)! Schütze holst. 4 (1806) 290; tusch! sei still! qu. v. ca. 1819 bei Müller-Fraureuth obers. 1, 269; so noch vereinzelt in moderner mundart, s. Mensing schlesw.-holst. 5, 208 s. v. tüss, sowie im wb. der Elberfelder ma. 166 s. v. tuschen.
 
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tusch, vereinzelt bezeugte kurzform von Dorothea:

Ann, Trihn, Greth, Tusch und Busch (Barbara, s. Frischbier
pr. 1, 54), ich will mich schon bequehmen,
euch alle fnff', und auf ein mahl zu nehmen
M. Kongehl Andromeda (1695) 45;

Schulte Tusch, du trûtste popp! bei Frischbier pr. 2, 416.

[Bd. 22, Sp. 1917]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tuscharbeit, f. , kompositum zu 1tuschen.
a) die tätigkeit des (tusch-)malens; (tusch-)malerei: hierauf kan man zur tusch und pinsel-arbeit schreiten H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 16a; gewöhnlich werden tuscharbeiten einfarbig ausgeführt, meist schwarz mit chinesischer tusche Meyers konv.-lex. 19 (1908) 841.
b) '(tusch-)zeichnung': ... nahm jener anlasz, sich scherzhaft gegen Konstanze wegen der vorenthaltenen (nicht gezeigten) tuscharbeit zu beschweren Mörike w. 22, 76 Maync.
 
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tuschbad, n., vereinzelt in älterer sprache statt des jetzt üblichen dusche (s. auch die belege bei Schulz dt. fremdwb. 1, 160 u. über die roman. grundlage des ersten kompositionsgliedes bei Gamillscheg etym. wb. 323 s. v. douche): das auf Starckens anrathen gebrauchte tuschbad (10. 8. 1805) Göthe IV 19, 34 W.; und mag nun die unzeitige anwendung des kalten tuschbades bei einem zarten, eben sehr erhitzten körper ... die ursache der lähmung geworden sein G. H. v. Schubert erz. (1843) 1, 4.
 
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tuschbild, n., wie tuscharbeit (b): schwarze kupferstiche und tuschbilder entsprechen einem edleren ... geschmack als kolorirte kupfer Schopenhauer w. 5, 448 Grisebach; er (Mokuan) ist der erste Japaner, der tuschbilder im geiste der groszen Zen-maler der Süd-Sung-zeit malt ausstellg. altjapan. kunst (1939), katal. 98.
 
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tuschblasen, n., substantivierte zusammenrückung der verbalen wendung tusch blasen (s. unter 1tusch): die musik fiel mit schmetterndem tuschblasen ein Gutzkow zauberer v. Rom 8 (1860) 53, s. auch ebda 6, 158; die husaren hatten ihre trompeter auch da, und da die meisten betrunken waren, so gab das ein tuschblasen und eine musik, dasz sich die engel im himmel darüber hätten erbarmen mögen L. E. Grimm erinn. a. m. leben (1911) 190 Stoll.
 
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tuschblau, adj., vereinzelt gebuchte adjektivkomposition: tuschblau le bleu de lavis Schaffer dt.-frz. 2, 3 (1838) 392; tuschblau ... blue colour in tablets, bleu ... à lavis Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 783.
 
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tusche, f. , tuschfarbe; postverbale bildung des 18. jhs. zu 1tuschen, s. dort, sowie bei Dora Nichtenhauser rückbild. i. nhd., diss. Freiburg 1920, 20. vermutlich aus der verbalen komposition tusch-farbe als nominale kurzform rückgebildet, wobei wohl das sinnverwandte frz. touche mitgewirkt hat, vgl. tusch-farbe, DWB tusche f. colore Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164b, ähnlich bei Ludwig teutschengl. (1716) s. u. DWB A 1; die modernen slav. formen (tschech. tuš, poln. tusz, russ. tuš, bulg. tuš) u. ungar. tus mögen unmittelbar aus dem frz. entlehnt sein, falls sie nichtwie Lumtzer-Melich (1900) 258 für das ungarische angibtan die maskuline kurzform 3tusch (s. dort) anschlieszen.mundartlich erscheint vereinzelt die apokopierte form tusch (fem.): Mensing schlesw.-holst. 5, 185; Müller Reuterlex. 141; luxemb. ma. 446; Follmann lothr. 114; und das diminutivum tüschche (n.) Hönig Köln 183.
A. farbtechnische bezeichnung. zur sachgesch. s. J. Meder d. handzeichnung, ihre technik u. entwicklung (1923) 64 ff.
1) allg. für jede als zeichen- bzw. schreibstoff verwendete farbe: tusch-farbe oder tusche (die) a painter's dawbing colours Ludwig teutsch-engl. (1716) 2042; tusche ist mit gummi versetzte farbe, die zum illuminiren der zeichnungen gebraucht wird J. J. Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 376b; die tusche ist im allgemeinen jede wasserfarbe Schönermark-Stüber hochbau-lex. (1902) 850.
2) insbesondere für einen tintenähnlichen, in speziellem technischem verfahren hergestellten (s. Brockhaus 18 [1934] 703 s. v. tinte) schwarzen farbstoff; diese bedeutung wirddem verbum entsprechend (s. u. DWB tuschen A) — früh vorherrschend; bereits Adelung erklärt: tusche ... ein nahme, welchen ehedem alle trockne farben ... geführet zu haben scheinen. jetzt ist es nur noch von einer schwarzen festen farbe üblich, welche ... auch chinesische dinte genannt wird 4 (1780) 1107; dem entspricht der literarische gebrauch: man darf nur täglich beobachten, wie zeichenlustige von

[Bd. 22, Sp. 1918]


tusche oder schwarzer kreide auf weisz papier zu farbigem papier sich steigern Göthe II 1, 340 W.; ich hatte schon ... einige ausdrucksweise gewonnen, so dasz meine blätter wenigstens ordentlich weisz und schwarz wurden von stift und tusche G. Keller ges. w. 1 (1889) 230; (des graphikers empfangsraum war) mit reizenden chinesischen malereien in tusche und farbe geschmückt Th. Mann Faustus (1948) 574. vielfach charakterisiert ein attribut tusche als produkt Indiens oder Chinas: indianische tusche ... lat. atramentum indicum, siniticum, oder chinense, frz. encre de la Chine, wird uns in kleinen viereckigten oder langen stcken zugefhret, die hart und glatt, schwartz und glntzend ... sind Bürgel oec. u. phys. lex. 8 (1757) 2133; er (mein wahrsager) ist so ächt chinesisch als die beste chinesische tusche Brentano Valeria 12 Steig; der Berliner doktor ... wird hoffentlich nicht die schwärzeste chinesische tusche für unser kolorit verwenden W. Raabe s. w. I 6, 349 Klemm; und ihr (der welken blätter) bitterer geruch verbindet sich mit dem duft der sommerblumen zu dem dichten aroma echter chinesischer tusche (2. 8. 1907) Rilke br. 1906 -07 (1930) 301. als verbale wendung findet sich die tusche reiben 'die tafel- bzw. stangenförmig im umlauf befindliche, feste tusche zum malen anreiben': im übrigen lernte der schüler den garten pflegen, die pinsel waschen, die tusche reiben Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 183; als substantivierte zusammenrückung: das verdammte tuschereiben kostet mich auch noch einen weg Gottsched dt. schaubühne 4 (1748) 292.
B. in besonderer einzelanwendung.
1) im vergleich: wie die schauspieler nur die lettern, nur die trocknen tuschen sind, womit der theaterdichter seine ideale auf das theater malet J. Paul s. w. 45 (1827) 93 Reimer.
2) in anschlusz an frz. touche vereinzelt auch 'farbgebung, art farbiger (bzw. schattierender) gestaltung': nicht weniger glückten ihm (Georg Melchior Kraus) landschaftliche zeichnungen, die sich durch reinliche umrisse, massenhafte (plastisch wirkende) tusche, angenehmes colorit dem auge freundlich empfahlen Göthe IV 21, 168 W.
3) gelegentlich auch für die (schattierend aufgetragene) farbe als bildwert: es fehlt (bei der skizze) so sehr an jedem überlegten hinsetzen der formen und tuschen (14. 9. 1878) G. Keller br. u. tageb. 3, 259 Erm.; ähnlich: die starken federstriche und breiten tuschen erschienen auf den kleineren bruchstücken (der zerschnittenen kartons) doppelt grosz ders., ges. w. 3 (1889) 75. metaphorisch: die gladiolen neigen zu farben, die destillierten charakter tragen, und hinter der leuchtkraft ihrer rein ausgezogenen tuschen tritt der lebensstoff der blüte fast zurück qu. v. j. 1949.
4) 'farbton, färbung' in freierer anwendung (zu 1tuschen B 1):

sie (das badende mädchen) stuzt und Blondel sieht des krpers leichte tusche
sogleich zur rosenglut geschrekter schaam erhht
F. Müller Richard Löwenherz (1790) 177.


C. komposita. tusche als 1. kompositionsglied tritt erst in neuerem sprachgebrauch auf, gelegentlich für ältere zusammensetzungen mit dem verbalstamm tusch- (s. a. a. o.) eintretend: tuscheschale, f. , wie tuschschale (s. dort): denn der ältere bruder verliesz eines tages das institut, ... ausgerüstet mit pinsel, tuscheschale und zwei, drei büchern Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 177. — -zeichnung, f. , wie tuschzeichnung (s. dort): autotypie ... verfahren zur zerlegung der vollen töne photographischer aufnahmen, sie mögen nach der natur, nach tusche- oder gemischten zeichnungen, oelgemälden etc. gemacht sein, in feine punkte Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 1, 632.

 

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