Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
turnvater bis turren (Bd. 22, Sp. 1900 bis 1902)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turnvater, m., ehrende bezeichnung

[Bd. 22, Sp. 1901]


für Fr. L. Jahn als schöpfer der turnkunst (s. auch dt. wortgesch. 2 [1943] 278 Maurer-Stroh): die deutsche jugend ehrte den turnvater ... durch unentwegte verehrung Euler in: Fr. L. Jahn w. 1, xxiv Euler; er (Maszmann) gehörte zu den ältesten und besten schülern des turnvaters Jahn W. Scherer kl. schr. (1893) 1, 83. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnverein, m., turnerischer verband, turnvereinigung (s. auch dt. wortgesch. 2 [1943] 342 u. 348 Maurer-Stroh): hier möchte ich einfügen, dasz mit beginn der sechziger jahre neben der massenhaften gründung von arbeitervereinen auch die massenhafte gründung von turn- und schützenvereinen vorgenommen wurde, die in der nationalen bewegung jener tage eine grosze rolle spielten Bebel aus meinem leben (1946) 1, 125; zur einführung der chorreigen könnten vor allem unsere im volke so beliebten, trefflich dastehenden turnvereine viel beitragen Böhme gesch. d. tanzes (1886) 319; es bestehen da auszer dem Alpen- und den gesellenvereinen auch ein gartenbauverein ..., ein turnverein Steub drei sommer i. Tirol (1895) 2, 168; gestern nachmittag unternahmen die mitglieder des turnvereins einen gröszeren turnmarsch, dessen endziel Levenhagen war Greifswalder zeitg. (1902) 282; einige jahre nach der gründung des turnvereins ging aus seinem schosz der schützenverein hervor E. v. Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas (21920) 263. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnwart, m., leiter des turnbetriebes (s. auch die belege bei Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 [1942] 115): ein vorsteher einer turnanstalt (turnwart) übernimmt eine hohe verpflichtung Fr. L. Jahn d. dt. turnkunst (1816) in: w. 2, 1, 113 Euler; anmeldung des groszpapa bei dem turnwart zum voltigiren (überschrift) Körner w. 4, 264 Hempel; später wurde ich turnwart des vereins und hatte dann immer sechzig bis siebzig mann unter meinem kommando Heinr. Seidel v. Berlin n. Berlin (1895) 257; die abteilung turnt mittwoch und sonnabend von 7 bis 9 uhr unter leitung des bewährten turnwarts Paul tägl. rundsch. (1901) 293. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnwesen, n., das turnen in der gesamtheit seiner übungszweige, einrichtungen, materiellen und geistigen grundlagen: die seele des turnwesens ist das volksleben (7. 11. 1815) Fr. L. Jahn br. 64 Meyer; darf ich noch einen wunsch äuszern, so ist es der: dasz ich wünsche jenen aufsatz über das turnwesen einzusehen (31. 3. 1818) Göthe IV 29, 119 W.; die verjagten aus Teutschland haben das turnwesen unter sie (die Züricher) gebracht (3. 7. 1820) Görres ges. schr. 7 (1858) 185; der ausschusz der Berliner turngaue hat bei den städtischen behörden beantragt, eine der neuen Berliner straszen zur erinnerung an den langjährigen verdienten leiter des städtischen turnwesens Angersteinstrasze zu nennen tägl. rundsch. (1906) 468; als terminus der fachliteratur: monatsschrift für das turnwesen jg. 6 (Berlin 1887) Euler-Eckler; handbuch des gesamten turnwesens Gasch (21928) titel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnzeitung, f., zeitung des turnwesens: turn-zeitung (1846) titel in: Fr. L. Jahn w. 2, 2, 914 Euler; F. Voigt deutsche turnzeitung (1874) titel; über die verschiedenen universitäts-carcer plaudert dr. Otto Knörk in der 'akademischen turnzeitung' Nord-Ostseezeitg. (1900) 57; die 'nord-amerikanische turnzeitung' glaubt diese gefahr (für dt. sprache und gesittung) weit wegweisen zu können tägl. rundsch. (1905) 295. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turnzeug, n. 1) turngerät, s. auch die belege bei Zeidler d. dt. turnspr. bis 1819 (1942) 115 sowie unter turngerät: das notwendigste turnzeug für achtzig turner: springel ..., springstangen, 1 springgraben, recke ..., barren ... Fr. L. Jahn d. dt. turnkunst (1816) in: w. 2, 1, 113 Euler; die grösze des turnplatzes richtet sich nach der anzahl der turnenden und des turnzeuges, das man für sie braucht Maszmann d. öffentl. turnanstalt zu München (1838) 37; im burghof ist eine schieszstätte aufgeschlagen und allerlei turnzeug für die freiwillige feuerwehr von Rattenberg Steub drei sommer i. Tirol (1895) 1, 95. 2) turnkleidung: sodann trat eine turnerschaar aus den burschen zusammen und turnte, ... fast alle in turnzeug Maszmann burschenfest auf d. Wartburg (1819) 21; drndsǖg turnbekleidung bad. wb. 1, 614.

[Bd. 22, Sp. 1902]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) turolt, thurold, mit abschwächung der endsilbe auch turrelt, m., caseus, formadius, meta; über magy. turó (schon aus dem 14. jh. belegt und noch vor der landnahme der Ungarn aus dem turko-tatarischen entlehnt, s. Z. Gombocz d. bulgar.-türk. lehnw. i. d. ungar. spr. [1912] 133 u. ö. und Barczi magyar szofejtö szótár [1941]) auf tat. turak (dschagat. torak) 'geronnene milch, käse' zurückgehend, woraus auch sinnverwandtes quark über slav. tvarog entstanden ist, s. Miklosich etym. wb. d. slav. spr. 366 sowie Lokotsch etym. wb. d. europ. wörter oriental. urspr. 164; weiterer zusammenhang mit gr. τρός 'käse' und aw. tūiri 'käsig gewordene milch' ist kaum zu erweisen, s. Walde-Pokorny 1, 710 f.; Boisacq 992; Grimm gesch. d. dt. spr. 2, 1005; zfda. 7, 469 und Lidén, Kuhns zeitschr. 61, 9. — ins dt. entlehnt, erscheint das wortmit l-suffix und epithetischem t, möglicherweise die phonetische umschreibung oder volksetymologische deutung der fremdlautenden endung, s. auch Wilmanns dt. gr. 2, 269 (§ 210, 2) — vor allem in siebenbürgischen urkunden; es findet sich jedoch auch in vokabularien des 15. u. 16. jhs.: formadius turolt vel zyger ('molkenkäse', s. zieger teil 15, sp. 930) voc. (1474) 185a bei Lexer 2, 1586; ebenso bei Diefenbach (voc. rer. 15. jh.): formadius twarek, twrolt gl. 243a; item pro caseo turrelt flor. 1 asp. 12 (Törzburger castellansrechng. 1504) qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 1, 88 u. ö. (s. d. stellenang. im reg. 768); meta, caseus ad formam mete factus ein thurold Trochus voc. (1517) Q 1b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
türpel, m., türschwelle, s. teil 2, sp. 1301 s. v. dorpel, sowie bei K. v. Bahder z. wortwahl i. d. frühnhd. schriftspr. (1925) 71 anm.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
türpel, m., tölpel, s. teil 2, sp. 1301 s. v. dörpel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
tur(r), interj., lautmalendes klangwort, in verschiedener anwendung:

turr! da flog die ganze schaar
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 2, 276;

als geräuschbezeichnung für eine langsam-schleppende bewegung von Mensing schlesw.-holst. 5, 184 bezeugt, vgl. 3turren; auch wiedergabe des taubenrufes, s. u. 1turren.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
turren, vb., zu der lautmalenden bezeichnung des taubenrufes tur tur (s. zs. f. dt. wortforschg. 11, 176 u. Brehm tierl. 5, 422 P.-L.) gebildet; vereinzelt neben dem üblicheren gurren und turteln (s. dort): turren 'tortorare, gemire come la tortorella' Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1164a, ebda auch turtelen u. girren; turren, turteln 'kirren, korren als de duiven, treuren' Kramer-Moerbeek 2 (1768) 349c; vereinzelt mundartlich bezeugt: turren gurren Mensing schlesw.-holst. 5, 184; für Mecklenburg von Wossidlo mecklenb. volksüberlief. 2, 1 (1899) 44 verzeichnet: kurren, gurren, girren, turren, turken.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: